Black is back. 17 Monate Saab Turbo X.

Wie die Zeit vergeht !  Eigentlich wollte ich einen Bericht über die ersten 12 Monate mit dem Turbo X schreiben. Knapp vorbei, denn der Saab ist mittlerweile schon 17 Monate bei uns. Und kein einziger Kilometer war langweilig, jede Minute hat Spass gemacht. Also alles im grünen Bereich mit dem Allrad Saab?

17 Monate Turbo X. Der Sound begeistert immer noch.
17 Monate Turbo X. Der Sound begeistert immer noch.

In der Zwischenzeit stehen fast 50.000 Kilometer auf der Uhr, und der Saab ist eine Diva. Da waren die Zündspulen, die nach einem heißen Autobahntrip Frankfurt – Hamburg – Frankfurt die Fassung verloren und für eine Schrecksekunde sorgten. Abgekühlt fuhr der Saab wie gewohnt, aber das Vertrauen in die Produkte aus dem Hause Bosch war dahin. Vorsorglich wurden alle 6 Spulen gegen das Nachfolgemodell mit höherer Spannung ausgetauscht. Seitdem ist Ruhe, das Problem gilt als gelöst.

Der Taster der Heckklappe stellte seinen Dienst ein, die Kofferraumklappe blieb daraufhin verschlossen. Wir hatten bereits darüber geschrieben. Das Saab Zentrum Bamberg tauschte gegen ein Gebrauchtteil, da Ersatz von Saab nicht lieferbar war. Seitdem ist auch hier alles so, wie es sein soll. Der Saab läuft und läuft, hat einen guten Durst, so wie man es von einem Turbo erwartet. Zwischen 7.xx in Schweden und 13.xx Litern auf bundesdeutscher Autobahn ist alles drin. Dass es nicht noch mehr an Verbrauch wird, liegt nur an der Verkehrssituation und den viel zu häufig auftauchenden Tempolimits. Aber…

Blogger und ihre Saabs. Till von SU und Tom, im Hintergrund 9-3 von Till und unser TX
Blogger und ihre Saabs. Till von SU und Tom, im Hintergrund 9-3 von Till und unser TX

Er macht Spass.

Für den Verbrauch liefert der Turbo X einen fairen Gegenwert. Der Name: Spass. CO2 Fetischisten sollten den Blog jetzt entsetzt schliessen ! Der Spassfaktor beginnt mit dem Start. 30 Sekunden Turbo X Warmlaufsound vom Feinsten ( ja die Ökofraktion sollte vielleicht doch weiterlesen ) bringen – aus Umweltgründen – den Motor auf Temperatur. Jedes Tunnel wird zum Soundfestival, und fast automatisch geht das Schiebedach auf. Der Saab kann es, in Trollhättan hat man damals ganze Arbeit geleistet. Vermutlich ist der Turbo X damit der letzte Dinosaurier, der einen Klangteppich zaubern darf.

Der Letzte seiner Art.

Denn die Zeiten sind mies, und die Zukunft sieht trübe aus. Der neue Lexus IS hat einen Soundgenerator, der drehzahlabhängig Motorgeräusche für den Innenraum erzeugt. Sind sie verrückt geworden, die Japaner? Mitnichten. Auch die Marke aus Ingolstadt macht es vor, was uns die folgenden Jahre bringen werden. Der neue Audi S3 zaubert 300 PS in die Kompaktklasse und – ja wirklich – Motorsound aus der Konserve. Audi S3 Piloten werden im Innenraum ebenfalls per Soundchip beschallt, und der sportliche Turboklang ist eine Simulation. Ein geöffnetes Schiebedach kann man sich sparen oder – noch besser –  von der Aufpreisliste streichen. Scheiben runter erübrigt sich ebenso. Das Audifahrer-Leben, eine Computersimulation. Was nicht nur an Ingolstadt, sondern auch an der Fürsorge der Europäischen Union liegt. Brüssel mischt in grenzenloser Besorgnis in jedem Teil unseres Lebens mit.

Turbo X vor dem Saab Werk
Turbo X vor dem Saab Werk

Noch schlimmer allerdings treibt es eine Marke, die noch vor einer Generation als Hort der Stilsicherheit galt. Mercedes bringt die AMG Version der A-Klasse, die aus zwei Litern Hubraum enorme 360 PS kitzelt. Die Schwabenkiste bringt elektronisch gesteuerte Fehlzündungen, was deplaziert ist, denn der Sound kommt nicht von einem Monoposto, sondern von einer computergesteuerten Rennsemmel. Ob es für dieses peinliche Feature ein Fehlzündung-befreites Downgrade Kit gibt, oder ob der AMG Kunde damit leben muss, steht nicht fest.  Was für Zeiten ! Leute, passt gut auf eure Saabs auf !

Stärke 1: Landstrasse.

Ich habe es bereits mehrfach festgestellt.: der Turbo X ist der fahraktivste Saab aller Zeiten. Haldex Kupplung und eLSD verleiten zur Kurvenjagd, und der Grenzbereich des Schweden wird mit genialer Technik recht weit ausgereizt. Über die Landstrasse zu fliegen macht Spass und zaubert ein Lächeln auf das Gesicht. Der Saab pfeilt wie auf Schienen durch die Kurven, als wären alle Trolle Skandinaviens hinter ihm her. Damit es so bleibt, ist es wichtig, die Haldex Kupplung entsprechend zu warten. Saab sprach, wenn ich mich richtig erinnere, von einem 60.000 Kilometer-Wartungsintervall. Wir haben bei gut 45.000 beim  Saab Zentrum Bamberg das Öl gewechselt, und heraus kam eine schwarze Brühe. Höchste Zeit und die richtige Entscheidung !  Empfehlenswert ist ein Wechsel alle 30.000 Kilometer, und wer längere Intervalle fährt, der riskiert seine Haldex Kupplung und investiert dann ungewollt in eine neue, revidierte Version, die weniger anfällig sein soll.

Stärke 2: Langstrecke.

Wie gut ein Auto ist oder eben nicht, das erfährt man auf langer Strecke. Die letzte größere Reise führte von Trollhättan nach Nordbayern. 1.300 Kilometer am Stück – unterbrochen durch zwei Fährfahrten und Essenspause –  sprechen für den Saab. So stressfrei und mit nur zwei Tankstops, was beim TX eine Leistung ist, kommt man selten von A nach B. Ein Teil des guten Eindrucks basiert auch auf der richtigen Bereifung, was beim Fahrwerk des Schweden ein Thema zu sein scheint. Wir haben von Pirelli auf Michelin gewechselt, was sich mehr als positiv ausgewirkt hat. Mehr dazu im Kapitel Reifen.

Generationen Treffen: TX und 900 16S
Generationen-Treffen: TX und 900 16S

Schwäche: Hitze.

Liegt es daran, dass dieses Auto aus Schweden kommt? Turbos mögen schon mal aus Prinzip kühles Wetter. Wird es zu warm, dann sinkt die Leistung. Besonders ausgeprägt ist diese Neigung beim Turbo X. Bis 25 Grad Celsius ist alles im grünen Bereich. Wärmer ist nicht gut und wird mit Leistungverweigerung bestraft. Der 6-Zylinder mit seinem sequentiellen Turbolader fühlt sich unwohl, und damit verschwinden gefühlte  50 der 280 Pferdestärken in schwedischer Einöde. Wer das ignoriert und seinen TX trotzdem quält, der sollte die Anzeige der Kühlmittelflüssigkeit im Auge behalten. Die wandert dann nach oben…

Abhilfe hatte,  jetzt nicht mehr lieferbar, Hirsch Performance im Programm. Die Leistungssteigerung mit 300 PS hatte einen größeren Ladeluftkühler und eine geänderte Software mit Augenmerk auf thermische Sicherheit im Programm. Eine Neuauflage gehört zu Bloggers Wunschdenken und ist fern der Realität.

Rollt jetzt auf Michelin Reifen. Resultat - Spitze!
Rollt jetzt auf Michelin Reifen. Resultat – Spitze!

Des Turbos neue Reifen.

Zum Frühjahr wechselte der Turbo X von einer Pirelli-Bereifung auf Michelin Primacy 3. Die französischen Gummis sind mit gut 200 Euro pro Stück nicht billig, aber preiswert. Denn das Verhalten nicht nur bei Nässe, sondern auch generell ist den Pirellis bei Weitem überlegen. Der Saab fährt ruhiger, liegt besser, radiert nicht mehr über den Asphalt. Ganz besonders fällt der Qualitätsunterschied nach einigen Tagen Standzeit auf. Die Reifen von Pirelli wollten „warmgefahren“ werden und liefen auf den ersten Kilometern spürbar unrund. Die Michelins kennen diese Krankheit nicht. Qualität zahlt sich eben aus !

Nach 17 Monaten Turbo X.

Ursprünglich war da die Qual der Wahl. Turbo X oder Saab 9-5 II Aero XWD… Die Wahl war nicht einfach und fiel zu Gunsten des kleineren Saab-Modells aus. Was keine Frage des Geldes war, denn der Preis war in etwa gleich. Der Turbo X erschien mir kultiger, fahraktiver, und die geringeren Abmessungen gaben den endgültigen Ausschlag. Mittlerweile ist der TX ein Sammlerobjekt, viele Saab Partner haben ein Exemplar in der eigenen Garage stehen. Mit weniger als 100 Exemplaren in Deutschland ist er die exklusivste Art, einen modernen Saab zu bewegen. Bereut habe ich den Kauf keine Sekunde !  Schon am frühen Morgen beim Start geht das automobile Herz auf. Das Spasspotential stimmt eben. Klar, sehe ich einen 9-5 II, bekomme ich große Augen. Aber so ist die Welt !  Man kann eben nicht alles haben…

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

 

14 Gedanken zu „Black is back. 17 Monate Saab Turbo X.

  • Genialer Bericht zu einem genialen SAAB. Resultat -> Haben will! 🙂

  • Glückwunsch Tom, Alles richtig gemacht! Spass bis zur nächsten Tanke! Ist ok so. Um den Sound beneide ich Dich, doch Du sagst es ja: „Man kann nicht alles haben…“! Daher bleibe ich beim geizigen TTiD mit erfreulichen Qualitäten in der Beschleunigung. Die positive Erfahrung mit dem Pneu-Wechsel habe ich auch schon hinter mir! Gute Woche!

  • Nun höre ich in diesem Beitrag wieder von dem tollen Sound, den er haben soll – irgendwann werde ich den bestimmt noch mal live hören! Das ist nämlich das einzige, was mir an meinem TTiD fehlt – der klingt nun wirklich nach gar nix…..

    Wie gerne hätte ich ein wenig Klang aus den beiden Endrohren….

  • Toller Bericht. Bin schon etwas neidisch auf den Allrad. Auf den Motor nicht (hab den selben) und er ist ein genuss. 🙂 Kürzlich standen im Mobilforum Dresden gleich 2 TX zum Verkauf. Keine Ahnung ob die noch da sind aber wer einen sucht sollte dort vorbei schauen.

  • Die Hitzeprobleme kann ich bestätigen. Bei den schwülwarmen 35° vor zwei Wochen reagierte der Motor wie sein Besitzer: ziemlich lustlos 😉

    Von den elektronischen Soundgeneratoren habe ich neulich gelesen. Allerdings ging es da um den Maserati Ghibli Diesel (!!!). Damit der nicht so sehr nach Diesel klingt, hat man im Heck Lautsprecher eingebaut, die es nach V8-Benziner klingen lassen. Wie sehr, kann der Fahrer einstellen. Da hört es dann wirklich langsam bei mir auf… wenn schon Diesel, dann kann man auch dazu stehen.

    Vielleicht bietet AMG eine „Reparatur“ der computersimulierten Fehlzündungen an. Das kostet dann mindestens so viel wie eine Reparatur der Einspritzanlage 😉

  • Was ’ne kranke Welt, elektronische Schw…Verlängerungen. Da hilft nicht bestimmt nicht mal ein Seitenschneider, weil die Karre dann mit Fehlermeldung stehenbleibt.

    Tom, Du hast noch echten Sound in einem tollen Auto – aussterbende Rasse.

    Gruß aus Kiel

  • Zu den Reifen : fiel die Wahl bewusst auf den Primacy3 ? Ich fahre das Vorgängermodell Primacy HP, der auf meinem 9-5 LPT ein richtiger Komfortreifen ist. Für Deinen PS Boliden hätte ich jetzt eher den Pilot Sport3 genommen, der wahrscheinlich demnächst den CSC2 auf meinem AERO ersetzt.

    • Die Entscheidung für den komfortableren Reifen fiel mehr aus dem Bauch heraus. Der Sport3 wäre sicher sportlicher gewesen, der Primacy harmoniert aber sehr schön mit dem recht straffen Fahrwerk.

  • Der Klang des Turbo X ist wirklich klasse. Ich erinnere mich immer noch an die erste Begegnung auf freier Wildbahn. Ich machte Pause in der Nähe von Garmisch- Partenkirchen. Ich hörte einen gut klingenden Wagen, drehte mich zur Straße und eine schwarze Turbo X Limousine fuhr an mir vorbei, um im nächsten Augenblick laut fauchend um die nächste Kurve zu verschwinden.

  • Ich habe die andere Wahl getroffen…Saab 9-5 Aero III 2,8 V6….Auch ganz toll!!

  • Hallo Tom, Deine Aussagen zum Komfortgewinn betreffen 18″ oder 19″ Räder beim TX? Ich habe mir kürzlich ein TX gekauft und kann die Nachteile der Pirelli nur bestätigen.

    • Mein TX hat „nur“ die 18″ drauf und der Unterschied zu den Pirellis ist beachtlich. Das ganze Fahrverhalten ist irgendwie harmonischer. Glückwunsch zum TX und gaaaaanz viel Spaß!

  • Deswegen habe ich eine TX und mein Vater einen 9-5 II Aero V6 XWD… da kann man dann auch mal tauschen. 😀

  • als jemand, der von Anfang 2007 bis Mitte 2008 an der Entwicklung des XWD und des Turbo X beteiligt war, freue ich mich über solch einen Bericht. 😀

    Ja, der Turbo X und auch der XWD machen verdammt viel Spaß. Die Zeit damals bei Saab war eigentlich die coolste Zeit meines Berufslebens. Es war zwar stressig und Politik war an der Tagesordnung, aber ich habe noch nie vorher und auch nie wieder danach so viele Arbeitskollegen gehabt, die mit so viel Herzblut und „Gaskrankheit“ Autos entwickeln, wie bei Saab.

    Schade, dass es nur 100 Stück vom Black Turbo (das war der Entwicklungscode vom Turbo X) nach Deutschland geschafft haben. Gerade deshalb wünsche ich Dir weiter viel Spaß mit ihm. Und: behandle ihn bitte gut!

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