Die Zeiten sind schlecht – ein Klassiker zum Schäppchenpreis

Im September war eines unserer Themen der Generationswechsel bei altem Blech und das Ende des Aufwärtstrends der Preise beim Saab 900 Cabriolet. Die Zeiten sind schlecht. Die scheinbar nicht endend wollende Pandemie schlägt auf das Gemüt. Es ist kein Wunder, das vor diesem Hintergrund die Preise für Klassiker nachgeben.

Saab 900 S 1994
Saab 900 S 1994

Da hilft die beste Geschichte nicht

Die Lesenden erinnern sich vielleicht. Im Juli war ein schönes Saab 900 S Cabriolet Thema auf dem Blog. Im Prinzip eine gute Geschichte mit wenig Kilometern, einer stimmigen Ausstattung und einem guten Zustand. Der Preis schien fair und tatsächlich gab es Rückmeldungen aus der Leserschaft.

Gekauft hat den Saab niemand, obwohl der Preis in Ordnung ging. Es kamen Zweifel auf, ob 20.930 Meilen (ca. 33.684 km) die reale Laufleistung sind, oder 32.000 Meilen (ca. 51.499 km). Vielleicht lag es auch daran, dass unter der Haube nur ein Saugmotor arbeitet und dass das Cabriolet noch nicht 30 Jahre alt ist. Dann nämlich wäre der Import in die EU privilegiert gewesen.

Beiges Leder im 900 ist selten und eigentlich gesucht
Beiges Leder im 900 ist selten und eigentlich gesucht

Mittlerweile wird der Saab wieder bei Ebay inseriert. Der Preis ist  mit 8.700 US Dollar (7.360 €) auf einen neuen Tiefstand gefallen. Man muss sich vergegenwärtigen, dass so oder so ein sehr geringer Kilometerstand vorliegt, und der 900 das letzte, normalerweise begehrte Baujahr ist.

Schlechte Zeit um Autos zu verkaufen

Generell ist es die Zeit der Käufer und nicht die der Verkäufer. 127 Interessenten beobachten die Verkaufsanzeige, die Taste zum Kauf hat noch keiner gedrückt. Vermutlich setzt die Mehrzahl auf einen weiter fallenden Preis und hofft, dass der Anbieter Nerven zeigt.

Die Zeit ist schlecht um Autos zu verkaufen. Vor allem dann, wenn es um Fahrzeuge für das Hobby geht. Die Stimmung ist nicht gerade so, dass man auf die Idee käme sich einen offenen Klassiker in den Carport zu stellen. Wer Nerven bewahrt, der kann aktuell ein Schnäppchen machen.

Ein schwedischer Klassiker zum Schnäppchenpreis
Ein schwedischer Klassiker zum Schnäppchenpreis

Das Netz ist voll mit spannenden Gelegenheiten. Am Wochenende wurde in der Schweiz ein Saab 9-5 NG inseriert. Aero Ausstattung, Allrad, 2 Liter Motor und nur 43.000 Kilometer. Der Preis war so attraktiv, dass die Anzeige innerhalb einer kurzen Zeit wieder verschwand. Antizyklisch kaufen, ist das Gebot der Stunde. Wer Geld zur Verfügung hat, das er nicht unbedingt braucht, und Platz genug, der kann sich jetzt Träume nach Hause holen.

Für die, welche verkaufen wollen, gilt es hingegen Ruhe zu bewahren. Die Zeiten werden irgendwann auch wieder besser, die Preise erholen sich. Ob sie das Niveau vor der Krise erreichen ist ungewiss.

10 thoughts on “Die Zeiten sind schlecht – ein Klassiker zum Schäppchenpreis

  • Na ja, Reifen kann man tauschen und sind auch nicht sooo teuer, dass sie bei einem Auto, was nicht zu einem Schlachtpreis angeboten wird, derart ins Gewicht fallen sollten. Und wenn der Wagen das letzte Jahrzehnt gestanden hat, ist es auch klar, dass man dann keine neuen Reifen aufzieht. Das führt wohl eher zu ganz anderen Problemen als einem Reifentausch.

    Also sehr gut erkannt von Schneeweiß und andererseits: Die 16 Jahre davor auch nicht. Das könnte was über den Pflegezustand aussagen, muss es aber nicht. Insofern gebe ich Johann recht, dass man das Auto nur mit Besichtigung kaufen sollte, was ja aber zZ nicht geht. Immerhin scheinen die Vorderreifen neuer als 26 Jahre zu sein. So what? 😉

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  • @ Schneeweiß, nice catch ! ! !

  • Kurz gerechnet sind 20900Meilen plus 16900km = 32000Meilen. Die Meilenangabe könnte also stimmen.
    @Johann: Sie schreiben: Die Reifen sind meist fast so alt wie das Fahrzeug. Der Anbieter schreibt: What I can tell you about the car is it is in excellent condition and has the original rear tires with 50% tread left.
    Original rear tires. 26Jahre alte Reifen. Soviel dazu.

  • Allgemeine Verunsicherung

    Corona wird hoffentlich irgendwann kein Thema mehr sein. Aber dann diskutiert die Politik wieder verstärkt Fahrverbote …

    Und sie diskutieren längst nicht mehr den Diesel, sondern den Verbrenner insgesamt. Für Berlin waren da 2025 und 2030 für die Innenstadt bzw. das gesamte Land Berlin im Gespräch oder im Raum des lauten Denkens.

    Das ist verstörend zeitnah und ich glaube auch nicht, dass es so kommt. Aber verunsichert bin ich allemal.

    Wer kauft unter solchen Bedingungen einen Neuwagen, wenn es kein EV sein soll? Wer hofft da noch auf Wertstabilität oder gar Zuwachs bei Klassikern?

    Meine persönliche Konsumlaune ist eine latente Depression. Und wenn ich damit im Trend liegen sollte, dann hat nicht nur der Markt für Klassiker ein Problem, sondern unsere Wirtschaft insgesamt. Und es hätte eher wenig mit Corona zu tun. Gleichwohl ist die Politik, sind etliche Resorts in der luxuriösen Situation, jeden falsch gesetzten Akzent seit dem Frühjahr und auf unbestimmte Zeit hinaus als Corona-Effekt zu deklarieren.

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  • Mir ist auch sofort der Scheinwerfer vorne links und der nicht passende “Kragen” hinten links aufgefallen. Und die Tatsache das sich der Verkäufer nicht mal die Mühe gibt dazu zu reparieren. Dazu eine zweite Tachoscheibe? Wozu? Ich glaube das Foto mit den Fußmatten gibt eher einen Blick auf den Zustand des Autos wieder.
    Soviel zu meiner Meinung zu diesem Fahrzeug.
    Aber vollkommen Recht hat Tom mit dem Hinweis das jetzt eine Zeit beginnt, wo die Preise das normale Maß annehmen oder sogar zum Schnäppchen werden. Ich persönlich würde mich eher auf dem europäischen Markt umschauen.

  • Nur wegen des merkwürdigen Scheinwerfers würde ich nicht auf ein schlechtes Autos schließen wollen. Eigentlich mehr auf einen unmotivierten Verkäufer. Spachtel und Pfusch ist keine US Domäne, das gibt es in Deutschland auch. Und gerade im 900 Bereich galoppiert die Selbstüberschätzung was der Zustand der Fahrzeuge angeht.

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  • Sorry nicht böse sein.. Aber alleine der Blick aufs erste ebay Foto, wo zwischen linkem Scheinwerfer und Kühlergrill sich regelrecht eine Tunneleinfahrt auftut, ist Grund genug, den Wagen nicht zu kaufen. Noch dazu aus Amerika, dem Land der PU-Schaum und Spachtel-Künstler ( eigene Erfahrung – mein Sonett stammt aus den USA ) .
    Zusätzlich Transport, Versteuerung, Zulassung…
    Auf der Haben Seite bleibt dann nur noch der – realistische? – Kilometerstand. Und jeder ernsthafte Saab Fan weiß, dass die Laufleistung bei einem gepflegeten Saab definitiv das geringste Problem ist.
    Meines Erachtens hat der Nicht-Verkauf dieses Wagens mit Corona nichts zu tun- Das ist eine Wundertüte für Unerschrockene.

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  • @Schwarzer Saab – da bin ich voll bei Dir – Preise waren zum Teil aus einer anderen Galaxie

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  • Dazu muss man sagen, die Preise waren teilweise auch völlig überdreht. Ein Saab Freund hat sich (vor COVID) mehrere Exemplare angesehen. Preise von bis zu 30k, die nicht zu gerechtfertigen waren.

    Er hat nicht gekauft und wartet ab. Ich vermute er wird irgendwann zuschlagen, wenn die Preise Bodenhaftung gefunden haben. Ach ja, der Winter ist eh eine gute Zeit um ein Cabriolet zu kaufen!

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  • Ganz so dramatisch würde ich die Lage dann doch nicht sehen. Es gibt verschiedene Gründe, warum ein US Import nicht (mehr) attraktiv ist. Da kann auch ein Telefonat mit dem Besitzer nicht weiter helfen:

    “No rust” heisst in den USA, dass man mit 5m Abstand und bloßem Auge keinen Rost erkenne kann.

    Man kauft “as seen” – ohne jegliche Gewährleistung. Von Privat ja sowieso nicht.

    Aufgrund der Sonneneinstrahlung sind bei Florida Cars Sitze und Kunststoffe oft porös. Das betrifft manchmal auch das Verdeck.

    Die Reifen sind meist fast so alt wie das Fahrzeug.

    Die Scheckhefte sind oft gepflegt, die Autos manchmal eher nicht.

    Oft zeigt der Zustand des Schaltgetriebes, warum Amerikaner überwiegend Automatik fahren.

    Man muss schon nicht unerheblich investieren: Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, Transport, Datenblatt, Scheinwerfer, Nebelschlussleuchte,… Das ist sicher nicht jedermanns Sache und ohne professionelle Unterstützung ziemlich schwierig.

    Die Liste könnte man schon noch ein wenig fortführen.

    Der Preis spiegelt halt auch den US-Markt wieder. In der derzeitigen Krise sitzen dort die Dollars auch nicht mehr so locker. Dass man daraus auf die Preisentwicklung in Europa schließen kann, halte ich eher für fraglich. Wobei das vielleicht garnicht soo schlecht wäre. Ein wenig Vernunft und Normalität würden auch hier nicht schaden.

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