NEVS Phoenix 1.1 und Phoenix E

Wenn Autohersteller für Kunden ihre Tore öffnen, dann ist es etwas Besonderes. Bei NEVS soll das zukünftig die Regel sein – eine transparente und freundliche Unternehmenskultur, in Einklang mit  nachhaltigen Mobilitätslösungen aus Schweden. Für Teilnehmer der Pre-Tour zur IntSaab 2017 öffneten sich vor einigen Tagen die Räume des Experience Centers, ein Gebäudeteil,  das Fans als Designcenter der früheren Saab Automobile AB bekannt sein dürfte.

NEVS Elektroauto Prototyp im Experience Center
NEVS Elektroauto Prototyp im Experience Center

CEO Mattias Bergman und Hans Martin Duringhof, Director Powertrain and Chassis, hielten Vorträge und lieferten Antworten auf offene Fragen. Den Auftakt machte Mattias Bergman – ich halte den Inhalt an dieser Stelle kompakt. Nicht nur weil Bergman Hans Martin Duringhof den weitaus spannenderen Teil überliess, sondern auch,  weil viele Aussagen, wie die Zusammensetzung der Aktionärsstruktur,  schon bekannt sind und bereits Thema auf dem Blog waren.

Ein NEVS Werk auf jedem Kontinent

Dennoch gab es neue Einblicke. In die zukünftige Vertriebsstrategie, die sich in erster Linie auf das Internet stützen wird. Weil, wie Bergman sagte, der Händler Erträge vorrangig  über Dienstleistungen und nicht über den Verkauf erwirtschaften. Und weil NEVS sich vorstellen kann,  Vertriebspartner für Dienste, wie die Bereitstellung von Fahrzeugen für die Probefahrt, zukünftig zu entlohnen.

Von Trollhättan aus wird das Werk in Tianjin mit bereits lackierten Karosserien für das neue EV beliefert, bis in China ein eigenes Karosseriewerk und Lackieranlage in Betrieb gehen. Die Lieferung der 150.000 bestellen Elektroautos an gewerbliche Kunden erfolgt ab 2017, zusätzlich liefert das New Long Ma Werk im Süden Chinas weitere bereits bestellte elektrische Minivans und MPV`s.

Die NEVS Produktpalette wird zukünftig viele Segmente abdecken (Details verrät später Hans-Martin Durighof),  und NEVS wird später ein Werk in Nordamerika und damit auf jedem Kontinent haben. Aktuell arbeiten für den Konzern 850 Mitarbeiter im Hauptquartier in Trollhättan, 90 in Peking, und 1.200 bei New Long Ma. NEVS entwickelt für andere Hersteller,  und die Testanlagen in Trollhättan werden von einer Vielzahl von Marken genutzt, darunter auch Volvo.

NEVS versteht sich als Anbieter nachhaltiger Mobilitätslösungen und integriert in seine Produkte das beste der Saab DNA – Design, die Saab Kultur, die Langlebigkeit der Produkte. Eine Marke, so Bergman,  sei eben mehr als nur Buchstaben. Wichtig seien die Mitarbeiter dahinter und ihre Erfahrung. Und da setzt man auf die Tradition des Standorts und verbindet Bewährtes mit revolutionär Neuem.

Hans-Martin Duringhof

Eine Persönlichkeit mit Saab Hintergrund ist Hans-Martin Duringhof. Als er im letzten Sommer zurück nach Trollhättan kam, fand ich das mehr als nur bemerkenswert. Er hat einen gewissen, guten Namen in der Branche, und ich hätte eigentlich keine Rückkehr erwartet. Er kommt, was mir bisher nicht bekannt war, aus einer Familie mit langer Saab Tradition. Sein Großvater war einer der ersten Saab Händler in den Niederlanden, seine Eltern führten das Geschäft weiter fort. Duringhof ist, wenn man es so sagen darf, von altem Saab Adel.

Das Thema seines Vortrags: Phoenix. Mehr als interessant, und zum Anfang brachte Duringhof etwas Ordnung in die Definition von Architektur, Plattform und Produkt. Unter einer Architektur versteht die Branche eine virtuelle Definition, die Plattform ist eine physikalische Anordnung von Komponenten und auch von Software, das Produkt ein fertiges Fahrzeug. Um so präziser die Architektur definiert wird, desto größer die Skaleneffekte bei Plattform und fertigem Produkt.

Phoenix 2011 war ein Konzeptfahrzeug von Saab, die Phoenix Plattform ein zu 80% fertig gestellter Nachfolger des Saab 9-3, ausgelegt für konventionellen Antrieb und der Option auf eine elektrische Hinterachse mit Hybrid Antrieb. Damit haben die neuen Architekturen und Plattformen bei NEVS kaum zu tun, denn NEVS hat in den letzten Jahren andere Definitionen aufgestellt.

Phoenix 1.1

Das 2017er Elektroauto, das in China und auch in Schweden angeboten wird, hat mit dem 2014er Saab 9-3 nichts mehr gemeinsam. Unter dem Blech wurde radikal neu in Richtung Elektroauto entwickelt, die Einschränkungen eines ursprünglich konventionell ausgelegten Fahrzeugs sind zu Gunsten eines großen Batteriepacks verschwunden. Phoenix 1.1 ist fertig entwickelt und wird nicht mehr weiter verändert. Tests zur Abnahme und Zulassung in China laufen, das Produkt ist komplett.

Der Prototyp eines NEVS Elektroautos, nicht komplett der Serie entsprechend, war für die Besucher zur Begutachtung freigegeben. Ein weiterer Sportkombi und ein Cabriolet mit konventionellem Antrieb waren ebenfalls im Experience Center zu sehen. NEVS Fahrzeuge mit Elektroantrieb werden Fahrleistungen auf Saab Aero Niveau und noch höher bieten,  zeigte Duringhof in einer Grafik. Und noch spannender werden die Produkte der Phoenix 4 oder auch Phoenix E genannten Architektur haben.

Phoenix E

NEVS könnte auf Phoenix E in den nächsten Jahren viele neue Produkte in verschiedenen Marktsegmenten mit diversen Karosserieformen bringen. Vom B Segment (Kleinwagen) bis zum E Segment (Obere Mittelklasse) wäre es möglich den Markt mit einer Flut an Varianten abzudecken. Machbar sind Stadtautos, Coupés, Limousinen, Kombis, SUV`s und MPV`s. Bestätigt sind 4 neue Modelle im C und D Segment, ausgelegt für Front-, Hinterrad- und Allradantrieb, aber ganz klar und ohne Kompromisse als reine Elektroautos.

Die Produktpalette wird reichhaltiger als das, was Saab je im Angebot hatte, ausserdem sind alle Fahrzeuge vernetzt und kommunizieren miteinander. NEVS sieht nachhaltige Mobilität als Dienstleistung und setzt von Anfang an auf fortschrittliche Lösungen.

Meine Meinung

Wir kennen die Aktionärsstruktur von NEVS, die Philosophie der Nachhaltigkeit und die Fähigkeit,  mit den 10.000 Softwareingenieuren der Anteilseigner im Hintergund die entsprechenden Lösungen zu schaffen. Hier entsteht ein Anbieter für Mobilitätsdienstleistungen; die Revolution der Branche ist im vollen Gange. Mit dem Umbruch werden sich auch die Erwartungen der Kunden verändern. Vorbei die Zeit, als auf den großen Autoshows das Publikum glücklich war, weil es ein paar PS mehr, etwas Chrom und andere Felgen gab.

Der Kunde der Zukunft wird kritischer, aufgeklärter und anspruchsvoller sein. Die Autobranche wird in einem harten Wind segeln, so wie es in der IT schon immer war. Innovationsdruck und Wettbewerb werden brutal sein, der Kunde wird kein Auto mehr kaufen oder leasen. Er wird ein Flatrate für Mobilität shoppen. Ein Stadtauto für die Woche, ein Cabrio für den Sonntag. Oder ein SUV für die Berge, den Kombi für den Baumarkt, das MPV,  wenn es mit den Kindern zu den Schwiegereltern geht. Die Zukunft wird spannend, und sie wird rasch kommen. Vielleicht nicht in Bielefeld, nicht in Oldenburg. Zumindest nicht gleich. Aber in Peking, London, New York, Berlin, Paris. Sie wird unseren Alltag und unsere Mobilität verändern.

Duringhof war federführend dabei,  als Saab 9-5 NG und 9-4x konzipiert wurden. Tolle Autos, die ich immer noch liebe, und welche die Wahnehmung der Marke hätten verändern können. Ich finde es spannend, dass er wie so viele andere Saab Ingenieure, an der Zukunft arbeitet. Damit stehe ich nicht alleine. Redakteure einer großen deutschen Autozeitung sehen das ähnlich und werden in Trollhättan das neue NEVS Elektroauto testen.

17 Gedanken zu „NEVS Phoenix 1.1 und Phoenix E

  • 25. August 2016 um 1:47 PM
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    Bei KARMA (Nachfolgeunternehmen von FISKER) kann man künftig auf Wunsch zum E.-Antrieb zusätzlich noch einen herkömmlichen Turbo-Motor ordern – für die sog. Reichweitenverlängerung.

    Warum bietet NEVS eine derartige Variante künftig nicht an? In den Regalen wären doch hervorragende SAAB-Turbo-Motoren vorhanden.

    • 25. August 2016 um 2:09 PM
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      Den Turbo gab es bei Fisker schon immer. Der Karma hatte den selben 2 Liter Motor als Rangeextender im Einsatz wie der Saab 9-5 NG. Ich vermute (kein Wissen!) NEVS wird mit einem Rangeextender als Option zumindest planen, denn nicht alle Märkte werden bis 2020 die nötige Infrastruktur in jeder Region für ein EV haben.

  • 25. August 2016 um 1:51 PM
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    Coole Sache die mich ernsthaft nachdenklich macht. Bekommen wir doch noch Autos aus Schweden die wir mögen könnten? NEVS ist spannend, nie gedacht dass ich das mal schreiben würde. Tom & Mark bitte weiter berichten!

  • 25. August 2016 um 1:28 PM
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    Obwohl ich das mit NEVS sehr kritisch sehe und ich auch den Elektroantrieb nicht als die Zukunftstechnologie überhaupt halte, drücke ich NEVS dennoch die Daumen…

  • 25. August 2016 um 2:50 PM
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    Ich habe vor ein paar Tagen 600,00 € auf den Tisch des Autohauses legen müssen, da das Kofferraumschloss an meinem Renault nicht mehr geschlossen hat. Ursache war die Spannungsversorgung vom Zentralsteuergerät. Also neues Steuergerät. Bei einem Fahrzeug das einige Jahre früher gebaut worden wäre hätte mich das gleiche ca. 10,00 € für ein neues Relais gekostet. Was wird ein solcher Defekt zukünftig in einem solchen fahrenden Computerhaufen kosten, wenn ich womöglich dann deswegen den Zentralcomputer erneuern muß. Am besten ich gewöhne mich bald an den Gedanken mich nun doch bald mit dem Thema Oldtimer zu beschäftigen. Könnte bei dieser Entwicklung langfristig sogar billiger werden und selber fahren macht sowieso mehr Spass als sich von einem Computer fahren oder bevormunden zu lassen.

    • 25. August 2016 um 5:38 PM
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      insofern macht es Sinn über das Mieten von Mobilität nachzudenken und sich privat einen schönen analogen SAAB zu halten! Das Problem trifft wie bisher leider die Bewohner des ländlichen Raumes, hier ist Mobilität selbst vorzuhalten weil Vermieter und ÖPNV weit weg sind.

      • 26. August 2016 um 9:41 AM
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        Mieten ist definitiv die Zukunft. Kein Mensch wird diese neue Fahrzeuggeneration mehr kaufen können/wollen. Ein analoger SAAB in der Garage sollte jeder dringend auf dem Plan haben, noch kann man diese Autos für kleines Geld kaufen!

  • 25. August 2016 um 5:02 PM
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    “Redakteure einer großen deutschen Autozeitung sehen das ähnlich und werden in Trollhättan das neue NEVS Elektroauto testen.” Wann und wo wird dieser Testbericht denn erscheinen?
    Und das 9-3 CV und der SC stammen nicht aus der NEVS-Produktion oder gab es da mal was, von dem nichts bekannt ist?

    • 25. August 2016 um 5:57 PM
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      Infos wo man lesen kann kommen rechtzeitig auf dem Blog, wie sind selbst darauf gespannt. Übrigens, als Vorabinfo, brint eine Autozeitschrift demnächst Saab satt…. Wir warnen alle Saab Fans rechtzeitig vor 😉

      CV und SC sind, nach meiner Info, nicht von NEVS.

  • 25. August 2016 um 7:47 PM
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    well we hope fr the future but saab apears cused at times !

  • 25. August 2016 um 7:53 PM
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    as a loyal saab fan – have a beloved saab 2002 9-3 viggen cv i am happy to hear rumors of a new cv i’m about to start buying wrecked saab cars just to have parts – only 322 02′ 9-3 viggen cv in usa !!

    • 26. August 2016 um 9:39 AM
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      We all love the Viggen! Have fun and take care!

  • 25. August 2016 um 7:56 PM
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    phoenix is a dream car beautifull

  • 26. August 2016 um 10:34 AM
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    Ich drücke NEVS die Daumen und hoffe auf Neuheiten mit saabischer DNA. Bitte bringt was, das wie ein SAAB aussieht, sich so anfühlt und auch fährt!

  • 26. August 2016 um 12:48 PM
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    100% einig mit Frank.
    Danke Tom fuer diesen tollen Beitrag. Wird richtig spannend.NEVS scheint sich in den guten Richtung zu bewegen.

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