Wie geht es eigentlich Victor Muller?

Es ist Sommer und es ist heiß. Eigentlich auch zu heiß zum Schreiben. Wie immer droht in dieser Jahreszeit ein mediales Sommerloch. Und plötzlich erinnert man sich an Dinge, über die man schon länger berichten wollte. Der sorgenvolle Blick schweift heute in die Niederlande. Er gilt Victor Muller. Denn es ist sehr ruhig geworden um den früheren CEO der Saab Automobile AB. Dabei hörten sich die Dinge vor zwei Jahren noch so vielversprechend an.

Lange her. Spyker 2010 im Saab Museum Trollhättan
Lange her. Spyker 2010 im Saab Museum Trollhättan

Da hätte sich ein automobiler Traum in schwedisch-niederländischer Kooperation entwickeln können. Koenigsegg, Hersteller von Supersportwagen aus Ängelholm, liefert seine exklusiven V8 Motoren an Spyker, eine edle niederländische Manufaktur von Luxus Sportwagen. Vor 2 Jahren angekündigt von Christian von Koenigsegg und Victor Muller auf dem Genfer Autosalon. Ersterer wollte einstmals Saab von GM erwerben, zog aber sein Angebot im letzten Moment zurück. Zweiter griff dann zu, was ihm offensichtlich kaum Glück brachte. Denn seit dem Ende von Saab laufen auch seine Geschäfte mit Spyker nicht mehr rund.

Pläne auf der noch unfertigen Saab-Phoenix Plattform mit chinesischen Investoren ein Fahrzeug zu bauen scheiterten. Auch der Spyker B6 Venator, überraschend auf Basis des Artega GT aus dem Hut gezaubert, ging niemals in Serie. Der C8 Preliator, mit Koenigsegg V8 sollte es zuletzt 2017 richten. Eigentlich eine traumhafte Kombination, doch auch diese Pläne funktionierten nicht. Denn nicht ein einziger V8 wurde in Ängelholm für Spyker gebaut und im Sommer 2018 verkündete Koenigsegg das Ende der Beziehung. Die Autowelt, und das ist klar, hat so zwei absolute Traumwagen verpasst. Die allerdings auch nur für wenige erschwinglich gewesen wären.

C8 Aileron LM85 und dann Schluss

Seit dem gibt es kaum noch Nachrichten, die Spurensuche ist schwierig. Vom vorerst letzten Modell der Marke, der 2010 vorgestellte C8 Aileron mit Audi V8, wurden 2017 noch 3 Stück realisiert. Sie sind im Le-Mans-Look gehalten und Sammlerstücke von Anfang an. Über ihren Preis darf man ruhig spekulieren, ebenso ob sie wirklich fertiggestellt und verkauft wurden.  Der Aileron, mit seinen Jet-artigen Lufteinlässen, ist unverkennbar eine letzte Hommage an die Luftfahrvergangenheit der Marke Spyker, die wirklich sehr lange zurückliegt.

Das letzte Update der Spyker Homepage stammt aus dem November 2017, seit dem fertigt man keine Autos mehr. Das Unternehmen existiert aber immer noch und in einer Lagerhalle bei Zeewolde lagern Maschinen, Teile und auch noch halbfertige Fahrzeuge. Leider liefen Mietrückstände auf, sodass die prekäre Lage vor Monaten öffentlich wurde. Bevor es aber zum schlimmsten kam, konnte Muller die Rückstände begleichen. Spyker hat nun eine Frist bis Ende Oktober um seine Halle zu räumen.

Wie es weitergeht, ob Muller noch einmal Spyker Cars zum Leben erwecken kann, ist ungewiss. Eigentlich wäre das Umfeld für die Luxus-Sportwagen der niederländischen Manufaktur optimal. Die Nachfrage im Hochpreis Segment entwickelt sich schneller als das Marktumfeld. In China wächst die Zahl der Millionäre pro Jahr um 10 %, und damit auch die Zielgruppe für Marken wie Spyker.

Wer kleine, exklusive Hersteller mag, oder Saab verbunden ist, der wird Muller viel Glück wünschen. Denn fest steht, dass es ohne seinen Einsatz weder die letzte Saab 9-5 Generation, noch den 9-4x gegeben hätte. Und beides waren und sind tolle Fahrzeuge.  Und egal wie sich die Dinge in Zeewolde entwickeln werden, Victor Muller hat ein bewegtes Leben und mit Sicherheit immer was zu erzählen.

11 Gedanken zu „Wie geht es eigentlich Victor Muller?

  • 26. Juni 2019 um 10:59 AM
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    Ein spannedes Leben halt, da geht es hoch und runter. Man muss Muller dankbar sein, denn er hatte den Mut und hat es wenigstens probiert. Ohne sein Engagement wären die Lichter viel früher ausgegangen.

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  • 26. Juni 2019 um 12:09 PM
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    Große Klasse,

    dass Tom auch immer wieder solchen Fragen nachspürt. Schnödes Copy & Paste ist diesem Blog so fremd, wie es eine karibische Strandbar auf dem Mond wäre. Kein Wunder, dass das hier online meine Lieblingslektüre ist – zumal ich mir auch diese Frage selbst schon gestellt hatte. Und wo kriege ich eine Antwort? Natürlich hier …

    Ich wünsche VM eine positive Wendung und viel Erfolg.
    Und ich sage Dank, für je einen Spyker, 9-4X und 9-5 NG SC, denen ich bislang begegnet bin.
    Und auch für schöne 9-3 Cabrios und SC oder die 9-5 NG Limousine, die es ohne VM ebenfalls nicht mehr gegeben hätte.

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  • 26. Juni 2019 um 1:03 PM
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    Ich mochte den V.M. ja eigentlich irgendwie so gar nicht.
    (also was ich so aus der Ferne aus Presse/Internet/Vita/etc. damals mitgekriegt habe) …

    … aber man muss ihm ja wirklich auch teils sogar fast dankbar sein, da er Saabs Leben ja immerhin noch minimal verlängert hat
    … und ich dazu noch speziell, da ich ja eines „seiner“ Spätwerke täglich fahren darf … 😉 🙂

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  • 26. Juni 2019 um 10:11 PM
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    Hallo in die Runde.
    Zunächst `mal danke an Tom, dass er Victor Muller zurück in unser Gedächtnis gerufen hat und ihm dadurch eine kleine (nachträgliche) Würdigung zukommen lässt.
    Ich war seinerzeit auch euphorisch und in einer großen Happy-End-Hoffnung, dass sich ein Mann mit diesem Mut, Visionen und einem offensichtlichen Siegeswillen an die Spitze „unseres“ Autobauers gesetzt hatte.
    Leider wurde schnell klar, dass nicht ausreichend Finanzmittel zur Verfügung standen. Natürlich ist auch schwierig wenn ein „Kleiner“ einen „Großen“ einvernehmen möchte. Die Geschichte zeigt bspw. in der Übernahme Schaeffler/Continental, dass man(n) bzw. in diesem Fall -Frau- sich auch verschlucken kann.
    Victor Muller hatte meines Erachtens nach super Absichten bzgl. unserer Flugzeuge. Schade, dass es nicht geklappt hat.
    Alles Gute für den ehemaligen CEO der Saab AG!

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  • 27. Juni 2019 um 6:00 AM
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    Man sollte vor allem aber auch Christian von Koenigsegg dankbar sein. Wenn ich mich richtig erinnere, so hat VM damals im Grunde den business Plan von CvK übernommen. Der wirklich sympathische Schwede hatte damals enorme Vorarbeit geleistet. VM war ja damals ziemlich kurzfristig eingestiegen. Den Satz „seit dem Ende von Saab laufen auch seine Geschäfte mit Spyker nicht mehr rund“ würde ich dahingehend korrigieren, dass die Geschäfte im Grunde nie wirklich gut liefen. Das genau war ja auch der Grund der Übernahme von Saab. Gibt es interessantes Buch in niederländischer Sprache über Spyker mit vielen Details zum Saab Deal… 😉

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  • 27. Juni 2019 um 9:37 AM
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    Egal wer damals Saab übernommen hätte, keiner hätte Erfolg haben können. Der Würgegriff von GM war zu groß und ohne Patente und Rechte, lässt es sich schwer ein erfolgreiche Unternehmen führen. Um so größer ist mein Respekt das VM versucht hat, sicher mit den besten Absichten und ein Haufen an Saabspirit!

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    • 28. Juni 2019 um 12:54 PM
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      Gut gesagt. VM-SAAB ist von GM an der Kehle gepackt worden und am ausgestreckten Arm verhungert.

      Und das war von GM auch so geplant und gewollt, denn wer zuletzt lacht, lacht am besten. Da sollte niemand den GM-Managern später ins Gesicht lachen und sagen können, na bitte, es geht doch.

      Ein kleiner Einzelkämpfer wie VM war da für diese Runde im Ring vermutlich so dicht am GM-Wunschkandidaten, wie es nur geht. Mit Opel hat GM das ja auch versucht, aber so bekanntermaßen nicht durchziehen können. Da frage ich mich schon, ob SAAB nicht doch eine Chance gegen GM gehabt hätte, wenn SAAB von einem anderen Konzern übernommen worden wäre und dessen Armada an Anwälten die Konditionen (inkl. millionenschwerer Vertragsstrafen) penibel und detailliert ausgehandelt und deren Einhaltung notfalls eingeklagt hätte.

      Hätte, hätte, die alte trollhättener Fahrradkette …

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      • 28. Juni 2019 um 6:31 PM
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        …und trotzdem hätte es beinahe und vielleicht doch noch klappen können – VM war ja kein reiner Einzelkämpfer sondern hatte noch den schillernden Herrn Antonov im Zylinder mit besten Vebindungen und scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten Finanzmittel in Aussicht zu stellen. Aber GM hatte wohl gegen alle Eventualitäten vorgesorgt und zumindest für mich war dann ein echter Schock als herauskam, dass der CEO Jan-Åke Jonsson die Geschicke von Saab-Spyker ganz im Sinne von GM beeinflußt hat.

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        • 28. Juni 2019 um 7:15 PM
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          Genau so ist es, oder war es …

          GM hatte vorgesorgt. Wenn ich es richtig im Kopf habe, konnte GM fast nach Belieben Investoren ablehnen bzw. Lizenzen verweigern, falls ein Investor (beispielsweise Antonov) einsteigen würde, den man selber ablehnt. Was quasi auf das Gleiche hinausläuft.

          Was SAAB damals beim Einstieg von VM gebraucht hätte, wären Verträge mit GM gewesen, welche die jüngsten Modelle und die in der Pipeline (9-4X und 9-5 SC) auf mehrere Jahre zu wirtschaftlich sinnvollen Konditionen verbindlich sichergestellt und VM-SAAB mehr Freiheiten in Sachen Finanzierung gegeben hätten.

          Solche Verträge gab es aber leider nicht und den Rest kennen wir …

          Wenn ich auch das richtig im Kopf habe, ist VM selber Jurist. Aber ein Einzelkämpfer macht eben noch keine Armada. Die hätte es aber wohl von Anfang an gebraucht. Ein potentieller Geldgeber in der Hinterhand (Antonov), dem GM vertraglich vorgebaut hatte, ist vor dem gegeben Hintergrund dann leider wertlos …

          Das alles klingt jetzt nach VM-Kritik, aber so will ich es nicht verstanden wissen. Der Mann hat nicht nur viel versucht, sondern auch viel erreicht. Auch für SAAB. Meinen Respekt hat er …

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  • 28. Juni 2019 um 1:58 PM
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    Ich bin VM immer noch dankbar das er den Mut gehabt hat Saab von General Motors zu befreien. Das er den 9-5 NG entwickelt und gebaut hat werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen. Was ein Traumwagen!! Ich hoffe es geht Ihm gut.

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  • 1. Juli 2019 um 10:46 AM
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    Ich bin den VM dankbar, Als einzige hat etwas untergenommen Saab zuretten. Wunsche ihn Erfolg mit Spyker.

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