Das Desaster. Wenn Talheim zu Waterloo wird.

Weihnachten gilt in Bayern als die ruhige, stille Zeit. Zum Jahreswechsel scheint Corona noch weit weg,  und ich nutze die Freizeit, um mir Gedanken über mein 9-5 Projekt zu machen. Der Saab steht sicher in Talheim, ich plane für den Januar. Die Arc Ausstattung gefällt mir prinzipiell gut, nur die Front empfinde ich als etwas bieder.

Kein Saab aus Talheim

Eine Umrüstung auf Aero Optik schwebt mir vor, sie würde die schwedische Limousine sportlicher erscheinen lassen. Ich suche und surfe, entdecke bei Aero World Germany eine gebrauchte Frontmaske. Über Weihnachten gibt es einen Sonder-Rabatt, da geht der Preis mit knapp 200,00 € in Ordnung. Am 26.12. wird die Aero Front zusammen mit einem Lenkrad bestellt. Am 30. Dezember bekomme ich das Versandavis, die Abwicklung geht schnell.

Die Ware kommt ein paar Tage später am Hangar an. Der als gut beschriebene Zustand der Front bestätigt sich nicht ganz, das Teil wurde zuvor schon einmal gespachtelt und neu lackiert. Aber die sehr schnelle Abwicklung und der Sonderpreis zu Weihnachten wiegen das völlig auf. Alles gut!

Die Tage vergehen langsam, ich freue mich auf meinen neuen Saab. Ab und zu schaue ich im Internet. Ja, er steht noch, alles ist wie versprochen. Das ist kindisch, aber Männer und ihre Spielzeuge sind stets etwas speziell. Endlich steht der 7. Januar auf dem Kalender. Den darauffolgenden Samstag habe ich mir freigenommen und einen Freund als Fahrdienst verpflichtet, um den Saab zu holen.

Und dann, aus heiterem Himmel, wird aus dem beschaulichen Talheim plötzlich mein Waterloo. Das Desaster beginnt mit einem Anruf.

Doch kein Saab aus Talheim

Der 1. Versuch. Ich dringe nicht zu Herrn Lobmüller durch. Der Chef ist nicht im Haus, teilt mir die Mitarbeiterin mit. In einer Stunde soll ich es noch einmal versuchen. Der 2. Versuch. Der Chef ist jetzt da. Aber nicht zu sprechen. Und außerdem, so fährt die Dame am Telefon fort, ist der Saab schon verkauft. An einen Kunden. Danke und auf Wiederhören.

Kein Bedauern, keine Erklärung. Aufgelegt. Das war es also. Ich bin sprachlos und ziemlich sauer. Vielleicht war ich die letzten Jahre zu sehr verwöhnt. Bisher wurde das Team Saabblog von Saab Werkstätten super bedient, bisweilen wird sogar der virtuelle rote Teppich ausgerollt. Im Fall Lobmüller habe ich bewusst auf das Saabblog Zeug verzichtet. Ich wollte eine Geschichte aus dem wahren Leben. Ungefiltert und so. Die Quittung habe ich jetzt!

Um es klar zu sagen: Es gab keinen Vertrag zwischen Lobmüller und mir. Nur ein Telefonat und eine Absprache. Das Recht, den Saab irgendwohin zu verkaufen, hatte man in Talheim zu jeder Zeit. Und natürlich darf man etwas vergessen, vor allem über die Feiertage und Silvester. Eine Entschuldigung, ein “tut mir leid” am Telefon wäre gut gewesen, um die Situation zu retten. Aber so?

Ich bin frustriert und sauer

Sauer auf Lobmüller und die uncharmante Art. Frustriert, denn ich suche weiter und finde nichts. Das geht den Januar so,  und in der Zwischenzeit macht sich Corona in Europa breit. Noch nimmt man es in Deutschland nicht so richtig ernst. Das wird sich bald ändern. Zum Ende des Monats finde ich dann doch einen interessanten 9-5 im Netz. Vom Prinzip her ist er zu schön,  um real zu sein. Natürlich hat die Sache auch schon wieder einen Haken.

Denn der Saab wird nicht in Deutschland verkauft. Und am Horizont ziehen schwarze Corona Wolken auf.

Alle vorherigen Beiträge zum Projekt Gentleman finden Sie hier.

12 thoughts on “Das Desaster. Wenn Talheim zu Waterloo wird.

  • @Herr Hirsch/Volvaab Driver:
    Ich lese nicht (mit großem Genuss) im Blog mit, um zu richten. Ganz im Gegenteil war mein Kommentar so gemeint, für mehr Entspannung zu sorgen, eben weil wir die Gründe auf Lobmüllers Seite nicht kennen (den ich auch als ruhigen, engagierten Fahnenhochhalter (und mehr als “nur” das) kennengelernt habe) – ganz sachlich, ganz ruhig 🙂

    (ich würde mir bei Absagen auch einen Anruf wünschen; Kommunikation ist das, was das menschliche Miteinander ausmacht und in meinen Augen einer der Grundpfeiler eines echten Miteinanders und nicht nur Nebeneinanders ist)

  • @all Prinzipiell darf man nicht vergessen, dass es Akteure wie Lobmüller sind, welche die Geschichte schreiben. Ich erzähle sie nur. Wäre auf Seite Lobmüller nur ein Hauch von Bedauern gegenüber dem unbekannten Kunden gewesen, ich hätte noch mal nachgehakt und die Geschichte (vermutlich) zu einem erklärenden, versöhnlichen Zwischenstand gebracht.

    Und niemand bedauert es mehr als ich, dass wir nicht eine positive Saab Geschichte aus Talheim auf dem Blog haben. Denn bei vorigen Besuchen hatte ich einen sehr guten Eindruck eines kleinen, engagierten Autohauses gewonnen.

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  • Das hohe Gericht (@ Saabansbraten & Roland)

    Ich habe Toms Artikel anders verstanden. Es ging sicher nicht darum, einen Saab-Händler oder -Service zu diskreditieren, um einen anderen um so glanzvoller erscheinen zu lassen.
    Dafür sind es zu wenige und ist die Republik zu groß.

    Dass es auch unzuverlässige und unangenehme Käufer gibt, hat garantiert schon jeder Autohändler erlebt.
    Und ohne Anzahlung und unterschriebenen Kaufvertrag ist eine Reservierung nunmal nicht viel wert – in jedem Fall weniger, als ein konkreter Käufer, der mit Bargeld wedelt, einem Hänger vor der Tür steht und positiven Druck ausübt.

    Aber wie sonst hätte das Erlebnis denn geschildert werden sollen? Und was genau hat den Händler davon abgehalten, in den letzten konkreten Interessenten ein kurzes Telefonat zu investieren?
    Wäre doch nett und fair gewesen, oder nicht?
    Nicht mehr & nicht weniger …

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  • Wir kennen als Mitlesende hier alle die Gründe auf Lobmüller-Seite nicht und es wäre nur vorschnell, da weiter drüber zu urteilen. Ich denke, jeder Händler – auch die, die weiterhin die SAAB-Fahnen wehen lassen – freut sich über einen real zustandegekommenen Kauf und Budget, mit dem gearbeitet werden kann. Das ist im Falle eines Kunden, der fest gekauft hat und dann womöglich noch im eigenen Betrieb bleibt (als weiterhin auch Werkstattkunde) der Wunschzustand. Da hatte Tom an der Stelle leider die nicht so guten Karten 🙂

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  • Auch wenn es nicht schön war aber vielleicht darf man auch einem Saabhändler mal einen schlechten Tag zugestehen.
    Sonst ist das ein überaus nettes und kompetentes Autohaus was einen immer wieder auf eine Zeitreise in die Zeit mitnimmt in der Saab noch mehr oder weniger erfolgreich war.
    Es gibt da auch so ein paar sehr unschöne Geschichten über einen hier immer sehr löblich erwähnten Hänndler ganz im Norden…
    Wo viel Licht ist, ist auch immer mal Schatten

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  • @Ken-Daniel Scheinbar ist er es nicht. Auf jeden Fall hat er einen sehr schönen und gepflegten 9-5 Arc. Ich gönne es ihm.

  • Falls der Käufer ein Blogleser war…ob der sich hier melden würde?

  • Das ist wirklich äußerst ärgerlich. Wenn selbst eine Anzahlung nichts bewirkt um seine Kaufabsicht zu untermauern, dann weiß ich es auch nicht mehr. Auf der anderen Seite möchte ich nicht wissen wie oft Autokäufer mit telefonischen Zusagen agieren und sich dann nie wieder melden oder zumindest den Anstand haben abzusagen.

  • Wenn ich das so höre (Tom & Aero-9-3), bin ich echt froh, das nicht selbst erlebt zu haben. Oder habe ich eine solche Erfahrung nur erfolgreich verdrängt? Könnte auch sein …

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  • Unglaublich dieses Verhalten. Dan wird Man richtig sauer.

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  • Das war ein ganz be………. Gefühl. Wie grausam.
    Das “ohne Vertrag” hat sich bitter gerächt… Sind halt (Auto-)Händler. Hanseatisches Wort gilt wohl nur noch beim Kaufmann.
    Ich habe eine solche Situation ebenfalls schon mitgemacht: Beim Händler den SAAB verbindlich reserviert, sogar eine Anzahlung angeboten, die freundlich abgelehnt wurde und mein Kommen für den nächsten Samstag angekündigt. Mein Bauchgefühl sagte mir am Freitag zuvor (3 Tage später), ruf noch mal an und kündige dein Kommen für morgen nochmals (!) an. Antwort: der SAAB ist verkauft. Ein Händler mit Hänger war gestern da und hat den SAAB sofort mitgenommen. Auf Wiederhören. Punkt, aus die Maus. Ich war stinkig. Wahrscheinlich ähnlich wie Tom…

  • Oh weh, das kann echt frustrierend sein. Echtes Mitgefühl – aber vielleicht kommt was besseres nach?

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