Der letzte produzierte Saab. Die Auktion läuft.

Seit dem 31. Oktober kann man in Schweden auf den letzten produzierten Saab bieten. Die Auktion wird am 6. November um 10:00 Uhr enden. Der bisherige Verlauf ist bemerkenswert und manifestiert den Stellenwert der Marke Saab für einige Fans. Gleichzeitig erkennt man auch, mit dem Abstand von einigen Jahren, wie haarscharf alles letztendlich in die falsche Richtung lief.

Das war mal. Der erste 9-3 Aero Modelljahr 2014 läuft vom Band. Den letzten Neuwagen gibt es jetzt bei einer Auktion.
Das war mal. Der erste 9-3 Aero Modelljahr 2014 läuft vom Band. Den letzten Neuwagen gibt es jetzt bei einer Auktion.

Werkstätten, die immer noch ihr Geld mit der Marke verdienen, werden leicht schwermütig, wenn es um das Thema Neuwagen geht. Ja, die Kunden würden, wenn man könnte. Keine großen Stückzahlen, sicher nicht. Aber die Nachfrage, sie existiert immer noch. Diesen kleinen feinen Markt, resultierend aus dem bestehenden Kundenstamm, wollte man mit dem Modelljahr 2014 bedienen. Große Stückzahlen waren nie der Plan. Es ging darum,  das Werk in Produktion zu nehmen und den wertvollen Stamm an Facharbeitern zu sichern, bis das Elektroauto kommen würde. Erst die Limousine, dann ab Modelljahr 2015 der Kombi. Eine strategische Entscheidung, die nachvollziehbar ist.

Es kam nie soweit, es fehlte schlichtweg an liquiden Mitteln, und das NEVS Management hatte sich beim Wahl der möglichen Geldgeber verzockt. Was dann kam, das war ein Insolvenzverfahren, das NEVS um die Markenrechte brachte und letztendlich das Ende von Saab im Automobilbau war.

2014: 3 Jahre Garantie, 3 Jahre Wartung

Schade, denn der Saab 9-3 Aero Modelljahr 2014 war ein gutes Auto. Zwar war ihm das Alter anzumerken, Tester bemängelten zudem das Fehlen moderner Assistenzsysteme, aber er fuhr sich gut und war ein richtiger Saab. Der beste 9-3, den es aus Trollhättan jemals gegeben hatte. Ja, vielleicht. In Schweden gab man sich Mühe mit der Vermarktung und beschritt neue Wege. Probefahrten gab es in Trollhättan oder bei 20 Stützpunkten im Land. Bestellt wurde online, 3 Jahre Garantie, 3 Jahre Wartung und einen Reifensatz für den Winter gab es obendrauf.  Die Abholung in Trollhättan fand in den umgestalteten Räumen des historischen Design-Departments statt. Wer Glück hatte, dem drückte ein früherer Saab Manager persönlich einen Blumenstrauß und den Wagenschlüssel in die Hand. Der Preis, mit damals umgerechnet knapp 30.000 €, war vor diesem Hintergrund angemessen und treibt einem heute die ein oder andere Träne in die Augen.

Alles richtig gemacht? Im Prinzip und vom Grundgedanken her ja. Dass die Geschichte dahinter mehr ein Pokerspiel für gehobene Ansprüche war, das am Ende verloren ging, erkannte man als außenstehender Beobachter erst Monate später. Nach dem endgültigen Aus der kurzen Produktion standen noch einige Zeit Fahrzeuge für den chinesischen Markt auf Halde.

Aktueller Stand der Auktion

Sie wurden später nach europäischer Spezifikation umgerüstet und an die Mitarbeiter verkauft. Rund 20.000 € oder etwas weniger sollen damals bezahlt worden sein. Ein gutes Geschäft für den, der ein Fahrzeug erhielt. Nicht selten wurde die Limousine mit einem netten Aufpreis umgehend an einen Sammler weitergereicht.

Und heute? Ein fabrikfrischer Saab löst immer noch Begehrlichkeiten aus. Vielleicht auch deshalb, weil eine Wiedergeburt der Marke abwegiger denn je scheint. Am Sonntag stand das aktuelle Gebot der Auktion bei 400.000 Kronen (37.500,00 €) und lag damit 110.000 schwedische Kronen über dem einstigen Listenpreis.

Ist noch Luft nach oben? Ich wage keine Prognose. Ist ein Saab 9-3 Aero Modelljahr 2014 ein Objekt für Sammler oder Investoren,  die auf einen weiteren Wertzuwachs hoffen? Der maximale Schätzwert liegt bei 450.000 Kronen,  und am 6. November fällt der Hammer. Spannend!

17 Gedanken zu „Der letzte produzierte Saab. Die Auktion läuft.

  • Tom sollte es nicht lauten bis 6. November wenn am 31. Oktober gestartet?

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    • Danke für Aufmerksamkeit, korrigiert. Ein gutes Beispiel wie trotz Lektorats Fehler entstehen können.

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  • In der Tat: Spannend!

    Nur eine kleine Handvoll hatte sich damals getraut, auf die ersten und letzten NG SC und 9-4X zu bieten und entsprechend günstig gingen sie über den Tisch. Die kleine Handvoll hat diese letzten aber nicht allerletzten SAABs teils mit exorbitantem Gewinn verkauft, teils jahrelang vor einem Verkauf kostenneutral selbst intensiv genutzt und teils sind sie noch immer in erster Hand …

    Es gibt jedenfalls keinen einzigen Bieter, der damals augenblicklich einen wirtschaftlichen Schaden erlitten oder nachweislich angebahnt hätte. Wer weiß, was dieser positive Hintergrund für die jüngste und letzte Auktion an spekulativer Freude, Erwartung und Risikobereitschaft auslöst?

    Apropos Lektorat, die Überschrift des 2. Absatzes „2014: 3 Jahr(e) Garantie, 3 Jahre Wartung“ lässt ein „E“ vermissen.

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  • Unglaublich, es gibt immer eine Fortsetzung, selbst 2019 noch. Die Geschichte hört nie auf.

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  • Ich bin gespannt bei welchem Betrag die Auktion endet! Gibt es überhaupt eine andere Marke die nach so vielen Jahren des Produktionstops noch so viel Beachtung findet?

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  • bin auch gespannt um wie viel er weg geht und in welches Land er geht.

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  • Wenigstens hat NEVS endlich mal ein Auto das sie verkaufen können.
    NEVS wird es wohl nie kapieren welches Potenzial in der Marke SAAB steckt.

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  • NEVS wäre gut beraten, wenn sie eine Kleinserie von 1000 Turbo 9-3 bauen würde . Vielleicht könnte NEVS für diese Kleinserie auch den Markenname SAAB kaufen . Das wäre optimal !
    Allerdings ist der 9-3 immer noch ein tolles Auto und wenn es nur ums Auto geht , würde der 9-3 Turbo X auch als NEVS sicher verkauft werden können. Um die Wartung und Verkauf könnte sich ORIO drum kümmern.

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    • Die Idee gab es ja, das Resultat steht heute im Museum. Aktuell ist das Werk nicht produktionsfähig, Anlagen wurden abgebaut und nach China verschifft. Das alles wird ein Traum bleiben.

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  • Gute Idee (von Capri 73)

    Ich würde mir zudem 1.000 Turbo 9-3 SC wünschen. Und wenn es mit dem Markennamen nicht klappen sollte, könnte man aus der Limited (final) Turbo Edition ja eine SAAB-Edition machen. Und ohnehin könnte man sich SAAB-Embleme bei Orio kaufen …

    Ob NEVS damit auch sogleich gut beraten wäre, weiß ich nicht. Die Pläne fliegen hoch und man sieht wenig. Aber gerade vor dem Hintergrund der NEVS-eigenen Ambitionen und der Ausschlachtung des 9-3 als EV (sei es als 4-Türer oder SC) scheint eine finale Edition des Verbrenners* in beiden Karosserievarianten möglich, plausibel und dem eigenen Image als
    Erbe der SAAB-DNA förderlich …

    * Der SAAB-Turbo-Prototyp hatte 275 PS aus 2 Litern, wenn ich es richtig im Kopf habe. Mit dieser Literleistung (137,5 PS) und den resultierenden Fahrleistungen könnte er sich problemlos am aktuellen Markt sehen lassen und wäre dort noch immer Teil der automobilen Speerspitze, der oberen 10% …

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    • Wie gesagt, das Werk kann nicht produzieren. Keine Lackieranlage, Status des Presswerks unklar. Keine Komponenten, keine Lieferanten. Alles ganz ernsthaft vorbei.

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  • 456000Kronen, 15000 über Schätzwert. Voller Erfolg würde ich sagen.

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  • @ Tom,

    aber was hieße dies für die 9-3 EVs und NEVS insgesamt? Es hat ja niemand gesagt, dass die Bleche der Turbos in Trollhättan gepresst und lackiert sein müssten …

    „Designed by …“ oder „Assembled in …“ sind schon langjährig das neue „Made in …“. Mir gefällt das zwar ganz und gar nicht, aber wenn es weder die Kundschaft von Ikea oder Apple davon abhält, Wegwerfmöbeln oder dem elektronischem Schrott von morgen zu huldigen, wieso sollte da ein „schwedischer“ Verbrenner in Deutschland oder Kalifornien chancenlos sein, weil dessen Bleche in China gepresst oder lackiert worden sind?

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    • Nicht zulassungsfähig, erfüllt keine der aktuellen Normen. Es gibt keine Lieferanten, um eine Produktion aufzubauen, die für 1000 Stück noch mal alte Formen und Werkzeuge hervorholen würden. Wenn die überhaupt noch existieren. Das sind Träume, nett zwar, aber wirklich Träume. Schon 2013 hatte NEVS erheblich Probleme mit der Lieferkette und musste auf den Orio Bestand zugreifen. Wie würde das 2020 aussehen?

      Mehr zum Werk und die aktuelle Entwicklung folgt spätestens in der kommenden Woche.

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  • Okay, da warte ich gerne …

    … und wie immer freue ich auf Kommendes, wenn es denn hier spielt.

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  • Es sind sogar 465000 Kronen geworden. Voller Erfolg!

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