Der allerletzte Saab. Jetzt aber wirklich.

Kein Saab Festival ohne eine Überraschung! Auch in diesem Jahr war NEVS für eine Schlagzeile gut. Der allerletzte Saab wurde für eine Versteigerung angekündigt. Einer von nur 420 gebauten Saab 9-3 des Modelljahrgangs 2014 und eigentlich für einen Crashtest vorgesehen. Dann aber weggestellt und jetzt zum Festival vor das Werkstor gerollt.

Die Nummer 1 Modelljahr 2014
Die Nummer 1 Modelljahr 2014

Eigentlich hätte das Modelljahr 2014 der Auftakt zur Wiedergeburt der Marke Saab sein sollen. Mit einigem Aufwand feierte NEVS den Produktionsbeginn, und eine Ministerin flog eigens von Stockholm nach Trollhättan. Leider war nach gerade einmal 420 Exemplaren Schluss, was nicht am Auto und seinen Qualitäten lag.

Auftakt zur Wiedergeburt. Die nicht funktionierte.

Zwar installierte NEVS Sitze aus dem alten Volvo XC90, die einige Zentimeter zu hoch bauen, versah sie aber mit einem Saab Logo. Aber das Fahrwerk war vom feinsten, ein Mix aus Aero  und Turbo X Abstimmung. Und damit das wohl beste, das es jemals in der kleinen Baureihe gab. Die Verarbeitung und der Geräuschkomfort konnten sich sehen lassen, die früheren Saab Ingenieure hatten Wert auf Feinschliff gelegt. Ein großer Aufwand für einen noch größeren Plan. Ein Facelift für das Modelljahr 2015, die Wiedergeburt des Sportkombis. Das alles war beschlossen, scheiterte aber an mehreren Faktoren.

NEVS gelang es nicht eine vernünftige Lieferkette zu etablieren. Böse Zungen behaupten, dass für die Produktion die Schrottplätze in der Umgebung durchsucht wurden. Nachzuweisen ist das nicht, fest steht aber, dass NEVS sich aus dem gut gefüllten Orio Ersatzteillager in Nyköping bediente. Die Motoren wurden teuer am freien Markt eingekauft, einen Liefervertrag mit GM oder Opel gab es nie. Größere Stückzahlen wären unter diesen Umständen nicht zu realisieren gewesen, der Mangel an Liquidität beendete letztlich das Abenteuer.

Noch für Monate standen unverkaufte Fahrzeuge für den asiatischen Markt auf dem Ausliefungsplatz vor dem Werk. Schließlich wurden sie auf europäische Spezifikationen umgerüstet und zu attraktiven Konditionen an Mitarbeiter verkauft. Zwischenzeitlich hatte NEVS auch die Rechte an der Marke Saab verloren, womit das letzte Kapitel der Markengeschichte geschrieben war.

Der allerletzte Saab. Und einer der besten.

Heute haben die Fahrzeuge des Jahrgangs 2014 einen Sammlerstatus. Nicht so ausgeprägt wie 9-5 NG und 9-4x, aber immerhin. Sie sind ohne Frage die besten Fahrzeuge der 9-3 Baureihe, die je das Werk am Göta Älv verließen. Sie sind das Ergebnis einer langen Evolution seit der Premiere 2002 und folgen damit der typischen Saab Tradition.

Der allerletzte Saab. NEVS via Instagram
Der allerletzte Saab. NEVS via Instagram

Jetzt soll ernsthaft Schluss sein und der wirklich allerletzte Saab, ein silberner 9-3, soll versteigert werden. Im Herbst wird die Auktion starten, den Erlös will die NEVS AB für einen karitativen Zweck spenden. Das könnte das endgültige Ende einer Saga sein. Aber sicher ist man nie. Denn vielleicht steht in einer Halle zwischen, sagen wir mal Trollhättan und Vänersborg, noch eine Rohkarosse. Die ein ehemaliger Mitarbeiter dort vorsorglich geparkt hat und aus der er irgendwann den wirklich letzten Saab zusammenbaut.

16 Gedanken zu „Der allerletzte Saab. Jetzt aber wirklich.

  • 11. Juni 2019 um 10:23 AM
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    Ist die Kopfstütze Volvo oder Saab oder was eigenes?

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    • 12. Juni 2019 um 2:39 AM
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      Nevs had to change the mounting, as GM owned the copyright…

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  • 11. Juni 2019 um 10:51 AM
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    So ganz kann NEVS es nicht lassen die SAAB Karte zu spielen, oder? Irgendwo findet sich scheinbar immer noch ein SAAB, der im Magazin oder sonstwo geparkt ist. Doch wann kommen eigene Produkte?

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  • 11. Juni 2019 um 11:24 AM
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    ABENTEUERLICH …

    … diese Geschichten und Hintergrundinfos. Und immer wieder spannend zu lesen.
    Und so ganz falsch liegen die bösen Zungen ja nicht, wenn nie eine lückenlose Kette an Zulieferern organisiert, wenn alles zusammengesucht oder teuer auf dem freien Markt eingekauft wurde. Sie haben lediglich mächtig übertrieben …

    … um einem gültigen Gedanken Nach- und Ausdruck zu verleihen. NEVS wollte mit aller Gewalt und auf Teufel komm raus das Prädikat Automobilhersteller. Und Hersteller ist man erst, wenn man Autos ausgeliefert hat.

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    • 11. Juni 2019 um 1:50 PM
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      Das ist doch hoffentlich nicht der 9.3 für den wir damals gespendet haben damit er in das Museum kommt

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      • 11. Juni 2019 um 2:09 PM
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        Keine Sorge, das ist er nicht. Damals ging es um ein Modelljahr 2012.

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        • 11. Juni 2019 um 3:23 PM
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          Habe in meinen Ordnern gesucht und der von2012 müsste ein weisser, Kennzeichen DJA 880 gewesen sein. Danke Tom.

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          • 12. Juni 2019 um 10:01 AM
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            Hej 9.3Wolfgang,
            der weiße DJA 880 steht sicher im Museum. Hab ihn beim SAAB Car Museum Festival 2019 erst gesehen.
            Martin

      • 12. Juni 2019 um 2:45 AM
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        That was the last 9-3 manufactured by Saab AB, this is the resurrected 9-3 that NEVs were going to market direct to consumers, as by this time, the worldwide Saab dealer network virtually no longer existed.

        I think it was only available i Black too…

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        • 12. Juni 2019 um 2:55 AM
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          I think it’s only available in Black…..

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    • 11. Juni 2019 um 3:30 PM
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      Abenteuerlich oder undurchsichtig, wer damals was wollte? NEVS wollte bestimmt gerne Automobilhersteller sein, aber ich vermute, sie waren damals eher getrieben, als nur zu mutig und abenteuerlustig.

      In meiner Erinnerung habe ich es so abgelegt, dass ein neuer chinesischer Investor (Stadt/Region Tianjin?) seine finanzielle Unterstützung davon abhängig gemacht hat, das NEVS eine funktionierende Produktion hat.
      Anfangs hat es wohl auch von NEVS die Aussagen gegeben, dass die Produktion schnellstmöglich wieder angefahren werden soll, aber dann ist erst mal nichts passiert. Stattdessen hat es Diskussionen gegeben, dass der 9-3 die Fußgängerschutzanforderungen nicht erfüllt, was ein Problem sei. Das hat mich damals schon gewundert, da es sich doch um ein Typzugelassenes Fahrzeug gehandelt hat, dass die relativ neuen Fußgängerschutzanforderungen eigentlich noch nicht hätte erfüllen müssen. Vermutlich ist im Rahmen der Abwicklung von Saab eine Produktionsende-Mitteilung an die Zulassungsbehörde gegangen, weswegen der 9-3 neu homologiert werden musste. Deswegen sollte auch nur eine Kleinserienfertigung mit maximal 1000 Fahrzeugen pro Jahr für die EU gestartet werden, weil dann die Fußgängerschutzanforderungen nicht zu erfüllen waren. Mehr als 1000 EU-Fahrzeuge pro Jahr waren also sowieso nie geplant.

      Das sieht rückblickend für mich so aus, als wäre NEVS, vermutlich händeringend, damit beschäftigt gewesen, Lieferketten aufzubauen, um überhaupt die Produktion wieder starten zu können. Die Volvo-Sitze zeigen ja, dass es anscheinend nicht so einfach war, für alle benötigten Teile Zulieferer zu finden. Ich weiß noch wie überrascht ich war, als es hieß, dass die Produktion im Dezember, kurz vor Weihnachten, wieder startet, anstatt erst im Januar 2014. Vermutlich hatten sie einen Produktionsstart 2013 aber zugesagt und hofften daher dann auf die erwartete finanzielle Unterstützung aus China.

      Die ist dann aber anscheinend nie gekommen. In dem Zusammenhang scheinen mir die ganzen auf Halde stehenden Asien-Fahrzeuge interessant. Vermutlich sollten die nach China gehen, sind sie offensichtlich aber nicht. Sind sie zurückgehalten worden, weil das Geld nicht kam? Konnten Sie nicht geliefert werden, weil eine chinesische Erlaubnis fehlte? Hätte NEVS die besorgen müssen, oder der Investor?

      Das ändert jetzt zwar auch nichts mehr, könnte aber zumindest darüber informieren, ob NEVS Fehler gemacht hat, oder vom chinesischen Investor hängen gelassen wurde? Andererseits braucht es für sowas immer zwei, also möglicherweise doch egal?

      Zumindest ist NEVS deswegen in die Zahlungsunfähigkeit gekommen, weswegen sie die Namensrechte an Saab verloren haben. Vielleicht schreibt in 20 Jahren jemand ein Buch darüber, wie es zum endgültigen Ende von Saab als Automarke gekommen ist, so es dieser jemand denn herausbekommt.

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      • 11. Juni 2019 um 4:40 PM
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        Ich wollte es vermeiden die Ereignisse der Jahre 2013/14 nochmals abarbeiten zu müssen. Der “Mangel an Liquidität” umschreibt die Situation am besten, die durch Ausbleiben der Zahlungen aus Quindao entstanden. Dabei ging es um Korruption und nicht eingehaltene Zusagen. Die Angelegenheit hatte in China für alle Beteiligten Konsequenzen und die gemachten Fehler liegen auf beiden Seiten.
        NEVS plante mit mehr als 1000 Fahrzeugen. Mit dem MY 2015 (Facelift) wären alle damals gültigen Regeln eingehalten worden. Wie der 9-3 dann ausgesehen hätte zeigt die Turbo Edition.

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      • 11. Juni 2019 um 8:21 PM
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        Hallo StF
        Ich verstehe ihre Denkweise und kann sie absolut unterschreiben. Ich glaube aber das neben der Korruption (in China keine Seltenheit und in Deutschland sicher auch nicht) auch die mangelnde Lieferbereitschaft der Zulieferer eine große Rolle gespielt haben. Die schlechten Erfahrungen der Zulieferer in der Vergangenheit haben sicherlich Spuren hinterlassen. Aus diesem Grund vermute ich auch die Verwendung von Volvo Teilen, weil niemand mehr an die realistische Fortführung der Marke glaubte. Wie auch immer. Vielleicht werden wir irgendwann erfahren was der wahre Grund war. Schade um Saab ist es allemal.
        Also pflegt und hegt eure Saabs. Ich mache es auch. Trotz 250000 Kilometern auf dem Tacho.

        12
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      • 12. Juni 2019 um 10:36 AM
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        DAS BUCH …

        … würde ich auch gerne lesen. Bis dahin finde ich die Geschichte sowohl abenteuerlich, als auch undurchsichtig.

        Dass ein potentieller Investor seine Finanzierungszusage von einer funktionierenden Produktion abhängig macht, finde ich nachvollziehbar.
        Wer da wem welche Zusagen gemacht und nicht eingehalten hat, steht dann auch in dem hypothetischen Buch, “so es dieser jemand (der es schreibt) denn herausbekommt”, wie Sie ganz richtig sagen.

        Wie hat welche Seite beispielsweise eine funktionierende Produktion definiert? Die Definition von NEVS ist ja im Artikel beschrieben. Dazu gehörte eben auch, das Ersatzteillager von Orio zu plündern, teuer auf dem freien Markt Motoren und Sitze von Volvo zuzukaufen.

        Aber hat der potentielle Investor eine funktionierende Produktion in punkto Herstellungskosten und einer vernünftigen Lieferkette genauso genügsam definiert wie NEVS?

        Wie dem auch sei, NEVS ist dadurch zum Hersteller aufgestiegen und hat andere Investoren und Partner gefunden.
        Ohne je eine Kleinserie realisiert zu haben, wären sie vermutlich längst weg vom Fenster.

        Stattdessen bauen sie neue Fabriken und hegen hochfliegende Pläne. Was und ob etwas daraus wird, bleibt abzuwarten. Dass sie aber überhaupt so weit gekommen sind, verdanken sie dem MY 2014, verdanken sie den letzten je gebauten SAABs.

        Schon erstaunlich, was man alles auf dem Rücken einer Handvoll 9-3 aufbauen kann …

        Antwort
  • 12. Juni 2019 um 4:39 PM
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    Tellement triste, désespérant de voir qu’une aussi belle marque automobile soit anéantie !

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