Nie produziert. Saab Midsommar Edition Modelljahr 2012.

Es gibt sie. Die Autos, die man nie bekommen hat. Mal waren sie zu teuer, mal passten sie nicht ins Leben. Weil Kombi statt Coupe sein musste. Oder sie wurden ganz einfach nie produziert. Weil die Marke dicht macht. Dann kann es sein, dass die Geschichte einem noch lange nachhängt. Wie mir die Sache mit der Saab Midsommar Sonderedition des Jahrgangs 2012. Ein bisher nicht aufgearbeitetes Drama.

Modelljahr 2012 - nie gebaut. Die Saab Midsommar Edition.
Modelljahr 2012 – nie gebaut. Die Saab Midsommar Edition.

Ich habe ein Faible für besondere Autofarben. Alles, was Gelb daher fährt, löst einen gewissen Reflex aus. Als Saab 2011 die Independence Cabriolets im sagenhaften Farbton Amber Orange auf den Markt brachte, ging es mir ähnlich. Oder als dieser 9-5 auf der Bildfläche erschien, der eine Amber Orange matt Lackierung zu Testzwecken trug. Seine Rettung ging schief, er wurde zerlegt und von herzlosen Schweden in kleine handliche Metallpakete gepresst. Aber wahrscheinlich war meine Aktion von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Recht konkret waren meine Aussichten auf einen Saab in Amber-Orange im Sommer 2011. In Trollhättan planten sie den Farbton zu demokratisieren. Nicht nur das sündhaft teure Independence Cabriolet sollte ihn haben. Nein, auch normale Griffin Modelle hätten dann Amber Orange getragen.

Kleiner Fehler am Rande? Die Bänder standen still.

Das schon seit ein paar Monaten, aber noch war Optimismus da. Ein paar Millionen, die Rede war von 30, und schon wäre das Schlimmste ausgestanden, und es gäbe Neuwagen. Die Rechnung ging nicht auf, dennoch machte man Pläne für das Modelljahr 2012. Um die Nachfrage nach dem überarbeiteten, aber nicht mehr taufrischen, 9-3 anzuheizen plante Saab eine Midsommar Sonderedition. Basierend auf dem Design der Griffin Modelle wäre es plötzlich bunt geworden. Cabriolet, Limousine und Kombi im mutigen Amber Orange. Ganz in alter Saab Tradition, als es optional mutige Farben zu bestellen gab.

Saab Midsommar Edition
Saab Midsommar Edition

Für die Edition plante man Kampfpreise. Ein fast komplett ausgestatteter Kombi für rund 30.000 €, ein Cabriolet für 34.000 €. Exklusiv und individuell – und nicht teuer. Das hätte funktionieren können. Für mich auf jeden Fall. Denn ich hätte einen dieser Kombis bestellt. Mit BioPower Motor und Ethanol im Tank.

Die Saab Midsommar Edition kam nie

Nach der Sommerpause 2011 sollte die Produktion beginnen. Sie tat es nie. Die Sonne der Midsommar Edition ging unter, bevor ihre Strahlen die Käufer erreichen konnte. Was am Schluss blieb, war fast nichts. Am Ende war es nur der Entwurf eines Prospekts für die Saab Midsommar Edition. Nicht finalisiert, mit Schwächen in der Grafik und im Detail. Irgendwann war klar, dass die Probleme tief greifender waren und dass es um das nackte Überleben ging. Kein Edition-Modell lief vom Band, der Prospekt blieb so wie er war.

Bedauerlich. Vor allem, weil darin der Mut steckte, der lange Jahre zuvor fehlte. Farbe, aus der grauen Masse automobiler Uniformität hervorstechen. Etwas für das Auge und das Herz liefern, aber bezahlbar bleiben. Schwedische Avantgarde. Saab fehlt bis heute. Die Midsommar Edition hätte gut gepasst.

17 thoughts on “Nie produziert. Saab Midsommar Edition Modelljahr 2012.

  • GM vertrat nicht (oder selten bis nie) die ehemalige Philosophie von SAAB; auch wenn es einige nicht war haben wollen, weil sie irgendwie anders beeinflusst wurden oder beruflich gar mussten! Denn, wenn es nach schwedischer Saab-Tradition ginge, hätten die Vorgesetzten anders reagiert, aber denen waren meist die Hände gebunden.
    Nach fast 10 Jahren Produktionsschluss, erlaube ich mir einige Kleinigkeiten betr. damaliges Saab-Verhalten zu bestätigen:
    Das Werk produzierte am laufenden Band von Montag morgen bis Freitag Mittag. Am Freitag Nachmittag stand die offizielle Produktion still, jedoch wurden Sonderproduktionen angefertigt, damit sogenannte “Geheimforschungen” (oder vielleicht Berufsgeheimnisse genannt) am Band getätigt werden konnte.
    Während den 80+90ern (als ich noch aktiv tätig war), arbeitete eine kleine Gruppe ausgewähler internen Angestellen aus verschiedensten Sektoren, jeden Freitag Nachmittag an Tests- bzw. Probefahrzeugen, damit Neuigkeiten, Änderungen, Verbesserungen und weiteres mehr hergestellt werden konnten, sei es für Testzwecken oder für das zukünftige Verkaufsprogramm. Unter anderem wurden häufig jeweils auch an neue Karosseriefarben entwickelt, dies in Zusammenarbeit und im Auftrag von den jeweilgen Farbherstellern oder wenn es sich um andere Ausstattungen oder Ausrüstungen handelte, mit den entsprechenden Produkte-Herstellern bzw. Lieferanten oder Zulieferer.
    Um in unserem Thema Karosseriesonderfarben zu bleiben, wurden in diesem Zusammenhang die jeweilige Testfarben meist mit der Farbnummer Body-199 versehen (da es sich meist noch nicht um die definitive Farbgebung handelte), sofern nicht schon eine offizielle interne Farbnummer bekannt war, d.h. jedes korrekt sowie komplett fertiggestellte Fahrzeug erhielte sodann eine offizielle fortlaufende Karosserienummer und wäre somit in Theorie verkaufsbereit hergestellt worden! Wenn es sich um Sonderaufträge handelte, konnte es terminbestimmt ausgeliefert werden. Aber dem war nicht immer so, denn interne Probefahrzeuge wurden demzufolge eine bestimmte Zeit für interne Abklärungszweke geprüft bis ein Endbescheid vorlag. Um Spesen zu decken, wurden vernünftigerweise vieler dieser Fahrzeuge zu gegebenem Zeitpunkt jeweils intern (Angestelle, Importeure oder gar direkt an Händler) homologationsgerecht verkauft; ja, das war zu jenen Zeiten noch ein Saab-typisches Vorgehen. Ansonsten müssen gem. interne Vorschriften aus Sicherheitsgründen diese Fahrzeuge tatsächlich verschrottet werden; so waren die Vorgaben.

    Wie diese Vorgangsweise später unter der Aera GM jeweils ablief, können uns vermutlich nur jene bestätigen, die zu gegebener Zeit anwesend waren. Jedenfalls ist die Arbeitsweise sicherlich nicht vergelichbar mit jener von 30-40 Jahren zuvor. Vermutlich fehlten welche Homologationsrechte, um diese Testfahrzeuge korrekt im Umlauf zu bringen, denn viele standen zwar sichtbar unter freiem Himmel, wohl in verschlossene Grundstücke, aber konnten trotzdem irgendwie besichtgt oder fotografiert werden, ansonsten wären sie sicherlich in verschlossenen Innenhallen unsichtbar von der Öffentlichkeit versteckt gewesen. So war es früher jedenfalls, meist sinnvoll, logisch und von Nutzen; da sich die Zeiten ändern, wohl möglich dass heute anders vorgegangen wird, eher kommerziell, praktisch oder gar schnellhandeld um allfällig mögliche Spuren zu wischen.

  • Ich stand damals auch in den Startlöchern zum Umtausch meines damaligen schwarzen Cabrios nachdem ich das erste Mal davon hörte.

  • Wieder ein super Beitrag!
    Es ist wirklich schade wie SAAB einfach jahrelang ausgehungert, gebremst und kaputtgespart wurde, als man dann endlich wieder mal etwas neues gebracht hätte bzw in kleiner Stückzahl brachte war es einfach zu spät 🙁

  • Tom hat’s mit einem Satz auf den Punkt gebracht: „Saab fehlt bis heute“. Es ist schmerzlich….

  • Es ist nicht nur das lackieren einer rohkarosse in wunschfarbe sondern auch nachhaltige
    Lebensverlängerte Maßnahme.Man hätte 30 jahre länger einen Saab vor der Tür.
    Ich finde das eine geile Vorstellung!
    Und wenn das viele machen würden,würde die Marke Saab die nächsten 30 Jahre nicht
    Aus unserem Straßenbild verschwinden.
    Aber so werden nur die Autos am Ende übrig bleiben,die sich Sammler in Folie eingeschweißt
    Haben.

  • Bevor ich die Karosse von meinem Auto tausche, würde ich mich bei Cardip (oder einem anderen Sprühfolierer) erkundigen, ob sie in meinem Wunschfarbton sprühfolieren/dippen können.
    Wenn man zu enthusiastisch war, oder sich der Geschmack ändert, kann man die aufgesprühte Folie wieder entfernen und, falls der Originallack immer noch nicht der neuen Wunschfarbe entspricht, durch eine neue Sprühfolie ersetzen.

  • Rohkarosse kaufen(wenn es welche gibt) und in wünschbare lackieren und den Rest von einem
    Zugelassenen umschrauben und alte Karosse einstampfen (wegen der Fg Nummer.)

  • Einen kleinen Bericht werde ich erstellen und dem blog zur Verfügung stellen.
    Der 9-5 Baujahr 1999 ist jetzt beim Lackierer. Ich war gestern dort und konnte mich von dem absoluten rostfreien Zustand überzeugen. Alle Schweller weg, die Kunststoff Innenkotflügel weg, alles sauber und rostfrei! Und die Vorfreude auf das Himmelblau ist gross!

    10
  • Die intellektuellen Rechte an den Fahrzeugen hielt GM, bzw. eine Gesellschaft die GM gehört. Da es sich um Vorserie und nicht veröffentlichte Modelljahre handelte, war man konsequent und ließ den Bestand, den man greifen konnte, verschrotten.

  • Frage eines Nixblickers in diesen Belangen….
    Weshalb werden Fahrzeuge, vor allem nach dem Ableben einer Marke, verschrottet? Was bringt das? “Betriebsgeheimnisse” von Versuchsträgern sollten ja irrelevant sein, oder?
    Ich finde das immer so wahnsinnig schade! Irgend ein Enthusiast hätte sich aufopferungsvoll um solch einen Wagen gekümmert, aber stattdessen: Wenn ich das nicht haben kann, dann darf es niemand haben! )-:

  • War Vorserie, das Grün kam von Opel. Wurde leider verschrottet.

  • Die Fahrzeuge wurden alle verschrottet. Leider.

  • Oh, das wäre ja zu 100% etwas für mich gewesen! Da wäre ich total steil drauf gegangen! (-:

    Soll ich jetzt froh sein, dass ich den (nicht realisierbaren) Traum haben zumindest haben darf oder traurig, dass das nur ein Traum und nie Wirklichkeit wäre?
    Wehmütig grübele ich nach und träume dabei von Amber Orange…

  • Hans S.

    Großartig!! Sky blue und das Cosmosblaumetallic des 9-3 Ì (in D leider sehr selten, in GB habe ich es seinerzeit oft gesehen) sind auch meine absoluten Lieblingsfarben! 🙂

    Ich hoffe, es wird auf dem Blog dann auch Bilder des Schmuckstückes zu sehen geben!?! Bitte bitte! 🙂

  • Tolle Farbe, interessanter Bericht, der – natürlich mal wieder – leider eine wehmütige Stimmung hinterlässt! Und interessante Links zu früheren Beiträgen, vielen Dank!

    Kurze Verständnisfrage bzgl. der verlinkten älteren Berichte zum 9-5 NG in Amber Orange: Es waren doch zwei verschiedene Autos, oder? Im jüngeren Beitrag ging es um den – schrecklicherweise verschrotteten – mit Testlackierung in matt und glänzend, dessen Rettung misslang. Und im vorherigen Bericht aus Januar 2013 um einen Vector MY 2013 mit einheitlicher Lackierung, oder? Was ist aus ihm geworden??!! Hoffentlich “lebt” er noch! 🙂

  • Ich hätte ja wenn ich gekonnt hätte einen 130PS TTID genommen im Combi.

  • Für dieses tolle Cabrio hätte ich meine Schatztruhe noch einmal weit geöffnet und tief gegraben! Was für eine tolle Erscheinung. So schade, dieses Amber Orange ist einfach wunderschön. So wie auch die Sky blue metallic Farbe, die es auch nicht mehr so oft gab. Ich lasse mir zur Zeit eine 9-5 Limousine Baujahr 1999 aufbereiten und sie wird in sky blue lackiert.

    Es gab doch auch noch einen 95NG der in einer satten dunkelgrünen Farbe lackiert war. Der sah ja so was von elegant aus! Wurde der auch verschrottet? Schade drum.

    11
    1

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.