Rückspiegel: Über die Herausforderung des Neubeginns

Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel
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Krisen und Brüche sind gleichzeitig Chancen. Man muss sie nur rechtzeitig erkennen. Auf Saab angewandt ist es die Chance des Neustarts, frei von alten Belastungen und Pflichten. Mit einer Historie und einer Herkunft im Rücken, die –  richtig eingesetzt – zum Overboost werden könnte.

Saab kommt aus Schweden. Eine Nation, die als friedlich und tolerant gilt. Die verklärt ist durch die Literatur und durch Filme unserer Jugend. Denken wir an Schweden, dann denken wir an Urlaubstage, die hellen Sommernächte, die niemals zu enden scheinen. Schweden ist Stockholm mit seinem pulsierenden Leben und den ruhigen Rückzugsorten auf den Schären. Schweden ist aber auch endlose Weite und Einsamkeit. Schweden ist eine Herkunft, aus der sich Einiges machen lässt.

Aber Saab ist noch mehr ! Saab ist Turbo-Technologie und Saab ist Flugzeugbau. Saab steht auch für Hightech. Die Flugzeug-Industrie, Wurzel von Saab, hat Trollhättan niemals wirklich verlassen. Die neueste Generation des Saab Gripen wird auch bei bei Saab-Combitech in Trollhättan entwickelt. Combitech sitzt mittendrin in der Stallbacka. Auf der einen Seite grenzt in Steinwurfweite der Zaun des Saab Werks, auf der anderen Seite blickt man auf den Saab-Powertrain Komplex. Bei Combitech arbeiten ehemalige Saab Automobil-Ingenieure an der nächsten Flugzeuggeneration, und die Chancen, dass wir in der nächsten Saab Autogeneration Inspirationen aus dem Flugzeugbau finden werden, sind so gut wie schon lange nicht mehr.

Losgelöst von Konzernzwängen hat man in Schweden die Chance und Herausforderung, etwas völlig Neues zu schaffen. Der Griff in irgendwelche Regale, die Verwendung ungeliebter Komponenten, das muss jetzt nicht mehr sein. Gleichzeitig gelten auch keine Ausreden mehr. In den letzten Jahren war GM in der Verantwortung für Fehlentwicklungen. Das geht nun nicht mehr.

Ein Saab muss Begehrlichkeiten wecken

Das Produkt muss stimmen, damit aus dem Neubeginn auch eine Erfolgsstory wird. Design ist wichtig, gerne auch etwas mutiger, frischer, emotionaler. Mit einem Innenraum, der an einen Jet erinnern darf und der sich absetzt von anderen Marken. Ein Saab muss begehrenswert sein, der Kunde muss das schwedische Kult-Label auf seine Einkaufsliste setzen wollen.

Saab ist Schweden, oder?
Saab ist Schweden, oder?

Technik ist wichtig. Da wäre die Auswahl der Motoren. Aus Trollhättan hört man darüber wenig, aber hinter geschlossenen Türen und auf den Prüfständen tut sich umso mehr. Alle Möglichkeiten sind da, und Saab Eigentümer NEVS hat die Chance, hier einen kompletten Neustart zu wagen. Saab 2.0 ist ein komplett neues Unternehmen, was Chancen auf eine neue Motorenpalette erhöht. Früher wurden Motoren aus dem GM Regal bevorzugt, die Saab Griffin 9-3 Serie hatte Direkteinspritzer Turbomotoren der Amerikaner unter der Haube. In der jüngsten Vergangenheit gab es eine Partnerschaft mit dem Hersteller aus München. Leider nur in ersten Ansätzen, und der neue, kleine Saab hätte auf BMW und Mini Technologie aufgebaut.

BMW baut unbestritten gute Motoren, und die von den Münchnern eingesetzte Turbo-Technologie ist Spitzenklasse. Ein bayerisches Herz unter einer schwedischen Motorhaube würde mir gefallen. Ein Bi-Turbo Benziner als Spitzenmotorisierung, damit der Saab Flügel bekommt, und ein starker, sparsamer Diesel für die Vielfahrer. Aber das ist Spekulation, mein Wunsch, und nur eine der vielen Möglichkeiten. Kjell AC Bergström, ein Saab Urgestein, leitet auch unter den neuen Eigentümern die Powertrain Abteilung. Der Name Bergström könnte für Kontinuität, Qualität und weiterhin Turbo-geladenen Saab Fahrspass stehen.

Der nächste Schritt bei Saab 2.0

Wann werden wir mehr aus Schweden hören, und wann werden die Pläne konkretisiert werden? Der nächste Schritt in Trollhättan wird die Lösung einer Personalie werden, auf die wir alle gespannt warten. Noch hat National Electric Vehicle Sweden AB keinen COO. Der Posten des neuen NEVS-Saab Präsidenten ist unbesetzt, und ihn zu besetzen ist eine wahre Herausforderung. In Trollhättan werden einige Namen gehandelt. Der Name eines ehemaligen Volvo-Chefs wurde immer wieder genannt, auch ein früherer hochrangiger Ex-BMW Mitarbeiter soll im Gespräch gewesen sein. Die eine Personalie hat sich mittlerweile zerschlagen, zur anderen erlaube ich mir keinen Kommentar.

Der COO ist gleichzeitig auch das neue Gesicht von Saab. Er muss die Marke nach außen vertreten, prägen und Saab in den Neubeginn führen. Er ist dann Saab. Erst wenn der Posten des COO besetzt ist, wird die Saab Story Fahrt aufnehmen. Bis dahin warten wir. Gespannt und geduldig. Wie immer.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

12 Gedanken zu „Rückspiegel: Über die Herausforderung des Neubeginns

  • 18. Februar 2013 um 12:15 PM
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    Das wird auf jeden Fall eine spannende Personalentscheidung. Drücke die Daumen!

  • 18. Februar 2013 um 1:09 PM
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    Wird wirklich ein COO gesucht -oder nicht zunächst einmal ein CEO?

    • 18. Februar 2013 um 1:28 PM
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      Kai-Johan-Jiang ist CEO (siehe saabcars.com)

  • 18. Februar 2013 um 2:03 PM
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    Apropos Begehrlichkeiten, der Preis des gestern verlinkten SportCombi hat sich inzwischen von 43T € über 50T € auf aktuell 60T € erhöht (netter Aufschlag zum Auktions- Einkaufspreis). Steckt immer noch Leben in Saab.

    • 18. Februar 2013 um 4:58 PM
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      Der Markt macht den Preis. Vermutlich steht das Telefon nicht still 😉

      • 18. Februar 2013 um 7:16 PM
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        Das denke ich auch 😉
        (Ist das eigentlich der zweite Kombi aus der Händlertour? Kommt der Kilometerstand hin?)

        • 18. Februar 2013 um 7:34 PM
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          Der zweite Kombi der Händlertour war grau, ich habe ihn komplett vom Radar verloren 🙁

          • 18. Februar 2013 um 7:41 PM
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            Anddeu liegt richtig, es handelt sich um das zweite Fahrzeug der Händlertour!

          • 18. Februar 2013 um 7:55 PM
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            Sorry, jetzt lag ich völlig falsch. Ja, Farbe und Innenraum stimmen und es fehlt das Drive-Sense. Das sollte er sein.

          • 18. Februar 2013 um 10:54 PM
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            Danke. In Anlehnung an eine Werbung: „Deinen ersten SportCombi vergisst du nie.“- und sei es auch nur, weil man darin vor langer Zeit Platz nehmen konnte.

  • 18. Februar 2013 um 6:38 PM
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    Grade zum Neubeginn würde es Sinn machen, gute Motoren zuzukaufen. Motorentwicklung ist mit das teuerste, und wenn man sich schon auf elektrische Antriebe fokussieren will, dann wird man dort ohnehin jeden Euro benötigen. Weitere Ressourcen in das Entwickeln eines eigenen Benzinmotors zu stecken ist dann wirtschaftlich nicht sinnvoll, und um weitere Firmen zu beliefern um so die Kosten zu senken, ist SAAB einfach zu klein.

    Aber die Auswahl ist begrenzt… Wer entwickelt denn noch selbständig Motoren?. GM können wir wohl getrost streichen. Fiat, PSA oder Renault? Alle drei nicht unbedingt schlecht, aber eben auch keine Spitze mehr. VW? Ich wage es zu bezweifeln, dort denkt man immer mehr im eigenen Baukastenprinzip. Etwas Britisches, vielleicht Jaguar? Haben die noch eigene Motoren, oder bedienen die sich noch bei Ford? Volvo fällt wohl auch aus. Das liefe dann fast zwangsläufig auf BMW hinhaus…

  • 19. Februar 2013 um 10:56 AM
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    In der Liste fehlen eindeutig japanische Motoren – zum Großteil hervorragende Technik!

    Warum nicht mal bei Honda oder Toyota anklopfen?

Kommentare sind geschlossen.

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