Nachlese. IAA Rundgang 2013.

Mit etwas Glück war 2013 die letzte IAA ohne Saab Beteiligung. Denn in Schweden stehen die Zeichen auf Aufbruch, und 2015 könnte man nach zwei versäumten Messen erneut beteiligt sein. Auch ohne Saab sind wir – irgendwie heimatlos – über die IAA geschlendert. So richtig Begeisterung wollte, bis auf eine Ausnahme, nicht aufkommen. Und irgendwie gab es dieses Mal keinen richtigen Trend. Vier Themen sind mir in diesem Jahr dennoch aufgefallen. Los gehts!

Saabblog Team unterwegs auf der IAA 2013
Saabblog Team unterwegs auf der IAA 2013

Thema 1: Elektroauto.

Parkt man seinen Saab im Rebstock Parkhaus, spuckt der Park & Ride Bus den Besucher zwangsläufig vor der BMW Halle aus. Ob man es will oder nicht…man besucht den Münchner Autobauer. Ein cleverer Schachzug, der auch erklären könnte, warum die Bayern auf Maximaldistanz zu Ingolstadt und Stuttgart gegangen sind. Räumlich gesehen.

BMW steht ganz im Zeichen von Elektromobilität. Die Serienversion des i3 ist da und sieht nicht viel anders aus als die Studie. Ein wirklich schönes Auto ist es nicht geworden, zumindest keines, was bei mir den „Haben-Will-Reflex“ auslöst. Der i3 ist eine Mischung aus „Ich mache mal was ganz Neues“ und „Ich muss aussehen wie ein Elektroauto„. Was die Frage aufwirft, warum ein Mittelklasse E-Mobil immer zwanghaft anders aussehen soll. Bringt NEVS den Elektro 9-3, dann wird er die Karosserie der konventionellen Varianten tragen, mit kleinen Designvariationen vielleicht. Mittlerweile finde ich diese Art von Elektromobilität als die optisch Sympathischere.

Dass BMW auch immer noch schön kann, sieht man am Sportwagen i8, der 2014 kommt. Richtig aufregendes Design in bester Münchner Tradition, trotz der Batterie unter der Haube. Aber der i8 geht auch mehr in Richtung Fisker, und nicht nur er. Im Innenraum des i3 spielt BMW ebenfalls die Fisker Story. Die Marke Fisker selbst klopft, wenn sie nicht doch in letzter Sekunde noch gerettet wird, gerade an den Toren von Wallhall.

Das ist schade, denn Fisker zeigte uns, dass Elektroautos für Herzklopfen sorgen können und brachte neue Ideen in den Innenraum. Ethisch einwandfreie Materialien, wie zum Beispiel offenporiges Holz, welches nicht von Plantagen, sondern aus Totholz-Beständen stammt. BMW macht genau das jetzt nach. Gegen deftigen Aufpreis. Aber erfunden haben das andere.

Wird das Elektroauto ein Trend? Eventuell schiebt BMW kräftig an, in zwei Jahren werden wir mehr wissen. Denn die Ausstellungsfahrzeuge waren dicht umlagert, hier zieht ganz klar die Strahlkraft der Marke BMW. Aber in anderen Hallen, zum Beispiel bei Chevrolet oder Opel, interessierte sich kaum jemand für Batterieautos.

Thema 2: Die Chinesen.

Die IAA ist die Leitmesse der Autobranche. Erstaunlich, dass Newcomer Quoros nicht dabei war. In Genf feierte man Europapremiere, seitdem ist es ruhig um das israelisch-chinesische Joint Venture geworden. Schwächelt man etwa? Dabei, wie schon vor zwei Jahren, war als einzigster Vertreter der Volksrepublik der Hersteller Changan. Nicht dass wir uns den Namen merken sollten. Auch die SUVs und die Limousinen können wir gleich nach dem Artikel wieder vergessen.

Der Slogan des Herstellers „Changan drives the World“ zeigt, wie man sich selbst sieht. Aber immerhin zwei Dinge fallen dabei auf. Zum einen haben die Chinesen große Fortschritte im Design gemacht. Auch wenn der Innenraum eines Changan immer noch an eine krude Mischung aus Dacia Design und 80er Jahre Japanstyle erinnert. Was die eine Sache ist.

Eine andere ist die offensichtliche Kluft zwischen Qoros und Changan. Ersterer könnte als Produkt in Europa Achtungserfolge einfahren. Letzterer taugt nur für Schwellenländer. Was uns zeigt, dass die staatlich gelenkte Industriepolitik immer noch, wie schon seit Jahren, an der Masse der über 100 Hersteller scheitert. Eine einheitliche Führung, die asiatische Nationen wie Korea und Japan in der Autobranche nach vorne gebracht hat, ist immer noch nicht zu erkennen.

Thema 3: Die Studien.

Studien werden gerne gezeigt, wenn man aktuell nichts zu zeigen hat. Manche haben Realitätsbezug und nehmen die Serie vorweg, andere zeigen nur Orientierungslosigkeit. Jaguar zeigt mit dem C-X17 die erste SUV Studie der Marke, durchaus mit realistischem Hintergrund. Zwar wird auf der gezeigten Plattform zuerst ein Mittelklasse Jaguar kommen, der Audi A4 und 3er BMW Marktanteile abjagen könnte. Aber dann gibt es den ersten Geländewagen der Raubkatze. Was keine schwere Übung sein wird. Denn beste DNA liegt bei Tochter Landrover im Regal. Man muss nur zugreifen.

Bei Subaru konnte man das WRX Konzept bestaunen. WRX – diese drei Buchstaben sind schon Legende. Ältere Subarus dieser Serie haben eine feste, eingeschworene Fangemeinschaft auch in Deutschland, und die schnellen Kisten sind Kult. Kaum ein Japaner hat das geschafft, was Subaru sich da erarbeitet hat. Die Studie gibt einen Ausblick auf das, was kommt. Breiter und flacher als bisher, natürlich mit Boxermotor und mit Turboaufladung. Subaru Fans können sich freuen!

Bei Opel stand das Monza Concept auf dem Stand. Der Name kommt von einem lang entschlafenen Opel Oberklasse Coupe, der Bezug zur Realität ist gleich Null. Die Designsprache von Opel wird damit weitergeführt, der Kühler zitiert Elemente des Opel Adam. Der Flügeltürer geht natürlich nicht in Serie, und ich wage mal zu behaupten, dass es auch niemals wieder ein Oberklasse Coupe aus Rüsselsheim geben wird. Opel verliert immer noch Marktanteile, auch wenn einige Modelle sich ordentlich verkaufen. Das größte Problem bei Opel ist eben der Markenname, der viele Jahre negative Presse erleiden musste und schwer beschädigt ist. Eine Aussage übrigens nicht von mir, sondern aus einem Interview des Opel Chefs gegriffen.

Die Studie wird, das sind wir als Saab Fans aus der GM-Zeit gewöhnt, irgendwann im Opel-Fundus landen, und damit ist deren Geschichte am Ende. Die Felgen des Monza Concept Autos übrigens sehen so verdammt nach den Felgen verschiedener Saab Studien aus. Mal wieder keine neue Ideen bei Opel, sondern Turbinendesign neu interpretiert.

Thema 4: Die Italiener.

Ich habe so eine kleine Schwäche für italienische Autos. Der letzte Italiener in meinem Besitz war ein Alfa GTV mit dem herrlichen V6 Motor. Der Klang brennt sich irgendwo in die Erinnerung ein, und ein klein wenig Alfa Leidenschaft steckt immer noch in mir. Umso trauriger ist ein Besuch in der italienischen Halle. Die ist nur auf den ersten Blick voll, denn die Besucher sind Maserati und Ferrari geschuldet. Die Sportwagen ziehen an und ein Bild zusammen mit einem Fahrzeug aus Maranello ist erstrebenswert.

Sonst aber sieht es gruselig aus. Da wäre Lancia, eine große Marke, die man einfach nicht sterben lässt. Der Lancia Stand ist so wenig besucht, dass wir eine Decke ausbreiten und dort ein schwedisches Picknick hätten einlegen können. Gestört hätte es niemanden, und vielleicht wäre das Personal glücklich über unseren Besuch gewesen. Mit Lancia Label versehene amerikanische Chrysler Massenware interessiert niemanden, die Marke und mein Herz für diese Autos leiden.

Stirbt Alfa in Schönheit – oder kommt das Comeback? Nicht nur gefühlt werden es bei Alfa Romeo immer weniger Modelle. Der Alfa 159 ist nicht mehr, von großen Fahrzeugen wie einem 166 wollen wir gar nicht erst reden. Der ist, wie auch der Spider, schon lange im Jenseits der Autoträume. Hoffnung bereitet nur noch der fabelhafte 4c, der mich in Genf so begeistert hatte. Die Auslieferung soll im Oktober beginnen, aber nur 3.500 Exemplare wird es pro Jahr geben. Trotzdem, wir drücken der Mailänder Marke die Daumen!

Und Fiat? Fiat ist Kleinwagen. Das Zugferd ist der 500, und Fiat gibt offen zu, damit überwintern zu wollen, bis die europäische Autokrise überwunden ist. Denn Krise ist wirklich !  An allen Ständen bemühte man sich offensiv um die Kunden, was in Frankfurt nicht immer so war. Hoffen wir, dass die Krise vorbei geht und in Italien niemand vergisst, in den Comeback-Mode zu schalten. Sonst sehen wir bald nicht mal mehr Kleinwagen.

Was hat mir bei der IAA 2013 wirklich gefallen? Mein einzigstes Highlight kam, wie soll es anders sein, aus Schweden. Zwangsläufig diesmal aus Göteborg. Darüber schreibe ich im nächsten Artikel.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

5 Gedanken zu „Nachlese. IAA Rundgang 2013.

  • Der Bildbericht gefällt mir weil es eine andere Sichtweise wie die Presse hat. Meiner Meinung nach natürlich!

  • Nicht nur die Felgen… auch die Linienführung in der Frontpartie und das Heck kommen mir sehr bekannt vor. Kopiert vielleicht nicht, aber…. inspiriert.

    Vor der Anschaffung des SAAB hatte ich auch mich mit der Anschaffung eines Alfa 159 getragen, aber die Finanzierung konnte ich damals nicht zusammenbringen. Es ist schade, daß Alfa sich auch auf das Klein- und Kompaktwagensegment einschränkt… aber gut, das sind die Autos, die grade in den südeuropäischen Ländern noch gut laufen. Und außerdem haben die Italiener verstanden, daß man _bella figura_ auch ohne dicke S-Klasse machen kann.

    Was mich wirklich vom Hocker reißen würde, wäre eine Limousine wie der Lancia Gamma (aber bitte mit überarbeitetem Nebenaggregatantrieb ;))… aber da werden wir wohl lange drauf warten dürfen.

  • Ja, um die Italiener ist es richtig schade. der 159 hatte ein Superdesign, ein Lichtblick im Einheitsbrei auf deutschen Straßen und sah nicht so nach Baumarkt-Tuning aus wie einige süddeutsche Modelle. Der 166 war einfach edel! Der 9000 hat bei seiner Entwicklung glücklicherweise etwas von diesen Genen abbekommen.
    Lancia ist zur Chrysler-Resterampe verkommen.

    Was die Neuwagenkrise angeht, habe ich das Gefühl, dass sehr viele inzwischen gelangweilt sind, weil sich nicht wirklich etwas in der Fahrzeugentwicklung tut. Die neuen Modelle werden bis zum Erbrechen mit sinnfreier Elektronik vollgestopft, die nicht wirklich hilft und immense Reparaturen verursacht.
    Ich höre in letzter Zeit öfter, dass solide „Youngtimer“ – zumindest für den Privatgebrauch – weitergefahren werden, weil die allenfalls mal mechanische Probleme haben, die lösbar sind.
    Hinzu kommt der gigantische Wertverlust der Neuwagen, dafür könnte man an einem alten Auto ganz schön lange reparieren…

  • „Thema 2: Die Chinesen. Die IAA ist die Leitmesse der Autobranche. Erstaunlich, dass Newcomer Quoros nicht dabei war. In Genf feierte man Europapremiere, seitdem ist es ruhig um das israelisch-chinesische Joint Venture geworden. Schwächelt man etwa?“

    Dank der tollen Entwicklungsarbeit ehemaliger Saab Ingenieure konnte Qoros mit seinem in Genf vergestellten Qoros 3 als erster chinesischer Hersteller im Euro NCAP Test 5 Sterne erreichen und damit den bisherigen Spitzenreiter und Konkurrenten aus Fernost, Geely mit 4 Sternen, überholen. Der Wagen soll lt. Pressesprecher Eric Geers (ebenfalls Ex Saab MA) sogar besser als der VW Golf und die Mercedes A Klasse abgeschnitten haben. Was für ein Quantensprung, bedenkt man das Abschneiden der Chinesen vor einigen Jahren und als Folge den Rückzug vom europäischen Markt.

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