Der Hyundai Prophecy, der ein Saab sein könnte

Immer wieder erscheinen im automobilen Universum Konzepte, denen Saab DNA nachgesagt wird. Meistens liegt der Wunsch der Verwandtschaft nur in der Hoffnung ihrer Gestalter. Denn Saab gilt immer noch als eine ikonische Marke. Mehr denn je sogar,  umso länger ihr Ende zurückliegt. Hyundai schiebt mit dem Prophecy ein Konzeptfahrzeug ins Rampenlicht, dem man wieder einmal schwedische DNA unterstellt. In diesem Fall vielleicht sogar zutreffend, und ich habe mir den Prophecy daher etwas näher angeschaut.

Hyundai Prophecy
Hyundai Prophecy

Was zeichnet einen Saab aus? Ein reduziertes Design, Konzentration auf das Wesentliche,  gepaart mit langer Haltbarkeit. Sixten Sason, der erste Saab Formengestalter, das Wort Designer war noch nicht erfunden, beschritt diesen Weg. Ein Saab hatte eine glänzende Aerodynamik und eine reduzierte Designsprache,  in dem er die Form eines Flugzeugflügels abbildete. Dieses Mantra galt vom ersten Saab bis zum 9-3 I. Und damit über 50 Jahre lang. Im Museum in Trollhättan parkt noch heute der Ur-Saab, der Hyundai Prophecy könnte vielleicht sein Ururenkel sein.

Propellerdesign der Felgen

Schwarz, schlicht, die Form einer Tragfläche aufnehmend. Würde man heute in Trollhättan noch Autos bauen, dann würde ein Konzeptfahrzeug von Saab so ähnlich aussehen. Doch in der Stallbacka zeichnet man heute höchstens uniforme, selbstfahrende Kisten. Das Feld der Schönheit überlässt man Anderen. Natürlich ist es nicht schwierig,  ein schwarzes Auto in Tropfenform auf die Räder zu stellen. Das alleine macht noch keine Saab Verwandtschaft. Schaut man noch etwas genauer hin, dann wird es verstörend.

Felgen im Propellerdesign saugen die Luft an und lassen sie an der Karosserie entlang gleiten. Der integrierte Heckspoiler aus Acryl, man könnte auch aus geeistem Material sagen, optimiert die Aerodynamik. Er lockert die Form der Stromlinie auf und ist neben der Funktion ein prägendes Designelement,  in das die Koreaner innovative Pixel Lamps integrieren. Propellerfelgen, Aerodynamik, reduziertes Design. Spätestens dann, wenn der Saab Mensch den Innenraum des Hyundai Prophecy entert, benötigt er blutdrucksenkende Mittel.

Joystick im Saab und Prophecy

Joysticks statt Lenkrad. Saab experimentierte zu 9000 Zeiten mit einem neuen Lenksystem,  in dem der Joystick das uns gewohnte Lenkrad ersetzte. Ein Experimentalfahrzeug hat überlebt und steht heute in der Sammlung in Schweden. Das Konzeptfahrzeug von Hyundai greift die Idee erneut auf. Der Fahrer kann den vollelektrischen Prophecy wahlweise mit nur einem oder zwei Sticks navigieren. Die beiden Joysticks sind nicht nur zum Lenken geeignet, sie ermöglichen es auch,  eine breite Anzahl zusätzlicher Funktionen aufzurufen. Durch Wegfall des traditionellen Lenkrads reduziert sich im Innenraum das Design zusätzlich und macht Platz für ein breites Display und ein üppiges Raumangebot.

Das Passagierabteil taucht Hyundai in ein beruhigendes, eisblaues Licht, was ein Zufall sein kann. Oder auch Absicht. Denn natürlich ist es möglich,  jede andere gewünschte Farbe für das Ambiente auszuwählen.

Saab DNA, oder nicht? Der Hyundai ist nahe dran. In einigen Details verstörend nahe sogar. Bewusst oder unbewusst eine Hommage an Sixten Sason, der daran seine Freude gehabt hätte. Es fehlt nur noch der Saab Design-prägende Hockey Stick der C-Säule. Dann wäre das Saab Konzept der Koreaner perfekt.

10 Gedanken zu „Der Hyundai Prophecy, der ein Saab sein könnte

  • Nachdem ich mich seither automobil immer auf Europäer konzentriert habe, muß ich nun sagen, der Hyundai Konzern ( Hyundai-Kia) beeindruckt mich zunehmend mehr. Vor allem die Technologieoffenheit des Konzerns ist zur Zeit einzigartig.
    Dort bekommt man vom modernen, sauberen Diesel über Benziner, Hybrid, Akkuelektrisch bis zur Brennstoffzelle alles heute schon in Serie. Diese Vielseitigkeit gibt es meines Wissens bei keinem anderen Hersteller

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  • Rein äußerlich wahrhaft ein Schmuckstück und sehr schön anzusehen. Im Innenraum finde ich das Karomuster auf Sitzen und Dachhimmel cool und die Joysticks sind halt ein nettes Gimmick, mit wahrscheinlich noch langer Zeit bis zur Serienreife.

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  • @Aero-9-3: Ich schaue immer wieder mit Interesse was Hyundai (und auch Kia) so treiben. Einige Designs sind wirklich gut gemacht. Und beide Marken werden immer ansprechender. Es fehlt mir aber in den Innenräumen so das letzte Quentchen Coolness, oder auch die Konsequenz die Saab hatte Dinge durchzuziehen.

    Falls man das noch hinbekäme, dann… Ich denke dann müsste sich @Tom des Themas annehmen. Ich glaube er wäre begeistert 🙂

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  • Moin, Freising86
    bei deinem Kommentar ging mir spontan durch den Kopf:
    WARUM sollte Hyundai das äußerliche “Erbe” nicht antreten können? Es geht doch um das Prinzip “Form follows Funktion”. SAAB ist Geschichte, weg vom aktuellen Markt. Das beklagen wir. Warum also so streng, wenn das Äußerliche am Hyundai so stylisch saabisch werden könnte??? Wäre doch erfreulich, wenn die neue Linie in die Produktion folgen würde… Das Innere ist ja eine ganz andere Geschichte. Auf diesem Feld müsste natürlich auch eine “Veränderung” stattfinden. Ja und der Antrieb…, da ist ja z. Zt. ALLES offen. SAAB hätte wohl den E-Antrieb gewählt. Ob das die “richtige” Lösung gewesen wäre…, ich wage es zu bezweifeln.

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  • Das, was ich von 3 Seiten sehen und für mich geschmacklich beurteilen kann sieht fast perfekt elegant stylisch aus. Das Heck, na ja, sieht mir zu brachial aus. Fällt somit bei mir durch. Bis auf den Spoiler, den finde ich in der Fläche gestalterisch etwas “simpel”, aber ICE-Look und LED-Bestückung finde ich schick. Die Felgen sind supergenial! Passen hoffentlich auch auf meinen Skoda ;-).
    Warum gibt es keine Frontansicht? Zu geheim???

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  • “Verstörend” …

    … fasst es perfekt. Die Assoziationen zum Ursaab und jüngsten Modellen und Prototypen sind zu zahlreich, um sie alle einzeln aufzuzählen. Verstörend (und zwar perfekt verstörend) ist dann auch, dass Hyundai noch 2020 damit um die Ecke kommen kann, während es den Urheber, während es Saab schon bald 10 Jahre nicht mehr gibt.

    Eine wahrlich verstörende “neue” Welt, in der wir leben. Kein Platz mehr für “Altes” …

    Apropos neu, das Ding hat tatsächlich auch noch runde Räder und derer vier, fährt auf diesen vermutlich von A nach B. Hoffentlich hat man sich das auch patentieren lassen, denn diese Idee ist genial …

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  • Äußerlich ein sehr hübsches Auto, insbesondere mit dem beleuchteten Spoiler. Der Innenraum dagegen geht so gar nicht. Was soll dieser Wahn, alles, was sich bewährt hat, umschmeißen zu müssen? Joysticks als Lenkrad-Ersatz, das mag am heimischen Computer ja noch funktionieren, jedoch geht bei einem Unfall in der echten Welt nicht einfach nur das Game Over-Lämpchen an, und man beginnt das Level wieder von vorn. Ich bin selber im Außendienst und stelle täglich fest, dass selbst die Benutzung von Blinkern und das Befahren der rechten Spur auf Autobahnen viele Autofahrer anscheinend schon überfordert. Wenn man ihnen jetzt noch das Lenkrad wegnehmen würde, na Herzlichen Glückwunsch… Autonomes Fahren Gut und schön, jedoch aus meiner Sicht noch sehr weit entfernt, wenn es zuverlässig funktionieren soll.

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  • Erstaunliche Details, da scheint der Designer wirklich Saab im Kopf gehabt zu haben. Vielleicht möchte Hyundai so cool wie einst Saab sein. Das wird man aber niemals schaffen.

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  • ´So ansehnlich wie das Produkt daherkommt´ muss man allerdings auch nicht unerwähnt lassen´ das sich Hyundai auf den Automobil-Messen der Welt ungeniert bedient´ und ohne jegliches Zögern kopiert hat´ was mit Individualität meines Erachtens so gar NICHTS zu tun hat´!´Würde Saab heute noch existieren (würde eine Raubkopie es nie auf eine Messe schaffen) ´´denn bei Saab würde der SPIRIT der sich dahinter einordnet´ es sein der ein Fahrzeug so entstehen lässt´ wie es im Endeffekt dastehen wird´´!´´DESHALB HABEN SAAB-FAHRZEUGE IMMER EINE GANZ SPEZIELLE FORMEN-SPRACHE DIE SICH UNBARMHERZIG DER FUNKTION UNTERZUORDNEN HAT … UND DAS IST AUCH GUT SO“!!

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  • Puuhh ich muss sagen gefällt mir, gefällt mir sogar sehr. Auch wenn ich der ElektroEuphorie nicht folgen mag. Dann hätte ich den Prophecy doch lieber als Wasserstofffahrzeug.

    Danke für Deinen tollen Berichte Tom

    VG Cetak

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