Saab 9-5 TTID Vector

Es ist mittlerweile drei Jahre her, dass ich zum letzten Mal mit einer Saab 9-5 TTID Limousine als Testwagen unterwegs war. Damals war es ein neuer TTID XWD aus dem Bestand von Saab Frankfurt, heute ist eine sehr gut ausgestattete Limousine aus Vorbesitz, die das Autohaus Lafrentz zur Verfügung stellt. Wie sind 3 Jahre und 86.000 Kilometer dem Saab bekommen, bemerkt man das Alter?

Saab 9-5 TTID in Laserrot. ©2014 saabblog.net
Saab 9-5 TTID in Laserrot. ©2014 saabblog.net

Morgendlicher Tau, der erste Herbstvorbote, liegt noch auf dem Lack, als ich mit der Saab Limousine starte. Laserrot, bemerke ich, ist eine nicht ganz passende Bezeichnung für den Farbton. Treffender wäre Talladegarot gewesen, ein sattes, traditionelles Saab-Rot,  das schon der Saab 900 trug. Und das ihm gut stand.

Der 190 PS Diesel startet und lässt keinen Zweifel daran, welche Verbrennungsart hier vorliegt. Er nagelt, fällt dann nach einigen gefahrenen Metern in einen ruhigeren, sonoren Lauf. Ich bin nicht unbedingt ein Freund dieser Maschine, daran hat sich die letzten drei Jahre nichts geändert. Der Motor gibt sich so, wie man es von ihm erwartet;  die Diesel der Mitbewerber verhalten sich auch nicht anders. Wer eine sparsame, trotzdem kräftige Maschine im 9-5 sucht, der liegt hier richtig.

Das 6-Gang Getriebe schaltet sich ausreichend präzise, man spürt nicht,  dass der Saab schon 86.000 Kilometer gelaufen ist. Womit wir zum wichtigsten Punkt des Tests kommen.

86.000 Kilometer, 3 Jahre und 9 Monate alt. Klapperfrei.

Der Saab 9-5 TTID ist mit sehr angenehmen, weichen Premiumleder ausgestattet, verfügt über das Panoramadach, welches ein wunderbar helles Ambiente schafft. Nichts an dem Fahrzeug lässt auf das Alter und die gelaufenen Kilometer schließen. Das Interieur fühlt sich gut an, Klappern oder Knartzgeräusche finden nicht statt,  trotz des großen Panoramadachs. Saab hat hier eine extrem steife Karosseriestruktur abgeliefert, auch Fahrzeuge,  die mittlerweile an der 200.000 Kilometer Marke kratzen,  sind immer noch absolut klapperfrei.

Wer einen Saab 9-5 NG im zerlegten Zustand gesehen hat, der bekommt in etwa eine Vorstellung, wie man das in Schweden gemacht hat. Zwischen Armaturenbrett und Spritzwand sitzt, als Beispiel, eine massive, beeindruckende Verstrebung. Als Laie würde ich sie als Domstrebe im XXXL Format bezeichnen.  Solche Details vermitteln neben dem guten Gefühl auch die Gewissheit, mit einem besonders sicheren Fahrzeug unterwegs zu sein.

Die 9-5 TTID Limousine hat kein Drive Sense, rollt aber auf den 18″ Felgen geschmeidig durch die Gegend. Was zum Einen darin begründet ist, dass mit zunehmender Produktionsdauer die Abstimmung des Fahrwerks immer besser wurde. Zum Anderen liegt es daran, dass in diesem TTID ein HiPerStrut Fahrwerk verbaut wurde. Das macht den Umgang mit dem 9-5 noch angenehmer.  Saab schrieb 2011 darüber:

Das fortschrittliche HiPerStrut-System  bietet Fahreigenschaften ähnlich einer Architektur mit doppelten Dreiecks-Querlenkern. Gegenüber der McPherson-Vorderachse wurden die Spreizung, Länge und Versatz der Spindel verkürzt. Damit wird die Lenkung weitgehend von störenden Krafteinflüssen entkoppelt, das Auto bekommt mehr Grip und die Handling- und Bremseigenschaften verbessern sich.

Was 2011 galt, das hat auch 2014 Bestand. Der 9-5 TTID fährt aus technischer Sicht absolut unauffällig durch die Welt – die passende Charakterisierung für 90 % der Eigenschaften. Im positiven Sinne beweist er innere Werte und Robustheit, was die Karosserie und die Verarbeitung angeht. Der etwas knurrige Motor macht mich nicht ganz glücklich. Er hätte eine Automatik verdient, die auch in späteren Modelljahren gekommen wäre. Ob man die Maschine mag oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Es gibt mittlerweile leisere Dieselmotoren auf dem Markt, aber auch Maschinen,  die lauter und weniger kultiviert sind. Der Saab liegt in seiner Klasse im Mittelfeld.

Was den Saab aus der automobilen Masse herausragen lässt, sind die restlichen 10 %. Das außergewöhnliche Design lässt den 9-5 immer noch auffallen. Gerade wenn er im traditionellen Talladegarot, was eigentlich Laserrot heißt, unterwegs ist. Den Passanten freut es, wenn er den individuellen Schweden vorbeirollen sieht. Der Saab Pilot hat sein Vergnügen mit Head-up Display, Zeilentacho im Jet Style und dem großen Panorama-Schiebedach. Womit alles an Bord wäre, was das Saab Herz wünscht. Pure Saab, auch nach 3 Jahren, 9 Monaten und 86.000 Kilometern.

Ein positives Ergebnis ! Welches nicht selbstverständlich ist ! Bei der Vorstellung des 9-5 NG und nach dem Kontakt mit den ersten Fahrzeugen, der nicht sehr schmeichelhaft war,  hätte ich das so nicht erwartet. Ebenso wenig wie,  dass es schon drei Jahre keine Produktion mehr gibt. Der getestete 9-5 TTID steht in Kiel zum Verkauf. Wer sich mit dem Thema mehr beschäftigen will, kann unsere große Saab 9-5 NG Kaufberatung studieren.

7 Gedanken zu „Saab 9-5 TTID Vector

  • Wenn er nur nicht so lang wäre. Nix für München.

  • Ich wäre nie auf die Idee gekommen ein 9-5 NG in laserrot zu bestellen, sieht aber richtig gut aus, den mag ich 🙂

    • Bestellt hätte ich den Wagen auch nicht in rot, dazu hätte mir der Mut gefehlt… Aber zusammen mit dem hellen Leder – mir gefällt’s ! Wenn es ein Benziner wäre, würde ich drüber nachdenken, zumal der das geniale Panoramadach hat. Tom, kann man einen TiD und TTiD eigentlich optisch unterscheiden ?

  • Aaahhhh… laserrot. Nur echt mit 633 nm.

    Aber der Luftauslass vor der Fahrertür wirkt da irgendwie deplaziert, wie abgesägt.

  • Mut zur Farbe….genial 🙂

  • kurze frage: ist das armaturenbrett schwarz oder eher braun?

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