Evergrande Auto – Sommertests im Wüstenklima

Bei Evergrande Auto laufen die Vorbereitungen zum Produktionsbeginn im 4. Quartal 2021. Elektroautos der Marke Hengchi absolvieren ihre letzten Testzyklen. Im Jahr 2022 soll die Produktion der E-Autos im großen Umfang laufen, meldete diese Woche der Hersteller. Vor einigen Tagen wurden Hengchi 1, 3, 5, 6 und 7 für finale Sommertests freigegeben. Fanden die Wintertests in Schweden, Österreich und China statt, außerdem gab es weitere Tests in Deutschland, so wählte man jetzt Turpan in der autonomen Xinjiang Provinz.

Appell - angetreten zu den Hengchi Sommertests
Appell – angetreten zu den Hengchi Sommertests

Sommertests im Wüstenklima

In Turpan herrscht ein kontinentales Wüstenklima. Die Jahresniederschlagmenge beträgt 16 mm, die Sommer sind extrem heiß, die Winter kalt. Jetzt, in der warmen Jahreszeit, beträgt die Durchschnittstemperatur 40 Grad Celsius, eine Tortur für die E-Autos. Evergrande testet in dieser Umgebung die Leistungsfähigkeit der Batterien und deren Kühlungssysteme. Die Effektivität der Klimatisierung und das Verhalten elektrischer Systeme im Wüstenklima steht auf dem Programm wie auch das Verhalten der Bremssysteme bei extremer Hitze.

Wüstentests sind die Nagelprobe für jedes neue Auto. Saab testete einst gerne in Nevada, einem US Bundesstaat mit ausgedehnten Wüstengebieten. Aber das ist längst Vergangenheit. Evergrande ist, auch wenn dem Unternehmen die Hinterlassenschaften in Schweden gehören, nicht der Nachfolger der Marke. Der Fokus liegt auf völlig China, Schweden spielt aktuell nur bei Forschung und Entwicklung eine Rolle.

Hengchi 1, 3, 5, 6 und 7

Zum Auftakt der Sommertests gab es eine kleine Zeremonie mit Hengchi 1, 3, 5, 6 und 7 vor dem Hengchi Werk. Was in China als Marketing gut ankommt und einen kurzen Film wert war, sieht für europäische Augen etwas merkwürdig aus.

Der Appell der Testmannschaft erscheint wie der Antritt einer militärischen Formation. Alleine die Kleidung unterscheidet die Ingenieure von einer Miliz. Was dabei noch auffällt, ist das gefällige, aber nichtssagende Design der Fahrzeuge. Wer nach etwas markentypischen sucht, der wird nicht fündig. Statt dem Hengchi Löwen könnte auch NIO oder BAIC auf der Motorhaube stehen. Kein Mensch würde das bemerken.

Ein Resultat der Tatsache, dass man verschiedene Designs extern eingekauft hat. Markenidentität gibt es nicht im Supermarkt und nicht im Schnellverfahren. Doch vielleicht sind es die technischen Daten und nicht das Design, das überzeugen wird.

Die Markteinführung und die technischen Daten der E-Autos kann man mit Spannung erwarten. Evergrande Auto setzt bei den Batterien nicht auf die Technologien von CATL oder anderen bekannten Anbietern, sondern geht einen eigenen Weg.

Das Unternehmen verfügt über eine eigene Produktion. Um die Batterien auf den neuesten technischen Standard zu haben, warb man das Entwicklerteam eines koreanischen Wettbewerbers ab. Die Aktion verursachte einigen Ärger in Korea und dürfte finanziell anspruchsvoll gewesen sein. Ob sie sich gelohnt hat, wird man in einigen Monaten sehen können.

12 thoughts on “Evergrande Auto – Sommertests im Wüstenklima

  • Appell – angetreten zu den Hengchi Sommertests
    Mich wundert es, dass die Köpfe der MA nicht gleichgerichtet sind…, Fehler der Werbeabteilung???
    Warten wir ab, was kommt. Bisher war immer viel heiße Luft. Und es bleibt der Zweifel, ob E-Mobilität der Weisheit letzter Schluss ist…
    Beforscht Hengchi auch alternative Antriebe??? Oder “regelt” Hengchi alles durch An-/Zukauf?

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  • Mich würde ja noch immer interessieren, wie eng Evergrande mit der politischen Führung verflochten ist …

    Das Hauptanliegen der großmaßstäblichen Operation Hengchi scheint ja Dominanz auf dem nationalen Markt zu sein.

    Das chinesische Volk soll staunen, jubeln, kaufen. Der Rest der Welt soll sich ärgern und vor Ehrfurcht im Boden versinken.
    Das ist alles so symbolisch und national überfrachtet, ist eine Unabhängigkeitserklärung, ist das Ende vom Technologietransfer, ist vielleicht der Anfang vom Ende für die Produktion der einen oder anderen ausländischen Automobilmarke in China, ist wie ein Siegeszug des Systems und der staatlichen Führung …

    Mich erinnert das an den kalten Krieg, daran, wie totalitäre Systeme mit allen verfügbaren Mitteln sich freiheitlichen Demokratien gegenüber als überlegen darstellen wollten. Etwa mit systematischem Doping und Kaderschmieden im Sport …

    Evergrande & Hengchi scheinen mir auch sehr gedopt zu sein. Ich finde die ganze Nummer ziemlich gruselig und hochgradig suspekt …

    Die Frage nach dem Design und einem Markengesicht erübrigt sich vor diesem Hintergrund übrigens auch, ist viel zu westlich und frei marktwirtschaftlich gedacht …

    Was bei uns (in einer pluralistischen Gesellschaft) eine Markenidentität und ein Wiedererkennungswert sind, wäre für die angestrebte Dominanz der Hengchis auf dem chinesischen Markt sogar hinderlich, weil es einen Einheitsbrei zur Folge hätte. Man stelle sich vor, bei uns würden nur BMW fahren. Jedes Auto hätte die selbe Schweinsnase …
    Das wäre ja schlimmer als in der DDR, wo man abwechselnd Trabbis und Wartburgs begegnete.

    Im Bestreben um Dominanz des chinesischen Marktes und um Verdrängung von (ausländischer) Konkurrenz, war der Verzicht auf ein Markengesicht höchstwahrscheinlich keine Sparlösung, sondern ist absichtsvoll und strategisch.

    Auch hat Evergrande hier geklotzt und nicht gekleckert. Wie eigentlich immer. Alle Fahrzeuge aus einer Feder wären definitiv billiger gewesen, als sie rund um den Globus auf mehrere renommierte Studios zu verteilen …

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    • Die Verteilung auf mehrere renommierte Design-Studios rund um den Globus zeigt aber auch, dass man mit Spezialisten außerhalb Chinas zusammenarbeiten möchte – also keine ausschließliche nationale Überfrachtung vorherrscht.

      Ich gehe davon aus, dass die chinesischen Hersteller in erster Linie mit Autoherstellern aus anderen Ländern in Konkurrenz treten wollen – ist doch klar, dass auch die Politik dabei glänzen möchte. Auch die Produktion deutscher Autos in China sowie der Import ausländischer Fabrikate nach China dürfte sich künftig etwas anders gestalten. Siegen werden die Player mit den besseren Produkten und klügeren Strategien.

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      • Zusammenarbeit ist …

        im Zusammenhang mit China ein viel zu kooperativer Begriff, fürchte ich.

        Die Übernahme von technischem Know-how, das Kopieren und Plagiatieren wird seit Jahrhunderten als eine eigene Qualität wahrgenommen. Es gilt als Ausdruck für eine kulturelle und mentale Überlegenheit, wenn man sich im “Austausch” mit anderen Kulturen und “Reichen” mehr aneignet, als das Reich der Mitte von sich preisgibt oder verliert …

        Die Einkaufstour von Evergrande inkl. ausländischen Ingenieuren für die nächste Generation an Batterien (die im Artikel erwähnt ist), folgt einem historisch zentralistischem Denken, welches seine Wurzeln in den Großmachtsphantasien von Kaisern und deren Beamten hat und nie je einen Widerspruch oder gar Widerstand geduldet hätte …

        Das muss man so klar sehen und muss es so klar benennen.
        Ein sozialistisch antikapitalistisches Streben im Sinne von Marx & Engels hat es in China nie gegeben. Auch niemals einen Wunsch nach Kooperation oder Völkerverständigung.

        Nein, das ist eine ganz eigene und sehr spezielle Nummer. Partei- und Staatsführung stehen einzig in der Tradition von machtbewussten und nationalistisch gesonnen Beamten aus der Kaiserzeit. Regiert wird mit Zuckerbrot und Peitsche.

        Kooperationen? Nicht in unserem Sinne des Wortes. Nicht mit Hongkong, nicht mit Tibet, nicht mit den Uiguren, nicht mit internationalen Designstudios und nicht mit Trollhättan …

        Das können wir uns getrost abschminken …

        Kennen Sie chinesische Filme? Das sind teils Meisterwerke, die auch international Preise abgeräumt haben. Verstörend ist jedoch, dass am Ende Held oder Heldin immer dem Reich gedient, im Idealfall sogar sich selbst oder mindestens eine große Liebe für dieses geopfert haben. Andere Filme sind in China schlicht verboten.

        Wenn der Weg zu einem neuen Saab über China führt, ist es kein Saab …

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        • @ volvaab driver

          Dann ist nach dieser Sicht der Dinge ein neuer Volvo auch kein Volvo – die Volvo-Manager in Göteborg arbeiten auch in einem von Chinesen geführten Konzern.

          Allerdings fließen bei Volvo eigene Ideen und Innovationen in neue Produkte ein – entwickelt und produziert von schwedischen Ingenieuren und Designern. Die Fahrzeuge werden als schwedische Produkte wahrgenommen. Das erforderliche Kapital stammt allerdings aus China – wäre dies nicht so gekommen, wäre auch Volvo lange insolvent.

          Man sollte die Autosparte nicht mit Beamten aus der Kaiserzeit in Verbindung bingen – mit Tibet und Uiguren schon gar nicht. Die Kooperation mit internationalen Designstudios ist jedoch anscheinend real.

          Auch Jaguar ist weiterhin Jaguar – Kapital kam dort bekanntlich aus Indien. Jaguar-Fahrzeuge werden aber als englisches Produkt wahrgenommen und zum Großteil auch dort hergestellt.

          Wirklich verstörend ist für mich ein Konzern wie beispielsweise VW – jahrelange Umweltverschmutzung durch verbotene Technik. Da wären mir Geldgeber aus China, die zu einem neuen umweltfreundlichen SAAB führen auf jeden Fall lieber.

          Nicht alles was aus China kommt sollte man ablehnen oder sogar Angst davor haben – dies wäre ja fast schon manisch.

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          • Volvo

            So wie sie es schreiben, klingt es, als sei Volvo bis auf das Geld unabhängig und Technik, Design & Knowhow noch immer schwedisches Nationalgut …

            Das ist leider falsch. In China sind drei Automobilwerke, ein Motorenwerk und vor allem auch ein großes R&D Center.

            Mit einer verlängerten Werkbank schwedischer Manager und Ingenieure hat das längst nix mehr zu tun.

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      • Letzteres funktioniert nur in einem freien Markt und davon entfernt sich das Regime immer mehr.
        Mir wird zunehmend unwohl bei deren rasant wachsender Macht auf allen Gebieten. Leider wird das hier nicht ernst genommen.

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      • Evergrande kann so viele Modelle haben …ohne Werkstattnetz, Ersatzteilversorgung und Vertragspartner werden die es in Europa nicht schaffen !
        Selbst Borgward hat es nicht geschafft , wobei hier der Markenname ein Traditioner ist!!! Aber Hengchi ? wird hier keiner kaufen ! Einen Wunderakku wird Evergrande auch nicht haben. Was ist mit Crashsicherheit usw….

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  • Bei dem gezeigten Bild könnte man doch auf eine Markenidentität schließen – das Design der einzelnen Typen ist zumindest im Frontbereich sehr ähnlich. Es erscheint mir stimmiger als bei Tesla-Modellen.

    Wenn auch die Technik top ist, könnte aus dem Ganzen tatsächlich etwas werden – sollte dann sogar noch ein Hybrid-Modell angeboten werden, das in Trollhättan als SAAB vom Band läuft, wäre die Sache perfekt.

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    • Jein. Der Frontbereich entspricht dem aktuellen China-Mainstream und ist beliebig austauschbar. Aber gefällig. Die Technik wird vielleicht entscheidend sein, bisher hält Evergrande die Daten sehr allgemein.

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      • hallo tom ,

        wie komme ich an Aufkleber ,,,,die nur den abonnenten gegeben werden ….

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        • Die Frage beantwortet sich fast von alleine. In dem man Mitglied im Aero X Club wird.

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