Der beliebteste Klassiker in Schweden ist ein Saab

Ungeachtet der Corona Pandemie boomt das Geschäft mit antiken Automobilen weiterhin. Nicht nur in Deutschland, auch in Schweden läuft es rund. Zwar leidet die Szene unter der Absage von Messen und großen Events. Der Liebe zum alten Blech tut das aber keinen Abbruch. Jetzt stürzt ein Saab einen Volvo vom Thron des beliebtesten nationalen Klassikers. Folgt nun eine Saab Renaissance?

Saab 96 - beliebtester Klassiker in Schweden
Saab 96 – beliebtester Klassiker in Schweden

Saab 96 löst Volvo 120 (Amazon) ab

Das Portal Blocket.se veröffentlicht regelmäßig eine Liste der beliebtesten Klassiker. Im vergangenen Jahr führte der Volvo 120 (Amazon) die Ränge an. Dieses Jahr stürzt der Volvo auf Rang 8 ab, die Marke aus Trollhättan übernimmt. Der Saab 96 ist aktuell der beliebteste Klassiker im Land und der mit den kürzesten Standzeiten. Es sind nostalgische Gründe, sagt blocket.se, welche die Schweden zu Saab treiben. Viele sind mit Saab aufgewachsen und holen jetzt ihre Erinnerungen an die Kindheit und Jugend zurück.

Volvo 120 (Amazon) - rutscht ab auf Rang 8
Volvo 120 (Amazon) – rutscht ab auf Rang 8

Auf Rang zwei folgt der Volkswagen Käfer, der auch in Deutschland seit Jahren der Marktführer ist. Dahinter kommt endlich ein Volvo. Es ist der 142 und damit eine Limousine die von 1966 bis 1974 von den Bändern lief. Der Volvo ist der Neueinsteiger in diesem Jahr und ein Zeichen, dass sich ein Generationswechsel anbahnt. 142 statt Amazon, die Szene verjüngt sich. Auf den Plätzen 4 und 5 findet man den Chevrolet Bel Air (1955) und den Cadillac De Ville (1961). Sie stehen für die traditionelle Liebe der Schweden zum amerikanischen Blech.

Die Preise notieren niedrig

Blocket.se veröffentlicht auch die Durchschnittspreise, zu denen die beliebtesten Klassiker in Schweden gehandelt werden. Nach deutschen Maßstäben sind diese niedrig. Man muss aber beachten, dass Durchschnittsware mit Handlungsbedarf das Anzeigenportal dominiert. Spitzenexemplare aus der Restauration sind die Seltenheit.

Volvo 142, Neueinsteiger auf Rang 3
Volvo 142, Neueinsteiger auf Rang 3

Der Saab 96 wird mit durchschnittlich 29.500 Kronen gehandelt, was umgerechnet 2.900 € entspricht. Ein VW Käfer aus dem Jahr 1967 liegt bei 45.000 schwedischen Kronen (ca. 4.400 €) und ein Volvo 142 bei 30.000 Kronen (2.950 €). So attraktiv die Preise scheinen, so groß ist die Vorsicht, die geboten ist, wenn man einen Klassiker aus dem Norden holt.

Im Umgang mit der Karosserie beweisen die Schweden eine hohe Toleranz. Was auf den ersten Blick toll aussehen mag, entpuppt sich oft als Grab für viele € und als Langzeitbeschäftigung für den Karosseriebauer.

Mit Bildmaterial von Volvo Cars (2)

6 thoughts on “Der beliebteste Klassiker in Schweden ist ein Saab

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    Bei trockenem Wetter freue ich mich JEDEN Tag, meinen 96iger zu fahren, man ist damit beileibe kein Verkehrshindernis…
    Und die alten Ladies winken

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    Zum Volvo 142: Bei den Jungen trenden Limousinen. Papas SUV ist out. Genau so, wie Opis Familien Van. Das ist der Lauf der Zeit.

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      Es ist ein bisschen spezieller. Der 142 wird heute eher als ein klassisches, großes Coupe wahrgenommen, weniger als Limousine …

      Stünden junge Schweden auf Limousinen und 4-Türer, läge der 144 im Ranking vor dem 142. Es ist aber ja etwas anders …

      DIE schwedische Limousine dieser Zeit schlechthin wäre der Volvo 164. Von dem existieren aber mehrere Umbauten zum “162”, den es – abgesehen von einem einzigen Prototyp – nie gab.

      Es ist eine Art Sehnsuchtsphantasie schwedischer Jugendlicher und auch gereifter Männer, dass die eigene Automobilindustrie ja theoretisch 2-türige Autos gebaut haben könnte, die auf der Viertelmeile keinem Pony-Car nachstehen.

      Der Aufwand, der zum Beweis betrieben wird, ist teils grotesk. Wie gesagt, wird beispielsweise ein 142 mit einem 164 zum 162 fusioniert und anschließend ein ganzes Auto weggeschmissen.

      Wer es mit der Beweisführung weniger genau nimmt, schmeißt deren beide Motoren gleich mit weg und pflanzt fremde Fabrikate unter die Haube.

      Es gibt aber auch die penible Fraktion, welche die Beweisführung unbedingt mit dem originalen Motorblock erbringen möchte und dafür keinen Aufwand scheut.

      Beiden Fraktionen ist gemeinsam, dass sie am liebsten 2-türer nehmen, hätten und notfalls selbst schweißen. Mit einer Vorliebe für Limousinen hat das nur wenig zu tun …

      Da läuft ein ganz anderer und ganz eigener Film in Schweden …

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        Das ist eine spezielle, aber spannende Interpretation. 2-Türer als Limousine waren mal die Sparbrötchen unter den Limousinen. Die Möglichkeit, sie heute als Coupe zu sehen, ist nachvollziehbar. Mir gefällt der 142. Besser als der 164 übrigens. Der 142 ist cleaner 🙂

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          Sehe ich auch so …

          Um ehrlich zu sein, habe ich schon selbst damit geliebäugelt, meinen 164 zum 162 umzubauen …

          Die Seitenlinie ist viel schöner, “cleaner”, wie Sie sagen. Die Unterteilung von Fenstern und Türen ist bei 144 und 164 einfach zu kleinteilig, die B-Säule zu weit vorne, die vorderen Türen sind zu kurz, die hinteren zu lang. Beim 142 sieht alles viel, viel besser aus. Weniger ist eben manchmal mehr.

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    Das ist eine schöne Entwicklung. Sie hilft hoffentlich, viele Saab zu erhalten.

    Ein Problem sind die “jungen Wilden”, die vielen Scheuen, die langen Winter und die günstigen Einstiegspreise in S. Dazu noch ein gewisser Nationalstolz und die hohe Toleranz der Behörden und Versicherungen.

    Ich hoffe, dem 96 bleibt das Schicksal vieler Amazonen und Volvo 142 erspart, die teils grotesk umgebaut und getunt werden. In S ist es eine Art Volkssport, mit alten Schweden neueren dt. Fahrzeugen und US-Muscle Cars die Rücklichter zu zeigen.

    Diese Umbauten sind in D nicht zulassungsfähig und für die Oldtimer-Szene dauerhaft verloren.

    Der Volvo 142 war als nur 2-türige Limousine eigentlich und ursprünglich das billige Einstiegsmodell, bei dem man die Vordersitze umklappen musste, um auf die Rückbank zu kommen. Heute ist dessen Wahrnehmung durch die jungen Wilden eine ganz andere.

    Als 2-Türer ist er den US-Muscle Cars optisch ähnlicher. Ein Teil der Szene setzt Turbolader vor die originalen Motoren und quetscht um die 500 PS aus einem B20 (der im Original max. 125 hatte) und ein anderer schmeißt die Motoren einfach raus und weg. Verbaut werden V8 aus den USA und vereinzelt auch jüngere BMW-Motoren. Dass der Volvo dann nur noch ein halber Volvo ist, scheint für diesen Teil der Szene kein Problem zu sein.

    Nix gegen Tuning & Fahrspaß, aber den Verlust von historischer Substanz finde ich bedauerlich. Wie gesagt, ich hoffe, das bleibt dem Saab 96 erspart.

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