Eine blutrote Woche für die Evergrande Gruppe

Eine blutrote Woche liegt hinter der Evergrande Gruppe. Die Ereignisse überschlugen sich und die Frage, ob Evergrande zu groß ist um zu stürzen, stand im Raum. Vielleicht sollte die konkrete Frage lauten, ob irgendwer ein Interesse daran hat die Gruppe zu fällen. Denn danach sieht es aktuell nicht aus. Und liest man zwischen den Zeilen, dann entdeckt man das ein oder andere interessante Detail.

Produktion bei Evergrande Auto

Der Gegenwind in dieser Woche war heftig. Einige Banken verweigerten Käufern die Finanzierung von noch nicht komplett fertig gestellten Evergrande Projekten. Ein Gericht fror Guthaben ein und der Verkauf von zwei Objekten wurde von staatlicher Aufsicht untersagt. Die Begründung: Verkauf unter Erstellungswert.

Die Frage, wohin die Entwicklung führen könnte, kann man kaum beantworten. Fest steht, die Administration wünscht sich eine schlankere Gruppe, die von der Schuldenlast befreit sich auf ihre Kernkompetenz fokussiert.

Staatlich geführte Medien formulierten entsprechend. Peking hat Evergrande gebeten diese Krise möglichst rasch zu lösen und es scheint, dass man zusätzliche Markierungen setzt. Die Anleihen von Evergrande stehen unter starkem Druck, diese Woche waren sie nur mit hohen Abschlägen von 50 und mehr Prozent zu verkaufen. Um dem ein Signal entgegenzusetzen, bewertet die CCXI (Chengxin International Credit Rating) die 2023 Anleihen mit AAA, dem höchsten möglichem Wert. Die Entscheidung mag Beobachter irritieren, denn die CCXI führt die Evergrande Gruppe auf ihrer Beobachtungsliste.

Wer dahinter Politik sieht, wird richtig liegen. Die CCXI wurde 1992 gegründet und wird von China als politisches Werkzeug gegenüber den US Ratingagenturen eingesetzt, die den Markt dominieren.

Tourismus Geschäft steht zur Disposition

Am Donnerstag erzielten die Evergrande Gruppe und die Guangfa Bank eine Einigung in dem Streit, der zur Festsetzung der Gelder am Wochenanfang geführt hatte. Außerdem kündigte Evergrande die Möglichkeit des Verkaufs des lukrativen Tourismus Geschäfts an. Evergrande ist auch in dieser Hinsicht ein Schwergewicht in China. Alleine 15 Themenparks für Kinder und Jugendliche (Evergrande Faryland) sind ab 2023 in Planung.

Für europäische Verhältnisse kaum zu begreifen ist das Evergrande Ocean Flower Projekt mit 58 Hotels, diversen Shopping Malls und Themenparks und 40 Kilometer Küstenlinie auf 381 Hektar. Es befindet sich in der Hainan Provinz wurde 2020 fertiggestellt.

Das Projekt soll 24 Milliarden US $ gekostet haben und ist nur ein Teil des prosperierenden Tourismus Geschäfts von Evergrande. Ein Verkauf der Tourismus Einheit könnte der Ansatz zur Problemlösung für die Gruppe sein.

Die Börse reagierte umgehend. Die Aktien von Evergrande (HK 3333) und Evergrande Auto (HK 0708) legten stark zu, gaben aber am Freitag die Gewinne wieder ab und gingen mit blutroten Verlusten aus der Woche.

Milliardärs Freunde von CEO Hui Kay Yan kaufen

Interessant ist, worüber diese Woche nicht berichtet wurde. Mineralwasser und das Milliarden-schwere Tourismus Geschäft stehen auf der Liste möglicher Verkäufe. Nicht zur Disposition scheint Evergrande Auto zu stehen. Über das Geschäft, das noch viele Milliarden verschlingen wird, bevor es den ersten Cent auf das Konto bucht, wurde geschwiegen.

Während die Anleihen von Evergrande mit Abschlägen von fast 50 % gehandelt werden, decken sich die Milliardärs Freunde damit ein. Die Asia Orient Holdings Ltd. von Hui Kay Yan Freund Poon Jing soll sich mit Papieren im Wert von ca. 1 Milliarde US $ eingedeckt haben. Vorwiegend sollen es Anleihen sein, die 2023 fällig werden. Die Wette auf die Anleihen ist riskant, kann aber hochgradig lukrativ sein.

Was besonders auffällt: Es sind stets die gleichen Namen, die rund um Evergrande, die auftauchen und das Unternehmen stützen, stellt Nigel Stevenson, Analyst bei GMT Resarch Ltd. in Hong Kong fest.

3 thoughts on “Eine blutrote Woche für die Evergrande Gruppe

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    Toll recherchiert und geschrieben. So viele Infos will ich erstmal sacken lassen und sortieren.

    Vielen Dank sage ich schon heute.

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    Kommunisten, die Milliarden vernichten und Milliarden generieren. Völlig verrückt und das auf höchstem Niveau. Ein Krimi über die komplette Woche!

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    Ein Krimi in bester SAAB-Manier!
    Es ist nicht auszuschließen das vielleicht nur auch mal der schnelle Yuan gemacht werden soll,….oder der kapitalistische Klassenfeind die Aktien schlecht bewertet um einen Konkurenten bereits im Ansatz zu schwächen bevor er so gefährlich wird wie Huawai für die Kommunikationsbranche. Solange Evergrande nur mit Immobilien in China spielt ist ja wenig Gefahr. Die Hengchi sind schnell wo hingeschifft, ..und das Tesla nicht alles richtig macht kann man ja diese Woche überall lesen.

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