Ist er denn sicher? Der Saab 900 II im historischen Crashtest

Vor 30 Jahren begann die große Zeit der Crashtests. Gleichzeitig auch die wohl beste Zeit der Autozeitschriften. Im Vor-Internet Zeitalter kaufte man regelmäßig am Kiosk das aktuelle Heft. Meist war es die Auto-Motor-Sport, die damals als führend galt. Früh schon hatte das Magazin mit eigenen Crashtests begonnen.

Saab 900 II im Crashtest 1994
Saab 900 II im Crashtest 1994

Hohe Erwartungen an den Saab 900 II

Das Ergebnis gab es dann in Form einer VHS Videokassette als Beilage zum Heft, oder der Hersteller verteilte es an seine Händler und Kunden. 1994 musste sich der damals neue Saab 900 II dem Test stellen. Die Erwartungen waren hoch, im Fall Saab besonders hoch. Denn die schwedischen Marken Volvo und Saab standen für sichere Fahrzeuge wie kaum ein anderer Anbieter.

Saab Deutschland stellte das Testobjekt, die Auto-Motor-Sport Crew und der TÜV testeten. Das Ergebnis war aus Saab Sicht gut. Der neue Saab galt als besonders sicheres Fahrzeug und hob sich von der Masse ab. Zwar war das Ergebnis nicht makellos, was medial dann doch noch Kritik brachte. Aber der 900 II galt als sehr sicher.

Saab verbesserte damals permanent die Sicherheit seiner Fahrzeuge. Daten aus der Unfallforschung flossen in die Serie ein, mit jedem Modelljahr gab es einen Löffel mehr an zusätzlicher Sicherheit für die Kunden. Mit dem Wechsel von 900 II zu 9-3 I wurde nochmals nachgelegt und aufgerüstet. Die Karosserie wurde steifer, zusätzliche Airbags zogen ein.

Das alles ist sehr lange her. Fast 30 Jahre sind vergangen, seit man ersten 900 II von den Bändern rollen ließ. Auch die Sache mit der Fahrzeugsicherheit hat sich seitdem grundlegend verändert. Früher war es die Hardware, die entscheidend war. Eine Karosserie, die sowohl steif als auch weich genug ist, um Aufprallenergie abzubauen und gleichzeitig Passagiere zu schützen, war die hohe Kunst des Fahrzeugbaus.

Heute ist es die Software, die den Unterschied macht. Der Computer regiert und schlaue Assistenzsystem erkennen den Crash bevor er überhaupt stattfinden kann. Im besten Fall vermeiden sie ihn, im schlechteren schützen sie das Leben der Insassen. Die Vision, Unfälle komplett zu vermeiden und keinen Menschen im Straßenverkehr sterben zu lassen, verfolgt Volvo.

Das beste aller Assistenzsystem aber ist der Mensch. Defensiv, entspannt und vorausschauend zu fahren, vermeidet Unfälle. Das war zu Zeiten eines Saab 900 II schon so und hat heute immer noch Gültigkeit.

6 thoughts on “Ist er denn sicher? Der Saab 900 II im historischen Crashtest

  • Da sind sie wieder, alten Vorurteile gegen den 900 II. Die Plattform ist aus dem GM-Regal,aber SAAB hat daraus etwas anderes gemacht als Opel. Ein Alfa 164 ist auch kein 9000.

    Der NCAP-Test wurde eingeführt als der 900 II schon von den Bändern rollte. Alle drei süddeutschen „Premiummarken“ klappten Ende der 90er dabei derart zusammen, dass sie einen 2. Versuch bekamen, der einem Ausländer natürlich nicht zugestanden wird.
    Der 9-5 auf seiner GM-Plattform war das erste 5-Sterne-Auto überhaupt!

    Der 900 II war das erste Auto, dass nach einem Elch-Unfall kein Cabrio mit geköpften Insassen war.

    Bei einem TÜV-Termin mit meinem 900 II Coupé guckte der Ingenieur plötzlich aus der Grube und fragte, ob das der SAAB auf der Opel Plattform sei. Jaa, nicht ganz, warum? Das sieht hier alles viel stabiler aus.
    Noch Fragen?

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  • @ Uli Beitel,

    interessante Infos. Danke. Meine mit dem 9-3 I persönlich gesammelte Unfallerfahrung (siehe vorhergehender Kommentar) hat sich demnach und zum Glück in einem günstigen Fenster (Kräfte & Geschwindigkeit) abgespielt, in dem der Saab sich so richtig “wohl gefühlt” hat.

    Insgeheim stehe ich ja auf Autos, welche jegliche Verformung den Unfallgegnern überlassen. Ist aber egoistisch und nicht mehr zeitgemäß.

    Hatte zufällig den selben Unfall zweimal. Der 9-3 I hat sich, wie beschrieben, gut geschlagen, war aber dennoch ein wirtschaftlicher Totalschaden.

    Ein alter Volvo (EZ 1978) hatte in ähnlicher Konstellation vorne nur ein kleines und horizontales Langloch in der sehr, sehr fetten Stoßstange, welches die hintere Abschleppöse des Vordermanns hinein gestanzt hatte. Der alte Göteborger war längs so steif wie ein T-Träger und die Stoßstange zwar ein wenig gepuffert, aber letztlich direkt am Rahmen abgestützt. Das hatte schon auch was.

  • Die ersten 900 II wurden tatsächlich nur mit dem Fahrer-Airbag ausgeliefert. Außerdem fehlten sowohl Drehzahlmesser als auch die dritte Bremsleuchte, obwohl zumindest das (leere) Gehäuse in der Heckklappe montiert war.

    Die Resultate des härteren NCAP-Crashtests und der Bild-Zeitung zeigten ein schon katastrophales Ergebnis. Nur Citroen Xantia und Alfa Romeo 156 waren noch schlechter. Die A-Säule des 900 stand nach dem Crash nahezu senkrecht, die Deformationen im Fußraum waren erheblich, kein Wunder bei der Vectra I-Basis. Auch der modifizierte 9-3 I war kaum besser. Nur der Seitenaufprallversuch zeigten beide akzeptable Ergebnisse.

    Erst mit dem 9-5 I wurde dieses Image mordende Manko überzeugend verbessert, damals schnitt der 9-5 bei NCAP am besten ab, besser sogar als Volvo und Mercedes.

    Jedes Auto stellt eben einen Kompromiss aus hoher Energieaufnahme (weiche Knautschzonen) und Stabilität (hochfeste Insassenzelle) dar. Aber auch der Kostenfaktor stellt einen wichtigen Punkt dar, weshalb damals die Vectra I-Bodengruppe verwendet werden musste.

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  • Ich wusste gar nicht, dass es den 900 II ohne Beifahrerairbag gibt. Habe auch noch nie so einen gesehen.

  • Sandwich

    Bin im 9-3 I mal unsanft von einem Mondeo in einen Mercedes vor mir gestoßen worden. Den Insassenschutz und die kontrollierte Verformung (hinten weniger als der Mondeo vorne und vorne weniger als die E-Klasse hinten) hat Saab wirklich sehr gut hinbekommen.

    Scania?

    Stimmt alles, was Heijo Red sagt. Die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit Scanias im VW-Konzern ist legendär. Im Prinzip ist VW nur ein Eigentümer, der keinen Einfluss nimmt. So hätte man sich das auch für Saab und GM gewünscht.
    Mein persönliches Interesse an modernen LKW und Bussen tendiert trotzdem – ehrlich gesagt – gegen null. Spannend finde ich hier nur Umweltaspekte. In Frankreich fahren Busse von Scania m. W. mit neuen Motoren und einem neuen Gemisch aus ein paar Prozent Diesel und Rotwein.
    Gemeint sind natürlich Abfälle aus dem Weinbau, letztlich Ethanol. Bestechend simpel und klimafreundlich und ganz ohne seltene Erden. Von solchen Geschichten kann ich gar nicht oft und laut genug hören. Aber sonst?

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  • ´´SCANIA´´??
    ´´Nur mal ein kleiner Anstoss´ von einem leidenschaftlichen Saab-Fahrer seit über 30 Jahren´ … leider gibt es ja nicht mehr allzu viel Neues oder bisher nicht veröffentlichtes was man über SAAB als PKW-Hersteller berichten kann´ … vielleicht sollte man im Blog ab und an auch mal über SCANIA-LKW´s berichten´ … denn dort gibt es ja jede Menge an Neuheiten und Potenzial für die Zukunft (E-Mobilität usw.) … selbst wenn SCANIA schon länger zum VW-Konzern gehört´ aber was viel bedeutender ist´ Ihre eigenständige Modellentwicklung und Fertigung beibehalten haben´ und so weiterhin als fähiger hocheffizienter Hersteller von LKW´s aller Kategorien in der Welt gilt´´!!´´Vielleicht kann man so die Anhänger dieses ehemaligen SAAB-SCANIA-Konzern´s etwas versöhnen´ mit dem Verlust von Saab als PKW-Produzenten´!!

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