Eine Reise nach Trollhättan. Wie war das vor 10 Jahren?

Auf der Fähre nach Dänemark waren wir kurz vor 5 Uhr, auf den nach Schweden kurz vor 8. Schwedischen Boden hatten wir um 8.20 unter den Rädern. Und dann ging die Reise weiter. Immer Richtung Norden, nach Trollhättan. Begonnen hatte das Abenteuer am Abend zuvor im Raum Frankfurt. Mit dem 9-5 Kombi, einem Freund und dessen Sohn, starteten wir in Richtung Skandinavien.

Willkommen bei Saab!
Willkommen bei Saab!

Schweden für ein paar wenige Tage, das ist verrückt. Wie konnte es dazu kommen? Saab fahre ich seit einer gefühlten Ewigkeit. Präzise seit 1992 und vielleicht bis zum Ende meiner Tage. Falls der Gesetzgeber mich gewähren lässt und falls mir keine andere verrückte Idee durch den Kopf geht. Aber nach Trollhättan hatte es mich noch nie verschlagen. Nicht wegen Saab jedenfalls. Ich kannte die Stadt von Reisen durch das Land, dass Saab dort Autos baute interessierte mich nicht.

Ich fuhr Saab. Infizierte Freunde mit der Saab Idee, bis sie sich auch einen kauften. Saab Literatur las ich, was immer ich bekommen konnte. Aber zu einem Festival nach Schweden? Ernsthaft? Nie im Leben. So verrückt war ich dann doch nicht. Das änderte sich erst, als die Krise kam, und es nicht mehr sicher war, dass man jemals wieder einen Saab würde kaufen können. Wenigstens einmal im Leben nach Schweden und zum Werk lautete die Devise. Denn wer konnte versprechen, ob die Rettung Bestand haben würde?

Ziemlich naiv und recht verrückt fuhren wir nach Trollhättan. Die Spannung stieg mit jedem Kilometer und die kleine Stadt mit den vielen anderen Saab Fahrern nahm uns in ihren Bann. Saab aus allen möglichen Ländern, die dominierende Marke im Straßenbild. Das macht schon was mit einem. Wenn man ein, zwei Tage nur das Geräusch der Turbolader hört. Das von dem Singen der Zweitakter untermalt wird, die Tag und Nacht völlig irre und abartig flott durch Trollhättan rasen.

So als ob Erik Carlsson persönlich am Steuer säße.

Der damals nicht mit einem 2-Takt Saab unterwegs war. Aber der beste Markenbotschafter war, den man sich wünschen konnte. Geduldig gab er über Stunden Autogramme, unterhielt sich mit Fremden und hatte für jeden eine kleine Geschichte parat. Saab war seine Familie, die Verbundenheit mit der Marke gab ihm die Stärke.

Ja, der große Erik Carlsson. Er ist unvergessen. Bevor wir ihn trafen, besuchten wir die Stallbacka. Die Saab Fabrik, und dichte, graue Wolken bedeckten den Himmel. Bedrohlich, aber wir sahen sie nicht. Klebten stattdessen am Zaun, der das Fabrikgelände von der Außenwelt trennt. Sahen begeistert, wie ein Neuwagen nach dem anderen aus den Hallen rollte. Ein Traum für die, die noch träumen konnten und wollten. Und wir wollten es.

Was 3 Tage Saab Festival mit einem machen.

Diese Festivals in Trollhättan sind eine ganz eigene Welt. Damals, im Jahr 2010, vermutlich weitaus mehr als heute. Der Unterschied zu anderen Veranstaltungen ist fühlbar. Die Atmosphäre ist locker, sie ist international. Die Menschen sind einfach anders, gelöster, freundlicher. Saab macht alle gleich. Die Stadt am Götaland Kanal ist nicht wirklich schön. Sie ist weder ein schwedisches Florenz, noch ein kleines Paris. Aber sie ist der heilige Gral der Fans. Wer es hierher geschafft hat, der ist angekommen.

Natürlich war es so, dass wir 3 als Neulinge so ziemlich alles verpassten, was das Programm bot. Keine Factory-Tour, kein Saab Diner am Abend. Aber wir hatten das Museum und den Ur-Saab. Das Festivalgelände, das Werk und diese viele Menschen um uns herum. Das war schon genug und machte glücklich. Im Überschwang beschlossen wir damals einen kleinen Saab Blog zu schreiben. Weil wir von unseren Autos, wir fuhren beide einen 9-5, so begeistert waren. Einfach nur über die Saabs schreiben, damit auch andere Menschen auf den Geschmack kommen. Wenn es jemand liest, dann ist es gut.

Man sieht ja, was daraus geworden ist.

4 Gedanken zu „Eine Reise nach Trollhättan. Wie war das vor 10 Jahren?

  • Toll! Ein sehr stimmungsvoller Bericht. Ich wünschte dabei gewesen zu sein!

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  • Ich wünschte das auch. Aber gut das Tom da war. Schön, dass dort dieser Blog geboren wurde.

    Wer weiß, wie es heute um Saabs in Deutschland und andernorts stünde, wenn wir Leser uns hier nicht durch das Blogteam und auch gegenseitig (Leserbeiträge, Kilometerkönige, Kommentare) immer wieder vergewissern könnten, was wir warum und wie wir es am besten machen.

    Dieser Blog ist Artenschutz. Lang lebe Saab, lang lebe Paul.

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  • Einmal mehr ein stimmiger Bericht über Saab und den ganz speziellen Spirit dahinter!

    Vielen Dank Tom!

    Ja, es ist eigentlich verrückt. Von meinem Wohnort aus fährt man rund 1700km nach Trollhättan und hängt dann dort wehmütig am Zaun wo noch ein Hauch von Neuwagengeruch rüber schwappt. Traurig guckt man aber auf die vielen leeren Flächen, auf die dem Zerfall gewidmeten Gebäude und denkt, was wäre wenn?
    So fährt man zurück in die Stadt, kreuzt das Erik Carlsson Rondell, weiter zum Museum und voller Freude sieht man sich all die Objekte der Begierde an. Ich habe das jetzt schon drei mal gemacht. Nicht einmal zu viel! Und 2021, wenn denn Corona es zulässt, bin ich wieder dabei.

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  • Wirklich toll geschrieben, 2010 wusste ich trotz des schon zweiten Saab in der Familie noch nichts von Saabtreffen, geschweige denn vom Saabfestival in Trollhättan, ohne Blog wäre das Interesse an Saab sicherlich auch nicht so groß geworden und hätte mich wohl nicht, mit vielen interessanten Menschen in Verbindung gebracht. Wie vie Volvoaabdriver geschrieben hat, lang lebe Saabblog

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