Erster Saab 9-5 II Sportkombi auf Schwedens Strassen.

In Schweden kam jetzt ein langer Krimi zu einem glücklichen Ende. Es klingt vielleicht ein wenig verrückt, aber es ist wahr. Erst jetzt wurde der erste Saab 9-5 II Sportkombi in Privatbesitz in Schweden zugelassen. Die Geschichte dahinter ist unglaublich und zeigt, dass in der EU trotz gültigen Rechts nicht alles so einfach ist, wie es sein sollte.

Saab 9-5 II bei der Zulassungsstelle
Saab 9-5 II bei der Zulassungsstelle

Wir alle erinnern uns an die Saab Auktionen, als Fahrzeuge der Vorserie und des Modelljahrs 2012 zum Aufruf kamen. 18 Sportkombis wurden damals verkauft, und vier von Ihnen sind auf Deutschlands Strassen unterwegs. Ein Saab 9-5 Sportkombi aus dem Modelljahr 2012, ein Vector mit 1.6 Liter Turbomotor und 180 PS, wurde für 186.500 Schwedenkronen von Michèl Annink ersteigert. Er ist schwedischer Staatsbürger und  Saab Fan seit seinem 11.oder 12. Lebensjahr. Der 9-5 ging nach der Auktion nach Kiel, wo sich Saab Service Kiel um Abnahme und Zulassung kümmerte. In Kiel ist man Spezialist für diese seltenen Fahrzeuge, also kein Problem.

Mit den Papieren aus Kiel startete Michèl Annink nach Schweden, fuhr durch Deutschland, Dänemark und sein Heimatland, wo die Passanten an der Strasse die Köpfe nach dem Saab verdrehten und das Fahrzeug fotografierten. Was er damals nicht wusste – es sollte die letzte Fahrt sein – für eine  lange Zeit. Zurück aus Deutschland ging er zur Zulassungsbehörde, um das Fahrzeug mit deutschen Papieren auf schwedischen Strassen zuzulassen. Eigentlich ein Kinderspiel innerhalb der EU, denn die rechtliche Situation ist klar geregelt.

Die schwedische Behörde weigerte sich und zweifelte die Gültigkeit der deutschen Papiere an. Die deutschen Stellen hätten bei der Zulassung einen Fehler gemacht, wurde argumentiert, und die Behörde ignorierte damit geltendes EU Recht. Denn Zulassungsdokumente eines anderen EU-Mitglieds sind in anderen Mitgliedsländern gültig, die Genehmigung zur Inverkehrbringung ist zu erteilen. So vergingen mehr als 4 Monate mit der Prüfung, aber Michèl Annink gab nicht auf.

Er nahm Kontakt mit dem EU-Parlament auf und bekam dort die Bestätigung, dass die schwedischen Behörden im Unrecht seien. Er verfasste eine Klageschrift und war zum Schluß bereit, für die Zulassung des Saabs vor den europäischen Gerichtshof zu ziehen. Bei einem ähnlichen Fall in Belgien hatten die nationalen Institutionen verloren und mussten die Zulassung erteilen.

Dann plötzlich, nach gut 10 Monaten, lenkte die Behörde ein. Vorgestern war der Termin bei “Bilprovningen”, die Papiere wurden geprüft und akzeptiert. In Schweden ist die Meldung eine kleine Sensation. Bilsport und Auto-Motor-Sport berichten drüber, und das schwedische Fernsehen hat ebenfalls bei Michèl Annink angefragt.

Eine gute Nachricht für die anderen schwedischen Besitzer eines Saab 9-5 II Sportkombis oder auch eines Saab 9-4x. Denn sie alle haben das gleiche Problem wie Michèl Annink und noch keine Dokumente, welche die Zulassung ermöglichen. Er hat es geschafft, wartet nur noch auf seine schwedischen Nummernschilder, dann fährt der erste Saab 9-5 II Sportkombi in Privatbesitz über die Strassen seines Heimatlandes.  Michèl Annink ist glücklich, die Geschichte gut ausgegangen. Der Saab ist für ihn ein besonderes Auto für besondere Tage. Und vielleicht etwas mehr. Wir wünschen allzeit gute Fahrt!

Text: tom@saabblog.net

Bilder: Michèl Annink (1), Saab Service Kiel (6)

11 Gedanken zu „Erster Saab 9-5 II Sportkombi auf Schwedens Strassen.

  • 7. November 2013 um 11:42 AM
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    Hartnäckigkeit zahlt sich eben aus 😉 Glückwunsch an den stolzen Besitzer!

  • 7. November 2013 um 11:49 AM
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    YES, GLÜCKWUNSCH!
    Schön, dass es geklappt hat!
    Wäre ja auch etwas pervers gewesen, wenn dieses (tolle) schwedische Auto in Schweden nicht auf die Straße gedurft hätte (unglaubliche Geschichte!).
    Super auch, dass sich die Medien für diesen Zulassungs-Marathon interessieren.
    Saab in der Presse ist immer gut – vor allem, wenn es sich um so ein seltenes Exemplar handelt 🙂
    Tom, es wäre schön, wenn Du uns über die Veröffentlichung diesbezüglich auf dem Laufenden halten würdest – sofern Du Zugang dazu hast.

  • 7. November 2013 um 1:00 PM
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    Einmal mehr zweifle und verzweifle ich ob dieser Geschichte – bei aller Liebe zu Saab – am schwedischen Staat.

  • 7. November 2013 um 2:52 PM
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    Was ist denn nur mit den schwedischen Behörden los ???????

  • 7. November 2013 um 6:02 PM
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    Glückwunsch nach Schweden an den SAAB-Besitzer! Klasse Fahrzeug, gut aufpassen auf das schöne Stück! Hartnäckigkeit zahlt sich eben aus…..eine peinliche Nr. für die schwed. Behörden!

  • 7. November 2013 um 8:11 PM
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    Wenn der schwedische Amtsschimmel wiehert , lacht Europa . Man sollte die Namen schwedischen verantwortlichen Beamten veröffentlichen.

  • 7. November 2013 um 9:04 PM
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    Na manchmal ist die EU doch zu was zu gebrauchen! …..ist das in Schweden auch der Amtsschimmel oder der Amtselch?? oder der Amtstroll??

  • 7. November 2013 um 10:36 PM
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    Meinen aufrichtigen Glückwunsch an den tapferen Michel Annink:
    Ich bin freier Nutzfahrzeughändler und kann jeden Buchstaben der Geschichte voll bestätigen.
    Bis hoch in das Schwedische Verkehrsministerium nur intolerente verstaubte Bürokraten,die durch unzählige Auflagen versuchen freie Importe in das Land zu verhindern.
    EU-Gesetze interessiert die Leute dort nicht die Bohne.
    Weiterhin ist in Schweden die gesamte Einfuhr “gläsern”.
    Innerhalb eines Tages haben SCANIA und VOLVO Kenntnis davon,daß ein Neufahrzeug-LKW aus der EU in ihren Hochpreismarkt eingeführt worden ist.
    Dem EU-Markenhändler,der dieses Fahrzeug verkauft hat,wird vom Konzern sofort die gesamte Verkaufshilfe rückbelastet.
    Das sind in der Regel zwischen 4.000.- bis 9.000.-Euro.
    Wenn er “Glück” hat, darf er seinen Händlervertrag behalten.
    Und in der Folgezeit nur Schikanen vom Importeur ,um ihn kleinzukriegen.
    Natürlich immer nur “unter der Decke” – niemals schriftlich.
    Da könnte ja vielleicht mal jemand nach Brüssel gehen.
    Aber dort wird man an den Europäischen Gerichtshof verwiesen.
    So zeigt sich wie gut die Lobbyisten arbeiten..
    Und unsere korrupten Politdeppen erzählen dem Wahlvolk Märchen von einem gemeinsamen und freien Markt.
    Aus meiner 30jährigen Erfahrung kann ich nur sagen:
    Es ist alles noch viel schlimmer geworden.
    Protektionismus in Reinkultur.
    Herzliche Grüße.
    Peter Witzel.

  • 7. November 2013 um 10:50 PM
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    Wahrscheinlich können die Behörden in Schweden selber nicht glauben, dass einer von nur zwei nationalen Automobilherstellern ganz offiziell den Bach runtergehen darf, wenn dieser doch eigentlich gerade sein erstes SUV und den schönsten Kombi der Welt am Start hat …

    Nein, dass muss tiefere Ursachen haben und die Fahrzeuge können (noch) gar nicht zulassungsfähig sein.

    VM mit dem Rücken an der Wand wäre DIE Gelegenheit für den schwedischen Staat gewesen, sich billig bei SAAB einzukaufen und SAAB in den kommenden Jahren auf einen GM-freien Weg zu bringen. Ich könnte Köttbullar kotzen – heute noch, wenn ich nur daran denke.

  • 8. November 2013 um 12:27 PM
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    “Ich könnte Köttbullar kotzen – heute noch, wenn ich nur daran denke”
    Volltreffer – absolut richtig! Ergeht mir auch so beim Gedanken an die SAAB Pleite.

  • 8. November 2013 um 1:24 PM
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    Das Hauptproblem in der EU sind nicht die Gesetzgebungen in Brüssel, sondern die lokalen Behörden und Politiker in den Mitgliedsstaaten , diese offenen Hände wollen gefüllt sein

Kommentare sind geschlossen.

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