Führungswechsel. Gustaf Ljunggren CEO der Orio AB.

Letztendlich ging alles ganz schnell. Am 10. Juni räumte Jonas Tegström nach 5 Jahren seinen Schreibtisch bei der Orio AB. Mit der Übernahme durch Nachfolger Gustaf Ljunggren vollzog sich der angekündigte Führungswechsel in Nyköping. Ljunggren ist nach Tegström erst der zweite CEO des Unternehmens ohne Saab Hintergrund.

Saab/Orio Partnerwerkstatt. Bild: Orio AB
Saab/Orio Partnerwerkstatt. Bild: Orio AB

Ljunggren gilt als erfahrener Logistiker und als Spezialist für Unternehmen im Umbruch. Zuletzt war er bei GID Consultancy, Envirotainer und Inflight Service tätig. Nach seinem Studium an der KTH war er für 16 Jahre bei Unilever in verschiedenen Positionen eingesetzt, wie Orio in einer Pressemeldung mitteilt. Einige seiner Tätigkeiten waren nur kurzfristig oder als Interims-Manager. Erfahrungen im automobilen After-Sales Bereich scheinen noch nicht vorhanden zu sein.

Ersatzteilsparte. Der Markt schrumpft und ändert sich.

Vor Gustav Ljunggren liegen große Aufgaben. Das Unternehmen steht unter der Beobachtung durch die schwedische Öffentlichkeit. Der erfolgreiche Logistiksektor soll ausgebaut werden, und für das Geschäft mit Saab Ersatzteilen muss der CEO Konzepte für die Zukunft liefern. Zwar ist die Ersatzteilsparte nach wie vor profitabel, aber der Markt schrumpft und verändert sich gleichermaßen.

Führungswechsel bei der Orio AB. Gustaf Ljunggren ist der neue CEO
Führungswechsel bei der Orio AB. Gustaf Ljunggren ist der neue CEO. Bild: Orio AB

Lag bislang der Fokus darauf,  die Fahrzeuge von Saab mobil im Alltag zu halten, so verlagern sich jetzt die Schwerpunkte zusehends auf den Erhalt und Restauration von Klassikern und Youngtimern. Während man bei den Alltagsfahrzeugen die Verfügbarkeit trotz einiger Lücken erfolgreich lösen konnte, so gibt es bei den Klassikern zu füllende Punkte im Sortiment. Bisher waren aus Nyköping keine Signale zu empfangen, dass man sich der Probleme annehmen würde.

Die zukünftige Verfügbarkeit von Ersatzteilen für die Klassiker und Youngtimer von Saab werden über die Zukunft der Ersatzteilsparte entscheiden. Die Kunden sind bekanntermaßen loyal, und es ist zu beobachten, dass eine weitere Fahrzeuggeneration die verstärkte Aufmerksamkeit der Fans genießt. Gute Saab 9-5 mit frühem Produktionsdatum sind mittlerweile im Youngtimer-Alter angekommen. Sie werden jetzt neu entdeckt und genießen plötzlich eine erhöhte Aufmerksamkeit.

Erkennt man in Nyköping den Trend, und bisher tat man sich schwer mit den Tendenzen, die es jenseits von Schweden gibt, dann kann das Unternehmen davon profitieren. Ignoriert man die Entwicklung, dann werden immer mehr freie Anbieter den Markt unter sich aufteilen und den Profit einfahren, den man eigentlich auf den schwedischen Konten verbuchen möchte. Denn Eines ist klar und könnte einer der Hintergründe des Führungswechsels im Management sein: Der schwedische Staat möchte die Orio AB nicht bis in alle Ewigkeit in seinem Portfolio behalten.

Ein Eigentümerwechsel, zu möglichst günstigen Konditionen für den Steuerzahler, steht fest auf den politischen Fahnen geschrieben. Daran muss sich die Regierung in Stockholm, egal welche Partei sie stellt, messen lassen. Damit es überhaupt soweit kommt, benötigt Ljunggren zuverlässig schwarze Zahlen aus beiden Geschäftsbereichen und ein Konzept,  das für die nächsten Jahre trägt. Sein Erfolg wird sich auch daran bemessen, wie er die Ersatzeilsparte in die Zukunft führt.

11 Gedanken zu „Führungswechsel. Gustaf Ljunggren CEO der Orio AB.

    • Ggf. dürfte nicht mehr viel schief gehen 😉

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  • Ist zu hoffen dass auch Ljunggren verantwortungsvoll mit dem SAAB Erbe umgeht. Mit zwei funktionierenden Geschäftsfeldern fährt es sich langfristig besser.

    11
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  • Es wäre sehr wünschenswert wieder eine Lightbar des 9-5 NG zu produzieren. In den letzten Jahren nur leere Worte. Da fast man nicht unbedingt Vertrauen in so einen angeblich tollen Konzern.

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    • KONZERN?

      Eine schwedische aktiebolag macht ja noch lange keinen Konzern. Orio ist eher das Gegenteil eines Konzerns und im Zuge der SAAB-Insolvenz aus einem solchen gleich doppelt ausgegliedert worden …

      Erst aus dem GM-Konzern und dann aus dem SAAB-Konzern der Ära VM.

      Wortklauberei möchte ich nicht betreiben, aber die Unterscheidung scheint mir wichtig. Auch für ein besseres Verständnis der aktuellen Situation Orios oder unserer Perspektiven als SAAB-Fahrer in Sachen Ersatzteilversorgung. Die Orio AB (ehemals SAAB Parts AB) stellt sich mir vorwiegend als ein Logistik- und Vertriebsunternehmen dar.

      Sofern noch vorhanden, hält Orio den Kontakt zu ehemaligen Zulieferern. Es gibt aber keinen direkten Kontakt mehr zu einer hauseigenen Produktion oder gar Entwicklungsabteilung, ganz einfach weil es keinen Automobilkonzern mehr gibt, dem man zugehörig wäre. Das hat zwangsläufig Konsequenzen.

      Ob die Orio AB nun „angeblich toll“ ist oder auch nicht, muss man vor diesem Hintergrund sehen und kann man nur sinnvoll daran bemessen, ob sie unter den vorgegebenen Bedingungen enttäuscht, Erwartungen erfüllt oder gar positiv überrascht.
      An der Ersatzteilversorgung eines fortbestehenden Automobilkonzerns darf man Orio ganz sicher nicht messen …

      Eine neue und diesmal durable Lightbar wäre ganz großes Orio-Kino.
      Hätte ich einen NG, ich würde auf die Knie fallen …

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      • Bei Orio hängt schon etwas mehr dran als nur Logistik oder Handel. Man hat 2012 das ehemalige Helpdesk in Trollhättan mit übernommen, die Mitarbeiter kommen vorwiegend aus der Entwicklung. Orio versammelt viel Saab Kompetenz, was man daraus macht steht auf einem ganz anderen Blatt.

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        • „Was man daraus macht (…)“

          Hoffentlich eine neue und durable Lightbar. Die wird ja immer wieder nachgefragt und angemahnt.

          Mitarbeiter aus der Entwicklung? Klingt spannend. Gibt es irgendein Ersatzteil, welches Orio modifiziert und verbessert in den Handel gebracht hat? Das allein wäre ja schon eine fröhliche Story wert.

          Oder sind die Entwickler nach 7 Jahren alle wieder weg, weil sie sich seit 2012 chronisch unterfordert gefühlt haben? Wäre auch eine Story wert, aber es wäre eine andere, eine eher traurige Geschichte …

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  • Vielleicht wird Orio ja irgendwann von einem neuen SAAB Konzern aufgenommen/aufgekauft, der sich um das verbliebene Erbe der Marke SAAB kümmert. Aber hoffentlich erkennt Orio jetzt den Markt der Old- und Youngtimer !

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  • Drücken wir die Daumen, dass genug Potenzial und zahlungswillige Kunden für Oirio da sind und hoffen wir mal, das wir ein gutes Preis/Leistungsverhältnis von Oiro für unser Schätze bekommen

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  • Ich hoffe sehr dass man die Sparte „Classic-Parts“ für sich entdeckt und auch vollumfänglich ausfüllen kann. Es sollte auf die Erhaltung der Automobile hinauslaufen.

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