Umbruch und Generationswechsel bei altem Saab Blech

Die Zeit läuft. Unerbittlich und für jeden von uns. Im Saab Lager kündigt sich ein Generationswechsel an – und vielleicht der Anfang eines neuen Trends. Beschleunigend spielt dabei Corona eine Rolle. Die Pandemie holt Ikonen vom Podest, rückt manche Dinge gerade. Das trifft nirgendwo auf Begeisterung.

Generationswechsel im Saab Zweitakt Lager
Generationswechsel im Saab Zweitakt Lager

Wohin entwickelt sich das 2-Takt Lager?

Der Generationswechsel hat das Zweitakt-Lager mit voller Wucht erfasst. Es befindet sich im Umbruch. Aus Altersgründen verkaufen Sammler ihre automobilen Schätze. Saab 93, 95 und 96 mit Zweitaktmotoren sind auf der Suche nach einem neuen Unterschlupf. Nur, es kommt mehr auf dem Markt,  als dass Nachfrage wäre.

Die Lage, sie ist schwierig. Die Zweitakt-Fraktion hat kaum Nachwuchs. Nirgendwo. Weder bei den ganz Jungen, noch bei den Mittelalten. Die Antriebsart gilt als antik, schwierig, potenziell zickig und schmutzig. Und vor allem als schlichtweg unbekannt. Wer nicht in jungen Jahren behutsam mit dem Thema vertraut gemacht wurde, der kann mit einem Zweitakt Saab wenig anfangen. Fehlende Nachwuchsarbeit in der Szene ist ein Grund. Der Umstand, dass vor mehr als 50 Jahren die Umstellung zum 4-Takt Prinzip vollzogen wurde, ein anderer.

Engagement und viel Arbeit sind gefragt

Wohin driftet das Saab Erbe? Wer kauft, wer pflegt in Zukunft? Antworten zu finden ist schwer. Es wäre eine Aufgabe für die Clubs, ein Thema,  das bearbeitet werden müsste. Dass es dabei mehr um Arbeit als um Spaß geht, ist klar. Dass man sich damit kaum Anerkennung erarbeitet, auch.

Nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird das Thema akuter. Es ist längst auch in Schweden präsent. Im Juni 2020 wurde auf einer Auktion ein eigentlich spannender Saab 93B angeboten. Sehr original und nicht zu teuer. Nicht, wenn man das Preisniveau der letzten Jahre sieht. Der Saab blieb stehen und versuchte, zu einem reduzierten Preis, auf der September Auktion erneut sein Glück.

Dort wurde er, mit einem haarscharfen Erreichen des Mindestpreises, endlich verkauft. Problematisch ist nicht alleine die Lage des Zweitakt-Lagers. Die Pandemie hat so manches verändert, und sie hat einen ewigen Aufwärtstrend gestoppt.

Ende des Aufwärtstrends beim Saab 900 Cabriolet

Wenn etwas in diesem Jahr auffällig war, dann die Verkaufsgesuche für das klassische Saab 900 Cabriolet. Dessen Preise kannten lange nur einen Weg, den nach oben. Saab Garagengold, eine vermeintlich sichere Wertanlage. Mit dem Start der Pandemie begann auch die Verkaufsrallye des Saab 900.

Überraschend? Nicht ernsthaft. Menschen überprüften vor dem Hintergrund schlechterer wirtschaftlicher Bedingungen ihren Fuhrpark und suchten zum Verkauf das Auto aus, das am seltensten bewegt wird. Das Cabriolet eben.

Saab 900 Cabriolet - eine Ikone aus Schweden
Saab 900 Cabriolet – eine Ikone aus Schweden

Es gab Wochen, da kam pro Tag eine Mail an den Blog. Saab 900 Cabriolet zu verkaufen. Optimistisch in einem Verhältnis von Angebot und Nachfrage von 4 : 1. Realistisch wohl schlechter. Zu Preisen, die schon vor COVID-19 schwer zu erzielen waren. Darunter Monte Carlos, die keine sind, sondern einfach nur gelbe Autos.

Als Ergebnis fielen die Preise in den letzten Monaten auf den bekannten Portalen. Teure und überteuerte Fahrzeuge stehen wie Blei, der Markt drehte sich, Angebote wurden zurückgezogen. Es ist ein Käufermarkt geworden. Verhaltene Nachfrage trifft auf mehr Angebot. Wie lange die Entwicklung dauert, ob sich die Lage erholen wird, das alles ist offen.

Eine Chance für die Szene und Neueinsteiger

Vielleicht zeigt sich hier ein Trend, und eventuell ist die Marktkorrektur das Beste, das der Szene passieren kann. Neulinge und junge Fans steigen zu den bisher geforderten Preisen nur in Ausnahmefällen in den klassischen 900 ein. Der Preisverfall ist ihre Chance, und auch eine für die Szene, die hoffentlich etwas daraus macht.

Sonst, und das ist das drohende Zeichen an der Wand, wird man in ein paar Jahren beim 900 das Gleiche erleben wie bei seinen Brüdern mit dem Zweitakt Herz unter dem Blech. Kein Nachwuchs, weil der Einstieg in das Cabriolet zu teuer war und die Chance nie ergriffen wurde, um Begeisterung zu wecken.

Und das wäre doch wirklich tragisch.

19 thoughts on “Umbruch und Generationswechsel bei altem Saab Blech

  • @ Christian,

    das wäre ja wirklich großartig. Alles was da käme, würde ich dankbar und hungrig verschlingen …

  • @ Volvaab Driver

    Ja, ich gebe Dir Recht. Es wäre schön wenn sich Gregor Tuningberg (welch schöne saabische Max Mustermann Kreation) sich meldet und hier regelmäßig berichtet. Ich befürchte so einfach wird das nicht sein.

    Weil ich mich schon so schön aus dem Fenter gelehnt habe mache ich vielleicht den Anfang und schreibe ein paar Zeilen zu mir und meinen Autos. Ich würde auch den einen oder anderen SAAB-Kollega anschreiben, in der heutigen Zeit ist man über Instagram & Co doch gut vernetzt (wenn von den Blogbetreibern gewünscht). Vielleicht ergeben sich so ein paar interessante Beiträge für den Blog.

    Ich bin mir auch sicher, dass viele deutschsprachige junge SAAB Fans auch hier mitlesen – irgendwo müssen die Besucherzahlen ja herkommen.

    Mal sehen was sich machen lässt.

    Christian

  • Habe meine Chance als Neueinsteiger genutzt. Wenn alles glatt läuft, ist mein Cabrio in 2 Wochen bei mir 🙂 Dann noch etwas Feinschliff über die Wintermonate und der nächste Sommer kann kommen.

  • Christians Anregungen

    Ich wüsste ja gerne viel mehr über diese bunte Saab-Szene Aber wo verstecken die sich alle, wenn es selbst in D bei Saab so vielfältig zugeht?

    Warum kommen die jungen Wilden nicht hier auf die Macher des Blogs und seine Leserschaft zu?

    Hätte ich Erfahrungen mit einem Maptun Stage X, würde ich sofort einen Leserbeitrag schreiben. Thematisch offene Aufrufe gibt und gab es hier ja immer wieder …

    So lange ich hier lese war es aber immer der Blogger selbst, der über den Tellerrand von Hirsch und Saab geschielt und beispielsweise eine Domstrebe von Maptun in einem 9K verbaut und von positiven Effekten berichtet hat.

    Wäre schon spannend und erhellend, wenn die beschriebene Szene uns konservativen und alten Säcken an ihrem Wissen teilhaben ließe, was mit einem Saab so alles möglich ist und wo der TÜV und Motorschäden vielleicht Grenzen setzen?

    Zumindest für mich nehme ich in Anspruch, das alles gerne lesen zu wollen. Dafür krieche ich aber auch in keinen Fuchsbau, um dort die Windeln zu wechseln.

    Vielleicht gehört der Spieß umgedreht? Vielleicht erklärt Gregor Tuningberg hier wöchentlich unter dem Motto Tuesdays for Future, was ein Saab heute und noch morgen so alles kann, wenn man die Denkmuster Originalzustand plus maximal ein wenig Hirsch verlässt.

    Ich wäre ganz Ohr und ertappe mich selbst immer wieder bei Recherchen, die ich aber ergebnislos frustriert abbreche.
    Wie gesagt, ich krieche in keinen Fuchsbau.

    Wer etwas zu sagen hat, sollte weder das Licht scheuen, noch sich lange bitten lassen. Einfach raus damit. Hier wäre es mir am liebsten.

  • @ Ebasil (Farben),

    fahre gestern meinen Jüngsten und er deutet auf ein matt graues Auto, sagt er fände es schick und interviewt mich, wie ich zu Modell und “Farbe” stünde …

    Papa kann es nicht lassen und kommt ins Schwafeln über Licht- und Körperfarben, deren Mischung, physikalisches Prinzip von Displays, Druck, Lack (Blablabla) …

    Altersgerecht (10) fahren wir mit einer Zählung farbloser versus farbiger Autos fort und stellen fest, dass rund 85% der Autos inzwischen farblos (auf der Skala von weiß bis schwarz oder in silber) unterwegs sind.

    Bei den wenigen Autos mit Farbe dominieren wiederum nur die, welche ebenso wie weiß keinen Aufpreis kosten. Ein banales rot irgendwo zwischen RAL 3000 und RAL 3003 und ein dunkles blau.

    Eine wahrlich triste Beobachtung …

    Nur 5 bis 7,5% der Autos sind anders lackiert. Offenbar braucht man heute Mut zur Farbe? Ich hoffe, das Pendel Zeitgeist und Mode schwingt schnell zu einem Bedürfnis nach Farbe.

    Apropos Pendel, ein positives H-Gutachten hängt heute nicht unbedingt an der Originalität der Fahrzeugfarbe. Mag sein, dass es einen Punktabzug gibt, aber ein Auto müsste auch insgesamt schlecht dastehen, damit die Farbe zum Zünglein an der Waage würde …

    Sie haben ja Zeit. Wenn Mode und Zeitgeist dafür sorgen, dass es in 22 Jahren ziemlich bunt und auch weinrot auf
    unseren Straßen zugeht, haben schwarze Perlen wieder einen ganz besonderen Wert.

    Wenn ich Ihr schönes Cabrio hätte, würde ich Modewellen ganz gelassen an mir abperlen lassen …

    Bislang war das letzte “Must Have” immer zuverlässig das kommende “No Go”.

    Ich denke, Hans hat eine gute Farbe gewählt. Der Mann ist aber auch Architekt und kennt sich mit Zeitgeist, Moden und Beständigkeit aus, ist von Berufswegen her auf der Suche nach einer universelleren Gültigkeit.

    Menschen wie Sie und ich, sollten über einen neuen und anderen Lack sehr gründlich und mind. doppelt so lange nachdenken.

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  • “Upcycling”

    (tolle Wortschöpfung :-/) macht in der Vielfalt das Leben bunt (wie Christian schreibt) und bereichert uns um die Visionen der jeweiligen Besitzer (wie Volvaab schreibt). Die Kommentare, insbesondere die von Christian, waren zu diesem Artikel wirklich sehr bereichernd und informativ, noch mehr als ohnehin meistens.

    Das Upcycling ist in jedem Fall gut, weil es automobiles Kulturgut rettet und aus Klimagründen sowieso. Und es ist wohl wirklich alles eine Frage des persönlichen Geschmacks. Davon hängt auch ab, wo man eine Grenze des noch Angemessenen und Passenden ziehen will.

    Auch viele Leser hier berichten gerne über ihre vorgenommenen Änderungen, die so nicht den überhaupt möglichen, sprich lieferbaren Zustand als Neuwagen widerspiegeln. ZB in puncto Farbe: Hans lässt seinen 9-5 OG in wunderschönem Skyblue lackieren, was es aber bei diesem Modell so nie gab. Die Kieler haben sich einen 9-5 NG in Merlotrot-metallic aufgebaut, eine viel ältere Saab-Farbe, die für den 9-5 NG nicht erhältlich war. Ich überlege mir, vielleicht auch irgendwann mein schwarzes Griffin-Cabrio (schön, aber laaangweilige Farbe) in ein schönes weinrot-metallic umzulackieren. Gab es nie für den 9-3 III, sondern nur das mir nicht gefallende Laserrot. Die Vorstellung, dass ich dann in 22 Jahren kein H-Kennzeichen bekommen könnte, wird mich aber vielleicht dann doch abhalten … 😉

    Wo ist die Grenze Zwischen “erlaubter” individueller Verschönerung und prolligem Tuning? Ich würde sagen: Ganz einfach, das hat jeder Besitzer für sich individuell zu entscheiden. Punkt. Was gefällt, ist erlaubt, solange dadurch alte Schätze am “Leben” erhalten werden.

  • @ Ken-Daniel S (Bremskraftverstärker),

    der ist ein alter Hut mit Löchern. Ich bin schon etliche Autos ohne alles gefahren – fast ohne alles, denn einen Bremskraftverstärker hatten sie trotzdem alle.

    Ist von allen genannten Ausstattungsmerkmalen auch das einzige, das ich unabdingbar finde.

    Für mich ist es ein echter Spaßfaktor und Genuss pur, wenn zwischen Fahrer, Fahrzeug und Fahrbahn ein möglichst direkter Kontakt besteht.

    Ich weiß nicht, was mein Fahrschulauto bereits alles an Bord hatte, aber so richtig Fahren gelernt habe ich auf den alten Kisten ohne alles. Die vermitteln die Fahrphysik und Fahrbahnverhältnisse unmittelbar. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich ohne diese Erfahrung heute ein schlechterer Fahrer wäre.

    Ohne Servo ergibt sich ein direktes Gefühl für die Abhängigkeit der Lenkkräfte von Geschwindigkeit und Fahrbahnverhältnissen (Lenkkräfte auf glattem Eis schon im Stand = 0) und ohne Antischlupf-Regelung lerne ich schon auf der Geraden und beim Anfahren etwas über den Untergrund, das es beim Bremsen und in Kurven zu bedenken gilt …

    Ich finde diese Informationen und ein gesundes Gefühl für die bei Regen, Schnee oder gar Eis jeweils gültige Fahrphysik so wertvoll, dass ich bei meiner Chrombrille immer wieder gerne die Assistenz ausschalte. Einer meiner Lieblingsknöpfe auf dem Armaturenbrett …

    Man lernt dabei unglaublich viel über die jeweils herrschenden Fahrbahnverhältnisse. Beispielsweise ist jeder Regen anders. Nach mehreren Regentagen ist eine Fahrbahn einfach nur nass und nicht weiter kritisch. Nach längerer Trockenheit bildet sich beim ersten Regen aber gerne ein Schmierfilm und man hat eine Traktion wie auf einer festgefahren Schneedecke (und das völlig unerwartet bei 20 bis 30 Grad plus im Frühjahr oder Sommer und gänzlich ohne nasses Laub) …

    Airbags, ABS und ESP hin oder her (kann ja hilfreich sein). Aber wenn ich die Fahrbahnverhältnisse und die aktuell gültige Physik nicht verstanden habe, weiß ich am Baum und mit der Nase im Airbag trotzdem nicht, was genau jetzt Fluch oder Segen ist …

    Wenn ich schon am Baum lande, dann gerne mit Airbag. Aber wäre ich überhaupt am Baum gelandet, aus der Kurve geflogen, wenn ein assistenzbefreites Auto mir zuvor einen unmittelbaren und unmissverständlichen Eindruck der geltenden Verhältnisse geliefert hätte?

    Ich finde diese Frage berechtigt. Die Anhänger von Assistenz und Fortschrittsgläubige bemühen an dieser Stelle gerne die (Unfall-) Statistik. Mir fällt es schwer, das unwidersprochen durchgehen zu lassen …

    Viel zu viele Parameter im Straßenverkehr sind gleichzeitig verändert worden, um jetzt noch gültig Schlüsse zu dem Effekt der einen oder anderen Maßnahme ziehen zu können.

    Während vielfältige Assistenzsysteme Einzug in unsere Autos hielten, sind gleichzeitig Tempo-30-Zonen in unseren Städten eingeführt, Radwege, Spielstraßen und Fußgängerzonen ausgebaut und Landstraßen umgebaut, erweitert und entschärft, Hunderttausende Kilometer an Leitplanken installiert worden.

    Da kann kein Mensch der Welt noch sinnvoll die möglicherweise positiven Effekte von der einen oder anderen Assistenz rausrechnen. Kein Schwein weiß, wie sicher oder unsicher der Straßenverkehr heute mit neuem Bußgeldkatalog, neuen Tempolimits, neuen Leitplanken, geänderter Verkehrsführung (Ortsumgehung) und auf neuen Fahrbahnen wäre, wenn noch immer alte Autos unterwegs wären.

    Vielleicht würden sich die alten Kisten unter den neuen Bedingungen ja überraschend gut schlagen? Mir ist es jedenfalls ein Rätsel, was Airbag, ABS und Co in einer Tempo-30-Zone einem 50 Jahre alten Auto noch voraus haben sollten?

    Auch wer da bei Tempo 100 vielleicht an einer Leitplanke kratzt, ist doch vollkommen egal. Wir machen den Fehler, das Kratzen an einer Leitplanke (heute) mit einem Abflug in den Wald (gestern) gleichzusetzen. Aber was genau macht hier wirklich den Unterschied?
    Ist es die Leitplanke oder das Assistenzsystem?

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  • Tuningopfer & Upcycling

    Danke Tom & Christian. Das sind zusammen gleich 2 tolle Artikel hier an einem Tag.

    Manch getunter Oldtimer weckt bei mir zwar echte Aversionen (insbesondere Felgen und Farben), aber das ist bei Neuwagen ja nicht anders …

    Warum also nicht auch bei Tuning, Restaurierung und Umbau – letztlich Upcycling – gebrauchter oder gar historischer Fahrzeuge verschiedene Geschmäcker?

    Was immer da wer auf die Räder stellt, ist besser als der Schrottplatz und nachhaltiger als die Abwrackprämie.

    Ein Event ausschließlich mit Fahrzeugen, die aussehen als hätte ein Kind eine Kiste Hot Wheels ausgekippt, wäre mir persönlich trotzdem zu infantil.
    Ein Event ausschließlich mit originalgetreuen Exponaten mit 1er H- und Wertgutachten wäre mir umgekehrt aber auch viel zu museal und irgendwie auch zu steril, nicht lebendig genug …

    Am liebsten gucke ich eine Mischung aus allem. Und da gibt es noch etliche Kategorien zwischen den genannten Extremen. Etwa getunte Autos, die optisch kaum oder gar nicht von der Serie zu unterscheiden sind (Sleeper) oder solche, denen man ihr Tuning zwar ansieht, es aber historisch korrekt wirkt, weil die Abteilung R-Sport sich zumindest theoretisch schon vor 20, 30, 40 oder 50 Jahren so oder so ähnlich ganz gründlich an dem Fahrzeug hätte ausgetobt haben können …

    So lange es genug Originale gibt, mit denen man Museen, private Sammlungen und somit auch Treffen bestücken kann, finde ich es richtig gut, wenn sich für “überzählige” Gebrauchte und Oldtimer auch andere Visionen und Geschmäcker finden. So bleiben sie in vielfältiger Gestalt erhalten und bereichern uns um die individuelle Vision des jeweiligen Besitzers.

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  • So dann gebe ich noch meinen Senf dazu, da ich ja auch zu der jungen Generation der Saab Fahrer gehöre. Ich tu mir mit der Zweitaktergeneration eher schwer, weil diese Autos aus der Zeit wo es im Auto außer Sitzen und großem Lenkrad nichts gab. Ich habe auf Autos mit, Airbags, ABS, (ESP) Bremskraftverstärker, Servolenkung und PDC das Autofahren gelernt. Auch wenn Saab fahren Spaß bedeutet, möchte ich auf diese grundlegenden Sachen nicht verzichten. Bin vor kurzem ein Auto ohne Servolenkung gefahren, gott sei Dank nur Überland, aber für den alltäglichen Gebrauch wäre das für mich nichts.
    Betreffend den Zweitaktern kann ich noch den Blick an Polen empfehlen, dort das Lager der Zweitakterfans groß

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  • @Tom
    Nach den weiteren Kommentaren hier muss ich zugeben, dass ich die Szene der jungen Leute die gerne tunen völlig außer Acht gelassen habe. Insofern stimme ich Dir zu das ich zu sehr veralgemeinert habe. Ich beschränke meine negative Sichtweise ausschließlich auf die reinen Verbrauchsfahrer, die ja dann eigentlich einen zu kleinen Kreis einnehmen um drastische Preireduzierungen und Fahrzeugverlust verursachen.

  • @ebasli: nun, ich denke das kommt daher, dass ich einerseits verschiedene Marken als Young-/Oldtimer gefahren bin und bis heute nicht nur SAAB mich begeistert. Andere Marken andere Sitten, oft rutscht man unverhoft in die eine oder andere Richtung. Andererseits organisiere ich selber verschiedene (kleine & private) Ausfahrten/Events. Pässe-fahren in den Alpen oder Cruisen im bayerischen Voralpenland. Immer markenübergreifend. Es bleibt mir auch nichts anderes übrig, im Münchner Raum gibt es nicht soviele SAAB Fahrer 😉

    Da kommt natürlich sehr viel Input rein – der eine fährt einen W123 und poliert den ganzen Tag, der andere einen Z3 Coupe und übt heimlich driften, der nächste überlegt wie man einen V8 in einem BMW e30 einbaut, der MX5 Fahrer hat den Motor mit Turbolader auf knapp 400 PS gebracht und der 2er GTi Fahrer optimiert sein Fahrwerk, der 964er Fahrer fährt nicht weil es regnen könnte und der BMW 850er Fahrer will ein abgerocktes Auto weil ihm die ganze schicki-micki Oldtimer dings-bums Gehabe stört … ich höre hier jetzt auf, sonst komme ich nicht in den Feierabend 😉

    Und schon ist man mittendrin und die Diskussionen beschränken sich nicht mehr auf ein Thema oder eine Marke. Dafür kommt mein SAAB manchmal zu kurz. Auch nicht so gut – für mich.

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  • Christian – sehr interessante Sichtweise,

    die zu Denkanstößen führt (was sie ja auch soll)! Und unzählige Begriffe, Namen, Szenen usw., von denen ich noch NIE ein Sterbenswörtchen gehört habe. Bin eben auch ein Kind der 80er. Aber woher weiß und kennt man sowas, wenn selbst Kind der 80er? Viele jugendliche Kontakte in die Autoszene?

  • @Christian Danke, gut geschrieben!

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  • Ich würde das gar nicht so schwarz mit dem Generationswechsel sehen. Ich denke hier sollten wir auch eine andere Sichtweise einnehmen – sonst werden wir Betriebsblind. Es gibt sehr wohl eine SAAB Szene außerhalb des Blogs hier und des allgemein bekannten SAAB Forums. Nur ist das eine jüngere Generation die anders mit den Autos umgehen als wir es gewohnt sind. Es gibt bspw. die Stance-Szene, die Tuning-Szene, die Restomods, etc, dort wird auch SAAB gerne gesehen und umgebaut – ich denke die wenigsten hier haben sich mit diesen Szenen beschäftigt. Und da liegt das Problem. Die jüngere Generation hat andere Ansprüche, andere Vorstellungen und andere Visionen.

    Es gibt auch junge Firmen wie do88, ESQS Wheels und andere die sich speziell mit SAAB beschäftigen. Auch gibt es außerhalb des deutschsprachigen Raums eine viel jüngere SAAB Gemeinde. Leute wie “t16forpresident” aus Schweden oder “ultramarine blue saab 900″ aus Polen, die SAAB S9 Studie von Ash Torp (bitte selber die Suchmaschinen bemühen – ich will hier keine Links posten) sind nur einige Beispiele.

    Wir müssen uns dem jüngeren Publikum öffnen und zulassen, dass ein Maptun Stage X getunter SAAB oder ein 9000er mit Airride auch zu unserer SAAB Gemeinde gehört. Wir müssen der jungen Generation auch eine Plattform bieten. Denn, genau diese junge Generation wird die Marke weitertragen. Hier fehlt der Link zwischen dem klassischen SAAB Fahrer, der allerhöchstens Aero- oder Hirsch-Felgen dran montiert und alles andere als Gotteslästerung empfindet und dem jungen Publikum der einen 9-5 NG mit 22″ ESQS Felgen fährt.

    Die Volvo Szene als Positiv-Beispiel und die Rover Szene als Negativ-Beispiel ist hier zu nennen. Auf der einen Seite (Volvo) ist es mittlerweile völlig normal, dass 240er bis 740er nach Gusto umgebaut werden und auf Klassiktreffen neben original Erstlack Autos stehen. Auf der anderen Seite (Rover), ist jetzt schon tote Hose obwohl Rover auch schöne, schrullige, techn. interessante Autos gebaut hat. Der Generationswechsel hat nicht geklappt.

    Ob ein 901 Cabrio an Wert verliert, mal unter uns gesagt – wenn interessierts außer dem Michl. Das ist unsere Betrachtungsweise (ich fahre selber 901 Cabrio). Der Preisverfall, wenn man den so nennen möchte, ist maximal im unteren vierstelligen Bereich. Ich glaube nicht, dass hier in D irgendein SAAB Liebhaber um seine Existenz sorgen machen muss. Oft wird das 4. oder 5. Auto verkauft. Das ist purer Luxus.

    Die jüngere Generation sucht kein 901 Cabrio. Die suchen ein brauchbares 901 turbo 16 Coupe, ein 902 aero coupe als Schalter, ein Viggen, etc. Ich habe alleine dieses Jahr zwei 9-3er in meinem Bekanntenkreis an die junge Generation vermittelt (Turbo, Coupe und Schalter waren die Kaufkriterien). Die Käufer wollen das Auto umbauen, vielleicht Maptun, vielleicht anderes Fahrwerk, vielleicht 19” Felgen. Eine andere Vorstellung vom Liebhaberei eben.

    Ich denke, wir sollten offen sein für die jüngere Generation und daran denken wie es uns auch mal in jüngeren Jahren erging. Als wir die ersten Autos “getunt” haben, sehr rudimentär wahrscheinlich, hat uns die ältere Generation auch schräg angeschaut. Als ich SAAB fahren wollte, wurde ich immer und immer wieder belehrt, dass Premium (damals gabs das Wort ja gar nicht) Mercedes heisst und nicht SAAB. Dass eine schwarze Motorhaube, AZEV Felgen, Farbklecks-Aufkleber total prollig sind. Also habe ich Abstand von diesen Ratgebern genommen und trotzdem SAAB gekauft.

    Ja, ich konnte mit einem 2-Takter auch nichts anfangen. Langsam, laut, umständlich, unkomfortabel. Ich wollte turbo und ab auf die Autobahn. Bin eben ein Kind der 80er Jahre. Heute sehe ich das anders. Ich habe auch die Langsamkeit entdeckt. Manchmal braucht es ein bisschen Zeit.

    Ich denke nicht, dass das Generationswechsel-Thema ein Club-Thema ist. Die junge Szene ist heute dezentralisiert, eher globalisiert. Da zählt nicht mehr so sehr die Marke alleine, sondern das wofür man im Leben steht. Will ich “Petrolicious” oder “Speedhunter” sein (auch hier, bitte die Suchmaschinen bemühen).

    Lasst uns gemeinsam eine Tür für diese jüngere Generation öffnen, akzeptieren das ein Maptun, Airride, Stance, Restomod SAAB genauso die Gene der Marke weiterträgt. Vielleicht lehne ich mich zu sehr aus dem Fenster, aber lasst uns diese Plattform für die Jüngeren öffnen. Neue Themen aufnehmen, neue Sichtweisen zulassen. Dies vermisse ich schon sehr hier im Blog. Ich weiss, Kritik ist schnell ausgesprochen. Mir ist auch sehr bewusst wieviel Arbeit solch ein Blog macht (habe selber jahrelang einen Betrieben) und dafür muss ich euch auch Respekt zollen.

    Ein Wort zum Schluss: Ich denke die Vielfalt macht das Leben bunt.

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  • @Alter Schwede: Ich würde das nicht verallgemeinern. Die Szenerie rund um Saab ist alles andere als einheitlich. Es gibt Menschen, die investieren sehr viel Geld in Fahrzeuge, die es eigentlich nicht wert sind. Andere hingegen fahren auf Verschleiß. Ich denke aber, dass die Cabriolets allgemein einen Wert behalten und die billigen 900 II oder 9-3 I zulegen werden.

  • @Ebasli: Porsche 911 ist ganz allgemein eine Blase. Abgesehen von wirklich raren Versionen gibt es seit Jahren eine Kluft zwischen öffentlichem Preis und dem, was in der Realität gezahlt wird. Die Preisentwicklung ist, durch Corona, im Prinzip überall gedämpft bis bröckelnd.

  • Naja, Preisreduzierung erschließt gleich größeren Käuferkreis sehe ich eher skeptisch. Beim Nachfolger dem 9-3 I Cabrio ist die Preislage ja so gut wie am Boden. Nach meinem Saabvertrautem werden diese Autos gekauft nix investiert, runtergeritten und dann einfach wieder verscherbelt. Das was ich in meinem 9-3 I Cabrio investiert habe, spiegelt der Markt “noch” nicht wieder. Aber das mache ich aus Leidenschaft. Und das Auto steht top da. Ist ja auch zur eigenen Freude. Wenn aber dass Saab Cabrio schlechthin, der 900er (ob man ihn schön findet liegt im Auge des Betrachters), einen ähnlichen Weg geht, sieht es, meiner Meinung nach düster aus. Für die 9-3er dann erst recht.

  • Weiß vielleicht jemand, wie sich die aktuelle Situation auf die anderen, bisher absolut wertstabilen Klassiker ausgewirkt hat, zB Porsche 911?

  • So schade es auch für das wunderschöne 900er Cabrio wäre – aber vielleicht gilt auch hier, dass die ganz Jungen doch eher Autos bevorzugen, die sie aus ihrer Kindheit noch irgendwie kennen? So wie es mir nie in den Sinn käme, mich mit einem Zweitakter zu befassen. Vielleicht deshalb auch der großartige Preis für das rote 9-3 ÌI-Cabrio auf der Auktion?

    Wenn es so wäre, würde das vielleicht die Wertschätzung und das Interesse an den 9-3ern erhöhen, was wunderbar wäre. Ich hoffe aber sehr, dass die 900er Cabrios nur eine Corona- und rezessionsbedingte Zwischenflaute erleben und dann wieder zu dem Niveau zurückkehren, das ihnen gebührt!

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