Schafft NEVS die Wende – Ergebnis

Wenn man eine Umfrage startet, dann hat man meist eine Prognose über den Ausgang zur Hand. Im aktuellen Fall lautete sie so: auf die Frage “Schaffte NEVS die Wende” und die Antwortmöglichkeiten Ja-Nein-Egal rechnete ich mit einem 30-60-10 Ergebnis.

SAAB Umfrage - schafft NEVS die Wende?
SAAB Umfrage – schafft NEVS die Wende?

Womit ich völlig daneben lag !  40 % der Leser sind der Meinung, dass NEVS die Dinge auf die richtige Bahn bringt, 39 % sehen die Möglichkeit nicht. Ein knappes, schmeichelhaftes Ergebnis für NEVS, das mich überrascht. Der Vertrauensbonus in der Community ist höher als vermutet. Aber gleichzeitig auch eine Blamage, wenn wir genauer hinschauen. Denn mehr als jeder 5. Leser findet den Ausgang “Egal”. NEVS ist nur ein Unternehmen, steht aber nicht für Saab.

NEVS = SAAB? Jeder Fünfte sieht das nicht so.

Wenn nach zwei Jahren NEVS 21 % dieser Meinung sind, dann ist das zuerst mal ein Desaster für die Verantwortlichen in Trollhättan. Es ist die Retourkutsche für 24 Monate kalte Schulter zeigen und für eine fehlgeleitete Fokussierung auf den chinesischen Markt. Eine Ausrichtung, an der man noch festgehalten hat, als längst klar gewesen sein muss, dass Partner Quingdao die zugesagten Verpflichtungen nie erfüllen würde. Was im gleichen Atemzug das Ende der China-Strategie und das Aus für das Montagewerk bedeutete.

Eigentlich, im Rückblick, war und ist die Situation grotesk. In Europa hat die Marke eine Kundenbasis, aber das Management zieht es nach China. Andere chinesische Marken wie Qoros und Brilliance, hier so gut wie unbekannt, drängt es förmlich nach Europa. Brilliance erwägt in Italien zu investieren, eine FIAT Fabrik soll auf der Einkaufsliste stehen. Qoros könnte zum Jahresende in Schweden präsent sein, jedes in Europa verkaufte Auto ist ein Zugewinn an Prestige für die Neueinsteiger.

Saab, die Traditionsmarke aus Schweden,  ist als Selbstläufer auch drei Jahre nach Ende der Produktion in der Presse und TV präsent. Fahrzeuge wie die 9-5 NG Sportkombis sind gern beschriebene Objekte der Motorpresse, in Youngtimer-Zeitschriften wird mehr über die Marke geschrieben als jemals zuvor. Leider hat man es zu keinem Zeitpunkt verstanden, diesen Heimvorteil zu nutzen.

Bekommt NEVS eine zweite Chance?

NEVS liest auf dem Blog mit, das Ergebnis wird in der Stallbacka keine Begeisterung auslösen. Es liefert aber, da bin ich sicher, Stoff zum Nachdenken. 40% der Leser gehen von einem guten Ende aus, das ist kein überzeugendes Votum.

NEVS Umfrage in Schweden. Mehr Optimismus als in Deutschland.
NEVS Umfrage in Schweden. Mehr Optimismus als in Deutschland.

Im Heimatland sieht man die Lage, nach der Rücknahme des Konkursantrags, mit wesentlich mehr Optimismus. Dort hatte man mit Neuwagen Flagge gezeigt, was sich auszahlt. Auf die Frage, ob NEVS neues Kapital bekommt und dann in Trollhättan das Gaspedal durchtritt, antwortet die Mehrheit der schwedischen Auto-Motor-Sport Leser mit Ja.

Eventuell – wir alle hoffen es – bekommt das Unternehmen wirklich seine Probleme in Griff und erhält damit eine zweite Chance. Ein Neustart mit Fokus Europa wäre die einzigste logische Konsequenz. Dort, wo die Marke ein Händlernetz und Kunden hat.

Text: tom@saabblog.net

15 Gedanken zu „Schafft NEVS die Wende – Ergebnis

  • Über dieses Abstimmungsergebnis muss sich wohl keiner wundern. NEVS schon gar nicht. Das meine SAABs noch laufen, habe ich meinem TOP-Händler und SAAB-Parts zu verdanken. Händler und Kunden wurden doch völlig ignoriert. Wir waren dort Luft. Hier sprach man vom Export aus Schweden oder sonst woher. NEVS arbeitet im Moment in Europa ohne Netz und ohne Boden. Vertrauen und Willen hier was zu Tun sieht anders aus. Dann müsste bald etwas passieren. Wie kann man bloß soviel Markentreue links liegen lassen. Einfach fatal. Auch Kritik muss man abkönnen und einen Umkehreffekt einleiten. Da lassen mich 4 SAAB EV erst einmal völlig kalt. Gruß aus dem Norden

  • Die Nevs-Leute waren und sind Anfänger in der Autoindustrie, mit einer offenbar technisch innovativen Teillösung für den E-Antrieb und einer limitierten, schon nach anderthalb Jahren gescheiterten Business-Idee. Diese Leute haben in der Autoindustrie als Entscheidungsmacher nichts zu suchen. Das ist ein brutales Geschäft, wo selbst erfahrene Grosskonzerne vor dem Ausscheiden stehen. Eine weitere Rolle für diese Leute sehe ich nicht, ausser allenfalls als technische Entwickler für ihr Teilprojekt.
    Ein Überleben wird es für Saab nur geben, wenn ein grosser Konzern mit prall gefüllten Taschen und einem gesicherten Cash-flow für Jahre sehr hohe Investitionen in die Modell-Entwicklung, das Händlernetz etc. steckt, und eine starkes Management anheuert. Bei nur schon zwei Teilhabern ist die Führung und Strategie unklar und widersprüchlich. Alles andere sind Phantasieprodukte. Am besten es ist ein Autokonzern, bei dem sich effektiv Synergien ergeben. Weder Mahindra noch Dongfeng sind optimale Lösungen, weil sich wohl wenig Synergien ergeben. Der Vergleich von Mahindra und Saab mit Tata und Jaguar/Land Rover liegt vollkommen daneben. Tata übernahm ein von Ford während Jahren unterhaltenes Unternehmen, während Saab nach GM / Pleite, Spyker / Pleite, / Nevs /Pleite keine Produkte, keine grosse Entwicklung, ein kaputtes Händlernetz und ein ruiniertes Prestige hat. Halbgare Projekte helfen nach einer solchen Katastrophe nicht mehr.

    • Ein super Händlernetz haben die wenigsten Kleinserienhersteller.

      Jaguar wird selbst Jahre nach der Übernahme durch Tata häufig noch in Ford-Filialen mitbetreut – eigenständige Jaguar-Händler findet man doch kaum. Ich finde, zumindest hier im Norden der Republik, gibt es häufiger kleine SAAB-Stützpunkte als Jaguar-Betriebe.

      Sollte M&M zuschlagen, könnten sogar Ssangyong-Händler (Mahindra ist bekanntlich mittlerweile Eigentümer) zusätzlich bei Interesse unsere altbekannte Marke anbieten.

      Das Image von SAAB ist sicherlich etwas angekratzt. Dies kann aber unter der Ägide eines gut geführten Konzerns eigentlich nur wieder besser werden – unter M&M sehe ich da keine Probleme. Die Internet-Seiten für den Ssangyong Korando hat man beispielsweise schon mal recht gut hinbekommen.

      Übrigens sollte man die unter NEVS weitergeführte PHOENIX-Plattform nicht als “keine große Entwicklung” abtun. Ich denke, schon die jetzige Entwicklungsstufe kann sich mit Sicherheit sehen lassen – Dongfeng hätte sonst bestimmt kein Interesse gezeigt. Außerdem ist NEVS bisher nicht in Konkurs gegangen.

  • Wenn M&M als Anteilseigner dabei ist, wird E-Mobilität vermutlich nicht im Vordergrund stehen – man möchte nach eigenen Aussagen vor allen Dingen das Premium-Segment bedienen und somit in Konkurrenz mit den bekannten Modellen der bekannten Hersteller treten.

    Zusätzliche Hybrid-Modelle auf der PHOENIX-Plattform sind somit natürlich Pflicht!

    Sollte doch ein anderer Anteilseigner zum Zuge kommen, wird die Ausrichtung vielleicht doch erstmal unklar sein – für Dongfeng (der Dritte im Bunde) wird vermutlich nur die neue Plattform von Bedeutung sein. Was die dann damit in China machen, ist für Europa ohne Bedeutung – den Namen SAAB dürfen sie ohnehin nicht verwenden.

  • Die Situation wirft aber trotzdem noch mehr Fragen auf als je zuvor. Fakt ist, dass man mit der Marke Saab a) in den europäischen Markt muss (+ evtl. Nordamerika) und b) Verbrennungsmotoren her müssen. Ansonsten lässt sich in naher Zukunft kein Umsatz, geschweige denn Gewinn einfahren. Aber wie wird NEVS (National ELECTRIC Vehicle Sweden) darauf reagieren?

    @Tom: NEVS hat ja 2 asiatische Verhandlungspartner. Drängen diese vielleicht auch auf die nicht-E-Strategie?

    • Soll heißen: Es wird sich in nächster Zeit klarer als je zu vor abzeichnen, ob Saab eine Zukunft haben wird oder nicht. Je nachdem welchen Weg NEVS einschlägt. Halten Sie an der E-Strategie fest oder schaffen sie die Wende in den eigenen Reihen?

    • Je nach dem wer in welcher Form einsteigt wird alles auf den Prüfstand stehen. Wie die zukünftige Ausrichtug sein wird ist nicht klar.

  • Nicht nur Enttäuschung . Ich muß sagen ich bin regelrecht wütend . Zuerst war ich wütend auf GM weil das mit Youngman nicht geklappt hat . Nachdem man aber gesehen hat wie das mit Youngman und Spyker anschließend gelaufen ist muß ich sagen : wer weis für was es gut war. Dann war ich wütend das die Insolvenzverwalter ausgerechnet diese E-Auto Freaks ausgesucht haben , und jetzt bin ich wütend auf NEVS , weil die wie schon hier mehrmals gesagt es in 2 Jahren nicht geschaft haben für “Ihre Kundschaft ” damit meine ich Europa , etwas zu Wege zu bringen . Sämtliche Verbesserungen der Lage für uns Saabfans gehen auf Saab Parts zurück und nicht auf NEVS . Und ich werde sehr wütend auf diese Chinaexperten sein wenn ich in 1 bis 2 Jahren mir etwas Anderes als einen Saab kaufen muß.

  • Das deutsche Umfrageergebnis repräsentiert wahrscheinlich auch die Enttäuschung, die viele Saab-Anhänger hier erfahren haben. NEVS hat es tatsächlich 2 Jahre lang nicht geschafft die vorhandenen Nachfrager zu bedienen. Stattdessen wollten sie neue Märkte erschließen, weit weg von Bodenständigkeit und Rationalismus. Gerade das sind doch Prädikate, die viele deutsche inne haben.

  • Habe gerade dieses Video gefunden, wer es noch nicht kennt …. deshalb wissen wir, weshalb wir SAAB brauchen,

    • So einen hatte ich auch mal, aber mit Schrägheck. In der gleichen Farbe: Indian Yellow! Waren das Zeiten!

    • DANKE dem saabler! Wenigstens das Video macht in diesen Zeiten gute Laune! 🙂 Die pure Freude, wenn ein SAAB vor der Haustür steht…

  • Das Ergebnis verwundert micht überhaupt nicht. NEVS hat zu keinem Zeitpunkt den Markt vorbereitet. Weder Anzeigen geschaltet, noch den Dialog mit den Kunden gesucht. Sollte die Tredwende gelingen, dann ist Umdenken und harte Arbeit angesagt damit daraus eine Erfolgsgeschichte werden kann.

  • Meine Rede , wieso versucht man in China Saabs zu verkaufen obwohl die dort keiner kennt und bei Null anfangen muß und in Europa und Amerika wo Saab einen Namen hat und es Vertriebswege und mögliche Kunden gibt will man nichts davon wissen. Ich hoffe die NEVS Leute lesen hier mit und vor allem hoffe ich das die sich das was hier geschrieben wird auch zu Herzen nehmen und in ihren Entscheidungen was die Zukunft von Saab anbelangt auch einfliesen lassen . Die alte Kundschaft bei Saab zurück zu gewinnen geht , gerade bei Saab , erst mal einfach .Ich glaube es gibt weltweit keine andere Marke bei der die Fahrzeuglenker so treu , ja schon fast schon stur zu ihrer Marke stehen wie bei Saab. Dann kann und muß man natürlich auch nach neuer Kundschaft schauen. Wie war nochmal ein Kommentar bei der Liste der meisst gewollten Autos aus England : Saab wird gebraucht – was soll man den sonst kaufen . Ich finde diese Aussage so schön , die sollte der neue Werbeslogan werden. Vor allem aber sollte dieser Satz von den NEVS Verantwortlichen gelesen und verinnerlicht werden.

    • Zurück gewinnen ist das richtige Wort. Ob das so einfach ist, wage ich zu bezweifeln. Auch SAAB Fahrer sind keine Leibeigenen und Bittsteller. Ein wirklich schlüssiges Geschäftskonzept habe ich seit Jahren von keinem der Investoren gesehen, deshalb ist die Bereitschaft und das Vertrauen, um hier ein weiteres Mal zu investieren auf dem Nullpunkt. NEVS ist NICHT SAAB genau so wenig wie es GM oder VM war.

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