Rückspiegel. Spekulationsblase.

Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel
Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel

Am Mittwoch ging in Schweden die Saab-Auktion zu Ende. Schon im Vorfeld gab es großes Interesse, und selbst am Auktionstag kamen hier noch Mails mit Fragen an. Die Wenigsten davon habe ich beantwortet. Denn es waren meist die „üblichen Verdächtigen“, die seit mehr als einem Jahr auf Schnäppchenjagd sind. Die dann auch nach einem langen Telefonat nicht verstehen wollen, dass kein Händler eine 3-Jahresgarantie für einen nie produzierten Saab Modelljahrgang geben wird. Oder die einfach das Risiko nicht sehen wollen, wenn man ein nie in Europa eingeführtes Modell wie den Saab 9-4x kauft. Nein, das hier ist ein Blog. Kein Saab Helpdesk…

Die Auktion war – ganz klar – eine Veranstaltung für Fans und Sammler der Marke. Keine Fahrzeuge für den Alltag, das wurde von den Auktionatoren offen kommuniziert…damit war es eine faire Sache !

Die Fahrzeuge der Versteigerung waren meist keine Neuwagen, sondern, wie vor allem die Saab 9-5 Modelle, Erprobungsfahrzeuge von Saab oder Rückläufer der Zulieferer. Gebrauchtwagen eben, mit einigen Kilometern aus dem harten Testalltag.

Für Sammler – und nur für diese –  trotzdem interessant. Auch ich war dabei, um für die Saab-Sammlung eines Freundes eine 2012er Saab 9-5 Sportlimousine zu ersteigern. Wir hatten uns zwei Fahrzeuge, einen V6 und einen 9-5 BioPower, ausgewählt und waren schon sicher, mit unserem Budget einen der Wagen zu bekommen. Denn der Modelljahrgang 2012 hat einige Tücken, die man kennen sollte. Kein Händler in Deutschland kann die Software eines Wagens aus diesem Jahrgang programmieren. Die Kompetenz der Saab Partner endet, das mit gutem Grund, beim Jahrgang 2011.

Auktion Einzelstueck: Saab 9-5 mit 245 PS Powerdiesel
Auktion Einzelstueck: Saab 9-5 mit 245 PS Powerdiesel

Wer so ein Auto kauft, sollte wissen, was er tut. Er ist auf Hilfe aus Schweden angewiesen. Das Team vom Saab Service Kiel kann auf Grund guter Kontakte nach Norden dabei helfen, und damit stehen sie alleine in Deutschland –  und vielleicht sogar einsam in weiten Teilen Europas.

Unser Budget pro Fahrzeug waren 150.000 Kronen, was etwas mehr als 18.000 € sind. Mit Gebühren, Steuern, Fracht, Zulassung und weiteren Aufwendungen liegt man dann bei 25- bis 26.000 €. Was in Ordnung geht für ein Fahrzeug, welches wirklich nur Sammlerstatus hat und etwas für sonnige Ausfahrten ist. Gebrauchte Saab 9-5 aus 2010 und 2011 werden zu ähnlichen Kursen gehandelt, sind aber Fahrzeuge für den Alltag. Um es kurz zu machen: wir gingen leer aus ! Bei beiden Fahrzeugen wurden wir überboten, und die Saab Sammlung meines Freundes wird somit keinen 9-5 des Modelljahrgangs 2012 bekommen.

Was war passiert? Die Kunden der vergangenen Auktion teilen sich in drei Gruppen ein. Saab-Fans, Lieferanten und Spekulanten. Die Fans standen auf verlorenem Posten, und geschätzt werden 15 oder 20 Autos in deren Besitz gegangen sein. Dann gab es Saab Lieferanten, die, unerkannt, Erprobungsfahrzeuge zurückgekauft haben. Denn manche Innovation sollte nicht an Dritte gehen. Und es gab die Spekulanten, vorwiegend aus dem Land der Tulpen, die Blut geleckt hatten.

Bei der vorherigen Auktion wurden einige Fahrzeuge durch einen gewissen Händler gekauft und mit einer Marge verkauft, die sogar Ex-Deutschbänker Josef Ackermann zum Applaus genötigt hätte. Allerdings waren es damals wenige, exklusive Fahrzeuge, günstig erworben. Diesmal wurde im großen Stil relativ teuer gekauft, auch Limousinen und vorwiegend der Modelljahrgang 2012. Fahrzeuge ohne Papiere, ohne Helpdesk, ohne Möglichkeit, die Software zu programmieren.

Viele Fans, auch uns, wurde die Chance genommen, ein Vorserien-Auto zum fairen Preis zu erwerben. Damit können wir leben, es ist ja nur ein Hobby, denn ein solches Auto ist „nice to have“. Nicht mehr, nicht weniger !  Jetzt läuft die Spekulation, und ich denke, es ist ein Blase, die platzen wird. Denn der Markt ist klein, und nicht Jeder kauft zu jedem Preis. Mal sehen, wie sich das Geschäft in Holland entwickelt. Wer wissen will, wie welcher Saab zu welchem Preis verkauft wurde, der findet bei Marcus Bergfeldt die Ergebnisse der Auktion. Das Internet macht Vieles transparent. Schlechte Zeiten für Saab-Spekulanten.

Text: tom@saabblog.net

 

5 Gedanken zu „Rückspiegel. Spekulationsblase.

  • 5. April 2013 um 12:19 PM
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    Gut geschrieben! Da wird spekuliert aber ich glaube daß unsere Freunde von Venza Exclusive Cars diesmals zu hoch gepokert haben :-). Schade daß Ihr keinen SAAB bekommen habt…

  • 5. April 2013 um 8:23 PM
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    Hallo Tom,

    Danke für diese offene Zusammenfassung! Auch ich war einer dieser „üblichen Verdächtigen“, habe auch meine Obergrenze bei 200’000.- eingeben, was am Ende dann weit weg vom erzielten Preis gelegen ist. Wie du aber selbst geschrieben hast, ein Vernunftkauf wäre es ohnehin nicht gewesen! Trotzdem ärgert mich das Verhalten der Tulpenspekulanten, denke aber dass die damit ganz böse eingehen werden. Abwarten heist nun die Devise, auch diese Fahrzeuge werden irgendwann zu reellen Preisen an wahre Saabfans wie uns gehen. Vernünftig wird es auch dann nicht sein, aber wenn es im finanziell überschaubaren Rahmen bleibt, ist es halt doch ein Reiz der bleibt!
    Saab lebt weiter und ich ich habe es gerade heute wieder auf meinem Weg von Genf nach Zürich bemerkt, als ich mit Sicherheit 20 Saab überholt hatte oder begegnet bin, davon 2 neue 9-5IIer wie auch ich einen fahre. Trotzdem werden wir auch weiterhin Exoten bleiben, zumindest gibt es immer noch genug Leute die am Parkplatz einen Blick ins Cockpit werfen und manchmal auch nachfragen ob es denn Saab wieder gäbe und dies das neue Model sei….

    Gruss aus der Schweiz
    C.

  • 6. April 2013 um 4:10 PM
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    Hi Tom,
    da bin ich froh, dass ich nicht der Einzige Leergänger war.
    2x schossen die Preise hoffnungslos nach oben, einmal wa´r ich nah dran … und mit meinem Klick endete die Auktion.
    ich wollte einen 2. Diesel weg stellen, naja, fahre ich halt weiter meinen einen.
    Viele Grüße und eine Frage:
    In welchem Hotel übernachtet Ihr zum Festival?
    Gruss aus Zwickau

  • 6. April 2013 um 7:05 PM
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    Der 2.9 TiD ist ja nicht an Venza gegangen, sondern wohl an eine Privatperson (oder doch einen verdeckten Lieferanten) verkauft worden?
    Kann man denn dieses Auto ueberhaupt bewegen? Das ist ja nochmal etwas ganz anderes mit einer neuen, sonst in dem Modell vorher nie verbauten Motorisierung.

  • 6. April 2013 um 7:24 PM
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    Der 2.9 TiD wird wohl nicht auf die Straße zurückkehren. Vielleicht maximal im Ostblock außerhalb Europas!

Kommentare sind geschlossen.

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