Wie wäre es mit etwas Retro – Ideen zum Saab Comeback

Victor Muller tut es. Der ehemalige Saab CEO belebt Spyker neu. Das ist Retro, wie alles an den Fahrzeugen – sieht man von den vermutlich überragenden Fahrleistungen ab. Das Innenraumdesign des Aileron C8 huldigt einer Epoche, die schon lange Vergangenheit ist. Die handverlesene Kundschaft wird das nicht abschrecken.

Saab 96 Retro Idee von Bo Zolland
Saab 96 Retro Idee von Bo Zolland

Ganz im Gegenteil. Denn Retro ist in.

Ein Aileron C8, in Manufakturarbeit hergestellt, wird nicht besonders günstig sein. Die Preise sind noch nicht bekannt, aber als Interessent könnte man vorsorglich einen 7-stelligen Betrag zur Seite legen. Ansprechendes Retro Design gibt es auch etwas günstiger. Schwedisches Retro – das brandneu in der letzten Woche vorgestellt wurde.

Volvo P1800 Cyan

Ein schwedischer Sportwagen, eine Ikone, feierte so etwas wie seine Wiedergeburt. Das Design des historischen P1800 S von Volvo wurde überarbeitet und in eine Kohlefaserkarosserie gegossen. Dazu nahm sich Cyan Racing, früher als Polestar Racing unterwegs, einfache, aber scharfe Zutaten aus der Technikküche. Ein 2 Liter Motor mit Turbolader leistet 420 PS, er gibt die Leistung konventionell an die Hinterräder ab. Durch Leichtbau wiegt der Volvo P1800 Cyan nur 990 Kilogramm. Die Fahrleistungen werden überragend sein.

Schwedisches Retro - Volvo P1800 Cyan
Schwedisches Retro – Volvo P1800 Cyan

Sonst aber hielten sich die Schweden bei ihrem Retro Projekt überraschend zurück. Keine Assistenzsysteme an Bord, kein Online-Auto ist hier entstanden. Sogar das ABS und ESP fehlen, könnten aber in der Kundenversion an Bord sein. Cyan wird den Volvo P1800 in einer Kleinserie herstellen. Die Preise sind nicht bekannt, sollen aber irgendwo zwischen 400.000 und 500.000 US Dollar liegen.

DS Grand Palais

Es geht noch geschmackvoller, und es geht preiswerter. Gérard Godfroy, ehemals Designer bei Peugeot und Venturi, baute sich das Auto, das es so ab Werk nie gab. Ein Citroën DS Coupe, nur besser und schöner als alles,  was bisher zu sehen war. Das Ergebnis seiner Arbeit ist ein Retro Coupé auf DS Basis. Die DS Grand Palais übertrifft im Design, Verarbeitung und der Auswahl der Materialien alles, was man bisher zu diesem Thema gesehen hat.

La DS Grand Palais von Gérard Godfroy
La DS Grand Palais von Gérard Godfroy

Das Coupé ist die beste und sicherste DS aller Zeiten, wahrscheinlich auch die Schönste. Ein Retro Einzelstück, das keines bleiben wird. Rund 150.000 € kosten perfekte Designlinien und Individualität. Zuvor muss aber noch die Zulassung in der EU geklärt werden.

Drei Beispiele aus verschiedenen Ländern. Deutschland mit Spyker, Frankreich mit der DS Grand Palais, Schweden mit dem Volvo P1800 Cyan. Beispiele, die kostspielig und individuell sind. Der Trend ist ersichtlich und wird nicht bei kostspieligen Retrogedanken bleiben. Volkswagen wird in den nächsten Jahren die elektrische Retrogeschichte spielen. Der VW Bully kommt wieder, ein Buggy solle kommen. Vom Einfall,  den VW Kübel neu und elektrisch wiederauferstehen zu lassen,  ist man mit gutem Grund und Blick auf die Geschichte abgekommen.

Wie wäre das mit einem Retro Saab

Das Elektroauto-Zeitalter würde es möglich machen. Eine modulare Plattform, wie sie Unternehmen wie VW für Kleinserienhersteller anbieten. Ansprechend verpackt mit einer Karosserie im Retro Design. Vielleicht zum Start ein Saab 96 Elektro? Als wendiges, emissionsfreies Auto für die Stadt. Ein knuffig-rundlicher Sympathieträger zum bezahlbaren Preis.

Johan Wejedals Saab 96 Retro Idee
Johan Wejedals Saab 96 Retro Idee

Einige tausend Stück im Jahr produziert, eventuell parallel zum Sion von Sono Motors in der früheren Saab Fabrik. Oder bei Valmet in Finnland, dort wo so viele Saabs vom Band liefen. Später dann eine Neuauflage des klassischen Saab 900. Als ein Elektroauto mit etwas größerer Reichweite, das Comeback einer schwedischen Ikone.

Möglichkeiten gäbe es. Die Investitionen wären überschaubar, würde man sich in einem Elektrobaukasten eines Konzerns bedienen können. Oder einer der großen Zulieferer, von denen vor Corona Manche mit der Idee eines eigenen Elektroautos spielten, könnte sich dafür erwärmen.

Saab zurück als Elektroauto und als Retro Marke? So wie es BMW einst mit dem Mini vorführte?

Gelegenheit und Zeitgeist oder einfach nur Leichenfledderei? Ich bin gespannt auf die Meinung der Lesenden.

11 thoughts on “Wie wäre es mit etwas Retro – Ideen zum Saab Comeback

  • Retro-Design mit neuer Technik hatte schon immer seinen Markt, egal ob zwei oder vier Räder … entscheidend ist der Preis … sicher ist jeder Liebhaber der Marke bereit für einen neuen Dailydriver ein paar Euros mehr zu bezahlen, als für die Massenware von VW & Co., jedoch keine 6stelligen Beträge

    Danke Tom für den wieder einmal tollen Artikel

    PS: die Sonne lockt am Wochenende … wieder Zeit offen zu fahren

    also allen ein schönes Wochenende

  • @ StF,

    Danke. Kannte ich nicht. Sehr charmant. Sehenswert.

  • Retro-Straße

    Mir fehlen vor allem die Straßen, die noch richtig Spaß machen.

    Schlechter Belag oder gänzlich unbefestigt und dazu ein geringes Verkehrsaufkommen. Das war für alte Volvos und Saabs damals Teill des Alltags und die konnten das richtig gut.

    Ich hatte öfter das Vergnügen, mit verschiedenen alten Autos auf solchen Straßen, aber habe es nicht oft genug.
    Davon kann man auch gar nicht genug bekommen.

    Das ist eine verkehrte Welt. Da fliegt man mit 120 Km/h über einen Feldweg und das allerletzte, was man vermissen würde, ist ein modernes Auto oder mehr PS.

    Die sind schwerer, liegen tiefer, schlagen durch, setzen auf, schwimmen auf ihren Breitreifen wohin sie wollen und können dort nur mit max. 60 bis 80 Km/h bewegt werden, ohne selbst Schaden zu nehmen oder schlimmer noch, samt der Insassen im Wald zu landen.

    Wer das Vergnügen hatte, weiß wovon ich rede. Ein Feld- oder Waldweg in einem alten Schweden macht so richtig Spaß.

    Ansonsten sehe ich es ganz ähnlich wie alle zuvor. Die DS ist unglaublich schön. Beim P1800 (geiles Teil) sehe ich eher eine moderne Replica, als ein Retro-Design im Stile von New Beetle, New Mini und New Whatever …

    Da eng am Original zu bleiben, ist goldrichtig. Verbrenner, keine Assistenz, kein Schnulli. Einfach nur gut.

    Und trotzdem hätte ich mit dem Original auf einer alten, unbefestigten Straße wohl mehr Spaß …

    125 PS und 120 Km/h fühlen sich da ganz locker besser an, als 420 PS und 250 Km/h auf einer verstopften BAB.

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  • Ein interessanter Gedanke der sich da auftut. Retro wäre nicht nur das Design, sondern wie ganz, ganz früher auch die Herstellung. Es gab ein Chassis und Karosseriebauer “zimmernten” ein Kleid darum. Könnte heute auch funktionieren. Bei dem geringen Aufwand für eine Karosse könnten auch Kleinstbetriebe eine schneidern und die Vielfalt und Individualität am Automarkt erheblich vergrößern.

  • Ja Hans, da kann man schwach werden. Die DS Grand Palais ist bis in das kleinste Detail sehr schön, ein echter Traum!

  • Oh la la, La DS Grand Palais, was für ein wunderschönes Fahrzeug! Da flammt doch grad mal meine alte Liebe Citroen etwas auf!

    Toller Beitrag, einfach immer wieder lesenswert was Tom uns da serviert!

  • Grundsätzlich eine schöne Idee, die das Straßenbild um charmante und besondere Fahrzeuge bereichern könnte!

    Aber die Frage, ob solche Retro-Autos gefallen, ist ja immer eine des persönlichen Geschmacks. Ich persönlich finde die Retros vom Mini, Fiat 500 und Käfer (Beetle) sehr gelungen, charmant und fast besser als die Originale (auch wenn der Beetle äußerst unpraktisch war).

    Ein Horror-Gegenbeispiel war m.E. dagegen der Chrysler PT Cruiser (auch als Cabrio) – ein Paradebeispiel dafür, wie man alt und neu gerade nicht kombinieren sollte bzw. darf. Liegt vielleicht auch daran, dass es eine Reminiszenz an Uralt-Vorkriegs-Oldtimer sein sollte und man das einfach nicht modern hinkriegt bzw. (jedenfalls ich) damit fast nur Negatives assoziiert. Ich sehe vor meinem geistigen Auge übelste Gestalten aus der deutschen Geschichte in solchen offenen Kästen begleitet großen Paraden in europäische Hauptstädte einfallen. Sehr richtig daher auch die Einschätzung von Tom bzgl. des Kübelwagens.

    M.E. liegt die besondere Kunst darin, zwar die prägendsten Linien des älteren Vorbilds aufzunehmen, dabei aber gleichzeitig modern und auch richtig neu zu sein – was bei Mini, Fiat 500 und Beetle gelungen war. Deshalb finde ich den holländischen Saab-Entwurf auch so schlecht nicht! Die DS ist natürlich wunderschön, die beiden anderen Entwürfe (Volvo und Saab) auch ok, aber mir persönlich zu nah am Original.

  • Großartig! Alle Fahrzeuge haben ihren Reiz. Meine Hitliste:
    1. die Traum-DS
    2.SAAB 96 oder P 1800 von Volvo/Cyan
    und zu guter Letzt der SAAB 96 aus den Niederlanden. (Ist mir zu aufgeplustert… 🙁 ) Preis utopisch.
    Interessant, was sich alles so “nebenbei” auf dem europ. Autosektor tut… und das analoge Fahrzeuge noch eine Chance bekommen!

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  • Einfach genial und gleichzeitig weg vom täglichen Einheitsbrei auf Europas Straßen. Nischenprodukte in Form von Klassikern – wenn da nicht das “Problem” zwischen Daumen und Zeigefinger wäre !?

    Sehr gern trotzdem mehr davon … DANKE

  • unbedingt machen, es muß doch auch schöne E-autos geben!

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