TOGG – das türkische Saab Projekt

Von Saab ist in den Pressetexten keine Rede mehr. Der Ursprung der Plattform wird verschwiegen, was kaum verwundert. Aber TOGG, das türkische Saab Projekt, hat seine Ursprünge in der Stallbacka. Zum Jahresende kam es, wie angekündigt, zur Präsentation der Konzept-Fahrzeuge. Und es gab technische Details.

TOGG SUV
TOGG SUV

Design von Pininfarina

Für das Design sind Pininfarina und Murat Günak verantwortlich. Günak gestaltete zuvor für Mercedes und Volkswagen, Pininfarina ist international blendend im Geschäft vertreten. SUV und Limousine sind gefällig gezeichnet, der Pressetext schwärmt von anatolischen Wurzeln. Tatsächlich tragen beide Fahrzeuge den Chic, den man auch bei chinesischen Start-ups findet. Modern, technisch reduziert, dem angepasst,  was man von einem Elektroauto erwartet. Würde statt TOGG Nio, Changan, Enovate oder Dongfeng am Bug stehen, keinen würde es verwundern. Immerhin, bei der eleganten Limousine kann man noch leichte Anklänge an den Saab 9-3 finden.

Ein Tesla Konkurrent aus der Türkei?

Beeindruckend sind die technischen Daten. Hier kommt kein Volksauto oder Minimal-Konzept. In der Basis sollen mehr als 300, in der großen Version über 500 Kilometer Reichweite möglich sein. 200 oder 400 PS Leistung, 4 oder nur 2 angetriebene Räder. 80 % der Batterie können in weniger als 30 Minuten aufgeladen werden, in nur 4,8 Sekunden sprintet das 400 PS SUV  von 0 auf 100 km/h. Auf die Batterie wird es eine Garantie von 8 Jahren geben.

Belastbare Daten und Details stehen noch aus, am Ende entscheidet die Effizienz der Antriebe. Und da ist Tesla mit 10 Jahren Vorsprung der Benchmark, wie aktuell VW und Co erfahren müssen. Ob das türkische Konsortium aufschließen kann, wird sich erst 2022 entscheiden, wenn das SUV in der Provinz Bursa von den Bändern läuft. TOGG verspricht heute schon geringe Unterhaltskosten, beim modernsten Stand der Technik.

Innenraum. Etwas, NIO, Byton, Mercedes
Innenraum. Etwas, NIO, Byton, Mercedes

Holografischer Assistent

Ein holografischer Assistent in 3D kann dem Nutzer ein neues Mobilitätserlebnis liefern. Vorbei die Zeiten mit 2D Anzeigen. Eye-Tracking Algorithmen und holografischen Helfern gehört das anbrechende Jahrzehnt. Da versteht es sich von selbst, dass Updates online installiert werden. Die Flut an Technik, so TOGG, will den User entlasten. Sie soll einfach, ja geradezu minimalistisch gestaltet sein. Der Innenraum mutiert zum “Smart Living Space”,  der über 5G natürlich voll vernetzt sein wird. Sicher soll er auch noch sein, von einem 5 Sterne Rating im Euro NCAP Test wird ausgegangen.

3,3 Milliarden € will die Türkei in den kommenden Jahren in das Projekt investieren. 175.000 Elektroautos können per Jahr gebaut werden, 4.000 Arbeitsplätze entstehen. Das Projekt selbst ist etwas verspätet, es liegt gut 2 Jahre hinter seinem originären Zeitplan zurück. Auf der einstigen Saab Plattform sollen mehrere Modelle mit unterschiedlichen Radständen entstehen.

Mit Mehmet Gürcan Karakas leitet ein ehemaliger Bosch Manager das Vorhaben. Bis Sommer 2018 war er als Bereichsvorstand für das Segment “Electrial Drives” am Standort Bühlertal tätig. Sein Weggang wurde vom Unternehmen als Verlust bezeichnet. Und während deutsche Kompetenz in das türkische Autoprojekt fließt, gehen die Schweden leer aus. Die angekündigte Zusammenarbeit mit NEVS wurde vor mehr als 2 Jahren aufgekündigt. Vielleicht, und nicht ohne Grund, sehen die Türken die kommende Konkurrenz auch in chinesischen Firmen.

Man kann davon ausgehen, dass TOGG preislich aggressiv agieren wird. Die Türkei ist ein Autoland, auch wenn die Hersteller keine nationalen Konzerne sind. Mit dem TOGG Konsortium, einer Prise Saab, und den Verwerfungen der Autoindustrie rechnet man sich Chancen für die Zukunft aus.

5 Gedanken zu „TOGG – das türkische Saab Projekt

  • Überraschend gelungenes Design! Wenn Preis plus Verarbeitung stimmen, ja dann könnte es klappen. Freut mich wenn Saab Gene weiterleben, auch wenn mir Schweden als Ursprung etwas lieber wäre.

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  • Verdammt spannende Zeiten …

    technisch, politisch und beides im globalen Maßstab. Kaum zu glauben aber wahr, dass es da noch gültige Bezüge zu Saab gibt. Es macht Spaß, davon zu lesen.

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  • Dass es noch immer Verbinungen zu Saab gibt ist wirklich interessant und spannend
    Die Autos sehen halt sonst so aus wie 0815 SUVS von jeder anderen Automarke, aber ich finde das trotzdem nicht schlecht.

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  • Sicher gibt es wieder viele verschiedene Meinungen. Ob es zum Schluss was wird liegt ja auch in den Sternen. Ich für meine Person finde das Design und die techn. Daten nicht schlecht. Insbesondere die Heckpartien beider Fahrzeuge finde ich gelungen. Ist doch auch ein etwas SAAB.

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