Diskussion – generelles Tempolimit auf Autobahnen?

Die Diskussion ist so alt wie mein Führerschein. Den hatte ich gerade erworben, als ich mit meinem zweiten Auto auf der Autobahn in Richtung München unterwegs war. Auto Nummer 1 hatte sich ein paar Tage zuvor in Rauch und Flammen aufgelöst, was eine andere Geschichte ist. Ab Nürnberg probte man damals – es war das Jahr 1984 – ein generelles Tempolimit. Tempo 100 oder 120, so ganz sicher bin ich mir nicht mehr, verwandelte den zuvor fließenden in einen dichten, zähen Verkehr.

Soll es ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen geben?
Soll es ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen geben?

Ich mochte den Großversuch nicht leiden. Mein Auto Nummer 2 übrigens auch nicht. Gelangweilt entledigte es sich seiner Abgasanlage und machte später in München-Schwabing einen auf V8. Nicht schlimm, denn mein rotes, japanisches Coupe sah recht amerikanisch aus und fiel mit seiner Soundkulisse im Schwabinger Biotop kaum auf. Andere Zeiten eben.

Man muss allerdings wissen, dass die Daten zu Tempolimits und Abgasverhalten auf den Autobahnen in der Bundesrepublik Deutschland ihren Ursprung in den Großversuchen der Jahre 1984 und 85 haben, und seitdem weitergeschrieben und ergänzt wurden. Aktuelle Großversuche fanden in den letzten Jahren nicht statt. Erstaunlich in einem Land, das Statistiken für so gut wie alles anfertigt.

Ich bin immer gerne schnell gefahren

Ich gebe zu, ich bin immer gerne schnell gefahren. Autos, die für mehr als 200 km/h Spitzengeschwindigkeit konstruiert wurden, habe ich regelmäßig  am Limit bewegt. Meist waren es deutsche oder italienische Fabrikate, weniger ein Saab. Auch die Schweden sind schnell, und sie haben tolle Motoren. Aber Autobahnjagd auf langer Strecke, das können München und Stuttgart besser. Meinetwegen auch Ingolstadt. Das war, im Rückspiegel, natürlich politisch unkorrekt und zutiefst verwerflich. Aber vor 30 Jahren kein Ding,  über das man sich Gedanken gemacht hätte. Etwas weniger als 2 Stunden nächtliche Fahrzeit von einem Szenetreff in München Schwabing bis hin zur heimatlichen Adresse in Aschaffenburg wären heute wohl noch kaum zu realisieren. Eine der Sünden meiner Jugend, in einem Audi übrigens.

Mittlerweile habe ich die 50 überschritten und bin ruhiger geworden. Höchstgeschwindigkeit interessiert mich kaum noch. Ich fahre gerne mit Tempomat so um die 140, genieße den Durchzug meiner antiken schwedischen Autos. Ich freue mich über hohe Reichweiten und geringen Verbrauch. Ruhiges Dahingleiten entspannt, und das alles hat schon etwas mit dem Alter zu tun, aber auch mit Vernunft, Klimawandel und Ressourcenschonung.

Ein generelles Tempolimit wird kommen, es ist nur eine Frage der Zeit. Der Verkehr wird immer dichter, die Ressourcen immer knapper. Die zunehmende Zahl der Elektroautos wird die Diskussion weiter anfachen. Elektrische Fahrzeuge mögen keine hohen Geschwindigkeiten auf Dauer. Ihre Reichweite schmilzt rapide, der nächste Supercharger kann dann nicht nah genug sein.

Generelles Tempolimit – eine Chance für unsere Saabs?

Wäre ein generelles Tempolimit eine Chance für immer älter werdende Autos wie unsere Saabs? Die Nachteile nicht mehr ganz so junger Technik sind leicht zu benennen. Bremsen, Fahrwerke und Lichtsysteme sind nicht auf dem aktuellen Stand. Die Geräuschkulisse bei höheren Geschwindigkeiten entspricht nicht dem heutigen Niveau. Faktoren, die aber erst jenseits von Tempo 120 oder 130 vermehrt zum Tragen kommen.

Die Vorteile sind helle, lichtdurchflutete Innenräume und große Fensterflächen. Man reist, sieht die Umwelt, und nimmt sie nicht durch die Sehschlitze eines Stadtpanzers wahr. Reisen ist Privatsache. Während online Autos die Sitzbelegung, Innenraum-Temperatur, Zwischenstopps, Fahrverhalten und gestreamte Musik aufzeichnen und an den Hersteller melden, bleibt man im alten Auto unter sich. Nur das Smartphone und die Navigation hinterlassen noch Spuren, aber die kann man abschalten oder zu Hause lassen.

Dazu kommt der geringere Verbrauch und reduzierter Stress, wenn man alles etwas ruhiger angehen lässt. Und könnte ein generelles Tempolimit nicht eine Chance für ältere Fahrzeuge und eine prinzipiell längere Nutzung von Ressourcen sein? Wie sich Tempo 120 im wahren Leben auswirkt, kläre ich morgen in einem Selbstversuch.

Zuvor aber die Frage an die Saab Fahrer. Befürworten unsere Leser ein generelles Tempolimit auf unseren Autobahnen – oder halten sie dagegen? Hier geht es zur Abstimmung und Diskussion:

Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen?

  • Ich bin dafür! (54%, 301 Votes)
  • Ich bin dagegen! (46%, 255 Votes)

Total Voters: 556

Loading ... Loading ...

Wie hoch sollte das generelle Tempolimit ausfallen? Welche Beschränkung sehen die Lesenden als vernünftig?

Welche Beschränkung wäre vernünftig?

  • 140 km/h - damit nicht alle einschlafen (47%, 120 Votes)
  • 130 km/h wären ideal (42%, 109 Votes)
  • 120 km/h wären gut (8%, 20 Votes)
  • 100 km/h reichen völlig aus (3%, 9 Votes)

Total Voters: 258

Loading ... Loading ...

 

 

35 Gedanken zu „Diskussion – generelles Tempolimit auf Autobahnen?

  • Tempo limit (in Deutschland)
    Nächste woche fahre ich mit einer mein Saabs. Mit V6 2.8 . Ich fahre selbstverständlich als zu hause, wo dieses jahr wieder 100 tempolimit eingeführt wird. Sorry, aber wegen blöder und idiotischer raison.
    Sonst genügt 150 km/h mir sehr. Bin > 60’er geworden und fast 69 . Bleibe SAAB fahren. Bis führerschein eingezogen wird.

    Antwort
  • entschuldigung, von Holland nach Österreich via Deutschland

    Antwort
  • Für die deutsche Autoindustrie wäre die Einführung eines generellen Tempolimits eine weitere Katastrophe. Deutsche Autos gelten weltweit als die sichersten bei hohem Tempo. Das Argument ‘ich könnte, wenn ich wollte, richtig schnell fahren’ hilft offenbar immer noch deutsche Autos auch in den vielen Ländern mit Tempolimit gut zu verkaufen.

    Ich habe in den 1980er bis Mitte der 1990er Jahre bei Daimler-Benz gearbeitet. Versuche hatten damals ergeben, dass der Verkehrsfluss für alle am besten wäre, wenn die Geschwindigkeit auf 80 km/h reduziert würde. Die Resultate liessen wir sehr schnell wieder in der Schublade liegen. Wir wollten uns ja nicht unser Geschäft kaputt machen.

    Dank diesen Erkenntnissen habe ich damals für mich persönlich beschlossen, nur noch 100 km/h als Höchstgeschwindigkeit einzuhalten. Mit meinem modernen Auto mit Distanzregler-Tempomat fahre ich sogar oftmals nicht schneller als 80 km/h. Mein Saab Cabrio bewege ich seit jeher in diesem Bereich.

    Ich komme so nicht wesentlich später an mein Ziel, sondern wesentlich entspannter.

    18
    7
    Antwort
  • Zur Aussage “Aktuelle Großversuche fanden in den letzten Jahren nicht statt.”:
    doch, gibt es. Seit einigen Jahren auf einem ca. 60km langen Abschnitt der A24 zwischen Hamburg und Berlin. Dort ist komplett auf 130 geregelt. Ich finde es entspannend dort zu fahren. Einmal den Tempomat auf die Geschwindigkeit der Kolonne eingestellt und dann mitlaufen lassen. Kein Gehetze und Lückenspringerei.
    Und die Statistik spricht für sich:
    https://mil.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.2239.de/studie_tempolimit.pdf
    Zwar von 2007, aber an den Daten sollte sich nicht viel geändert haben.

    5
    6
    Antwort
  • Mein “Feldversuch” fand jahrelang in DK statt. Jedes Jahr im Urlaub waren für 3 Wo. entweder die West- oder die dän. Ostküste angesagt. Herrlich entspanntes und sparsames Fahren war angesagt. Dann, nach 3 Wochen der Grenzübertritt bei Flensburg: innerhalb der ersten (!) Kilometer der A7 war der Horror angesagt. Drängeln, Hupen, Lichthupe und li. Dauerblinken machten uns schlagartig klar, wo wir waren. Hyggelig war damals kein offizieller Sprachgebrauch für gemütliche Dänen. Heute schon. Wir in der Bundesrepublik sind meilenweit davon entfernt.
    Heute fahre ich viel mit dem Tempomat. Easy cruising. Da ich Entspannung spüren kann ;-), hat entspannt ankommen einen Wert für mich.
    Allen Lesern einen sonnigen entspannten Tag!

    12
    3
    Antwort
  • Man muss sich …

    … ganz einfach Mal vergegenwärtigen, wie hoch die Tempodifferenzen auf einer 2-spurigen BAB ohne Limit von einer Spur zur anderen teilweise sind.

    Wenn man einen Bus oder LKW überholen und von der rechten Spur auf die linke möchte, dann ist das teilweise so, als würde man in einer Innenstadt, in der 150 und noch mehr erlaubt sind, ausparken wollen. Das ist völlig lächerlich, ist schlicht unmöglich.

    Ich fahre gerne und am liebsten zügig, aber auch nicht um jeden Preis. Etliche Bremsmanöver inkl. Eingriff von ABS, anschließende und neuerliche Beschleunigung bis zur nächsten Tankstelle haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass ich ebenso zügig, entspannter, mit geringeren Kosten und umweltfreundlicher ans Ziel komme, wenn ich mich mit der Richtgeschwindigkeit begnüge.

    Auch scheint mir bedenkenswert, dass das dt. Tempolimit (also dessen Abwesenheit) ein Anachronismus aus Zeiten ist, in denen Autos mit einer Höchstgeschwindigkeit von 150 bis 175 noch ganz locker als rekordverdächtige Supersportler durchgingen.

    Es kann und darf nicht sein, dass wir diesen historischen und längst überholten Maßstab bis in alle Zukunft weiterhin auch für alle Autos anlegen, die mittlerweile locker 100 bis 150 km/h schneller sind …

    10
    6
    Antwort
  • Ja mit dem Alter wird man ruhiger und fährt langsamer, entspannter. Das mit dem Urlaub in Dänemark geht mir auch so, aber auch dort habe ich schon das Ermüden durch vor mich hinbummeln bemerkt.
    In D auch schon mal über die 200hinaus mit dem 9-5NG, meist so 160, wenn es die Straßenlage zu lässt.
    Vielleicht kann man es umgedreht machen, generell 130km/h (oder 140 warum nicht 160?) …und auf Strecken mit wenig Verkehrsbelastung, bei guten Wetterbedingungen, die es auch baulich hergeben, für Fahrzeuglenker über 18 (21, 35 oder 60 :-O)die zudem keine Punkte haben, eine der vorgenannten km/h als Richtgeschwindigkeit, bei gleichzeitiger Verschärfung der Strafen für: drängeln, links fahren, nicht blinken! Ok, klingt jetzt wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Verkehrsjuristen. 😉

    9
    1
    Antwort
  • Wir erleben eine Zeitenwende. Das Thema freie fahrt ist nicht mehr zeitgemäß, freies Rasen schon mal gar nicht. Auch weil sich die Art der Fahrzeuge verändert hat. Früher war eine gewichtsmäßige Chancengleicheit, heute kracht das 2.5 Tonnen SUV in den Kleinwagen mit Mutter und Kind. Das ist nicht akzeptabel.

    11
    3
    Antwort
  • Moin zusammen.

    Ich fahr zwar gerne auch mal zügig, wenn es die Straße und Situation zulässt (z.B. A23 gen Norden).

    Aber ich könnt auch mit Geschwindigkeitsbegrenzug leben, gibt es ja eh schon oft genug.
    (Und die meisten Länder der Erde haben das ja und auch die kommen an). 😉

    Zudem “gängelt” mich mein 2011´er eh irgendwann und bremst mich automatisch bei 210 km/h ein.
    Und “cruisen” statt “rasen” macht mir mit meinem Wagen eigentlich auch eh meist mehr Spaß.

    Und viel schneller komm ich mit “Vollgas” – zumindest auf meinen üblichen Strecken – meist auch nicht an, dafür dann aber immer wesentlich unentspannter!

    5
    3
    Antwort
  • Man darf sich in diesem Zusammenhang durchaus mal vergegenwärtigen, dass die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h kein völlig zahnloser Papiertiger ist, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht so aussieht.
    Den haben aber vermutlich bisher nur die kennengelernt, die in einen auf den ersten Blick nicht selbst verschuldeten Unfall verwickelt waren, dann aber vor Gericht eine Mitschuld zugesprochen bekommen haben, weil sie laut Gutachten den Unfall hätten verhindern können, wenn sie mit maximal Richtgeschwindigkeit gefahren wären.

    Das Fahren mit mehr als 130 km/h kann also ganz signifikant die eigenen Ansprüche an den Unfallgegner mindern, auch wenn sich dessen vermutlich nicht alle bewusst sind, oder dieses Risiko bewusst eingehen, weil sie es für (möglicherweise vernachlässigbar) klein halten.
    Falls letzterer Grund überwiegen sollte, stellt sich natürlich die Frage, wie viele sich an ein Tempolimit 130 km/h halten würden, wenn ein Überschreiten als ein vernachlässigbar kleines Risiko eingeschätzt wird.

    Im übrigen bin ich seit bestimmt 20 Jahren der Meinung, dass man ein Tempolimit von 150 km/h einführen sollte. Das könnte wenigstens die heftigsten Geschwindigkeitsunterschiede vermeiden helfen und wenn sich dafür keine Mehrheit findet, braucht man über weniger vermutlich nicht mehr nachdenken, weil es gegen den gesunden Menschenverstand ist, oder so ähnlich …

    8
    1
    Antwort
  • Ich fahre häufig in Frankreich und dort oft auf den Autobahnen.
    Immer wenn ich zurück komme geht mein Adrenalinspiegel schon ab Aachen-Brand in die Höhe! Ich fahre weiter mit Tempomat und 130 km/h und muss natürlich laufend zwischen rechter und linker Spur wechseln. Was in Frankreich sehr moderat und entspannt geht, gerät hier sofort “aggression lab”. Das hat nicht nur mit Verkehrsdichte zu tun, sondern mit den extremen Geschwindigkeitsunterschieden zwischen den Spuren und innerhalb der Spuren. Das erfordert sehr hohe Aufmerksamkeit, die niemand lange erbringen kann – selbst Profi-Rennfahrer nicht. Und viele dieser Strassenrennfahrer bleiben unfallfrei, weil die anderen auf sie aufpassen! Das relativiert die Antwort “weil ich es kann!” auf die Frage “warum fährst du so schnell?”. Also: uneingeschränktes “Ja” zum Tempolimit um entspannter zu fahren, Und das macht auch Spass! Wenn ich schnell fahren will, fahre ich übrigens zum Nürburgring und gebe meinem Saab die Sporen – Herrlich!

    9
    6
    Antwort
  • Tja was soll ich als Österreicher dazu sagen? Als Österreicher oder generell aus einem Land mit Tempolimit, also allen Ländern genießt man es und erfreut sich, wenn man dann die ein paar mal im Jahr auch mal schauen kann was das Auto eigentlich kann. Wir haben noch bis Ende Februar ein Pilotprojekt/Testversuch auf der Westautobahn, zwei Abschnitte wo man statt 130, 140 fahren kann. Die Erfahrungen und Ergebnisse nach 1 1/2 Jahren waren durchweg positiv, der Verkehr wurde flüssiger, die Unfallzahlen sind auf diesem Abschnitten sogar zurückgegangen und die Emissionen nur minimal gestiegen. Leider wird dieser Testversuch wegen der neuen Grünen Verkehrsministerin leider abgeschafft. Ich muss aber auch sagen, mir macht beides Spaß. Den Allradcombi unter 7,3 Litern zu fahren, den Diesel mit 4 Litern, aber auch mal zügig voran zu kommen. Wenn man zu Uhrzeiten fährt wo wenig Verkehr ist und man problemlos bis 180 fahren könnte, 250 müssen es auch wieder nicht sein, nervt es wenn man dann nur ca 135km/h inklusive Messtoleranz fahren kann.

    16
    Antwort
  • Ich kann die ewige Diskussion über das Tempolimit nicht nachvollziehen. Der Verkehr bremst sich meistens von alleine aus.
    Ich bin jeden Tag auf der Autobahn und diese Herzschlag und Nahtot Erfahrung mache ich nicht. Es gibt zwar immer noch Drängler und Raser, die gibt es aber auch bei 100km/h Beschränkung und sie sind deutlich weniger geworden. Wer sich von Dränglern beeindrucken lässt ist selber Schuld.
    Mit meinem Saab gleite ich dahin und habe Spaß dabei, mit meinem Tagesauto fahre ich aber auch gern 180 km/h allerdings ohne zu drängeln und wenn wenig Verkehr auf der Autobahn ist.

    18
    2
    Antwort
  • Ich habe überhaupt kein Problem mit einem 130er Tempolimit auf unseren Autobahnen unter der Voraussetzung, dass auf der ganz linken Spur – soweit der Verkehr das zulässt – nicht langsamer als 110 km/h gefahren werden darf und das langsamer-Fahren genauso bestraft wird wie das schneller-als-erlaubt-Fahren. Das bedeutet aber auch, dass niemand mit z.B. 90 oder 100 km/h von der rechten oder mittleren Spur auf die ganz linke wechseln darf. Insbesondere bedeutet das ein Überholverbot für LKW und Busse! auf zweispurigen Autobahnen. IMHO würde das den Verkehr weitaus flüssiger machen als er das heute in der Regel ist.

    JFP

    13
    Antwort
  • Neulich war im TV ein Interview mit Cem Özdemir zum Thema generelles Tempolimit zu sehen und hören. Dass er sich für ein Tempolimit aussprechen würde, war klar. Als Argumente würden die üblichen Phrasen ins Feld geführt, Schadstoffe, Unfallzahlen, etc. und natürlich dass es außer in Afghanistan, einem afrikanischen Staat, dessen Namen ich vergessen habe, nur noch in Deutschland kein Tempolimit gebe. Aha, die Welt hält ein westliches Land, das eine Nuance abweicht, nicht mehr aus. Uniformismus für alle. Das entspräche zumindest auch dem gesamtgesellschaftlichen Trend.
    Interessant an diesem genannten Interview war, dass Herr Özdemir durchaus zugeben musste, dass die Anzahl der Raser definitiv abgenommen hat, was tatsächlich auch meinem Eindruck der letzten Jahre entspricht. Zweifellos auch ein starkes Argument für ein Tempolimit.
    Die in einigen obigen Kommentaren geäußerte Lebensgefahr, die aus einem Spurwechsel von rechts nach links resultiere, habe ich selbst noch nie erlebt und das obwohl ich 90 % meiner Strecken mit Tempomat zwischen 120 und 130 km/h fahre und links selten mehr als 140 km/h.. Wer es eiliger hat, muss eben warten bis ich meinen Überholvorgang beendet habe. Fertig.
    Nichtsdestotrotz will ich bei freier, trockener Strecke meine 9000 Turbos für 2, 3 km auch mal von der Leibe lassen können ohne dafür ins Gefängnis zu kommen …
    Ich persönlich denke, dass uns der staatlich gewollte Uniformismus auch auf der Autobahn einholen wird. Warum? Nun, ganz einfach, damit das Volk der Lemminge nicht mehr merkt, welche Nachteile ein E-Auto gegenüber einem Verbrenner auf langen Strecken hat.

    16
    5
    Antwort
  • Ich bin jeden Tag auf der Autobahn unterwegs. Wir haben in Deutschland ein Rechtsfahrgebot. Das wird aus meiner Sicht zunehmend ignoriert. Mit oftmals einer Selbstgefälligkeit mancher Fahrer wird dieses Rechtsfahrgebot misachtet, ja bewußt beim Überholen die Geschwindigkeit gedrosslt, ja oftmals provoziert. Dabei fällt mir auf, dass das bundesweit kein einheitliches Phänomen ist, sondern es ist m.E. sehr abhängig vom Bundesland. Während in den alten Bundesländern vielmehr Toleranz auch gegenüber den schnell vorankommenden Fahrzeugen besteht, scheinen offenbar viele Fahrer der neuen Bundesländer, allen voran Brandenburg, eher ein trotziges Verhalten an den Tag zu legen. Ich bin für Gelassenheit im Straßenverkehr, ohne Ignoranz und Selbstgefälligkeit. Ich fahre wenn ich Zeit habe auch sehr gerne langsam und reihe mich auch hinter LKWs ein. Wenn einer schneller fahren möchte, dann warum nicht, dann kann er es doch gerne tun. Ich bin aber gegen ein Temolimit. Der Punkt ist doch, dass es ein politisches und medienwirksames emotionales Thema ist und gewollt noch eine Kluft in der Bevölkerung erzeugt wird. Es trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei. Wir haben wichtigere Themen in der heutigen Zeit. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung zeigt sich eben aus meiner Sicht auch hier. Gerade in den alten Bundesländern scheint die Unzufriedenheit größer zu sein als z.B: in Bayern oder Niedersachsen. Ich habe lange in Niedersachen gearbeitet und das Phänomen der Rücksichtlosigkeit, wenn mal einer es eilig hat bestand dort höchst selten (wenn dann einer aus den alten BL). Politik wird auf die Autobahn gebracht, die Bevölkerung daran zerrieben, ja eher aufgehetzt. Das zeigt sich zunehmend auf deutschen Autobahnen.

    10
    1
    Antwort
  • Das große Thema ist das Abwenden der Klimakatastrophe. Hierzu erscheint der Ausstieg aus Verbrenner-Autos unabdingbar. Ich vertrete daher schon länger die Meinung, dass als eine der Maßnahmen ein Tempolimit für Verbrenner, aber nicht für E-Autos etc. eingeführt werden sollte, um einen Anreiz zu schaffen, solche Autos zu kaufen.

    Das Tempolimit sollte zudem dauernd verschärft werden, zB 130, 120, 110, 100, jeweils im Zwei-Jahresabstand.

    Antwort
  • Ein Tempolimit nur für Verbrenner wäre m.M.n absolut nicht zielführend. Zwar mag der Antritt eines Akku-Autos brachial sein, am Ende bleibt aber die Erkenntnis das E-Autos absolut nicht zum schnellfahren gebaut sind. Zu schnell schmilzt die ohnehin schon teilweise “geringe” Reichweite dahin, sobald man sich jenseits der 130 km/h befindet. Je langsamer ein E-Auto fährt, desto weiter kommt es – mit einem aufgehobenen Tempolimit für E-Autos müssten man die realistische Reichweite also schnell nach unten korrigieren.

    Zum scheinbar dringend benötigten Ausstieg des Verbrenners empfehle ich zudem folgenden Artikel: https://saabblog.net/2019/10/15/der-verbrenner-wird-uns-noch-lange-begleiten/

    Antwort
  • Es gibt so eine Regelung schon in Österreich, da können reine Elektroautos die anhand des Grünnen Kennzeichens identifiziert werden können in IG-L Zonen 130 statt 100 fahren.

    1
    1
    Antwort
  • @ thylmuc,

    Ihr Kommentar zeigt dermaßen exemplarisch und eindrücklich, welch Geistes Kind so manch wirtschaftlich, politisch oder privat motivierter Verfechter der E-Mobilität ist, dass man augenblicklich zum Anhänger auch noch der abwegigsten Verschwörungstheorie werden könnte.

    Es geht zumindest Ihnen offenbar gar nicht darum, die Umwelt und Ressourcen zu schonen. Ansonsten kämen Sie nämlich auch nicht auf die krude Idee, dass es die Welt retten würde, mit möglichst großen Batterien und Autos möglichst schnell zu fahren.

    Durch Ihre Adern und Ihren Kopf fließt nicht halb so viel Umweltbewusstsein, wie beim durchschnittlichen Befürworter eines Tempolimits. Dieser käme niemals auf die völlig abstruse Idee, dass dem maximalen Einsatz der einen Ressource am besten durch den maximalen Einsatz einer anderen zu begegnen sei.

    Das ist so, als würden Sie die industriellen Abwässer des einen Betriebes durch die eines anderen ersetzen. Da braucht es ziemlich kluge Fische im Fluss, die darin einen Fortschritt erkennen und fortan nicht mehr mit dem Bauch nach oben schwimmen …

    15
    Antwort
  • Bevorzugung der E-Autos enteignet die Menschen, welche nicht in der Lage sind mal eben €30.000,- für ein neues Kfz aufzubringen!!!!

    13
    Antwort
  • Es kann nur funktionieren, wenn Menschen aufhören sich egonzentrisch zu verhalten!
    Auf der Straße gilt, Leben und Leben lassen!

    10
    Antwort
  • Schade, schade, schade,

    dass (trotz derer bislang 22) kaum ein Kommentar die Fragen aufgreift, welche der Autor in seinem Artikel so zahlreich aufwirft.

    Dabei sind die Fragen gut und relevant gestellt. Auch mit alten Autos kann man sicher im Verkehr mitschwimmen, wenn dieser nicht jeweils die maximale Anforderung an jeden Teilnehmer nach dem jüngsten Stand der Technik stellt.

    Die Beleuchtung, die Fahrleistungen und auch die Verbrauchswerte selbst wahrlich alter Kisten erscheinen plötzlich wieder adäquat, wenn man diese unter der Voraussetzung eines Tempolimits betrachtet.

    Und für existierende Fahrzeuge werden keine Wälder mehr gerodet, keine neuen Fabriken gebaut. Mir scheint das nachhaltig zu sein …

    3
    1
    Antwort
  • Ich möchte noch eines anmerken, wenn in Deutschland ein Tempolimit von 120/130 kommt müsste dieses auch genau überwacht werden und große Übertretrungen hart bestraft werden, damit das funktioniert und sich wirklich alle daran halten. In den skandinavischen Ländern funktioniert das, aber in Ö, SK, CZ und vielen anderen Ländern halten sich viele Fahrer nicht an die vorgeschriebenen Tempolimits und das bringt auch große Gefahren mit sich, weil man nicht damit rechnet, dass einer mit 170 daherkommt. In Deutschland bin ich eher darauf vorbereitet, dass einer auch mit 250 an mir vorbeiziehen kann, dementsprechend achte ich noch einmal mehr darauf.

    12
    1
    Antwort
  • Wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann: Ich meide diese Autobahn, weil sie ein sehr fragiles Stück Verkehrsinfrastruktur ist: Die Drängler drängeln weiterhin ohne Verluste, die Schnarchnasen murmeln mit knapp 100 kilometerweit links und jeder noch so kleine Unfall führt zum Erstarren des Verkehrs – praktisch ohne Ausweichstrecken, weil dies für die Transitstrecke gebaute Trasse sowas nicht vorgesehen war.

    3
    3
    Antwort
  • Das ist genau der Punkt!
    Allerdings gilt das nur für diejenigen unter uns, die den SAAB im täglichen Gebrauch haben. Bei den Dienstwagenfahrern mutiert der SAAB augenblicklich zum Hobby und damit hat sich das Thema Nachhaltigkeit ziemlich erledigt, da sie im täglichen Gebrauch nicht stattfindet. Der Dienstwagen wird kurzfristig gefahren, es findet keine Ressourcenschonung statt!

    Die eigene Ressourcenschonung erfordert im SAAB ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Es macht einfach zu viel Spaß, ihn gelegentlich von der Leine zu lassen und die verdutzten Gesichter zu sehen. Bis heute brauchen die sich vor den meisten fettgewordenen Kutschen nicht verstecken 🙂

    Antwort
  • Was ist denn eigentlich das Hauptargument für ein Tempolimit? Sicherheit? Umwelt? Ach so, beides. Ich verstehe.
    Beim Thema Sicherheit wären doch eher Bundes-/Landstraßen mal eine Erwähnung wert, denn die sind wirklich gefährlich. 100 km/h in die eine Richtung prallen mit 100 km/h aus der anderen Richtung zusammen, macht also einen Frontalunfall mit ungefähr 200 Sachen gegen die Wand, ohne Leitplanke, ohne Standstreifen o.ä. -sehr unangenehme Vorstellung.
    Das hieße auf die Autobahn übersetzt 120 km/h auf der linken Spur wird von 320 km/h abgeschossen. Zugegebenermaßen auch gruselig, aber auch genauso wahrscheinlich?
    Und dann noch das Brechthema Nachhaltigkeit. Was wirklich nachhaltiger ist, werden wir in 30 Jahren wissen, wenn 40 Millionen (dem heutigen Fahrzeugbestand etwa entsprechend, weil dann alle E-Autos fahren) batterieelektrische Autos reif für den Schrott sind, denn dass die nicht ewig halten werden ist ja im Fabrikat eingebaut wie in den allermeisten Konsumgütern heutzutage. Ein Narr, wer dies leugnet.
    Wer sich ernsthaft (!) für das Thema Ressourcen, Umwelt und Nachhaltigkeit interessiert, dem sei der Chemiker Michael Braungart empfohlen und sein cradle-to-cradle-Konzept. Zu sehen und hören war dieser wirklich beeindruckende Weit-Voraus-Denker zuletzt gestern Abend bei “Hart aber Fair”. Wenn wir alle sein Denkniveau verinnerlicht haben, dann können wir uns wieder über Marginalien wie ein generelles Tempolimit austauschen ………

    Antwort
  • @ Tom: ich stelle nicht ohne schmunzeln fest, wie viele Kommentare das Thema Tempolimit provoziert. Gab es schon mal ein ähnlich “bewegendes” Thema?

    Antwort
    • Ja, gab es immer wieder mal. Zuletzt die Frage, ob wir Volvo mit auf den Blog nehmen sollten. Da wurde ähnlich viel diskutiert. Teaser: Das Thema kommt demnächst wieder…

      Antwort
  • Ob wir hier 120 oder 200 fahren ist schon lange egal. Die eigentlichen Probleme finden woanders auf der Kugel statt und die sind nicht mehr in den Griff zu bekommen, da hat die Politik völlig versagt.
    Globalisierung mit und wegen viel zu billigem Transport, Ausbeutung der 3. Welt für unsere Wegwerfgesellschaft, der Zwang zu ständigem Wachstum, …
    Es wird platzen!

    10
    Antwort
    • Sicher ist: wir werden mit Elektroautos das Klima keineswegs retten. Das wäre zu bequem. Ein generelles Umdenken wäre nötig von Politik, Wirtschaft und eine Überprüfung des persönlichen Lebensstils. Muss man wirklich jedes Land der Welt besucht haben, wäre statt Malaysia nicht auch Rügen ein Ziel? Genau da fängt es an und geht immer weiter. Nur entdecke ich zum generellen Umdenken nirgendwo eine Bereitschaft.

      Antwort
  • Dies ist genau der Punkt, es ist ein grundlegendes Umdenken notwendig, das zu allererst einmal ein strenges Denken erforderlich macht. Nur, wieso fehlt die Bereitschaft? Und zur Beantwortung dieser Frage muss – so befremdlich dieser Punkt auf einem Autoblog wie in der gegenwärtigen Gesellschaft überhaupt erscheinen muss – der Blick aufs System gerichtet werden. Dieser Punkt ist gerade so befremdlich, weil er durch die bestehenden Verhältnisse essentiell als träumerisch, unrealistisch und “ideologisch”, sprich als irrational stigmatisiert wird. Das System erhält sich eben durch Abgrenzung vom anderen; dadurch, dass es sich durch Abwertung des Alternativen selbst aufwertet. Eine mögliche Lösung muss aus heutiger Sicht geradezu befremdlich sein, um etwas verändern zu können, denn das bestehende System mit all seinen Problemen erscheint deshalb als so legitim, unüberwindbar und naturgegeben, weil es seine Mitglieder ja auf den ersten und vielleicht auch zweiten Blick gerade nicht befremdet, sondern verführt, ablenkt, verwöhnt, aber dadurch unbemerkt stillstellt. Vielleicht haben wir die Fähigkeit verloren, uns mit dem Befremdlichen, mit der Alternative zu allererst einmal auseinanderzusetzen, ihm und ihr eine sachliche Chance zu geben, weil wir nur noch dem Modus einer schnellen Bedürfnisbefriedigung vertrauen. Oft besteht heutzutage gar keine Bereitschaft mehr zur sachlich-kontroversen Debatte, weil die Kontroverse eben keine einfache, befriedigende Lösung auf die Schnelle zu produzieren vermag. Hinzu kommt das Verlachen engagierter theoretischer Argumentation, motiviert durch das zuvor beschriebene und von einem technisch kühlen Effizienzdenken motivierte Stigma des Verträumt-Ideologischen. Dorthin aber, zur Kontroverse und zum zuhörenden Zulassen der Argumentation müsste es wieder gehen.

    Verführt, abgelenkt, verwöhnt und unbemerkt stillgestellt werden wir durch eine besänftigende Kulturindustrie, die ein weit verzweigtes, stetig wachsendes, komplex ineinander verwobenes Netz von Freizeitindustrien unter sich versammelt: Urlaubsindustrie, Fernsehindustrie, Social Media-Industrie, Popkultur-Industrie, Unterhaltungsindustrie, Modeindustrie, Autoindustrie etc. Kurzum – fast alles Erstrebenswerte ist Teil einer Konsumindustrie, erfordert den notwendigen finanziellen Einsatz, der erarbeitet werden muss, und aufgrund des hohen persönlichen Arbeitseinsatzes erscheint das, was sich gegönnt wird und eben auch höchst effektiv sinnlich befriedigt, als verdient. Und was verdient ist, ist gerecht, oder? Was gerecht ist, kann nicht ungerecht sein und darf daher nicht hinterfragt oder geändert werden; vor allem, wenn es mir so scheint, als widerfahre genau mir Gerechtigkeit – dann fällt es in einer individualisierten postmodernen Gesellschaft schwer, zu begreifen, dass andere möglicherweise ungerecht behandelt (weil ausgebeutet bis bekriegt) werden, oder am Ende gar man selbst zum Konsum- und damit Arbeitsnarren gehalten wird (weil die eigene Befriedigung nur oberflächlich und kurz währt, bis eine neue Mode produziert wird). Wo bietet sich ein Ansatzpunkt? Mehr Bildung, die aufklärt (eine Revitalisierung wie Rehabilitierung der nicht primär unterhaltenden, sondern anstoßenden Kultur- und Informationsangebote und der immer stärker beschnittenen Geisteswissenschaften), weniger Markt in den Bereichen, die noch vor dreißig Jahren selbstverständlich unter der exklusiven Obhut des (sozial-marktwirtschaftlichen) Staates standen, weniger Profitprinzip im Allgemeinen, mehr Besinnung auf die Lebensgrundlagen im Besonderen, sowie Wertschätzung des unmodisch und damit nachhaltig Zeitlosen. Nur wer sich des eigenen und kollektiven Handelns rational bewusst werden kann und will, dessen Implikationen und Konsequenzen einzusehen vermag, der wird auch von sich aus den verführerischen Angeboten der zahlreichen Konsumindustrien und den sie stützenden eingeschliffenen Narrativen ansatzweise widerstehen können und wollen.

    Fällt auch die Beschäftigung mit einem Saab unter eine der Freizeitindustrien? Selbstverständlich, aber…Solange oder sobald das Saabfahren die Logik der Konsumindustrie unterläuft, d. h.: sozialverträglich und nachhaltig gestaltet wird, sowie nicht zu einem selbstbezüglichen Fetisch verkommt, der in hierarchischer Form keinen Raum für die Beschäftigung mit anderem ließe, kann es an einem Weg mitarbeiten, der hinausführt. Saabfahren ist möglicherweise sozialverträglich, denn unsere Saabs sind niedrigpreisige Exotenprodukte, deren Erhalt mittelständische Unternehmen und/oder privaten zwischenmenschlichen Kontakt erfordert wie unterstützt; sie stellen ferner keine Spekulationsobjekte dar und verbinden oft Menschen örtlich und kulturell miteinander. Nachhaltig sind sie sowieso, sofern man sie in redlicher Eigner(innen)manier pflegt und wertschätzend wie langfristig nutzt – überhaupt, sie nutzt und nicht eventuell doch als verstaubende Schmankerln neben den kontinuierlich wechselnden Leasingautos hält. Saabfahren in der skizzierten Form, wie auch ein vergleichbarer Umgang mit Altblech anderer Marken unter ähnlichen Bedingungen, erfordert und fördert also viele Werte und Umgangsformen, die Teil einer Antwort sein könnten, weil es keinen massenindustriell abhängigen und damit passiven Konsumententypus, sondern einen eigenverantwortlich, lokal und solidarisch handelnden Nutzer hervorbringt. In diesem Sinne gibt es also auch Freizeitindustrien, die nicht total verblenden und ein utopisches Potential in sich tragen. Daher sind es dann vielleicht nicht die radikalen Absagen an alles Jetzige und Bisherige, die effektiv sein werden, sondern die bestimmten Absagen an das, was die gegenwärtigen Probleme nachweislich aufrechterhält bis verstärkt; und die differenzierte Bejahung und Beförderung derjenigen heutigen Werte und Umgangsformen, die schon den Geist des Neuen in sich tragen.

    Es muss also unmissverständlich die Systemfrage gestellt werden – die Antwort braucht aber keinesfalls die schwarzmalerische des totalen Umsturzes sein, wie sie von den Agenten der Gegenwart gerne reflexhaft und in guter historischer Übung vorgegeben wird, um damit die Frage als solche zu diskreditieren. Durch diese List ist wirklicher Fortschritt ein ums andere Mal effektiv ausgebremst worden. Die Antwort muss konservativ sein, um möglichst Viele(s) mitzunehmen und praktikabel zu sein, und sie muss progressiv sein, um die verführerischen Zwänge des Systems durchblicken und gestalten, vielleicht überwinden zu können. Die systemkritische Frage muss allerdings erst einmal in der breiten gesellschaftlichen Debatte gestellt werden dürfen und dann dort auch tatsächlich diskutiert werden. Dies alles sind Gedanken und keine politischen, also buchstäblich Partei ergreifenden Positionen; wie sowieso in der Politik viel weniger Politik und mehr Denken erforderlich ist; wie es denn aber auch zuerst Wähler braucht, die mehr Denken und weniger Politik wollen. Solche unzeitgemäß langen und altmodisch anmutenden Beiträge passen auf den ersten Blick sicherlich nicht in die Kommentarspalte des Saabblogs. Aber warum eigentlich nicht? Wir können und sollten alle und überall selbst denken. Und irgendwo muss Mensch ja anfangen.

    7
    1
    Antwort
  • Verstanden hab’ ich eigentlich gar nix!!

    4
    2
    Antwort
  • @ Jens Marquardt,

    da steht unter dem Strich, dass wir weiterhin Saab oder andere bereits produzierte Autos möglichst lange auch im Alltag fahren und Neuwagen vorziehen sollen.

    Die Effekte seien vielfältig und durchaus positiv und würden uns in letzter Konsequenz befähigen, aus dem Hamsterrad herauszutreten und kollektiv die geistigen Freiräume zu schaffen, welche die Menschheit bräuchte, um die Welt zu retten.

    Also alles ganz einfach. Ob es aber auch stimmt, weiß ich nicht …

    Antwort
  • @ Jens Marquardt,
    dann haben Sie genau das gemacht, was der Kommentar bemängelt: nicht nachgedacht.

    1
    2
    Antwort

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.