Saab 900 Cabrio – ein Auto mit Nehmerqualitäten

Ich fahre Saab seit 1996, kam also zu Saab in einer Phase, in der eingefleischte Saab-Fans die Nase rümpften über das, was unter der GM-Ägide aus Trollhätten kam. Die 900i Kombilimousine war mein Firmenfahrzeug und wurde geleast. In den vorherigen sechs Jahren waren es zwei Audi 80, die jeweils für drei Jahre geleast worden waren. Als das damals in der Werbeagenturszene weit verbreitete Standesdenken auch mich erfasste, wurde nach Auslaufen des zweiten Audi-Leasing-Vertrages die Marke mit den vier Ringen zu piefig.

Ein Saab 900 Cabriolet hat Nehmerqualitäten
Ein Saab 900 Cabriolet hat Nehmerqualitäten


Saab als die “andere schwedische Marke” war im Bewusstsein der Allgemeinheit wenig präsent, aber wer etwas auf sich hielt und Wettbewerber demütigen wollte, fuhr natürlich Saab! Bei mir reichte es immerhin zum Einstiegsmodell.

Wie alles anfing

Der 900er schlug sich unaufgeregt und pflichtschuldigst – was Mitte der 90er-Jahre von einem maximal drei Jahre alten Fahrzeug auch erwartet werden konnte. So kam dann nach Auslauf des ersten Leasing-Vertrags der zweite Saab ins Haus: ein 9-3, ebenfalls als Kombilimousine, mit 150 PS und Softturbo. Der fühlte sich im Vergleich zum 900i extrem spritzig und agil an und war zudem äußerst sparsam mit dem wertvollen Kraftstoff.

Nach den drei Jahren Leasing-Periode hatte der Wagen keine 50.000 km auf der Uhr. Er sah aus wie neu und hatte nie Probleme gemacht. Und da die vereinbarte Leasing-Rate recht hoch und der kalkulierte Restwert dadurch niedrig war, habe ich den Wagen nicht an Saab zurückgegeben, sondern einfach gekauft. Ich habe ihn immer noch, der Kilometerstand zeigt jetzt 80.000. Solch ein Auto verkauft man nicht ohne Not.

Ich muss gestehen, dass ich den Wagen insofern schone, als dass ich ihn nicht durch Salzlake scheuche. Denn Autoalternativen bieten sich mir genug. Neben meiner Angewohnheit, Oldtimer zu kaufen und zu fahren (Fiat 124 Sport Spider, Volvo Amazon + 240 + 940, Mercedes /8, DAF, Peugeot 403 und insbesondere Borgward) nutze ich ausschließlich Youngtimer für den Alltag. Zurzeit sind es der genannte 9-3, ein Audi 80 von 1993 (ja, der Kreis schließt sich) sowie ein Saab 900 II Cabrio 2,3 Liter ohne Turbo von 1996. Zu diesem Fahrzeug ein paar weitere Ausführungen.

Die Nehmerqualitäten des Saab 900 II

Für die Autos, die ich gerade nicht fahre, habe ich eine Halle angemietet, in der sie trocken und luftig stehen. Mein Wohnhaus bietet jedoch keinerlei Unterstellmöglichkeit für ein Auto, es muss brutal im Wetter stehen. Liegt da ein Cabrio nahe? Zumal eines, dessen Verdeck mittlerweile 24 Jahre zählt und mittelmäßig inkontinent ist? Egal, ich ziehe das durch. Das Vergnügen, offen zu fahren, ist durch nichts zu ersetzen, ich will es so oft wie möglich genießen.

Das 900er Cabrio ist ein Auto mit Nehmerqualitäten, das die Ochsentour des täglichen Gebrauchs ohne Garage mit Bravour übersteht. Gekauft habe ich es 2017 für 1.900 Euro mit 317.000 Kilometern auf der Uhr. Ein Risikokauf, selbstverständlich, zumal das Auto sehr deutliche Spuren seiner Jahre trägt. Aber es trägt die Spuren mit Würde, denn das Fahrzeug hat sich beim ersten Durchreparieren und Konservieren für rund 2.600 Euro als gutes Fahrzeug herausgestellt. Mit dem Saab-Zentrum Kiel, dem Autohaus Lafrentz, habe ich glücklicherweise einen super kompetenten Partner quasi in meiner Nachbarschaft.

Ich bin mittlerweile über 30.000 Kilometer mit dem 900 II gefahren und hatte lediglich zwei größere Reparaturen zu verzeichnen: die Benzinpumpe und die Kupplung – Mobilität gibt es nicht gratis. Zwar schäme ich mich manchmal ein bisschen, ein Auto zu fahren, dass Saab-Fans vermutlich als das „falsche Modell“ und zu schäbig verurteilen und links liegen lassen würden.

Für mich ist dieses Fahrzeug allerdings genau richtig: Es braucht nicht in Watte gepackt und in einer klimatisierten Garage für die Ewigkeit aufbewahrt zu werden. Es wird benutzt und macht Spaß. Wer weiß, wie lange wir Autos mit Verbrennungsmotor überhaupt noch fahren dürfen. Also zählt jeder Tag. Und natürlich jeder Saab, der auf der Straße gehalten wird.

Text und Bilder: Jörg Lemcke

11 Gedanken zu „Saab 900 Cabrio – ein Auto mit Nehmerqualitäten

  • Lieber Jörg. Willkommen im Club der „Falsches-Modell-Fahrer“. Ich habe schon öfter über mein 902 V6 hier geschrieben, möchte aber nochmal betonen, dass es für mich eins der entspanntesten und zuverlässigsten Fahrzeuge ist. Ein echter Saab halt. Mit einem eigenen, etwas anderem Charakter. Vor kurzem habe ich mit dem Wagen die 300.000 KM geknackt, und es fühlt sich an, als könnte ich bei entsprechenden Pflege und Wartung nochmal das Gleiche schaffen. Sollen doch die Unwissenden sich weiterhin um das Vergnügen bringen…..

    Gruß an die Gemeinde

    Der Lizi

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  • ´´SAAB als Leasingfahrzeug´ für Ihre Mitarbeiter in den Unternehmen´´

    ´´Möchte mich gern mal dazu äußern´ das sich alle SAAB-Fahrer darüber aufregen oder es äußern das Sie
    WÄHREND ihrer beruflichen Tätigkeit´ oft KEINE Möglichkeit bekamen´ einen hochgeschätzten sicheren qualitativ hochwertigen´´SAAB-PKW nutzen zu können´!

    ´´Wie sagt schon das alte Sprichwort im Geschäftsleben´´ ?? “Die Nachfrage macht das Produkt´die Dienste&Service´s´´! ´´Ich denke jeder verantwortungsbewusste Unternehmer der langjährig sein Geschäft so betreibt, handelt auch danach´´!

    ´´Was soll damit verdeutlicht werden´´??´´Wenn ein Mitarbeiter angenommen im AD tätig, natürlich vorausgesetzt er ist auch erfolgreich für das Unternehmen tätig, mit seinem Chef über den Firmenwagen oder ein neues Firmenfahrzeug spricht oder verhandelt … warum sagt er dann nicht ´´Herr Müller ich fahre privat seit so und so vielen Jahren die Marke SAAB, ein Auto in dem ich mich wohlfühle, das mir die Sicherheit bietet die ich erwarte, um meine Familie nach einer anstrengenden Woche, wohlbehütet und lebend wieder aufsuchen zu können“!!´´Herr Müller ich weiß normalerweise haben Sie für die Mitarbeiter eigentlich BMW AUDI MERCEDES -FAHRZEUGE vorgesehen, aber ich denke es müsste doch auch möglich sein 1 SAAB-Fahrzeug zu leasen´´ oder gibt es keine Leasing-Geber die SAAB anbieten´´! ((Situation ist natürlich rückwirkend auf die letzten 20 Jahre gemeint))

    // Wenn ein Unternehmen mehrere oder auch nur einige Mitarbeiter im Vertrieb hat´ (denn darum geht es ja wohl meistens)´die im Jahr ihre 70.000-100.000-130.0000 km runterrasseln´ dann wird es wohl darum bemüht sein denen den Arbeitsalltag so angenehm wie möglich zu gestalten eine Unterstützung aus dem Innendienst zukommen lassen und den Mitarbeitern so weit wie möglich freie Hand zu lassen´´!

    ´´Wenn alle es so beherzigt hätten´ wären mindestens 10 x soviele SAAB´s in den diversen Firmen-Fuhrpark´s gewesen´ und SAAB hätte natürlich auch eine ganz andere AUẞENWIRKUNG mit diesen Fahrzeugen gehabt´´ ! ´´ABER leider wird es wohl so gewesen sein das derjenige Mitarbeiter nur auf seine Kolllegen geschielt hat ((ach guck mal der ´´Achim´´ hat jetzt schon die neue E-Klasse bekommen´ … womit hat der das verdient´ schreibt doch gar nicht mehr Aufträge als ich??))
    //´´TYPISCH FALSCHE DENKE´´ Endweder ich stehe hinter einem Produkt´ dann kann ich es auch nach Außen vertreten´ aber wenn ich mich immer kleinmache und mit der Herde mit schwimmen möchte, dann werde ich ewig auf verlorenem Posten sein, denn es gibt immer einen der es BESSER´SCHNELLER´INTELLEGENTER oder auch ARROGANTER hin bekommt … immer“!!

    “So das war´s musste ich einfach mal loswerden … weil bei sehr vielen Beiträgen diese Thematik auftaucht´´!
    ´´WEITER GESUND BLEIBEN´´ ……. ´´EINE GUTE FAHRT´ ´MIT SAAB´´ ´DAS AUTO (SAAB) HAT ALLES DAFÜR GETAN´´ DAMIT IHR ZU MINDESTENS IM STRASSEN-VERKEHR DIE CHANCE HABT´ HEIL WIDER ZU HAUSE ANZUKOMMEN´´!!

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  • Schöner, aufmunternder Bericht, und natürlich ein wertvoller Beitrag zum Erhalt unserer schönen Saabs auf der Straße – vielen Dank! 🙂

    Ich bin immer wieder erstaunt über die hohen Laufleistungen gerade der Saab-Benziner – spricht man doch üblicherweise im allgemeinen automobilen “Bewusstsein” dies fast nur den Diesel-Motoren zu. Andererseits lese ich, gerade beim 9-3 II SportCombi TTiD, die naturgemäß noch viel jünger sind, immer wieder von sehr hohen Laufleistungen.

    Liegt also die “gefühlte” Vorherrschaft der Berichte über hohe Laufleistungen von Saab-Bezinern wohl 1. nur an der tradtionell und verständlich höheren Affinität der Saab-Fans zu Bezinern? Und 2. daran, dass es ja noch gar nicht so lange Saab Diesel gab? Seit wann eigentlich? Ende der 90er mit dem 9-3 I und 9-5 II? Ich weiß nur – aus eigener Erfahrung – dass es das 9-3 II Cabrio ab MY 2007 auch als Diesel gab.

    Und wie verhielt sich der prozentuale Anteil an Diesel-Fahrzeugen (zB gerade bei den Combis) in den letzten Jahren? Gefühlt waren jedenfalls viele Combis bevorzugt Diesel-PKW. Vielleicht weiß der Blog was dazu – ich liebe Statistiken über Saab 🙂 – und freue mich, mal andere Zahlen und Statitiken zu hören, als die leider zZ. täglich veröffentlichten …. 🙁

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  • Ich meinte natürlich den 9-5 I, sorry!

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  • Also ich hatte damals bei der Deutschen Bank keine Probleme, einen Saab als Dienstfahrzeug leasen zu können, und bin der Marke seitdem treu. Allerdings war ich auch der einzige, den ich kannte. Banker sind auch nicht die echte Zielgruppe gewesen. Und bei aller Kritik an GM – wenn damals das Fuhrparkmanagement aller Firmen nur rein nach Kosten/Nutzen Gesichtspunkten gerechnet hätte, wäre nix mit ABM, sondern für viele Jahre lang wäre alles Insignia gefahren, die standen jahrelang an der Spitze in den entsprechenden Tabellen. Aber Status fährt ja mit, und Saab war immer eher das Dienstfahrzeug der Freiberufler, Kreativen und Individualisten. Und das merkt man bis heute an den Preisen. Ein guter 9-5 NG kostet gebraucht mehr als bspw. ein jüngerer Jaguar XJ mit weniger km, Vollausstattung und Listenpreis 110 TEUR. Das muss man sich erst mal leisten wollen, zumal die Ersatzteile, wenn man Pech hat, ein echtes Problem werden können. Mit GM habe ich nix am Hut, aber qualitativ waren die eigentlich wieder ziemlich gut seit der Jahrtausendwende; dieses konstante Bashing – wozu? Ich habe eigentlich nur Saabs mit GM-Anteilen gefahren, und die waren allesamt zuverlässig und langlebig – haben mich im Gegensatz zu anderen Marken nie im Stich gelassen. Bleibt hoffentlich auch so, auch denn der jetzige natürlich immer älter wird.

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  • Also schämen muss man sich für keinen Saab, denke, dass das Schlechtreden des 900II langsam auch aufhört und die die noch einen haben oder wieder haben langsam bewundert werden.

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  • Genau, ein verkannter Jungtimer. Bin zwei 902 gefahren respektive fahre immer noch einen. Der Erste ein 902SE 2.0 Turbo LE Coupé von ´95, hat am Int. Saab Treffen in Belgien 2002 den 1. Preis bei den 902 gewonnen. Mit ihm haben wir einige Reisen unternommen. Meist mit einem durchschnittlichen Benzinverbrauch von 6-7 Liter auf der Autobahn. (natürlich bei Schweizer Tempi)

    Der jetzige ist ein Cabrio von ´97; 2.0SE Turbo Talladega mit Hirsch Tuning. Der wurde von mir 2003 gekauft, kurz nach der Mitteilung meiner Frau das Sie schwanger ist. Ich wollte ja schliesslich auch was haben. Dieses Cabrio hat mich als Alltagswagen Sommer wie Winter bis 2012 begleitet. Nun darf es in der Garage ruhen und wird bei schönem und trockenem Wetter oder wenn ich gerade Lust habe, gefahren. Ein wirklich guter und zutiefst Freude spendender Wagen.

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  • Danke Jörg Lemcke.

    Der 2.3i kann doch nur das berühmte und nahezu unverwüstliche Eigengewächs sein, das im 9K debütierte, oder?

    Wer den unter der Haube hat, kann über jede Diskussion zur Authentizität und GM-Teilen per se lächelnd hinwegsehen.

    Richtig cool finde ich aber auch einen DAF in der Sammlung. Mein Großvater hatte einen dunkelgrünen Kombi mit beiger Innenausstattung. Ein phantastisch praktischer und charmanter Kleinwagen, der mit seiner Variomatic zumindest innerstädtisch und nach damaligen Maßstäben unglaublich agil war.

    Eine kleine räuberische Echse, die vielen zeitgenössischen Limousinen an der Ampel den Schneid weggefressen hat. Der Grüne hieß dann familienintern auch “Daffodil”.
    Fahrer und DAF sind unvergessen.

    @ Ebasil,

    der Ruf der Diesel ist uneinheitlich. Der 1,9 aus dem 9-5 hat nicht den besten. Es gibt aber auch hier keine Regel, dass er nicht auch lange halten könnte …

    Bei Autoscout habe ich fahrtüchtige Chrombrillen mit knapp 300.000 gesehen, beim Saab-Service scheckheftgepflegte und kapitale Motorschäden mit weniger als der halben Laufleistung.
    Bei einem Bekannten hat der selbe Motor in einem Opel Zafira mit 170.000 Laufleistung einen wirtschaftlichen Totalschaden verursacht.

    Ich traue diesem Aggregat nicht vollständig über den Weg. Gleichwohl würde ich bei einem leckeren Cabrio oder SC zuschlagen, wenn Laufleistung und Preis mir hinreichend Hoffnung auf ein bezahlbaren Nutzen/ein bezahlbares Fahrvergnügen böten …

    Zu den älteren und jüngeren Dieseln, die Saab verbaut hat, habe ich keine Meinung, die ich teilen könnte.

    Historisch interessant finde ich, dass man sich in Schweden mit Dieseln für den Straßenverkehr langjährig und traditionell sehr schwer getan hat.

    Selbst Volvo, die schon immer eigene Motoren hatten, kam spät zum Diesel. In PKW kam er erst im 240 und wurde bei VW eingekauft. Bis zum ersten eigenen Aggregat dauerte es noch etliche Jahre.
    Sogar LKW und Militärfahrzeuge hat Volvo länger als man denkt mit Benzin betrieben. Keine Ahnung, warum das so ist bzw. war, aber es ist Teil der spezifisch schwedischen Historie im Fahrzeugbau.

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  • Über die genauen Motordaten habe ich leider keine Kenntnis, aber ich kann nur so viel sagen: Das Auto fährt sich absolut astrein! Sehr kultiviert, leise und tatsächlich äußerst sparsam. Mit 7,3 bis 8,5 Litern auf 100 Kilometer ist er das sparsamste Auto in meinem Fuhrpark. Und das bei einem Hubraum von 2,3 Litern. Mein Volvo 940 Kombi mit der 2,3-Liter-Maschine genehmigte sich selten unter 10 Litern.
    Also: Saab-Fahren für möglichst immer. Ist fast so schön wie DAF-Fahren 😉

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  • @ Sprott,

    es kann meines Wissens nur dieser Motor sein. Im Beitrag von gestern (Film) spielt er eine Hauptrolle. Unbedingt gucken.

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  • @ Herbert Hürsch

    Die “räuberische Echse” namens Daffodil kann ich mir so richtig griffig gierig grün vorstellen! Herrlich! Sehr amüsant! 🙂

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