Orio Quartalszahlen. Ein Land setzt sich vom Rest ab.

Interessiert es, wie sich die Saab Szene in den einzelnen Ländern entwickelt, dann sollte man sich die Quartalszahlen der Orio AB ansehen. Die Zahlen des aus der Saab Parts AB hervorgegangenen Unternehmens bilden die Marktentwicklung ab. Es ist heute noch für einen Großteil der Ersatzteilversorgung in Sachen Saab verantwortlich. Das 4. Quartal entwickelte sich einheitlich, nur ein einziger Markt setzte sich vom Rest des Feldes ab.

Orio Quartalszahlen. Ein Land setzt sich ab.
Orio Quartalszahlen. Ein Land setzt sich ab.

Die strikte Kostenkontrolle und der Personalabbau zeigen Wirkung. Trotz eines Umsatzrückgangs um 17 % auf 113 Millionen Schwedische Kronen (10,73 Millionen €) konnte man das Betriebsergebnis auf ein leichtes Minus vor Steuern von 1 Million SEK (95.000 €) verbessern. Im Vorjahresquartal stand bei Orio noch ein Verlust von 41 Millionen SEK in den Büchern. Die Bruttomarge lag mit 39 % leicht unter dem Vorjahresniveau von 41 %. Erkauft wurden die Zahlen auch mit einem Abbau von Personal, der fast geräuschlos erfolgte. Waren von Jahresfrist noch 219 Mitarbeiter weltweit für Orio tätig, so sind es heute nur noch 165.

Weniger Fahrzeuge = weniger Umsatz

Großbritannien war einst der wichtigste europäische Markt für Saab nach Schweden. Doch die Zukunft sieht nicht gut aus, was nur zu einem Teil an einem immer älter werdenden Fahrzeugbestand liegt. Die unsichere Zukunft des Landes nach dem Austritt aus der Europäischen Union spielt ebenfalls eine Rolle. Die Bestandszahlen von Saab geben die Lage wieder. Jährlich verliert die Insel rund 10.000 zum Teil gute Fahrzeuge, die nicht selten auf dem europäischen Festland verwertet und zur Gewinnung von Ersatzteilen verwendet werden. Zum 1. Januar 2020 gab es noch 96.505 Saabs im Vereinten Königreich. Ein hoher Prozentsatz davon, 24.960 Fahrzeuge, ist als nicht mehr zugelassen registriert.

Entsprechend setzt sich der Umsatzverlust fort. Großbritannien meldet ein Minus von 9 %, Nordamerika von 14 % und die skandinavischen Länder von 16 %. Die Hoffnung im 3. Quartal auf eine Stabilisierung der Umsätze auf diesen Märkten haben sich nicht bewahrheitet.

Ein Land setzt sich vom Rest ab

Nach einem überraschenden Umsatzrückgang im 3. Quartal 2019 durfte der deutsche Markt gute Zahlen nach Schweden melden. Die Tochtergesellschaft in Eschborn konnte sich vom allgemeinen Trend absetzen und Umsätze auf dem Niveau des Vorjahresquartals abliefern. Damit stellt Deutschland einmal mehr den Ausnahmemarkt und wird wichtiger denn je für die Mutter in Nyköping.

Woran liegt die Ausnahmesituation in einem Markt, der bis 2011 zu den schwierigen Regionen für die Marke gehörte? Es ist eine stimmige Mischung aus diversen Faktoren. Da gibt es eine aktive Saab Szene, die als relativ homogen gelten kann. Den Aktiven ist es im Laufe der Jahre gelungen,  erfolgreich Veranstaltungen und Messeauftritte zu etablieren. Saab ist auf so gut wie jeder wichtigen Klassiker-Ausstellung vertreten, Veranstaltungen finden über das Jahr verteilt statt. Engagierte Servicebetriebe kümmern sich um Wartung, Restauration und Import von Fahrzeugen. Das Netzwerk an freien und Vertragswerkstätten ist für eine nicht mehr produzierende Marke beachtlich. Zusätzlich gibt es mit dem Saabblog ein fast täglich publizierendes Online Magazin. Gemacht von Menschen, die täglich einen Saab fahren, nicht von Journalisten. Wer sich für die Marke interessiert, wird aus vielen Quellen ähnlich gut versorgt wie bei einem produzierenden Hersteller.

Klare Saab Strategie

Orio AB kündigt für die Zukunft an,  weiter die Ersatzteilsituation für Saab Fahrzeuge verbessern zu wollen. Kunden soll auch in Zukunft eine umfangreiche Palette von Saab Original Ersatzteilen und eine Auswahl qualifizierter Werkstätten zur Verfügung stehen. Eine klare Saab Strategie, die eine begrüßenswerte Aussage für jeden ist, der weiter einen Saab fahren möchte. Aber die Saab Szene ist in den vergangenen Jahren reifer geworden. Lücken in der Ersatzteilversorgung werden auch von kleinen Anbietern und Enthusiasten gefüllt. Mitunter sogar mit Teilen, die gegenüber dem Original verbessert wurden (Dazu mehr in einem der folgenden Beiträge). Eine Herausforderung für Nyköping.

22 Gedanken zu „Orio Quartalszahlen. Ein Land setzt sich vom Rest ab.

  • Hallo Tom
    mich würde interessieren wie der statistische Vergleich, Umsatz zu Anzahl Einwohnern aussieht 🙂
    Gruss aus dem SAABland Schweiz
    Fredy

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    • Wäre interessant. Ist aber anhand der veröffentlichten Quartalszahlen nicht zu machen. Skandinavien wird als “Norden” ausgewiesen. Nur Deutschland, Nordamerika und die Insel in der Nordsee werden separat erfasst. Alle anderen Ländern, darunter vermutlich auch die Schweiz, laufen unter “Übrige”.

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  • Warum schafft es ORIO seit Jahren nicht die Beleuchtungskörper wie Front oder Heckbeleuchtung – Lightbar des NG zu produzieren? Für mich ist kein verlässlicher Partner. Sehr schade um unsere einzigartigen Fahrzeuge.

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  • Sehr stimmige Analyse, auch gerade der Situation in Deutschland. Der Saabblog hat einen ganz erheblichen Anteil am Fortbestand (eher sogar der Erweiterung) der Saab-Szene und an der Treue der Besitzer zu ihren in die Jahre gekommenen bzw. kommenden Saab-Schätzen, wie natürlich auch die guten und engagierten Saab-Werkstätten – über die wiederum der Blog zurecht berichtet. Ein sehr erfolgreicher Kreislauf, eine echte Win-win-Situation für alle Beteilgten, einschließlich Orio.

    Umso unverständlicher, dass Orio seit 2020 den Blog nicht mehr unterstützt! Womit wurde das begründet? Ebenfalls Sparmaßnahmen? Das wäre die falsche Stelle, Orio schneidet sich den Arm ab, auf dem es sitzt. Oder gab es gar keine Begründung bzw. ist diese geheim? Das Blogteam hatte den Berichten zufolge doch immer ein sehr gutes Verhältnis zu Orio, es gab Besuche in Eschborn etc.

    Btw: Ist dieses Jahr auch eine Frühjahrs-Teile-Rabatt-Aktion von Orio geplant? Ist schon etwas bekannt? Falls ja, wäre es toll, wenn Orio die Aktion bzw. die Artikel auch im Netz veröffentlichen könnte, hatte ich letztes Jahr schon mal angeregt. Das generiert Interesse und Vorfreude und zum Saab-Händler fährt man dann sowieso, um sich die Sachen anzusehen.

    Allen Saab-Fans gute Fahrt und eine schöne Woche! 🙂

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    • Um eventuellen Gerüchten in der Szene vorzubeugen: Orio unterstützt seit 2020 den Blog nicht mehr, was zutreffend ist. Die Trennung der Wege war aber keine Entscheidung aus Eschborn (oder Schweden) zur Kosteneinsparung, sondern eine Entscheidung von unserer Seite.

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  • Hallo Tom. Weiß man etwas über Österreichische Zahlen?

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    • Leider nein. Kann sein, dass Österreich in den Zahlen des deutschen Marktes zu finden sein wird. Oder auch unter “Übrige”.

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  • Um die englischen Saabs ist es schade, weil da bei gewissen Betrieben teilweise echt schöne Fahrzeuge sind die oft nur auseinander genommen werden weil sie das Lenkrad auf der falschen Seite haben. Aber das betrifft glaube ich nicht nur Saabs, man sieht oft auch andere Autos die vergleichsweise sehr günstig verkauft werden.
    Falls möglich würden mich auch Zahlen aus Österreich interessieren.
    Es gibt auch noch Länder mit Saabzuwachs, Saab Fans in der Slowakei und Tschechien importieren sich noch Saabs und die bestehenden Fahrzeuge werden versucht bestmöglichst zu erhalten.

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  • Oh, danke für die Aufklärung des Missverständnisses! Aber die Trennung seitens des Blogs ist ja noch viel interessanter …. schon gut, ich höre auf zu fragen! 😉

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  • Interessante Informationen die man so am Rand ganz beiläufig rausliest. Der Blog hat sich vor Monaten schon von Orio getrennt. Schade, Details hätten auch mich interessiert. Es gab da irgendwann im Herbst mal einen Beitrag mit Gegenwind oder so. Ob das Orio war? Ich werde es vermutlich nie erfahren. Für Orio natürlich nicht gut, gar nicht gut. Für die Werkstätten aber auch nicht. Die aktuellen Aktionen kamen fast auschließlich über den Blog. Wie wird man in Zukunft kommunizieren wenn man draussen ist?

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  • BRITISCHE SAABS – Ken-Daniel S.

    Das Schlachten von Saabs, nur weil sie das “Lenkrad auf der falschen Seite” haben, ist mal wieder ein echter Jammer! 🙂 Der Umbau von rechts auf links ist möglich, z.B. Lafrentz in Kiel macht das (dort steht ja auch der letzte existierende Rechtslenker-9-5-NG-SportCombi, bei dem, wie neulich im Blog berichtet, ein Umbau möglich wäre, wenn vielleicht auch nicht wünschenswert).

    Natürlich muss sich der Aufwand lohnen – aber bei seltenen, gut gepflegten Liebhaberfahrzeugen kann das doch der Fall sein. Gerade, weil GB ja so ein guter Markt für Saab war, könnte es doch noch einige geben. Weiß man, auf welchen Wegen bzw. über welche Kontakte und Plattformen die Saabs aus GB auf den Kontinent gelangen?

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  • Schön zu wissen das sich um die Ersatzteilversorgung weiter gekümmert wird. Das die Szene noch so belebt ist, ist mit Sicherheit auch dem Blog hier mit zu verdanken.

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  • @Ebasli

    Hier ist zum Beispiel ein Saab der aus Großbritannien geholt wurde, das Lenkrad auf die richtige Seite bekommen hat und jetzt in Tschechien seine neue Heimat gefunden hat.

    Es gibt auf Facebook mehrere Händler die ihre englischen Saabs zum Verkauf anbieten, habe aber noch keine persönlichen Erfahrungen mit diesen.

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  • @ Ken-Daniel S.,

    großartig, auf lange Sicht sind Saabs in Ländern mit Rechtsverkehr wohl ohnehin besser aufgehoben …

    Obwohl ich die Nation lieben und schätzen gelernt, in GB studiert habe, so scheint sie mir heute doch in vielfacher Hinsicht limitiert. Etwa als gute Heimat für einen Saab …

    Je mehr davon umgebaut bei unseren direkten Nachbarn und in einem EU-Land fahren, desto lieber ist es mir.

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  • Ken-Daniel S.

    Danke für den tollen Link, schöne Bilder und ein geiler Sound – hat Spaß gemacht! Außer am Tacho sieht man natürlich nix vom Umbau, schade, dass es keine Vorher-nachher-Bilder gibt. Aber, wie gesagt, tolle Sache!

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  • Allgemein die Beleuchtung bei allen Fahrzeugen.
    Ist sie defekt war es das.
    Versteht man dort aber scheinbar nicht.

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    • Leider zutreffend, die Lücken werden größer. Unverständlich, auch aus meiner Perspektive.

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  • @Saab900II,

    meint bei “allen Fahrzeugen” alle Saab oder wirklich alle Fahrzeuge?

    Ich fürchte, da ist so oder so etwas dran …

    Die Zeiten, in denen viele Autos mit einheitlichen und runden Frontscheinwerfern unterwegs waren, liegen lange zurück. So lange, dass selbst dieser Standard nicht mehr in allen früher üblichen Größen zu bekommen ist.

    Ansonsten würde ich meinen Volvo 164 zwei neue Nebelleuchten spendieren, aber auch die gibt es nicht mehr. Von neuen Rücklichtern ganz zu schweigen. Da musste ich auf gebrauchte zurückgreifen und mit Gold aufwiegen.

    Aber wie dem auch sei, bei dem zeitgenössischen Gewese um Front- und Rücklichter, kann ich mir nur sehr schwer vorstellen, dass es noch irgendeinen Hersteller in unserer Wegwerfgesellschaft gibt, der tatsächlich gedenkt, die Ersatzteilversorgung für jährlich wechselnde Designs langfristig sichern zu wollen.

    Die setzen doch alle auf die nächste Abwrackprämie oder Fahrverbote und E-Mobilität und werden darin politisch bestärkt. Auch von der Umweltpartei. Auf die Autos von heute müsste eigentlich ein Einwegpfand erhoben werden. Was da gerade läuft ist völlig unverantwortlich. Nachhaltig ist es jedenfalls nicht …

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  • @ H. Hürsch und Saab900II

    Es wird nicht nur die zukünftige mangelnde Teileversorgung sein, sondern auch die Preise dafür werden aus einem überschaubaren Frontschaden beispielsweise durch Wild einen wirtschaftlichen Totalschaden machen!
    Die Industrie freut es…

    Zu den Saab auf der Straße:
    Ich bin seit einer Woche unterwegs, vom Norden aus mit dem 9000 in den tiefen Süden und in die Schweiz gefahren. Es begegneten mir auf der gesamten Strecke grade mal ZWEI 9-3I, kein 9-5, kein 9-3II, nichts. 900 und 9000 sind sowieso verschwunden und man wird damit schon fragend angesehen – unbekannter Exot. Gefühlt werden sie jetzt rasant weniger.

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  • @ GP362,

    ja, es ist ein Teufelskreis. Je schlechter die Versorgung mit Teilen, desto lukrativer werden Schlachtfeste, desto weniger alte Autos gibt es und desto weniger lohnt sich deren Versorgung mit Neuteilen und so weiter und so fort.

    Viele Teile gibt es oft nur noch revidiert und im Austausch. Motoren, Anlasser, Bremssättel, Kühler, Querlenker …

    Am liebsten würde ich ausschließlich auf Neuteile zurückgreifen. Aber es steckt auch ein gewisser Trost etwa in einem revidierten Bremssattel. Man revidiert die Bremsanlage eines alten Autos mit revidierten Teilen, erreicht den Auslieferungszustand fast gänzlich ohne Schrott, Abfall oder Einsatz von Ressourcen. Das ist so ungefähr das Gegenteil dessen, was in der Wegwerfgesellschaft üblich ist.

    Blöd nur, dass dies immer wieder an bestimmten Teilen zu scheitern droht. Etwa der Beleuchtung.

    Etwas Positives zum Schluss:
    Bin heute Morgen einem wunderschönen 900 I begegnet. Und erst gestern einem 900 Ii oder 9-3 I Cabrio auf der gleichen Strecke an fast der gleichen Stelle. Für Saab ist noch lange nicht aller Tage Abend.

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  • Das Schlachten ist eben kein Jammer sondern ermöglicht einem anderen Saab weiterzuleben. Die werden ja nicht zerlegt und dann verschrottet. Es ergibt ja keinen großen Mehrwert wenn in GB ein Saab “weiterlebt” und hier ein Exemplar in die Presse wandert. Manche Teile sind eben nur noch als Gebrauchtteil zu bekommen bzw. sind die verfügbaren Neuteile von unterirdischer Qualität.

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  • Wenn ein nicht mehr gut erhaltener Saab, für einen sehr gut erhaltenen Saab seine Organe spendet ist das allemal besser als einfach in die Presse zu geben. Die Anzahl der Fahrzeuge die aus dem Verkehr gezogen werden, wird sich wahrscheinlich immer mehr beschleunigen. Nur “verrückte” Liebhaber werden die Ersatzteile dann mit Gold aufwiegen lassen. Als normales Gebrauchsfahrzeug ist irgendwann der wirtschaftliche KO programmiert. Nicht nur wegen der Preise, sondern auch wegen der Verfügbarkeit der benötigten Ersatzteile.

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