Quartalsreport. Orio AB liefert schwarze Zahlen.

Ein neuer CEO, eine stärkere Fokussierung auf das Stammgeschäft. Die konsequente Ausrichtung auf ihre traditionellen Stärken scheint bei der Orio AB erste Früchte zu tragen. Für das 3. Quartal 2019 meldet das Unternehmen seine Rückkehr in die schwarzen Zahlen, nach einem Verlust im Vorjahresquartal. Die Entwicklung der Märkte selbst bleibt uneinheitlich, und eine Region stürzt im 3. Quartal ab.

Saab Zentrum Bamberg, 900 Cabriolet.
Saab Zentrum Bamberg, 900 Cabriolet.

Nach einem leichten Verlust im Vorjahresquartal meldet Nyköping ein operatives Ergebnis von 200.000 Schwedischen Kronen. Der Rohertrag lag bei 2 %, nach einem Minus von 1 % im Vorjahreszeitraum. Die Umsätze sanken um 14 % auf 128 Millionen Kronen, und ein Blick auf die Entwicklung der einzelnen Regionen ist von Interesse.

Die skandinavischen Märkte und Nordamerika melden einen Rückgang von 6 %. Beide Regionen waren zuvor durch massive Umsatzverluste schwer erschüttert worden, sie stabilisieren sich jetzt. Besonders im Heimatland sucht die Orio AB einen engen Schulterschluss mit den Kunden, das beginnt sich auszahlen. Es gibt einen Online Shop für Saab Teile, das Partnernetz ist gut besetzt, und über eine App kann der Saab Fahrer seine Fahrzeuge verwalten und bei Fragen direkten Kontakt zum Saab Helpdesk aufnehmen.

Deutschland und Großbritannien stark im Minus

Überdurchschnittlich schlecht schnitten hingegen zwei andere Märkte ab. In Großbritannien, wo das Vertrauen der Verbraucher aufgrund des Brexitdebakels bereits länger recht schwach ist, stürzten die Umsätze um 13 %. Im Gleichschritt folgte der Vorzeigemarkt Deutschland, der bislang gegen Krisen und Rückschläge immun schien. Auch hier fielen die Umsätze um 13 %. Während in Großbritannien die Gründe offensichtlich sind, liegen die Probleme in Deutschland anders. Größere Werkstätten haben sich über die Jahre alternative Beschaffungswege aufgebaut und nutzen sie verstärkt. Umsätze, die vor einigen Jahren noch automatisch bei Orio verbucht werden konnten, fehlen jetzt.

Quartalsberichte geben die Vergangenheit wieder. Die Fokussierung der Orio AB auf Logistik und die Saab Nische ist interessant und herausfordernd. Wer nach der Zukunft fragt, der sollte auf die britischen Inseln schauen. Dort bespielen Firmen seit Jahrzehnten die Hinterlassenschaft verschwundener Marken. Sie tun dies gut und erfolgreich. Von der kleinsten Schraube bis hin zur Rohkarosse gibt es alles, selbst wenn das Fahrzeug 50 Jahre alt ist. Eine Vorlage für die Orio AB, denn während Saab aus dem Alltagsverkehr immer weiter verschwindet, wächst der Markt für Klassiker vom Göta Älv.

Was die Orio AB während des Festivals in Trollhättan zum Thema Nachfertigung kommunizierte, klingt sehr positiv für die Saabeigner. Lücken sollen wieder geschlossen werden, interessante Initiativen starten für die Klassiker. Am traditionsreichen Saab Standort in Nyköping scheint man, nach Irrwegen, verstanden zu haben. Das ist gut für alle, die ihren Saab lieben und die gerne noch länger mit ihrem schwedischen Kulturgut mobil sein möchten. Etwas Geduld, bis sich die Ausrichtung in den Quartalsberichten niederschlägt, muss man freilich haben. Von der ersten Idee bis zum Produkt, das über die Werkstatttheke geht, dauert es Monate, manchmal sogar Jahre.

14 Gedanken zu „Quartalsreport. Orio AB liefert schwarze Zahlen.

  • Orio ist ja kein Konzern, allenfalls Mittelstand. Dass man sich auf die Kernkompetenz besinnt ist nur zu begrüßen. Damit kann man gut leben und überleben. Ausserdem ist da bei den Ersatzteilen noch viel Luft nach oben. Bei meinem FSH funktioniert es sehr gut, aber auch nur weil es mehr als eine engagierte Bezugsquelle gibt.

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  • Der zitierte Rückgang in Deutschland von 13% bezieht sich isoliert auf das 3.Quartal. Mit Blick auf das bisherige Gesamtjahr 2019 (Q1-Q3) verzeichnet Deutschland im gleichen Report mit -7% den geringsten Rückgang aller Märkte und behauptet daher seine Position als Vorzeigemarkt. 🙂

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  • Wann bemüht sich ORIO einmal endlich die Lightbar des 9-5 NG produzieren zu lassen? Es gibt mittlerweile schon einige Ersatzteile des NG die von ORIO nicht mehr erhältlich sind. Wie soll man da seinen SAAB werterhalten? Auf dieser Nische fährt man automatisch ein Minus ein. Eigentlich sehr schade und kein vertrauenswürdiger Partner für 9-5 NG Kunden.

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  • Die Briten machen es vor und es wäre schön wenn die Schweden in die gleiche Richtung gehen. Wobei ich mir vorstellen könnte das die Briten schlicht ein größeres Potential hatten und haben. Die weitere Frage die ich mir stelle ist, was ist ein Saabfahrer bereit für seinen Klassiker auszugeben um ihn zu restaurieren oder in Schuss zu halten. Ich könnte mir vorstellen das für britische Autos mehr ausgegeben wird. Mein 9-3 Cabrio Bj.2002 und mit 215Tsd Km auf dem Buckel „verschlingt“ jetzt in der Aufarbeitung (die sehr gründlich erfolgt)mehr als er gekostet hat. Mir ist es das wert, aber wie viele machen das, für ein Saison/Hobbyauto?
    Das „unsere“ Werkstätten hier auf alternativ Suche gehen in der Ersatzteilbeschaffung kann ich durchaus verstehen, man will nicht abhängig sein.

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    • Ich sehe bei Saab Potenzial. Vor allem, wenn ich die aktuellen Restaurationen bei bekannten Händlern sehe. Da wird weit über dem Wert investiert, mit sehr viel Herz und Liebe zur Marke. Dazu kommt, dass Saab eine starke Basis hat, die auch altersmäßig gut strukturiert ist. Die Fahrzeuge haben außerdem eine Menge Charakter und sind den Briten in diesem Punkt nicht unähnlich.

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  • Was auch immer.

    Das 900 Turbo Cabriolet auf dem Bild weckt bei mir Begehrlichkeiten …

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  • Wie schaut es in Österreich aus?

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    • Dafür gibt es keine gesonderte Statistik.

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  • Werden diese Restaurationen auch verkauft? Die letzten Fahrzeuge, darunter top restaurierte Cabrios, die ich beobachtet habe standen sich bei den aufgerufenen Preisen von über 35000€ die Reifen eckig.

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    • Ich hoffe mal nicht so schnell. Es wird im Kundenauftrag restauriert, da trennt man sich nicht mehr so leicht.

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  • So ist es. Man macht es für sich selbst und genießt es ohne an eine Wertsteigerung zu denken oder späteren Verkauf zu denken. Das Saab eine starke Basis hat war mir klar, dass es immer mehr gibt die für sich und den eigene Genuß restaurieren und behalten freut mich sehr.

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  • Die Insel
    Den kleinen Schwenk nach GB im Artikel finde ich interessant und Frage mich, ob eine ähnliche Entwicklung für Saab möglich wäre?
    Es sind ja doch sehr viele Werkzeuge, Formen und Lizenzen sehr weit verstreut worden.
    Auch kann ich mir vorstellen, dass es auch in GB je nach Marke und Modell erhebliche Probleme gibt. Positive Ausnahmen bestätigen die Regel.

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    • Bei den englischen Marken sind es meist die Clubs, die sich Werkzeuge gesichert haben. Bei Saab ist es die Orio AB, oder sie werden nachgebaut von anderen Anbietern. Interessant ist, dass immer mehr Teile aus dem Drucker kommen. Vor allem halt diese Kleinteile für Klassiker, die es nirgendwo mehr gibt. Da tut sich einiges, ich habe mittelfristig einen Beitrag darüber in Vorbereitung.

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  • Da freue ich mich drauf. Mir schoss die Frage, welche Rolle der 3-D-Druck für Klassiker übernehmen könnte, auch schon durch den Kopf. Cool, dass man hier die Antworten bekommt …

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