Saab 9-3 EV Probefahrt

Im Trouble der letzten Tage hatten wir das Saab 9-3 EV völlig aus den Augen verloren. Denn es steht die Frage im Raum: wie fährt sich der Elektroauto-Prototyp ? Die Gelegenheit, das zu erkunden, hatte die Zeitschrift „Ebilen i Sverige“.

Saab 9-3 EV Prototyp © 2014 NEVS
Saab 9-3 EV Prototyp © 2014 NEVS

Standesgemäß reiste der Reporter im Tesla S an, womit er einen direkten Vergleich zwischen dem amerikanischen Maß aller Dinge und dem schwedischen Prototypen ziehen konnte. Spannend… Hier die Story:

Trollhättan, der 3. September 2014. Spätsommerwetter, 21 Grad. Das Saab 9-3 EV – eine schwarze Schönheit, wie der Journalist von Ebilen i Sverige schreibt – steht noch an der Ladestation. NEVS Pressechef Mikael Östlund und Anders Björnberg, Projektleiter EV, empfangen den Gast.

Vor der Probefahrt erklärt Anders Björnberg die Technik. Der Antriebsstrang wird von American AC Propulsion geliefert, sowie der Motor, Inverter und das komplette Elektronikpaket. Der Motor hat 150 KW (204 PS), ist aber im Moment auf 100 KW (136 PS) begrenzt. An der Anpassung des Fahrzeugs an höhere Leistung wird gearbeitet.

In der Serie wird ein anderer Antriebsstrang zum Einsatz kommen, die Batterien des Prototypen sind luftgekühlt. Sie werden später in der Serie eine Wasserkühlung erhalten. An der Rekuperation, der Rückgewinnung von Energie beim  Bremsvorgang, wird noch gearbeitet.

Im Saab 9-3 EV Prototypen steckt eine 37 kWh Batterie, in der späteren Serienvariante wird eine stärkere Batterie zum Einsatz kommen. Die Akkus werden die gleichen Abmessungen wie das jetzt verwendete Bauteil haben, verfügen dann aber über eine höhere Energiedichte. Die Batterien sollen aus China zugeliefert werden, von einer Fabrik, die NEVS Gründer Kai Johan Jiang gehört. Die Reichweite des Saab 9-3 EV wird dann 300 Kilometer betragen.

Die Gangwahl erfolgt über Tasten im gewohnten Schema von P-R-N-D. Der Einsatz des Ganghebels aus dem 9-3 Aero hat nicht wie gewünscht funktioniert. Die Tasten, die wir im  Prototypen gesehen haben, werden aber auch nicht in Serie gehen. Es soll eine andere Lösung geben, auch das Armaturenbrett wird für die Anforderung eines Elektroautos angepasst.

Die Orio AB arbeitet mit NEVS zusammen; Dokumentation, Diagnosewerkzeug, Schulung der Servicetechniker wird in Zukunft von Nyköping geliefert.

Jetzt geht es auf die Testfahrt, auf den 2.3 Kilometer langen Kurs am Werk, den Besucher nicht einsehen können. Die Strecke beginnt mit zwei scharfen Kurven, die auf 70 Km/h begrenzt sind, dann folgt eine lange Gerade, gleich darauf folgt das Velodrom. Man könnte diese Passage mit 120 Km/h fahren.

Der Start des Saab 9-3 EV Prototypen ist undramatisch und etwas zäh. Anders gesagt: der Anfahrmodus ist noch nicht fertig entwickelt. Auf die Gerade geht es mit 120 Km/h, im Velodrom im ersten Durchlauf noch nicht ganz in dieser Geschwindigkeit, aber fast. Bei der zweiten Durchfahrt läuft es dann zügiger.

Das Auto ist sehr leise, hier kann der Autor einen direkten Vergleich zum Tesla S ziehen. Im Saab ist es bei jeder Geschwindigkeit ruhiger als im Tesla, es ist kein Fahrgeräusch zu hören, nur ein leichtes Rauschen. Der Tesla entwickelt deutlich mehr Geräusche, schon auf Grund der Hochgeschwindigkeitsreifen. Der Saab rollt auf der üblichen Bereifung, erst mit der Serie werden Leichtlaufreifen Verwendung finden.

Die Bremsen sind sehr gut angepasst, die Verzögerung erfolgt zügig. Nach den ersten Runden und einem etwas „zähen“ Start macht es richtig Spaß, das Auto zu fahren. 0-100 wird vom 1.800 Kilogramm schweren Auto in 10 Sekunden erledigt. Das Ziel sind 8.5 Sekunden, wenn die Kühlung von Motor und Batterie entsprechend  modifiziert sind.

Der Saab 9-3 EV, so schreibt „Ebilen i Sverige“, hat noch einen langen Weg vor sich. Aber es könnte etwas „ganz Großes“ daraus werden. Trotz der Knappheit an Geld und des Produktionsstops wurde die Entwicklung weiter voran getrieben. Das Auto fühlt sich solide an, reagiert gut auf alle Manöver, bremst gut. Eine Serienproduktion, nicht in diesem Jahr, aber in naher Zukunft ist vorstellbar, schreibt der Autor und hofft, dass es kein Wunschdenken ist. Und: „Wir drücken die Daumen, dass die wirtschaftlichen Probleme so bald wie möglich gelöst werden“.

Unsere schwedischen Leser können den Artikel im Original auf „Ebilen i Sverige“ nachlesen. Im Anschluss an die Probefahrt bestätigte Mikael Östlund, dass die Serienversion mit verbesserten Batterien eine Reichweite von 300 Km haben wird.

Das Saab 9-3 EV wird man an einem Schnell-Ladegerät nach europäischen CCS Standard aufladen können, und NEVS verspricht einen angemessenen Preis für das erste Elektroauto aus Trollhättan.

Zwei Gedanken von mir – zum Abschluss: ein Elektroauto ist mehr als Batterien, Software und E-Motor. Die altmodische Kunst, eine Karosserie und ein gutes Fahrwerk zu bauen, wird unterschätzt. Trollhättan hat Erfahrung in diesen Dingen, wie sonst wäre zu erklären, dass das Saab 9-3 EV leiser über die Strecke rollt als der Tesla S?

Und: es steckt Potential in dem Saab 9-3 EV Prototypen. Die Premiere vor ein paar Wochen war mit Sicherheit nicht ganz glücklich, aber es kommt auf die inneren Werte an. Dort scheint alles im grünen Bereich zu sein. Mit Luft nach oben. Schön wäre es, wenn die elektrischen Optionen nicht nur Träume bleiben würden. Sondern bald Wirklichkeit.

Quelle: ebilen i sverige / Bilder: nevs

Übersetzung und Anmerkungen: tom@saabblog.net

10 thoughts on “Saab 9-3 EV Probefahrt

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    Mutig von NEVS, sich journalistisch öffentlich mit Tesla zu messen!
    Das eine „in die Jahre gekommene“ Karrosserie nicht unbedingst ein Nachteil ist: BRAVO SAAB! Die „inneren Werte“ haben noch Potential nach oben!!! Und da zeigt sich dann, WENN es einen EL-SAAB geben sollte, das dies noch dauern wird…. Das die Entwicklung daran, trotz finanzieller Engpässe, noch stattfindet, finde ich beachtlich! NEVS will nicht aufgeben/untergehen.
    Es zeigt aber auch, welch´ immenser Finanzbedarf von Nöten ist!!! Mögen die jetzigen Sitzungen um das Überleben von SAAB von langfristigem Erfolg gekrönt sein! 🙂

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    Ich muss den Hut vor NEVS ziehen, in der schwierigen Situation Pressearbeit zu leisten und weiter zu entwickeln. Absolut – Hut ab, für mich ist das ein starkes Signal für ausgeprägten Überlebenswillen. Danke mal wieder an Tom, der sicher kein NEVS Fan ist, und die Zeit mitbringt und so fair ist den Artikel für uns zu übersetzen 🙂

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      Hut ab für die Pressearbeit von NEVS… da spalten sich aber die Geister 😉

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    Nice
    I want One!

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    Vielen Dank für die Übersetzung. Auch wenn es nur ein Protoyp ist, verstehe ich die NEVS- Ackerpräsentation jetzt noch weniger.
    „… In der Serie wird ein anderer Antriebsstrang zum Einsatz kommen … Batterien… später in der Serie eine Wasserkühlung erhalten. An der Rekuperation, der Rückgewinnung von Energie beim Bremsvorgang, wird noch gearbeitet. …
    … in der späteren Serienvariante wird eine stärkere Batterie zum Einsatz kommen. …
    … auch das Armaturenbrett wird für die Anforderung eines Elektroautos angepasst. …
    … Anders gesagt: der Anfahrmodus ist noch nicht fertig entwickelt. …“
    Das alles klingt für mich eher nach einem noch sehr langen Weg, bevor wer auch immer unter welchem Namen auch immer die Ergebnisse in eine Produktion wo auch immer einfließen lassen könnte.

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      Der Artikel transportiert für NEVS zwei wichtige Botschaften. Die muss man kennen um die Motiviation zu begreifen. Vor einigen Tage ging durch die schwedische Presse dass NEVS sämtliche Entwicklungsarbeiten bereits im Dezember 2013 gestoppt hätte. Woher die Meldung kam ist unklar. Das soll nicht zutreffen, NEVS entwickelt weiter, trotz Geldknappheit. Siehe Artikel.
      Und natürlich der Verweis auf Tesla. Wenn schon der Prototyp leiser unterwegs ist als der hochgelobte Tesla S, noch dazu mit einer „alten“ Karosserieform, dann schaut – wir haben Potential für viel mehr.

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        Ah, ok. Der erste Punkt ist an mir vorbei gegangen, danke.

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        Also diese Logik erschließt sich mir jetzt nicht ganz. Nur weil der Tesla lauter ist (das möchte ich im übrigen gerne mit Messwerten bewiesen haben) als der Saab-Prototyp, wird die Serienversion dann in allen Belangen besser sein oder gleich auf sein?
        Vielleicht ist er auch nur leiser und dafür im Kapitel “el. Antrieb“ schlechter als der Tesla. Aber was ist wohl bei einem E-Fahrzeug wichtiger?

        Immerhin die 8,5s und 300km sind schon fast auf Tesla Niveau

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    Abstimmung und Straßenlage scheinen gut, ich nenne das mal gute Nachrichten 🙂

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    Na ja, es gibt diverse Bausätze für E- Autos sogar für den Käfer. Die Resultate scheinen nicht schlechter … nehme ein Chassis und baue etwas elektrisches rein … ich hoffe Mahindra hat noch andere Ideen 🙂

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