Bluestime Vol.2

Die Fertigungsqualität war schon besser, das Modell ist hoffnungslos veraltet. In dem Zeitraum, wo andere Hersteller etliche neue Modellgenerationen zu ihren Kunden rollen ließen, baut man immer noch den leicht modifizierten Aufguss einer völlig veralteten Karre. Das Management des Produzenten fährt einen unklaren Kurs, Geld für Investitionen fehlt…und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, werden die Autos der Traditionsmarke jetzt über neuartige Vertriebskanäle verkauft.

Saab Bluestime. Mit Saab 9-5 NG. ©2014 saabblog.net
Saab Bluestime. Mit Saab 9-5 NG. ©2014 saabblog.net

Von welcher Marke spreche ich? Na, erraten? Oder auch nicht. Auflösung folgt. Okay, Menschen vergessen schnell, vor allem, wenn es um negative Dinge geht. Es soll eine Art Selbstschutzfunktion sein, die unangenehme Erfahrungen zu bewältigen hilft. Die Marke Saab steckt in der Krise fest, und immer wieder kommen Kommentare auf dem Blog, dass die Saga am Ende sei. Kann sein, muss nicht sein. Denn Saab als Marke ist zu gut, um sie sterben zu lassen. Vor allem, weil sie hervorragend in das Portfolio anderer Hersteller passen würde.

Die Vorteile: die große Historie einer europäische Marke, nahe am Kultstatus. Die einzigartige Möglichkeit, auf einem weißen Blatt Papier, völlig frei von Altlasten und Verpflichtungen,  neu beginnen zu können. Nur, wer wäre in der Lage,  Saab neu zu erfinden? Da NEVS immer von einem oder zwei asiatischen Autogiganten spricht, aber keinen Namen nennen mag, habe ich mir einfach selbst zwei passende Kandidaten ausgesucht.

Als Überraschung ist Mahindra keiner der beiden. Warum? Weil ich der Meinung bin, dass der relativ kleine Konzern mit Ssangyong schon eine große Baustelle hat und keine weitere verkraften wird. Deshalb geht mein Blick in die nächste Nachbarschaft. Und da finden wir: Tata.

Mein Kandidat aus Indien: Tata

Im Gegensatz zu Mahindra ist Tata ein wahrer Gigant. Nur zum Vergleich: bei Mahindra & Mahindra arbeiten 11.600 Menschen, bei Tata sind es 455.000. 2008 hat Tata Jaguar Land Rover übernommen, seitdem viele Milliarden investiert, dem Management alle Freiheiten gelassen, und es geht erkennbar nach vorne.

Alles, wo Land Rover drauf steht, verkauft sich wie von alleine; die Marke Jaguar hinkt etwas hinterher. Die Klientel ist überaltert und Jaguar hat diesseits der Insel ein Akzeptanzproblem. An den Fahrzeugen kann es nicht liegen, da sollte mehr gehen. Die Zahlen sprechen für sich: nur 76.668 neue Jaguar, aber 348.338 neue Land Rover liefen 2013 vom Band. Mit drei Modellreihen XF, XJ und F-Type liegt man weit hinter dem,  was Saab einst mit zwei Baureihen möglich machte.  In diesem Jahr ging eine weitere Baureihe an den Start, die Marke verspricht sich viel davon.

Aber es ist die Sozialakzeptanz,  die fehlt. Welches Unternehmen wird seinen Außendienst mit einem XE oder XF zum Kunden schicken wollen? Problematisch, problematisch…Jaguar fehlt das große Flottengeschäft. Genau das, und die Tatsache,  dass bei Jaguar Land Rover die Bänder am Limit laufen, macht Saab für die Inder interessant. In Schweden langweilt sich ein hochflexibles Werk, es könnte Jaguars und Saabs parallel vom Band laufen lassen. Der Link nach Trollhättan besteht schon seit 2012;  in der Stallbacka und beim  Innovatum ist JLR einer der größeren Kunden. Für den Erfolg wäre alles da: eigene Motoren, moderne Plattformen, ein existierendes Vertriebsnetz. Saab DNA war schon immer sozialverträglich. Die Schweden wären eine dritte Marke, die das Portfolio von JLR ideal ergänzen könnte.

Weiter nach Osten schließe ich die chinesischen Hersteller aus. Sie sind nicht reif  zur Übernahme und zum Aufbau einer europäischen Traditionsmarke. Geely, der Volvo Eigentümer, zeigt,  wie unsicher das Fundament ist. In China kämpft die Volvo Mutter mit Absatzeinbrüchen und steigender Verschuldung. So wie bei Volvo ist der Grad der Fremdfinanzierung erschreckend hoch. Also noch weiter nach Osten, nach Japan.

Mein Kandidat aus Japan: Toyota

Es ist gut 30 Jahre her, noch vor der Markteinführung, als der erste Lexus an mir vorbeirollte. Vier japanische Manager an Bord, sie kamen von einer Präsentation in meiner damaligen Nachbarschaft. Die Japaner waren ausgezogen, um mit ihrer Marke Nordamerika und Europa zu erobern.

Das misslang in Europa, die Marke kommt nicht von der Stelle. 2013 brachen die bescheidenen Verkäufe in Deutschland gar um mehr als 42 % auf nur noch 1.653 Zulassungen ein. Und in den USA fegt der Tesla S die Toyota Luxustochter vom Markt. Wieviel Investitionen Toyota mit Lexus in Europa verfeuert hat, ist unbekannt. Fest steht, es scheint kein gut angelegtes Geld gewesen zu sein.

Wir erinnern uns vielleicht so ganz schwach, dass am Anfang der NEVS Geschichte über einen Link zu Toyota gesprochen wurde. Worum es ging, war niemals so ganz klar;  fest steht nur,  dass die Japaner das Werk in Trollhättan recht gut kennen. Eine europäische Produktionsstätte wäre auch für sie von Vorteil, vor allem mit der in Schweden vorhandenen  Flexibilität. Nischenprodukte für den europäischen Markt wären einfacher zu realisieren, die Marke könnte Attraktivität gewinnen. Unnötig zu sagen, dass der Griff in die Toyota-Regale der Wiederauferstehung der Marke Saab helfen würde – und Saab wiederum dem Toyota-Konzern helfen könnte.

Im großen Duell mit VW um den Platz 1 im globalen Wettbewerb hat Toyota in Europa kein Gegenmittel, um mit Audi zu konkurrieren. Lexus ist untauglich, die 1.653 deutschen Zulassungen mit – ja wieviel Baureihen eigentlich – beweisen es. Es sind wirklich ganze vier Modellreihen, die Lexus für bescheidenste Verkaufszahlen auffährt;  und um Missverständnissen vorzubeugen-  an Qualität mangelt es den Fahrzeugen nicht. Es geht – ab einer gewissen Preisklasse – um andere Werte. Der Stammbaum ist es, der zählt.

Es dreht sich um Tradition, Herkunft, um einzigartige Geschichten,  die Marken erzählen können. Mercedes steht für Automobilgeschichte wie kein anderer Hersteller; auch BMW, Porsche, Jaguar transportieren eine große Vergangenheit. Jede Marke auf eine ganz spezielle Weise, untereinander vergleichbar sind sie nicht. Saab bietet eine unglaublich faszinierende Historie, die Saab DNA ist mit den bekannten Premiumherstellern auf einer Augenhöhe. Toyota könnte in Südschweden die Antwort auf die Frage finden, wie man dauerhaft auf Erfolgskurs gegen die Premiumplatzhirsche fahren könnte. Wenn man danach sucht…

Ist Saab eine Investition wert? Kommen wir zurück zu der Marke, die ich am Anfang beschrieben hatte. Missmanagement, veraltete Produkte, Unzuverlässigkeit, unterirdische Qualität. Die Marke testete über Jahre neue Tiefpunkte. Einer wurde in den 90er Jahren erreicht, als die Fahrzeuge über Real Supermärkte verkauft wurden. Kein Buchmacher hätte damals auch nur einen Cent auf eine große Zukunft gewettet. Die Marke schien am Ende.

Aber auch sie war zu gut, um zu sterben. Der Name: Mini.

31 Gedanken zu „Bluestime Vol.2

  • Hoffentlich lesen hier die RICHTIGEN Leute mit !

    • Oh, jetzt wo Du es sagst… Einer meiner Wunschkandidaten liest mit 🙂

  • Toyota fände ich super – deren Motoren und Verarbeitungsstandards passen!

  • Natürlich wird von meiner Seite, lieber Tom, Saab als gestorben dargestellt. Deine zugegeben tollen Ideen sind jedoch Wunschdenken und ich würde mich sehr sehr freuen, wenn Du Recht hast.
    Jedoch sind die erwähnten Marken nicht ein ums andere Mal von Unfähigen vor die Wand gefahren worden.
    Das sehr gute Stammpersonal ist verärgert und wird sicherlich – so Gott will, dass Volvo erhalten bleibt – (fahre mitlerweile selbst einen) seinen neuen Arbeitsplatz nicht mehr gegen einen Kriesengeschüttelten aufgeben.
    Nicht zu vergessen sind tausende sehr gutn Stammkunden, welche sicherlich -genauso wie ich – massiv verärgert sind, auch wenns noch so weh tut –
    ich würde keinen Saab mehr kaufen (hab ja noch zwei richtige ohne GM Zubehör 🙂 )

    • Es ging mir dabei um die Marke Mini als Beispiel, die auch schon mal im Keller war. So wie Du sagten damals Kunden dass sie niemals wieder einen Mini fahren würden. Um nichts in der Welt. Und heute?

  • Ich bin auch der Meinung das es zu schade ist das SAAB stirbt! Allerdings habe ich das schon vor Jahren geglaubt! Was ich nicht begreifdn kann ist die Tatsache das bislang noch keiner zugeschlagen hat! Klar wird es immer günstiger für den neuen Eigentümer! Aber in dieser Zeit geht auch viel Porzellan zu bruch! Und ich meine das es im Nachhinein eventuell sogar teurer werden könnte die Marke aus dem Tal zu holen, als früher zugeschlagen zu haben wo die SAAB Welt noch einigermaßen in Ordnung war!

  • Ich finde dies interessante Gedankenspiele, kann aber an nichts glauben. Im Effekt reduziert es sich auf die Frage, was diese Phönix Plattform wert ist. Ist sie effektiv eine für verschiedene Modelle geeignet, hochflexible Plattform? Wie weit ist sie entwickelt? Für alles andere ist Saab nichts mehr wert: Keine Kunden, kein Verkaufsnetz, und für Produktionsanlagen gibt es Überkapazitäten überall und sonst Auftragsfertiger wie Magma. Wäre ich ein grosser Hersteller, würde ich eher auf Volvo schielen. Wenn sich dort die Probleme bei Geely zuspitzen, kann dies sehr interessant werden. Saab ist ein Opfer der Finanzkrise. Die letzte Chance wurde durch Viktor Mueller und seine unsäglichen Operationen vertan.

    • Natürlich sind es meine Gedankenspiele, (fast) ohne irgendwelchen Hintergrund. Ich sehe nur eine mögliche Zukunfts-Option, die Phoenix Plattform spielt natürlich eine Rolle und soll sehr weit sein. Was allerdings daraus letztlich wird, ob eine Marke XY die Plattform nutzt oder ob es wieder neue Saabs geben wird, das steht in den Sternen.

  • Alles was du schreibst Tom , wäre schön und könnte auch alles passen. Nur ich fürchte das dies auch mal wieder eine weitere Spekulation von vielen ist , oder gibt es dazu Belege oder Anzeichen die dafür sprechen , das diese Namen dahinter stecken ? Wann kommen die 2 angeblichen Interessenten aus der Deckung ? Zuviel Zeit ist vergangen und zu viel Hoffnung ist Enttäuschung gefolgt und zu viel wurde Spekuliert um nun noch an ein gutes Ende glauben zu können.

    • Peter, damit es niemand falsch versteht, es geht nicht um Spekulation oder Interessenten. Es sind ganz alleine meine Ideen zur Zukunft der Marke Saab, die unter NEVS mal wieder einen neuen Tiefpunkt testet. Ich sehe, außer der Plattform die NEVS bereits in eine anderes Unternehmen ausgelagert hat, und außer dem Werk auch keine Aktivposten mehr. Was kommen kann, ist ein kompletter Neustart, so wie eine Firma aus Bayern die Marke Mini neu erfunden hat.

  • Ich sag nur: “TOM FOR (Saab-)PRESIDENT”

    • Meine Stimme hätte er.

      Jan-Philipp Schumacher sollte dann VP für Vertrieb sein. Und falls dann noch jemand für die Vorentwicklung gebraucht wird, würde ich gerne meine Bewerbung einreichen.

    • Ja saabsunited ist gestorben heute, so Saabblog.Net muss jetzt auf english gescrieben sein 🙂

      • Was ist da los? Die englische Version ist tatsächlich nicht erreichbar. Die schwedische schon, letzter Artikel vom 22.10. Weißt Du oder jemand anderes etwas? Swade schweigt sich auch aus?!

  • Toyota hatte sich schon 1999 intensiv mit der innerbetrieblichen Fertigungs- und Organisationsoptimierung bei Saab beschäftigt. Zu dieser Zeit genoss ich eine individuelle Betriebsführung in Trollhättan, wo in fast jedem Bereich Japaner zu sehen waren. Damit dürfte die Fabrik für Toyota nicht unbekannt sein, auch wenn seitdem 15 Jahre vergangen sind.

    Außerdem würde sich der Kreis zu elektrischen Antrieben zumindest etwas schließen, da der Hybrid-Antrieb von Toyota vor allem in der Stadt nahezu perfekt funktioniert. In Tokyo überzeugten mich einige Fahrten mit Auris / Prius von dieser Technik, die ich dort durch den Großstadtverkehr bewegen durfte.

    Sicher ist dieser ausgefeilte Hybridantrieb – noch – realitätsnäher als der reine Elektroantrieb.

    Spannende Zeiten….

    • Toyota kennt auch das Werk durch NEVS und war beratend beim Erwerb und darüber hinaus tätig.

      • Vielleicht bekommt der Slogan “Nichts ist unmöglich” demnächst ja eine ganz andere Bedeutung.

  • Lieber Tom, ein ganz hervorragender Artikel! Sehr gelungen der Spannungsbogen mit der Marke Mini und Deine Gedanken zu möglichen asiatischen Partnern. Sehr intelligent und spannend. Hoffentlich denken außer Dir auch andere in so intelligenten und zukunftsorientierten Lösungen!

  • DANKE Tom, für den emotionalen spannungsgeladenen Artikel! Deine Sicht der Dinge zeigt: es geht noch was! 🙂 Mögen die richtigen Entscheider mitlesen…. 😉 , SAAB hätte es verdient!!!
    Mein Kandiat aus Deiner Listung: TOYOTA ! 🙂
    -sind an effektiver Mitarbeit interessiert,
    -können LEXUS mit/ durch SAAB erheblich “aufwerten”,
    -eine Fa., die ähnlich wie SAAB das Thema Umweltschutz besetzt hat,
    -und dementsprechned die nötigen Antriebe schon hat 🙂 ,
    -PLUS SAAB-Turbotechnik : traumhafte Aussichten!!!

    Ich werde die Situation in Trollhättan weiter beobachten…und wünsche mir ein gutes Ende dieser leidvollen Geschichte!

  • Nach diesem Artikel, lieber Tom, fühle ich mich wie ein richtiger Vorreiter. In meiner Garage stehen ja die beiden Marken friedlich nebeneinander. Über die Qualitäten des Japaners kann ich nur positives berichten, (Fahrwerk, Lenkung, SITZE, Lüftung, Verarbeitung.) Wenn die Ehe zustandekommen würde, wäre es ein großer Wurf für uns SAAB Fans, glaube ich.

  • Es ist das agressionsfrei Image was den Wert der Marke darstellt, technisch sind meisten Autos aller Marken ok, oder hätte sonst aus einem Insignia ein 9-5ng werden können? ….warum nicht aus einem Toyota? ?..und wenn der Prius mal ne ordentliche Form kriegt..!
    Wobei ich immer auf der Seite der Kleinen bin die den Großen mal mit Innovationen ans Bein pinkeln…..

  • Tom, Deine Gedanken und die beiden Marken sind wirklich sympathisch. Ich hätte auch kein Problem mit einem XF, der XE ist mir dagegen zu sehr A4-lastig und bei den Japanern gefällt mir die Technik, aber nicht das Knick- und Faltendesign.
    Das Problem ist heutzutage (oder vielleicht hauptsächlich in D), dass sich die Hersteller über das elende Flottengeschäft definieren müssen, der Privatkunde zählt nicht mehr und zahlt überhöhte Preise. Da werden Massen an Einwegautos produziert, die nur eine Leasingperiode und die Garantie überstehen müssen, danach geht das (elektronische-)Theater los.
    Aber es gibt genug Kreaturen, die auf Firmenparkplätzen und in Neubaugebieten damit Ihren vermeintlichen Status zeigen müssen, was wiederum zu gefühlten jährlichen Modellwechseln führt – bei Audi und VW habe ich den Überblick über die aktuellen Modellnummern komplett verloren – macht aber nichts….
    Marken wie SAAB oder Jaguar, auch Lexus erwecken bei mir den Eindruck, frei von diesen Zwängen zu sein und das macht sie sympathisch. Da ich immer selbst für meinen fahrbaren Untersatz sorgen musste und muss, habe ich überhaupt kein Problem damit, irgendwo mit einer dieser Marken vorzufahren, im Gegenteil.
    Wenn ich im Stau stehe denke ich oft, jetzt alle nicht bezahlten Autos rechts raus, dann ist frei Fahrt!

  • Also, Ich versuche mal wesentliche Punkte des Artikels aufzuarbeiten:
    Dass Mahindra z.B. nicht einer der Interessenten sein kann, hat Tom gut geschlussfolgert. Habe auch lange an Mahindra gedacht, aber auch ich kann mir nicht vorstellen, dass die SAAB AB für einen “kleinen” indischen Hersteller den Markennamen etc. wieder freigeben wird. Das ist eine Sache, die allen Verhandlungspartnern klar sein müsste. Tatsächlich bin ich auch der Meinung, dass hier zwei “große Fische” an Saab interessiert sind; nochmals: Sonst wären die Verhandlungen sicher nicht zu Stande gekommen. NEVS ist schließlich das beste Beispiel, dass Saab doch eine Nummer zu groß für die kleinen der Autoindustrie ist.

    Nun zu den vorgestellten möglichen Interessenten:
    Toyota einerseits… klingt irgendwie konträr – Saab passt meiner Meinung nach nicht so richtig in das Portfolio. Klar, wäre es eine Möglichkeit im europäischen Markt mit einer gehobenen Marke Marktanteile zurückzugewinnen. Für mich steht der Toyota-Konzern allerdings für überdesignte Automobile aus dem asiatischen Raum. Also Portfolio-technisch wäre es schon ein “Hingucker” mit Saab.

    Tata andererseits… die Baustelle Jaguar wurde schon angesprochen. Klingt daher für mich auch nicht wirklich nach einem guten Konzept: Aufkaufen aller ehem. europäischer gehobenen Marken? Jaguar, Land Rover, Saab. Natürlich würde sich Saab dort gut einreihen, aber sich mit den anderen Marken beißen.

    Mir stellt sich also die Frage: Ist noch ein anderer (vielleicht sogar europäischer) Interessent da? Geht es vielleicht nur um das Werk? Bzw. um was geht es in diesen Verhandlungen wirklich? Phoenix-Plattform – wenn die mal nicht schon von NEVS verpfuscht wurde, wenn man sich mal den Wiesen-E-Saab ansehe. Passt die Marke Saab wirklich in das Portfolio der genannten möglichen Interessenten?

    Für NEVS geht es letztendlich primär nur um das “Kopf aus der Schlinge ziehen”. Von daher muss es nicht unbedingt um eine Saab-Zukunft gehen. Oder liege ich da falsch? 😉

    P.S. Interessant wäre zu erfahren, ob Detlef R. immernoch an Mahindra festhält?

    • Es könnte irgendwann alles an dem Punkt sein, an dem es wirklich nur noch um das Werk geht. Nicht mehr um Saab. Glubt man der IF Metal, dann ist das Saab Werk das kostengünstigste in ganz Europa. Ich kann mir das nicht so ganz vorstellen, aber wahrscheinlich liegt es auf einem sehr guten Niveau. Das macht es für viele Hersteller interessant.

    • Ich tendiere immer noch zu Mahindra – die bringen womöglich auch noch eigene verfeinerte Plattformen für neue SAAB-Modelle mit ein, weil man auf Wunsch der SAAB AB Dongfeng mit der PHOENIX-Plattform außen vor läßt.

      Mahindra ist nach meinen Überlegungen momentan der einzige größere Konzern, der auf der Suche nach einer europäischen Marke ist – der Name SAAB wird für Mahindra (ohne Dongfeng) mit Sicherheit freigegeben.

      Diese Annahmen sind natürlich ohne Gewähr – ich könnte unter Umständen auch völlig daneben liegen.

  • Ich muss sagen, dieser Artikel, zusammen mit den Kommentaren ist einer der interessantesten, den ich in den letzten Monaten lesen durfte. Mit Dank und Hochachtung verneige ich mich vor Verfasser und Kommentatoren.

    Gruß Daniel

  • Ergänzung: Es ist in meinen Augen außerdem SEHR wahrscheinlich, dass die möglichen Interessenten, bereits eine “Baukasten-Lösung” vorliegen haben. Saab ließe sich schnell und einfach integrieren und wäre letztendlich fast nur eine Design-Frage. Alles andere macht keinen Sinn… Im Umkehrschluss hieße das auch, dass es bei erfolgreichem Abschluss der Verhandlungen vielleicht doch garnicht mehr so ein weiter Weg zu neuen Saabs ist.?! 😉

  • “Die Vorteile: die große Historie einer europäische Marke, nahe am Kultstatus.”
    Da muss ich jetzt doch etwas schmunzeln…kann es sein, dass man als Saabfahrer die Marke als etwas zu rosarot sieht? Welche Historie denn? Die Erfolge im Rallyesport vor Ewigkeiten, an die sich nur noch die Generation Ü50 erinnert oder wer die entsprechende Literatur im Regal hat? Was Bitteschön ist Kult an Saab? Saab hatte genau ein Modell was den Begriff Kult verdient hätte, der 901, übrigens auch der einzige Wagen den auch nicht Saabfahrer/Fans mit der Marke in Verbindung bringen können. Der Rest sind sicher gute Autos, aber sicher kein Kult. Ein 99TU mag noch fast an einen 901 ranreichen, quasi als Urahn des Turbos…

    • Wenn SAAB kein Kult ist, was dann? Kopfschüttel.

  • Schön wäre es, wenn Saab durch einen potenten und fähigen Partner/Investor ein ähnlicher Aufstieg wie Mini oder auch Audi gelingen könnte. Aber, warum ist das nicht schon geschehen? Saab war mindestens in den Jahren um 1990, 2000, 2011/12 und auch jetzt zu kaufen, es hat kein fähiger(!!) Konzern zugegriffen. Die sind doch nicht alle blind! Nein, die Automobilindustrie traut der Marke Saab eben nicht das Potenzial und die Strahlkraft zu, die für solch einen Wiederaufstieg nötig wären. Das glaubten bislang nur Vollpfosten (GM), größenwahnsinnige Spinner (VM) und Chinesen aus der Provinz….

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