Orio AB. Ablösung in Nyköping.

Ablösung in Nyköping. Orio AB CEO Jonas Tegström wird das Unternehmen nach 5 Jahren verlassen. Die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits. Der Wechsel hat auch mit der schwedischen Politik zu tun. Und mit einem alten Versprechen.

Orio Logistikzentrum in Nyköping. Bild: Orio AB

Jonas Tegström leitet die Geschäfte der Orio AB seit 5 Jahren. Unter seiner Regie wurde die frühere Saab Automobile Parts AB vom After-Sales Lieferanten für Saab zum Logistiker für externe Firmen. Das Logistikgeschäft am Standort Nyköping läuft gut, Orio konnte sich am Markt etablieren. Auch das Geschäft mit Saab Ersatzteilen, den Wurzeln des Unternehmens, ist nach wie vor ertragsstark. Zwar geht die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge mit dem Saab Greif auf der Haube international beständig zurück. Aber sie schrumpft langsamer,  als in der ursprünglichen Planung prognostiziert.

Saab Ersatzteile profitabel

Und auch wenn Orio einige Segmente, wie die Versorgung der Klassiker mit Nachfertigungen, beharrlich ignoriert: Der Handel mit Saab Ersatzteilen ist weiterhin profitabel. Längst nicht alle Strategien,  die Tegström während seiner Zeit in Nyköping durchsetzte, waren so erfolgreich und konnten sich in allen Märkten etablieren. Zuletzt musste das Unternehmen aufgrund von hohen Abschreibungen wieder Verluste ausweisen, und die Zahl der Mitarbeiter halbierte sich in den letzten 5 Jahren von einst 400 auf nur noch rund 200. Mit strenger Kostendisziplin war Tegström zuletzt optimistisch,  in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen zurückkehren zu können. Jetzt läuft die Suche nach seinem Nachfolger und der jetzige CEO bleibt nur noch bis zu dessen Einführung im Amt.

Die Gründe hierfür könnten, abgesehen von der enttäuschenden Entwicklung, auch in der bewegten Vergangenheit des Unternehmens liefern. Die hochprofitable After-Sales Tochter diente dem Staat als Pfand für einen EIB Kredit über 2 Milliarden schwedische Kronen an die Saab Automobile AB. Mit dem Schließen der Werkstore im Dezember 2011 übernahm der schwedische Staat das Unternehmen ein Jahr später und hält es seitdem in seinem Besitz.

Die damalige Regierung taxierte den Wert auf 2.5 bis 3 Milliarden Kronen und gab das Versprechen, dass der Steuerzahler nicht für den Kredit geradestehen sollte. Seitdem steht die Entwicklung in Nyköping unter öffentlichem Interesse, auch wenn die Regierung in Stockholm zwischenzeitlich gewechselt hat. Denn die damals geschätzten Werte erwiesen sich in den folgenden Jahren als vielleicht etwas zu optimistisch angesetzt und mussten von der Riksgälden immer wieder nach unten korrigiert werden.

Politischer Druck, ein altes Versprechen

Zuletzt im April diesen Jahres kam das Thema wieder an die Öffentlichkeit. Trotz positiven Ausblicks für die nächsten Jahre musste Wirtschaftsminister Ibrahim Baylan einräumen, dass der Wert des im Grunde profitablen Unternehmens in den letzten Jahren gesunken sei. Er versprach der Öffentlichkeit,  den Verlust an Steuermitteln möglichst gering zu halten.

Die optimistischen Prognosen von Tegström könnten für dieses Ziel nicht überzeugend genug ausgefallen sein. Nach 5 Jahren wird ein Anderer das in 52 Ländern tätige Unternehmen in die Zukunft führen.

7 Gedanken zu „Orio AB. Ablösung in Nyköping.

  • 29. Mai 2019 um 10:47 AM
    Permalink

    PING ! ! !

    Lustig. Gerade heute morgen schoss mir – warum auch immer – durch den Kopf, schon länger nichts über Orio gelesen zu haben. Ping, und schon ist da ist was …

    Aspektweise sogar Gutes. Etwa, dass die Zahl zugelassener SAABs langsamer als prognostiziert zurückgeht. Und es ist gut möglich, dass sich der Schrumpfungsprozess der Flotte weiter verlangsamt, weil sich die verbliebenen SAABs zunehmend in den guten Händen echter Freunde dieser Marke befinden.
    Da trennt sich nicht nur die Spreu vom Weizen, sondern auch der Verbraucher vom Besitzer. Und Eigentum verpflichtet.

    Bleibt zu hoffen, dass Orio und der kommende CEO auch etwas draus machen. Dass sie darin weit mehr als nur eine Zitrone sehen, die man noch ein wenig quetschen kann.

    Antwort
  • 29. Mai 2019 um 10:59 AM
    Permalink

    Vielleicht ist es an der Zeit für einen weiblichen CEO der SAAB versteht?

    12
    3
    Antwort
    • 29. Mai 2019 um 11:34 AM
      Permalink

      Pippilotta Viktualia Rullgardina Krusmynta Efraimsdotter Långstrump wäre ziemlich cool …

      4
      7
      Antwort
    • 30. Mai 2019 um 11:44 AM
      Permalink

      VERSTÄNDNIS

      Selbst die jüngsten SAABs kommen so langsam in die Jahre, welche es ermöglichen, typische Schwachstellen und für die jeweiligen Modelle typischen Langzeitmängel zu identifizieren. Etwa die Rücklichter vom 9-5 NG. Aber auch für viele andere Teile anderer Modelle …

      • Was genau verschleißt, altert und versagt schließlich typischerweise wann bei welchem Modell?

      • Wie viele Fahrzeuge des jeweiligen Modells sind unterwegs?

      • Wie muss das Orio-Sortiment aussehen, damit möglichst viele SAAB-Fahrer häufige Mängel abstellen können?

      • Was sollte vielleicht wann neu ins Sortiment aufgenommen werden, weil Zeit und Modelle reif dafür sind?

      • Wie wirtschaftlich und gewinnorientiert den kleinstmöglichen Schrumpfungsprozess der SAAB-Flotte erzielen?

      Ich denke, der, die oder das CEO, welche(r/s) diese Frage stellt und Antworten findet, ist ganz automatisch der, die oder das richtige CEO. Es kommt auf den Kopf an und was drin ist, alles darunter ist privat und so egal wie nur irgendetwas …

      Diese vermaledeiten drei Artikel im Hochdeutschen und ihr Einfluss auf das Denken. Furchtbar …
      Ur-Berliner denken ganz einfach, der, die oder das CEO? Is mir doch scheißejal. Hauptsache dit (!) CEO macht ‘n rischtisch juten Job.

      Antwort
  • 29. Mai 2019 um 6:16 PM
    Permalink

    Danke für die Info über Orio, die für mich zu optimistisch ausgefallen ist:
    Zitat: … läuft gut,…am Markt etablieren,…wie vor ertragsstark,…zugelassene SÄÄBE schrumpfen langsamer.
    Der 1. Teil des Artikels hört sich ja noch vielversprechend an, aber das war es auch schon.
    Danach geht es eher mit “hohen Verlusten”, Abschreibungen, MA-Entlassungen weiter. Weniger optimistisch also…
    Da liegt es doch auf der Hand, das der CEO bald seinen Hut nehmen sollte. Zumal der Staat S einiges an Kronen zurückerwartet…
    Ich HOFFE eher, das Orio “die Kurve kriegt” und der “Schrumpfungsprozess” langfristig Erfolg zeigt.
    Orio scheint ja die “Achillesferse” in der SAAB-Ersatzteilversorgung zu sein…
    Dem neuen CEO “kreative Ideen”! Für alle Beteiligten dann gut.

    Antwort
  • 29. Mai 2019 um 6:22 PM
    Permalink

    Zeigt wohl, dass die verbliebenden Saabs immer mehr in Liebhaberhände kommt und dank Orio fällt es einem auch nicht schwer die Autos zu halten. Ab und zu Extraaktionen wie die vom Frühjahr und wir können noch lange viel Spaß haben

    Antwort
  • Pingback:Führungswechsel. Gustaf Ljunggren CEO der Orio AB. - SaabBlog.net

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

ArabicDutchEnglishFrenchGermanItalianPortugueseRussianSpanishSwedish