Apple iCar – Part II Chancen & Konsequenzen

Während in Trollhättan die Entwicklung in das Ungewisse gleitet, probt ein anderer schwedischer Hersteller die Zukunft. Wir bleiben dem Thema Apple iCar treu, schauen in der Fortsetzung des Artikels vom Mittwoch nach Göteborg.

iCar und PowerBook G4
iCar und PowerBook G4

Volvo gab vor einigen Wochen eine Pressekonferenz zum Thema autonomes Fahren. Spannend, und natürlich habe ich mich zugeschaltet. Autonomes Fahren ist ein großes Thema, auf den ersten Blick ist es beeindruckend,  was die Schweden auf die Räder gestellt haben. Auf den zweiten Blick relativiert sich die Euphorie.

Die Situation: auf dem Cityring in Göteborg arbeiten die Systeme. Die Fahrbahn ist mehrspurig, der Gegenverkehr durch eine Mittelleitplanke abgetrennt- so mag es Kollege Computer im Volvo. Ohne Trennung, ohne Mehrspurigkeit funktioniert das autonome Fahren (noch) nicht. Ebenso bei Schnee, bei schlechten Sichtverhältnissen. Können die Sensoren die Fahrbahnmarkierungen nicht mehr erkennen, schaltet das System ab. Der Mensch muss übernehmen.

Navigation durch enge Innenstädte ist bei den Göteborgern ebenfalls (noch) nicht möglich. Brenzlige Situationen, die plötzlich auftauchen, müssen erst noch erlernt werden…sagt Volvo. Das soll bis 2017 passieren – um dann dort zu sein, wo die Softwareindustrie heute schon ist.

Google schickt seine Fahrzeuge schon heute durch kalifornische Innenstädte – und es funktioniert. Warum?

Weil Google und Apple Ressourcen und Serverkapazitäten haben, wovon man in Göteborg und anderswo nur träumen kann. Der Vorsprung im Bereich Infrastruktur, die Erfahrung im Betrieb von Rechenzentren ist kaum einzuholen.

Die spannende Frage: wo werden Google und Apple mit ihrer dynamischen Entwicklung und fast unbegrenzten Mitteln 2017 stehen?  Wo die Fahrzeugindustrie 1.0?

Wer baut das iCar eigentlich?

Dass Apple sich eine eigene Fertigung gönnen könnte, ist wenig wahrscheinlich. Man wird, wie bei den anderen Produkten, dort  bauen lassen,  wo man etwas davon versteht.

Zwei Gerüchte kursieren. Ein bayerischer Rundfunksender verbreitete,  BMW könne das iCar bauen, und es könnte auf einer Weiterentwicklung des i3 basieren. Eine andere Quelle, aufgegriffen von schwedischen Medien, sieht Volvo als Partner. Die ungenutzten Kapazitäten in China könnten damit besser ausgelastet werden.

Die Wahrscheinlichkeit,  dass Apple BMW vertraut,  ist höher als die Möglichkeit,  dass Volvo eine Partnerschaft mit den Kaliforniern schließt. BMW hat bereits Kompetenz für neue Werkstoffe und alternative Antriebe mit dem i3 und i8 bewiesen.

Es gäbe da noch eine weitere Alternative. Eine leer stehende Fabrik in Trollhätten, ein Unternehmen,  welches gerne als Auftragsfertiger tätig wäre.

Chancen fürs Design

Ein Computer ist eine Kiste, ist eine Kiste. Nicht mehr. Von daher schwer zu designen. Apple Lisa und Macintosh setzten Maßstäbe, die Power Macs ebenso. 2001 zeigte Apple das Powerbook G4…der erste Mac-Notebook mit einem Metallgehäuse. Ein Prinzip, dem man bis heute treu geblieben ist. Meine Powerbooks haben ein hartes Leben, begleiten mich überall hin. Wenn ich sie ausmustere,  haben sie viele Kilometer in Flugzeug, Auto, Bahn hinter sich und etliche Länder gesehen. Sie gehen dann meist an einen neuen Besitzer, der sie weiter nutzt.

Apple liefert aus Tradition neben hoher Funktionalität gutes Design. Wenn Apple ein Auto baut, sollte man sich hohe Erwartungen gönnen. Das iCar wird kein verspieltes, fahrendes Ei so wie bei Google sein. Sondern ein wertiges, funktionelles Multitool. Ein technisch unterkühltes Produkt, ein Saab 9000 in die Gegenwart transformiert.

So wie Cupertino 2001  den Sprung vom Kunststoffgehäuse zu Metall wagte, so könnten neue Materialien den Innenraum prägen. Ideen gibt es viele, ebenso Vorlagen. Fisker verwendete ökologisch unbedenkliche Materialien. Offenporiges Totholz, naturbelassenes Leder. Auf Wunsch war der Innenraum (vegan!) frei von Material tierischen Ursprungs konfigurierbar. Ein süddeutscher Hersteller kopierte für sein Elektroauto einige Fisker-Ideen und wurde von den Medien für soviel Kreativität gelobt.

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Tesla nahm einen 19″ Screen, stellte ihn hochkant. Freche und gleichzeitig simple Idee; niemand vorher hat sich das getraut. Saab arbeitete  beim 9-4x Concept und Aero X mit Glaselementen  im Innenraum. Ein Teil von so viel unverschämter Coolness wäre fast in die Serie geflossen, scheiterte aber an den Umständen. Von Apple, der unterkühlten Technikmarke, ist Ähnliches zu erwarten.

Die Folgen…

Ist das iCar in der Realität angekommen, dann wird es das Leben in den Ballungsräumen verändern. Autofahren wird nicht mehr so sein wie es war. Das letzte Refugium ist erobert, der Mensch immer und überall erreichbar. Der Interaktion kann man sich nicht mehr entziehen, Unternehmen werden den rollenden Verbraucher lieben.

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Gleichzeitig wird Autofahren dramatisch sicherer. Fahrzeuge kommunizieren miteinander, warnen sich, Unfälle gehen drastisch zurück. Staus können vermieden werden, Verkehrsströme intelligent gelenkt werden. Eine gigantische Infrastruktur im Hintergrund wird Fahrzeuge und Datenflut am Laufen halten, mit allen Risiken und Abhängigkeiten.

Und es gibt neue Chancen. Für Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind,  eröffnen sich neue Möglichkeiten zur Wahrung ihrer Autonomie.

Gleichzeitig gibt es viele offene Fragen: wer wird den rollenden Computer zuverlässig warten? Wer die Updates und Patches einpflegen ? Wer wird sicherstellen,  dass nicht das iCar samt Passagieren gehackt wird? Wer ein iPhone besitzt, der hat eine ungefähre Ahnung,  welche Aufmerksamkeit ein iCar erfordern könnte.

Ob die Reise in die Zukunft gefällt, ob man den Preis entrichten mag, wird jeder selbst für sich entscheiden müssen.

Die Rebellen

Absehbar ist: es wird sich eine Gegenbewegung etablieren. Es wird immer Menschen geben, die Auto fahren als Vergnügen, als Hobby, oder als Refugium menschlicher Autonomie sehen.

Rebellen wollen kein Carsharing 2.0,  keinen rollenden Computer. Keine Bevormundung,  keine übertriebene Fürsorge. Sie wollen das Auto nicht als Wegwerfprodukt sehen, nur weil das neueste OSX nicht auf der alten Plattform läuft.

Das Ende des Artikels. Abschalten!
Das Ende des Artikels. Abschalten!

Diese lästigen Individualisten werden die alten, analogen Autos suchen. Die irgendwo auf dem Land, fernab der Metropolen, bei Sammlern und Konsumverweigerern überlebt haben. Sie werden einen alten Saab lieben, sie werden selbst das Steuer in die Hand nehmen wollen. Die Konsequenz:

Ren glädje! Analoges Fahren, gesteuert durch ein menschliches Wesen…

19 Gedanken zu „Apple iCar – Part II Chancen & Konsequenzen

  • Klingt für mich wie die Story hinter dem Musical ” We will Rock you” von der Musik auf`s Auto übertragen . Ich kann mir nicht vorstellen mich in so einen rollenden Computer zu setzen . Wie im Musical werden die Rebellen siegen.

  • Schon wieder eine endgeiler Artikel und viel interessanter als jede SOFI. Cooler Abspann 🙂

  • Für mich spricht da aber einge Tatsache entscheidend gegen die leerstehende Fabrik in Trollhättan. NEVS hat verglichen mit BMW z.B. keinerlei Kernkompetenzen. Man hat versucht alles ein bisschen zu machen, aber herausraggend war da nie irgendwas. Apple lässt seine Produkte auch schon seit Jahren bei “Auftragsfertiger” Foxconn in China herstellen. Kann mir dementsprechend auch schlecht vorstellen, dass Apple vor hat, eine eigene Fabrik zu bauen/kaufen und zu betreiben. Die Suche geht also wohl in Richtung eines Auftragsfertigers MIT Erfahrung und gewissen Kompetenzen.

    • Du hast in der Theorie recht. Aber: Dieses Unternehmen NEVS wird/muss sich wandeln, wenn es überhaupt überlebt. Die neuen Eigentümer/Gesellschafter/Kooperationspartner werden der Firma eine andere Ausrichtung geben. Man sollte seine Meinung nicht am jetzigen Status festmachen. Am Montag fällt die Entscheidung zum Schuldenschnitt, mit Eintritt der Rechtswirksamkeit will NEVS die Rekonstruktion verlassen. Kurz darauf will man die neuen Partner bekannt geben.

  • Der letzte Absatz gefällt mir am besten.

  • Dann gehöre ich jetz schon zu den Rebellen!

  • Ich weiß es
    schlapp und abgearbeitet lass ich mich Freitag abends in die besten Sitze meines “…Car`s” fallen und DENKE mir, wär das jetzt schön morgen früh im Schloßpark von Miramare den Sonnenaufgang bei einem cappucino genießen zu können.. .Aber, zu Hause wartet Arbeit, dies und das; auch der Garten will jetzt geputzt werden etc, etc
    Leute, Ihr müßt mir das jetzt glauben! ich wurde wirklich in Miramare munter. Mein smartes immer_dabei_Gerät zeigte mir gerade auf dem Bildschirm, wie der Vertikutierer wieder seine Ladestation anfuhr.
    als mir bereits der Kaffeeduft in die Nase stieg.
    Ich weiß es, wir werden uns an Vieles gewöhnen.
    Gebrüder Grimm schaut herunter.
    Trozdem
    gehe ich heute noch ungechipt in den Wald.

  • Mein Fazit: Wenn es die Portokasse erlaubt 😉 , werde ich mir zur Vorsorge vor der Zukunft noch zwei, drei andere Saabs zu meinem Cabrio kaufen. Einen Kombi, einen neuen 95er und eventuell auch ein neueres Cabrio mit weniger Kilometern.

  • Die Zukunftsbetrachtung erinnert mich an meine Sammlung von “Hobby. Das Magazin der Technik”. Besonders in den 60er Jahren waren dort solche Artikel zu finden, die eine einseitige Zukunftsgläubigkeit vermittelten.

    Bei realistischer Betrachtung scheitert das autonome Fahren in der heutigen Zeit nicht an den Möglichkeiten die technisch machbar sind, sondern an den rechtlichen Hürden.

    Wo ein Apple-Auto zusammengeschustert wird, sollte auch klar sein, nämlich dort, wo die Arbeiter keine Rechte haben und für den berühmten Apfel, aber ohne Ei geknechtet werden, damit das überteuerte Endprodukt entsprechend Gewinn einfährt.

    Früher waren Apple-Produkte unverzichtbar, weil überlegen.

    Ich habe damit meinen Start in die digitale Welt gemacht.

    Heute, ist es nur noch überteuert und bietet keinen besserern Nutzen, außer man brauchts fürs angeschlagene Ego.

    • “Heute, ist es nur noch überteuert und bietet keinen besserern Nutzen, außer man brauchts fürs angeschlagene Ego.”

      Kann man so sehen, muss man aber nicht. Ich halte es für mich so: Rechner alle mit Windows-System, da besser für das Arbeiten (m.E.). Es gibt allerdings auch Leute, die legen bei einigen Produkten mehr Wert auf Verarbeitungsqualität und Bedienung. Aus diesem Grund habe ich bislang nur iPhones gehabt. Auf die war immer Verlass, sie liegen gut und wertig in der Hand und sind super zu bedienen. Diese Art von von Zufriedenheit bietet mir derzeit kein anderes Smartphone. Außerdem ist der Werverfall nicht so stark, wie etwa bei Samsung Smartphones. Jeder wie er möchte…

      • Auch WIN-Rechner/Laptops können gute Qualität haben und locker Apple-Produkte damit schlagen. Die findet man aber nicht in den einschlägigen Elektrosupermärkten für “Geiz ist geil”-Preise.
        Qualität hat nichts mit dem Betriebssystem zu tun.
        Ich denke, die meint auch sesi und die setze ich auch schon seit Jahren ein. Diesen Hersteller kann man eher mit SAAB vergleichen, was Haltbarkeit, durchdachte Funktionen und Verbreitung angeht.

        Albert hat recht, wir brauchen uns sicher keine Hoffnungen machen, dass Apple je in einem Hochlohnland produzieren wird.

        • Jeder hat einen anderen Qualitätsbegriff, das ist auch okay. Glaube nicht, dass Samsung, Sony, HP, Acer, Asus, Toshiba in Hochlohnländern produzieren. Warum dann die Kritik bei Apple?

          • Nee, das glaube ich auch nicht, dass von denen einer teuer produziert, von denen habe ich auch keinen gemeint.
            Meine Kritik richtet sich gegen die Arroganz des Konzerns und viele seiner User(Jünger), die immer meinen, damit Individualität und Qualität zu zeigen, eine Art Statussymbol.
            Es ist schlicht ein überteuertes Massenprodukt.
            Die damit verbundene Datenkrake – wie auch in den Artikeln beschrieben – schreckt mich eher ab.

  • und interessant ist vlt. auch, dass bei Raumfahrtmissionen bereits seit Jahrzehnten immer Klapprechner eines anderen renommierten Herstellers den Weg ins All finden – nein, nicht hübscher, sondern technisch besser. Die denken nämlich auch saabisch: form follows function!

  • Spannende Gedanken zur Zukunft der Bewegung auf Straßen! Auf den 45 km zur Arbeit macht das fahren, auch im Saab, nur sehr beschränkt Spaß, das wäre ein Feld, da könnte man ganz auto- mobil sein, 90% beschränkt sich darauf den Abstand zum Vorausfahenden auf ein vertretbares Maß zu regulieren. Die heutige Autoindustrie macht auf mich den Eindruck bestehende Technik sehr weit perfektioniert zu haben, da kommt dann oft ein Umbruch mit ganz neuen Technologien. Wegen der deutlich längeren Lebensdauer von Autos nicht ganz so schnell wie bei Computern, aber es wird kommen. Wenn Google und Apple mit viel Geld und Leuten Ideen entwickeln läßt werden die irgendwann zur Anwedung kommen, ob dort oder bei klassischen Autobauern ohne not-invented-here Syndrom wird sich rausstellen.
    Den Saab fürs Wochenende und sonst das auto-Mobil? Ab und zu macht mir analoger Film auch noch Spaß.
    Spannend wird sein wie die Mischung aus iCars und konventionellen Fahrzeugen funktioniert.

    • Gar nicht, es ist dasselbe wie dem Papierlosen Büro;)

  • an alle die rebelieren möchten und sich einen weitestgehend elekronikfreies Automabiel zulegen, spätestens wenn sich für das autonomen fahren irgendwie durchgesetzt hat und geregelt ist werden die Fahrer alter Fahrzeuge verpflichtet sich ein Gerät hinter die Windschutzscheibe zu klemmen das die Position und Abstände an die anderen Verkehrsteilnehmer funkt und die gefahrene Stecke gleich an das Finanzamt,…..nur nicht zu viel Hoffnung machen das wir mit einem 901 oder 9k davonkommen!

    • Eben und von da an gehe ich zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Ohne E-Motor. Punkt.

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