Einer von nur 500 – Saab 9000 T16 Sport

Der Stoff, aus dem Sammlerträume sind? Limitierte Auflagen und Sondereditionen! Saab hat davon eine Menge zu bieten. Viel mehr jedenfalls, als man auf den ersten Blick vermutet. Die Geschichte der Marke ist reich an Varianten, und manche Modelle haben es wirklich zum Sammlerstatus gebracht.

Saab 9000 T16 Sport 1990
Saab 9000 T16 Sport 1990

Eine wichtige Grundlage, um Begehrlichkeiten zu wecken, ist die Authentizität. Das Modell muss in seine Zeit passen, und wenn man an die frühen 90er-Jahre denkt, was fällt dann ein?  Klar, das Schlüsselwort ist: Spoiler. Spoiler überall, Tuner zauberten sie für einen gewissen Personenkreis auch an dicke S-Klasse Coupes. Und selbst die Schweden aus der Stallbacka waren bekennende Spoiler Fans.

Mal mehr, mal weniger. Sogar der Saab 9000 CC blieb davon nicht davon verschont. Mit dem Modelljahr 1990 begann man offensiv den 9000 mit Spoilern zu versehen. Das ging, alles andere wäre ja peinlich gewesen, natürlich mit einem Mehr an Leistung einher. Der 2 Liter Turbo leistete, je nach Land, so um die 200 PS. Und der 2.3 Liter, der nicht überall zu kaufen war, hatte 225 PS an Leistung.

Die Vorboten von dem, was später einmal Saab Aero heißen würde, trugen verschiedene Namen. Als “SP 16” gab es sie in Frankreich zu kaufen, in Deutschland wurden sie als “Turbo 16 S” vermarktet, die Australier bekamen den “Carlsson”. Für Italien ließ man sich den “T16 Sport” einfallen.

Saab 9000 T16 Sport

Natürlich bekamen sie jenseits der Alpenpässe mal wieder nur den 2 Liter Turbo. Aus steuerlichen Gründen, und sie teilten dieses Schicksal mit den Australiern. 204 PS waren ausreichend, andere Marken servierten 1990 auch nicht mehr. Nur 500 Stück der Saab 9000 T16 Sport Edition wurden hergestellt, alle sind an einer individuellen Plakette am Armaturenbrett zu erkennen.

Auffällig mit Spoilern versehen machte der 9000 jetzt einen auf dicke Hose, und lies keinen Zweifel daran aufkommen, wer auf der Autostrada das Sagen hat. Das umfangreiche Spoilerpaket passt herrlich in die Epoche, heute sind diese Fahrzeuge gesucht und werden zum Teil teuer restauriert. Im Innenraum nimmt der 9000 T16 Sport die Anniversary Modelle voraus, und verrät, wozu die Wildleder Einsätze in den Sitzen gedacht wurden.

Sie geben dem Fahrer Seitenhalt und sind in Wirklichkeit geniale, dezente, Sportsitze. Nur, dass ihnen das niemand auf den ersten Blick ansieht. Ihr einzigartiges Design stammt von Björn Envall, der erst bei der zweiten 9000 Generation auch die Karosserie gestalten durfte. Die Sitze gelten als typisch für klassische Saab 900 und 9000. Die Inspiration zur Gestaltung nahm sich Envall aber ganz woanders her.

Eine spezielle Geschichte. Wer von den Lesenden kennt ihren Hintergrund?

Nummer 75 von 500

In Italien, in der Nähe vom Modena, steht ein wunderschöner 9000 T16 Sport zum Verkauf. Jenseits des Brenners, im Land der perfekten Espressi wartet Nummer 75 von 500 auf einen neuen Besitzer. Nur etwas als mehr als 90.000 Kilometer stehen auf dem Tacho. Der Zustand scheint gut, geradezu lecker. Kleine Gebrauchsspuren hat er, das ist klar.

Der Preis ist freundlich, 7.900 € sind fair. Wirklich nicht teuer, wenn sein Zustand halbwegs den Bildern entspricht. Ein Sammlerstück aus einer limitierten Serie, das seinen Wertverlust hinter sich hat. Ein Kandidat, dem man eine zukünftige Wertsteigerung prognostizieren darf. Dazu kommt das H-Kennzeichen, das möglich ist und ein recht sicherer Startplatz bei allen begehrten Oldtimer Ausfahrten.

Bleibt nur die lästige Corona-Problematik, die Reisen nach Süden aktuell fast unmöglich macht. Aber, und das ist die gute Nachricht, Autotransporte sind möglich. Und Telefon und Internet funktionieren ebenfalls.

Mit Bildern von Grandiparticolari Sas

11 thoughts on “Einer von nur 500 – Saab 9000 T16 Sport

  • @ StF,

    vielen Dank für die Antwort. So oder so, Ihre Kommentare sind mir immer ein Genuss. Schon rein sprachlich …
    Allein das Wort “Dienstgestühl” war ein Fest.

    Nochmals meinen verbindlichsten Dank.

  • @ Volvaab Driver

    Wissen/Recherche

    Das war so eine Halb und Halb Geschichte. Ich hatte das mal gelesen, als ich eigentlich auf der Suche nach anderen Informationen zu Saab war, hatte jetzt aber nur was von Sitzen und Muppet-Show im Hinterkopf. Die Details musste ich auch erst mal wieder suchen.

    Das ist leider etwas, womit ich mich in den letzten Jahren häufiger rumschlage. Ich weiß noch, dass ich zu einem Thema mal etwas wusste, aber was genau, muss ich dann doch wieder neu herausfinden …

  • Ist verkauft, der geniale 9000. Ging doch schnell, kaum zu glauben.

  • Spoiler Alert

    Der am Heck mag vielleicht nicht original sein (siehe Gi.Pi.), aber dann ist er zumindest gut gemacht. Vielleicht sogar eine Aufwertung?
    Die 3. Leuchte ist schön integriert und in Farbe, Form und Dimension wirkt der Flügel schlüssig und der Wagen ist perfekter Zeitgeist.

    @ StF,
    witzig. Ist das Wissen oder Recherche? Bin gespannt auf Toms Auflösung zum Sitzrätsel …

  • Es kursiert die Geschichte, dass diese Sitze Miss Piggys Raumschiff-Dienstgestühl nachempfunden sein sollen. Keine Ahnung, ob da wirklich was dran ist.
    Man kann sich ja fragen, warum dann die Einsätze im Bezug nicht aus Froschleder waren? Andererseits gab es ja noch andere Schweine im Weltall …

  • Ein schönes Auto, egal ob 100 % original oder nicht. Gut, dass Italien weit und fast unereichbar ist.

  • @Gi-Pi, was für ein geballtes Wissen! Vielen Dank für das Teilhaben daran!

  • Wunderschön!!!
    Ein Glück, dass der so weit weg ist, sonst könnte ich für nichts garantieren!

  • Hallo Tom,

    zwar eine echte Seltenheit, aber einige Details entsprechen nicht dem Original dieser limitierten T16-Sport Edition.

    Der Heckspoiler bezweifle ich von Saab zu sein, ausser es war ein Testfahrzeug der Vorserie wie jener rote 9k-T16-Sport aktuell in Tschechien, der ursprünglich von einem Saab-Mitarbeiter war. Original hatten diese Sport-Edition entweder einen flachen diskreten Heckspoiler im Stile jener der späteren 9k-CS-Version in Wagenfarbe mit schwarzer oberer Lippe oder einen deutlich höheren Brückenspoiler mit 2 Mittelstege aus dem offiziellen Zubehör des Airflow-Programm, dessen Brückenspoiler aber seitlich ebenfalls befestigt war. Zum Brückenspoiler gab es eine separat auf dem Heckdeckel montierte 3tes Bremsleuchte (war damals noch marktabhängig, da nicht überall erlaubt oder gar schon obligatorisch war), wobei es das selbe 3te-Bremslicht war wie jener des 901-CV, was bei diesem Exemplar klar nicht der Fall ist. Das Nummerschilddekor auf der Sport-Edition war ursprünglich die Zubehörversion in Heckleuchtenfarbe aus dem Airflow-Programm, dass tatsächlich Origial auf der Sport-Edition ab Werk montiert wurde. Auf diesem Exemplar vermutlich weiss lackiert, da dieses rot-orange-weisses Dekor leider farblich ausbleichte. Besonders merkmal dieser Sport-Ausstattung ab Werk, war die eigens geschneiderte Spoiler-Verkleidung exklusiv für diese Sport-Version, die zwar extrem dem damaligen Airflow-Kit (u.a. wurde die Carlsson-Edition damit ausgestattet) ähnelte, aber nicht im Detail entsprach, markant dabei war äusserlich vorallem der Frontspoiler; d.h. alle Teile hatten andere Materialnummer.

    Es ist richtig, dass ab Herbst 1989 der 9k-CC mit Sportausstattung geordert werden konnte. Dieser hatte ab Werk eine marktabhängige Leistungssteigerung mit exklusiver Ein-Endrohr-Sportauspuffanlage bewusst in Verbindung der Leistungssteigerung (im Zubehör-Programm gab es lediglich die Zwei-Endrohr-Sportauspuff, u.a. damaliger Lieferant RAY-Metallwaren bekannt als Hersteller der SIMONS-Sportauspuffanlagen), ein OE-Sachs-Sportfahrwerk (blaue nicht rote Ausführung), ein eigenes Aerodynamik-Kit (Karosserieverspoilerung) aus integrierte Stossfänger-Front- + Heckschürze sowie Kotflügelverbreiterung und tiefere Seitenschürzen unter den Türen, dazu gehörten die brandneue aerodynamische 16″-Aero Sportfelgen, belederte Schalthebel-Manschette-Griff und Sport-Lenkrad sowie Spezial-Lederbestuhlung mit Alkantara-Einsätze, schwarze Umrahmung der Seitenscheiben. Diese Sportausführung wurde offiziell ausgeliefert in den Lackfarben Rot, Schwarz, Weiss und Odoardograu-met.

    Der 9k-T16-Sport wurde bewusst in der damals neuen Farbe Talladega-Rot vorgestellt, es handelte sich dabei um ein Uni-Lack mit neuem Verfahren einer durchsichtigeren Klarlackschicht und eingefärbter Zwischenlackschicht die eine intensivere Tiefenwirkung erziehlte.

    Eigentlich hatte ich bei der damaligen Vorstellung in Erinnerung, dass diese limitierte Sport-Edition, d.h. mit nummerierter Plakette, exklusiv in Talladega-Rot hergestellt bzw. ausgeliefert wurde und zwar in Ausführung ohne Katalysator exklusiv als leistungsstärkste Motorisierung der damaligen Saab-Palette.

    Richtigstellung der damaligen Motorisierung:
    Als MY90 mit 9k-Steilschnauzer, gab es noch keinen Motortyp “M” (B234), erschien erst als MY91 mit dem vom CD bekannten Schrägschnauzer, der ebenfalls in Sport-Version im Angebot war. Dementsprechend waren alle Sport-Ausstattungen als MY90 ab Werk lediglich Typ “L” Motoren (B202L) mit Leistungssteigerung (Code 09 in Pos.8 der Motornummer ersichtlich) ausgestattet. Besonderes Merkmal dazu, es wurden alle ohne Kat-Versionen damals mit neuem Mitsubishi-Turbolader TE05 ausgestattet, wobei diese bei Verwendung von 98-Okt. tatsächlich bis 204PS/150kW leisteten; ausschliesslich jene kat-lose für den GB-Markt die bewusst mit dem damals neuen Garret-Turbolader T25 eingeführt wurden der damit trotz 98-Okt. lediglich auf 195PS/143kW kam. Die Kat-Versionen dieser Edition waren lediglich auf bleifreies 95-Okt.ausgelegt und erreichten somit nur 177PS/130kW.

    Gruss Gi-Pi.

    10
  • Was soll Man(n) dazu noch sagen – die Bilder sprechen für sich :-))
    Nur so viel – die Sitze vom 901 und 9000 sind aus meiner automobilen “Erfahrung” bis heute Autogestühl was absolute
    Maßstäbe gesetzt hat !!
    Davon können bis heute sicher noch viele Hersteller nur träumen …

    Das Gleiche gilt für die AERO Felgen der ersten Generation mit dem polierten Rand – zeitlose sportliche Eleganz

    Bitte mehr davon …
    Schönes WE

    10

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