Nie gebaut. Saab Spacecoupe

Das Jahr 1999. Der Saab 9-5 war noch frisch, der 9000 hatte seine letzten Runden gedreht. Einen direkten Nachfolger gab es nicht. Der 9-3 I war von nun an das letzte Fließheck aus Trollhättan – und sollte es auch bleiben. Dabei hätte alles anders kommen können…

Saab Spacecoupe 1999 Bjoern Envall
Saab Spacecoupe 1999 Bjoern Envall

Saab kooperierte zur damaligen Zeit mit Alfa Romeo. Auf einer neuen Premium-Plattform sollte eine zukünftige Fahrzeuggeneration entstehen, das Tipo 4 Projekt lässt grüßen. Heraus kamen Alfa 159 und Alfa Brera. Ein Saab mit Fließheck war möglich, Björn Envall und das Saab Designteam arbeiteten am Saab Spacecoupe.

Das Projekt lief nur kurz, gerade einmal zwei Monate, und wurde dann beendet. Geblieben ist die Zeichnung aus dem Privatbesitz von Björn Envall und die Idee des Saab Spacecoupes. Ein aufregender 5-Türer, der mehr in der Tradition des Saab 9000, als in der des Saab 900 oder 9-3 zu sehen ist.

Wohin Saab mit dem Spacecoupe Concept wollte,  ist nicht ganz klar. Spätestens seit 1998 arbeitete man am Nachfolger des 9-3 I. Erste Entwürfe zeigten noch ein Fließheck, bis sich die Idee der konventionellen Limousine durchsetzte. In Untersuchungen wollte Saab herausgefunden haben, dass die Mehrzahl der Kunden eine Limousine dem Schrägheck vorziehen würde. Was für eine Fehleinschätzung ! Der Entwurf von Aamer Mahmud bekam den Zuschlag, die Limousine wurde Realität.

Um den 9-3 zu ersetzen,  wäre das Spacecoupe zu groß und zu schwer geworden. Ein Problem der Premium-Plattform, das auch die Karriere von Alfa 159 und Brera ungünstig beeinflussen sollte. Vor allem wäre das Saab Spacecoupe zu dicht am frischen Saab 9-5 gewesen. Dem hätte das avantgardistische Spacecoupe sicher das Lebenslicht ausgeblasen; nicht wenige der 9000 Kunden verweigerten sich dem Umstieg auf das konventionelle Stufenheck.

War das Saab Spacecoupe der Vorentwurf eines möglichen Nachfolger des 9-5, der besser zur Marke gepasst hätte, oder ein Ankämpfen wackerer Schweden gegen das Diktat aus Detroit? Fest steht, das Concept hätte sehr viel Saab DNA im Potential gehabt.

Nach der Einstellung des Saab Spacecoupe Concepts beschränkte sich die Zusammenarbeit von GM – Saab – Fiat auf den Powertrain Bereich. Mit der neuen 9-3 Limousine hatte Björn Envall, ein glühender Fan von Fahrzeugen mit Fließheck, nichts mehr zu tun.

Das Spacecoupe wäre das Auto gewesen, das wir von Saab erwartet hätten. Die 9-5 und 9-3 Limousinen bescherten Saab ein Zwischenhoch, das sich schnell verflüchtigte. Stammkunden blieben gar nicht so selten beim 901, 9-3 I oder 9000, oder wechselten die Marke.

Björn Envall hat zwar kein Saab Spacecoupe auf den Strassen rollen sehen, aber seine Ideen haben Saab Design geprägt. Die Felgen des Spacecoupes nehmen das Turbinendesign späterer Jahre vorweg. Anthony Lo und sein Designteam werden den Saab Aero X auf Turbinenfelgen stellen, der Saab 9-5 NG wird sie in Serie bekommen. Es gibt sie auch für den 9-3, Felgen im Turbinendesign zählen zu den schönsten Kreationen der Designer bei Saab überhaupt.

Das Fließheck hat Björn Envall nicht mehr losgelassen. Einige Jahre später, es war zwischen 2006 und 2008, und Envall war erneut für das Saab Designteam tätig, griff er wieder zum Stift und zeichnete die Heckansicht eines Saab 9000 Nachfolgers. Ein großes Fließheck, made by Trollhättan. Wollt ihr es sehen?

42 Gedanken zu „Nie gebaut. Saab Spacecoupe

  • Na logisch!!!

  • Yes, yes , yes!

  • Ja klar!!!

  • Ist eigentlich gesichert, dass nie jemand mit einem Stapel Designentwürfen von SAAB zu Audi übergelaufen ist? Wenn man sich A5 und A7 mal anschaut, dann haben die anscheinend weder Berührungsängste mit zu groß/schwer geratenen Coupés, noch Probleme, die an den Mann zu bringen.

    • Was für eine Frage ;-)…. Ich denke, man sieht dass Envall seiner Zeit um einige Jahre voraus war. Und ja, der 9k Entwurf kommt in den nächsten Tage und es gibt noch mehr von Björn Envall.

    • Jedenfalls ist der A5 in dieser Hinsicht ein Flop, und einfach zu sehr Coupé. Der Raum über der Kofferraumabdeckung ist derart flach, dass man aus dem Wagen einfach keinen Packesel machen kann wie aus den Saabs. Die obige Zeichnung sieht leider auch ein bisschen so aus. Der Schrägheck muss eine Verbindung aus Limousinen-Aussehen und Kombi-Nutzwert sein, sonst ist er sinnlos.

      • Das sehe ich allerdings etwas anders, ich halte den A5 keineswegs für einen Flop. Gezwungenermaßen fahre ich geschäftlich einen A5 Sportback und ich muss sagen, dass die Heckklappe ein wichtiges Argument für dieses Fahrzeug war. Gerade bei unseren Wochenend-einkäufen möchte ich die Heckklappe nicht missen. Klar, der Laderaum ist jetzt nicht riesig, aber das Gesamtkonzept von einem in meinen Augen wirklich gelungenem Design, Sportlichkeit und einem Mindestmaß an Praktikabilität finde ich nach wie vor gut! Naja, und wenn ich mal einen Kühlschrank trnsportieren muss, nehme ich eh’ meinen 9-3 I Anni… 😉

  • unbedingt!

  • Genial, das wäre es doch gewesen! Bitte auch noch den 9000 zeigen!

  • Danke, PhiBo! Natürlich wollen wir den Entwurf sehen. Zu den verpassten Chancen: Van, später SUV, hätte Saab frühzeitig reagiert, die Marke hätte sogar unter GM überleben können. Eine einzige, modulare Plattform hätte gereicht, um darauf kostengünstig zwei bis drei komplette Modellfamilien entstehen zu lassen. Aber von einer echten Plattformstrategie hatte man in Schweden wohl noch nie was gehört…

  • GM hat zu hoch gepokter. Die Mehrheit der Kunden waren natürlich nicht Saab-Kunden, sondern alle Autokäufer. Offensichtlich wollte sich GM hier der Masse anbiedern. Nur dass die Masse halt keinen Grund sah, statt eines Audis einen Saab zu kaufen, und die Saab-Käufer vielfach keinen Grund hatten, noch bei Saab zu bleiben. Eklatante Fehleinschätzung der eigenen Unique Selling Points.

    • Im Grunde genommen war auch GM mit dem SAAB-Ankauf seiner Zeit voraus. In Europa hatte man einen “Volumenhersteller” (Opel), und einen kleineren Hersteller (SAAB). Mittlerweile ist diese Konstellation die Blaupause, siehe Toyota/Lexus, Nissan/Infiniti, VW-Seat-Skoda/Audi, …

      Um mal eine Phrase zu vermeiden: Verpasste Chancen…

      • Nur das diese firmen zusammenarbeiten und nicht wie bei opel und saab gegeneinander 🙁

      • Leider hat GM zu Saab Zeiten (fast) nie verstanden wie das Spiel zu spielen ist. Die Eifersüchteleien von Opel kamen dazu. Erst mit dem 9-5 NG hat GM Saab den Vortritt gelassen, Opel hat erst mit dem späteren Facelift gleichgezogen. Aber da war schon alles vorbei.

        • Das nächste Problem war, das die Opelhäuser die Saab hatten, Saab nicht verstanden haben. Opel Verkäufer hatten nicht den glaubhaften Bezug zur Marke. Einrichtung alleine macht es eben nicht.

        • Gut, zu dem Zeitpunkt, da GM Saab integrierte, hatte man sich seit 60 Jahren bei Opel engagiert. Opel war 100 % GM, und Opel hat bis in die 80er ja auch alle Marktsegmente bedient. Von daher kann ich die Eifersüchteleien nachvollziehen.

          Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung. Hätte GM Opel für die Massenmärkte, also von Klein bis Mittelklasse strukturiert, und Saab für die Oberklasse, und nicht immer SAAB irgendwie hinter Opel versteckt, dann wären beide besser davongekommen.

          Aber gut, das Kind ist in den Brunnen gefallen – und hinterher ist man immer schlauer.

  • Die letzte Frage war doch nicht ernst gemeint?!? 🙂

  • Hutablage mit Klopapier & Wackeldackel

    Wie unfassbar weit SAAB mit seiner Limousinenstrategie daneben lag, lässt sich auch gut an den Gebrauchtwagenpreisen für SAABs ablesen …

    Zwischen vergleichbaren (Ausstattung, Alter und Laufleistung) SAAB-Kombis und -Limos liegen bei 9-5 Chrombrillen oft mehrere tausend Euro. Das ist mehr als beim Neukauf.

    Besonders krass wird aber die prozentuale Perspektive. Die gebrauchten 9-5 SC in der 9.000 bis 10.000 Euro-Region bringen bis zu 50% mehr als vergleichbare 4-Türer, die für 6.000 bis 6.500 Euro zu haben und offenbar vergleichsweise schwer an den Mann zu bringen sind.

    Beim 9-3 geht es in die selbe Richtung.

  • Schicke Zeichnung und wieder eine Zusammenarbeit mit den Italienern, das hätte was gehabt. Da wäre sicher auch kein so nutzwertloses Coupé herausgekommen wie bei Audi.
    Man kann aber nicht alle verpassten Chancen nur GM in die Schuhe schieben, die begannen schon früher. Zu Zeiten des 9000 CC hätte es schon einen Van und einen Kombi geben können, etwas später den Allrad CS….
    Leider versemmeln die Schweden viel selbst, wie man in TH sieht und ORIO ist auch grade dabei:
    https://webshop.saabparts.com/en
    Man beginnt wieder mit der Verschrottung von Ersatzteilen, der Niedergang wird beschleunigt.

    • Mir fallen gerade die Augen aus bei der Orio- Aktion…

    • Orio ist wohl seit einiger Zeit auf dem Selbstmordpfad. Verschleißteile ja, alles andere nein. Frage ich meinen Freundlichen muss er Dinge wie Lenkräder, Sportauspuff, Bodykit, und alles was Spaß macht von anderen Quellen kaufen.
      Nach meiner Meinung sind gerade das die Dinge, für die ich gerne Geld ausgebe und wo vermutlich Orio die beste Marge hätte.
      Den Shop in Schweden beobachte ich seit Monaten, da werden Teile, die weder ich noch mein Freundlicher bekommt, verschenkt. Die Frechheit ist, dass nur Skandinavier bestellen können, keine Lieferung nach D.

      • Ich werde den Verdacht nicht los, dass ORIO(Schweden) nur mit dem Abwickeln beschäftigt ist. Es gab schon mal eine Verschrottung bald nach dem Ende, bis jemand auf die Idee kam, alles im Webshop zu verramschen. Wenn das nicht schnell genug geht, wird offensichtlich weiter verschrottet.
        Der Frust sitzt grade ganz tief 🙁 !

        • Kann ich nachvollziehen, den Frust. Die Aktion von Orio Schweden ist wenig schön, für mich nicht nachvollziehbar. Hätte da gerne ein paar positive Sätze geschrieben, habe aber in diesem Fall keine.

          • Das ist bestimmt nur ein Trick um die Kunden zu einem schnellen Kauf zu animieren.
            Kennt man doch aus anderen Webshops wo es dann heißt “Nur noch 2 Stück auf Lager”
            Kann mir nicht vorstellen, dass die Teile wirklich verschrottet werden.

        • Es gibt aber auch gute Neuigkeiten von Orio, wo man sich um neuere Saabs kümmert. In den nächsten Tagen auf dem Blog, Sonne und Schatten eben, wie im wahren Leben 😉

          • Dass man sich um neuere SAABs kümmert – das hört sich gut an, das hätte ich gerne erlebt.

            Ich habe bis heute 5 Mal mit Teilelieferungen und Orio zu tun gehabt. 2 x mit einwandfreier Lieferung (Zündbox, Nivomaten), 3 x mit Potential nach oben / Teilen mit unbefriedigender Funktion (Auspuff, Tank / Benzinpumpe).

            Schriftliche Beschwerden wurden bei Orio nicht beantwortet (1 x) bzw. an die Werkstätte abgeschoben (1x). Die Werkstätte tauschte eins ums andere Mal ganze Module aus, war nicht in der Lage zu einer wirklichen Fehlersuche und sagte, sie kriege von Orio nichts Anderes. Ich habe Rechnungen bezahlt, auch für Teile, die gar nicht notwendig waren, um der Werkstätte den Ausbau zu ersparen. Das Problem ist jedoch bis heute nicht gelöst.

            Ich werde hier den Verdacht nicht los, dass man einfach noch Ladenhüter loswerden wollte. Das baut wenig Vertrauen für die weitere Zusammenarbeit auf und ist für ein Alltagesfahrzeug nicht akzeptabel und zu zeitaufwendig. Schade, ich hätte gerne etwas Anderes erlebt. Ich war eigentlich SAAB und Orio gegenüber sehr positiv eingestellt und anerkenne sehr wohl, was es braucht, eine neue funktionierende Supply Chain aufzubauen.

            Wer allerdings so viele Chancen blödsinnig versemmelt und sich dann auch nicht darum kümmern will oder kann, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Orio ist mehr auf SAAB-Fahrer angewiesen als wir auf Orio.

      • “Alles was Spaß macht” – exakt richtig! Da fehlt es! Meinen Hirsch-Mittelschalldämpfer für mein 9-3 I Aero Cabrio muss ich mir wohl auch selbst schnitzen… oder Leder-Türgriffe, oder Original-Fussmatten, oder, oder, oder… 🙁

        • Das mit dem Mittelschalldämpfer habe ich jetzt schon öfter gehört. Schicke doch mal eine Mail an Till Drescher (till ( ä t ) dreschermedia.de), er organisiert Nachfertigungen. Die Leder Türgriffe macht ein Sattler, werde ich jetzt auch im Winter machen lassen, die Fussmatten…habe ich noch keine Lösung. Vielleicht legt Orio eine Neuproduktion auf?

          • Hatte schon mit Till Kontakt, sieht aber so aus, als ob die Nachfrage doch nicht hoch genug ist, um eine Nachproduktion in Angriff zu nehmen. Habe bei ihm, wie sicherlich einige hier, damals den Endschalldämpfer gekauft, leider bekommt es meine Saab-Werkstatt scheinbar nicht hin, den Hirsch-Endschalldämpfer an den Serien-Mittelschalldämpfer anzupassen (unterschiedliche Durchmesser). Ledertürgriffe vom Sattler sind eine Idee, berichte mal, wenn sie fertig sind. Tja, und zu den Fussmatten: denke nicht, dass Orio nachfertigt, zu kleine Zielgruppe – Viggen bzw. Aero mit Viggen Body-Kit.

          • Ich spreche mal mit Till, wie hoch die Auflage sein muss. Eventuell können wir eine Aktion über den Blog starten um die Mindestbestellmenge zu erfüllen.

          • Das wäre natürlich klasse!

          • Danke für die links, aber es sind andere, eher ein ganz dunkles grau statt schwarz oder das hellere grau. Wobei die im zweiten link fast so aussehen, sind aber nicht fürs Cabriolet.

          • Ich befürchte dass es nur dieses Farbtöne gegeben hat. Unser 9-3 Aero 2001 hat Originale drin, mit Farbdifferenz von dunklem Grau auf Schwarz.

          • Ja genau, dunkles grau. Gab nur die – bis zum Ende der Produktion (meiner ist aus 06/2003) Hatte mal welche in der Bucht bestellt, die waren aber zu hell. Naja, noch sind meine Matten wie neu, wollte nur welche als Reserve, da ich vorhabe, “Earl Grey” so lange zu fahren, bis man mich irgendwann mit Gewalt vom autofahren abhalten muss…

  • Schöne Zeichnung. Gerne davon mehr. Die Abschätzung von Marktchancen ist immer schwierig. Solche Prototypen wird es noch einige geben.

    Eindeutig ist, dass die Zielmärkte bereits jahrelang die USA waren, nicht Europa. Deshalb die Stufenhecks.

    Hätte.. wäre.. würde – es wird Zeit, nach vorne zu schauen.

  • Mensch Tom, wo hast Du denn die tolle Zeichnung her…………
    Grüße Götz

    • Tja Götz, gibt wohl Freunde… 😉

  • Der B.E. ist wirklich ein Super-Gestalter, hat auch Bildhauerei studiert und hat auch gute Kunst gemacht. Wir freuen uns auf weitere Entwürfe, Saabfans ohne Neuwagen brauchen so etwas….

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