30 Meter in die Tiefe – spektakulärer Film von Volvo

Neuwagen 30 Meter in die Tiefe stürzen lassen! Das klingt verrückt und spektakulär. Was Volvo tut, hat aber durchaus einen seriösen Hintergrund. Es geht um Unfallforschung und das Verhalten moderner Fahrzeuge bei Unfällen aus sehr hohen Geschwindigkeiten. Dafür hat der Hersteller in Schweden jetzt 10 Neuwagen geschrottet.

Volvo beim Crash - 30 Meter in die Tiefe
Volvo beim Crash – 30 Meter in die Tiefe

Testen für das Überleben

Für einen besonderen Zweck. Rettungsdienste üben im Normalfall mit Fahrzeugen vom Schrottplatz. Aus Kostengründen, und nicht nur in Schweden wird hier am falschen Ende gespart. Ältere Autos haben von Haus aus eine weichere Struktur und sind mit modernen Fahrzeugen nur eingeschränkt zu vergleichen. Zwischen dem Schrottplatz-Auto, das 20 Jahre alt ist, und einer aktuellen Konstruktion liegen mitunter Welten.

Aktuelle Volvos nutzen vermehrt hochfeste Stähle, die es bei den Vorgängern nicht gab. Für die Rettungskräfte und ihre Werkzeuge stellen sie neue Herausforderungen dar. Denn es zählt der Faktor Zeit, und einen Verletzten möglichst zügig bergen zu können, kann über Leben und Tod entscheiden.

So gesehen sind 10 Neuwagen für die Unfallforschung ein geringer Preis. Mit dem Abwurf aus 30 Metern Höhe simulieren die Unfallforscher auf beeindruckende Weise Front, Seiten und Heckcrash Szenarien. Die gewonnenen Ergebnisse fließen in die Forschung ein und werden Rettungsdiensten zur Verfügung gestellt. Damit die Bergung im Falle eines Unfalls möglichst zügig vorangeht.

Die Szenen im Film sind spektakulär. Sie können zum Nachdenken anregen. Vor allem über die Geschwindigkeit die man wählt, und ob mehr als die Autobahnrichtgeschwindigkeit nicht doch zu viel sein könnte. Insbesondere dann, wenn man zwar mit einem schwedischen Auto, aber eben nicht mit einem ganz so modernen unterwegs ist.

Und man kann vergleichen, was die letzten Jahrzehnte so bewegt haben. Ein historischer Film auf dem Blog zeigt, wie sich ein Saab 9000 beim Sturz vom Kran verhält. 24 Jahre später stürzen dann neue Volvos aus großer Höhe, die Fortschritte sind ersichtlich.

Dennoch, eines wird klar. Ob älteres Auto, oder letzter Stand der Technik. Man möchte, wenn man die Bilder gesehen hat, um keinen Preis der Welt in einen Unfall bei hoher Geschwindigkeit verwickelt werden. Umsichtig, mit angepasster Geschwindigkeit, unterwegs zu sein schont Umwelt und Nerven. Und ist die sicherste Art des Autofahrens.

Hat man das erkannt, dann hat der Film und seine Bilder den beabsichtigten Zweck erreicht.

Video und Bildmaterial: Volvo Cars

6 thoughts on “30 Meter in die Tiefe – spektakulärer Film von Volvo

  • @ StF,

    wie immer ein gültiger Beitrag. Danke für die Infos und Anregungen.
    Dass sich Kräfte entgegenkommender Fahrzeuge im Idealfall wieder gleichmäßig auf beide Verteilen, steckte ja auch schon in meinem Kommentar.

    Leider sieht die Realität von 99,999% aller Unfälle anders aus. Dass 2 baugleiche Volvos mit 100% Deckung frontal aufeinander treffen, ist selbst in S sehr unwahrscheinlich.

    Und was die Rotation – um welche Achse auch immer – betrifft, ist so ein Kran ganz besonders gnädig. Man sieht im Video ja deutlich, wie die Autos in unterschiedlichen Richtungen “abrollen” und Kräfte von der Front auf die Seite oder das Dach ableiten. Mich erinnert das an Aikido und anderes Training …

    Genau das war mein Punkt. Ein Sturz aus 30m ist so spektakulär, dass man vor den gezeigten Volvos nach Ansicht des Videos auf die Knie sinkt …

    Sie scheinen immer und in jeder Situation – sei es Front, Heck oder Seite, noch genug Fahrgastzelle und Überlebensraum zu haben. Gleichzeitig haben wir aber nichtmal und nicht annähernd gesehen, was wirklich passieren würde, wenn einer dieser spektakulär stabilen Volvos ganz einfach mit 80 gegen einen Baum fahren würde, ohne abrollen zu können.

    P.S.
    Apropos Seite, man sieht deutlich, wie der Volvo über den flachen Betonblock abknickt und mit seinen Achsen und Kotflügeln quasi die Matte abklascht.
    Auch das Aikido und sehr öffentlichkeitswirksam. Bei einem realen Crash wären seitlich kommende PKW oder gar LKW sicherlich tiefer eingedrungen,

  • Eine Anmerkung zur Geschwindigkeit

    Bei den Geschwindigkeiten muss man ein wenig aufpassen, ein Aufprall mit 80 km/h auf einen unnachgiebigen Block ist die Simulation eines Aufpralls zweier ‘identischer’ Fahrzeuge, die direkt aufeinander zu fahren, jedes mit 80 km/h, also mit einer Relativgeschwindigkeit von 160 km/h.
    Das liegt daran, das bei zwei ‘identischen’ (eigentlich gespiegelten) Fahrzeugen, die mit gleicher Geschwindigkeit und perfekter Überdeckung (100%) ohne Winkelversatz aufeinander prallen, die jeweils gegeneinander wirkenden Kräfte immer gleich groß sind und sich so gegenseitig aufheben, jedenfalls dann, wenn sich die gespiegelten Fahrzeuge bei gleichen Lasten auch absolut identisch verformen.

    Und wenn ich schon dabei bin, noch eine Anmerkung zur Überdeckung. Zugegebenermaßen sind 100% Überdeckung der Idealfall für die Karosserie, weil alle Lastpfade gleichmäßig aktiviert werden. Und mehr sieht man in dem Video ja auch nicht. Aber eigentlich geht es ja um Insassensicherheit und 100% Überdeckung bedeuten Schwerstarbeit für die frontalen Insassenschutzsysteme (Gurte und Frontairbags).
    Bei einem Crash mit geringerer Überdeckung fangen die Fahrzeuge an, um ihre Hochachsen zu rotieren und die Lasten werden zwischen den seitlichen und frontalen Insassenschutzsystemen verteilt.
    Aus diesem Grund ist der Versuch mit 100% Überdeckung mittlerweile auch in das EuroNCAP-Programm aufgenommen worden.

  • Geschwindigkeit

    Was man da sieht, ist quasi Alltag – nur ohne Blut und andere Betriebsflüssigkeiten. Die hat Mensch sich und der Umwelt bei diesem Test erspart.

    So spektakulär die Fallhöhe, so banal die Geschwindigkeit. Im Vakuum wären es 87 Km/h, beim Test dürften es ca. 80 gewesen sein – bei gnädigen 100% Deckung.

    Je nach Crash Test wird Autos von Herstellern und Unfallforschern auch mehr zugemutet. Etwa wenn 2 Autos frontal gegeneinander geschickt werden und dann auch noch versetzt mit nur 50% Deckung.

    Wirklich spektakulär geht es aber in der Realität zu. Selbst auf Landstraßen kommen bis zu 300 Km/h bei geringer Deckung zusammen. Feuerwehr und Polizei finden Teile von Motorrädern manchmal im Kofferraum – nach einem frontalen Crash, wohlgemerkt …

    Ich finde Toms Fazit gut und richtig. Der Mensch und sein Verhalten sind die entscheidenden Faktoren. Ob das Video, Volvo und seine chinesischen Eigentümer auch wirklich genau das demonstrieren wollten, da habe ich allerdings Zweifel …

    In erster Linie ging es sicherlich darum, Volvo gut aussehen zu lassen. Und das ist auch gelungen. Wer denkt bei einer spektakulären 30m Fallhöhe noch darüber nach, dass ein realer Crash schon im Stadtverkehr deutlich schlimmer sein könnte?

    Wie gesagt, 100% Deckung sind sehr gnädig. Und 80 Km/h erreichen entgegenkommende Fahrzeuge in Summe auch in einer Tempo-30-Zone. Sie haben dann allerdings auch 2 Knautschzonen (sofern es 2 PKW sind), muss man fairerweise einräumen.

    Trotzdem, es ist auch nicht böse gemeint, aber ich habe unter dem Strich gutes Marketing gesehenen.

  • Gute (und vor allem spannende) Frage, aber dazu gibt es keine Information von Volvo.

  • Waren auch Plug In Hybride dabei?

  • Wirklich schwer beeindruckend! Diese Filme sollte man Dränglern vorführen, die lästiger Weise an mein schwedisches Blech andocken wollen. Klasse – mal wieder ein Blick über unseren Saab Tellerrand in die Gegenwart.

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