Fahrbericht Fisker Karma Ecosport

Der Fisker rollt mit einem “Wrap – wrap” Geräusch über den Firmenhof bei Etehad in Halstenbek. Es klingt futuristisch und ist es auch. Einer der beiden soeben angelieferten schwarzen Karma ist bereits verkauft, der andere der neue Vorführwagen. Fisker nennt den Farbton “Eclipse”, und er wäre meine Wahl.

Wir starten unsere Fisker-Karma-Tour im “Stealth Mode”, bis zu einer Geschwindigkeit von 40 KMH warnt der Fisker Hybrid HZ Aussenlautsprecher Fussgänger mit einem Sound, der aus der Zukunft kommt. Wir sind unterwegs mit einem Fahrzeug, das 83 Kilometer rein elektrisch fahren kann und welches das umweltfreundlichste Auto am Markt ist.

Karma in Schwarz – pardon Eclipse

Wir rollen rein elektrisch auf 22″ Felgen durch Halstenbek. Das Fahrwerk ist straff definiert, aber komfortabel. Das riesige Solardach lädt dabei die Batterie. In unseren Breitengraden soll man alleine durch das Solardach für 350 Kilometer im Jahr gratis Strom bekommen. Auf dem Touchscreen kann man gut die Stromzufuhr verfolgen. Die jährliche Einspeisung entspricht immerhin der Strecke Frankfurt am Main nach Spa zum Internationalen Saab Treffen. Nicht schlecht !

Der Fisker ist fast 5 Meter lang und gute 2 Meter breit. Kein kleines Auto und trotzdem kommt man nach wenigen Metern so gut mit dem Kalifornier aus Finnland zurecht, als wäre man nie etwas anderes gefahren. Die Ergonomie stimmt !  Die Stille im Innenraum ist beeindruckend. Unser Testfahrzeug, frisch vom Transporter, ist akkurat verarbeitet. Nichts klappert, nichts fühlt sich minderwertig an. Henrik Fiskers erstes Serienfahrzeug ist großartig. Willkommen in der Oberklasse !

Fisker Stealth Mode: 83 Kilometer rein elektrisch

Raus aus Halstenbek, unsere Tour führt über die Landstrasse. Im “Stealth Modus” geht es rein elektrisch von 0 auf 100 in 7.9 Sekunden. Was nur die halbe Geschichte ist. Der Durchzug ist, nur mit Akkukraft, enorm und 1300 Nm Drehmoment der Elektromotoren – untermalt von einem Jet-ähnlichen Geräusch, machen einfach Spaß. Erwischt !  Ich fahre ein politisch korrektes Elektroauto und schreibe über Spass. Wo soll das noch enden?

Richtig beeindruckend wird es im Sport-Modus. Über die linke Schaltwippe am Lenkrad schaltet sich der 2 Liter Turbo zu und liefert als Stationärmotor mit maximal 3000 Umdrehungen Strom an die Lithium-Ionen-Akkus. In jedem Betriebszustand bleibt er damit ein durch Batterien betriebenes Auto. Der mit Hinterrad angetriebene Karma läuft bis zu 200 Stundenkilometern und beschleunigt in 6.6 Sekunden auf 100 Stundenkilometer. Der Passagier bekommt den Einsatz des Direkteinspritzers nur durch ein leichtes Hintergrundgeräusch und durch noch mehr Fahrspass mit. Der Hersteller regelt den Karma bewusst bei 200 Stundenkilometern ab. Genug ist genug, und höhere Geschwindigkeiten sind nur für unseren heimischen Markt und sonst nirgendwo auf der Welt interessant. So viel Selbstbewusstsein ist imponierend, und ich finde diese Entscheidung gut.

Fisker Karma im Sport Modus

Der Fisker pfeilt über die Landstrasse, und die Ruhe im Innenraum verschafft ein ganz besonderes Fahrgefühl, das sehr gut gemachte, vielzylindrige Oberklasse-Limousinen mit sportlichem Einschlag auch annähernd vermitteln können. Aber wir reden von einem Wagen mit nur 2.2 Litern Verbrauch.

Dabei ist der Karma ein Schwergewicht. Die Akkus, in der Mittelkonsole plaziert und mit einem üppigen Kühlsystem versehen, bringen den Wagen auf 2.5 Tonnen. Wer jetzt die Augenbrauen hebt, der tut dem Fisker Unrecht. Denn der Schwerpunkt ist, wir fahren ja einen Sportwagen, extrem niedrig plaziert,  und damit ist die Strassenlage phänomenal. Rauf auf die Autobahn – die Einfahrt ist recht spitz geschnitten und die Strasse ist nass – der Fisker klebt förmlich auf dem Belag.

Auf der Autobahn räumt der Karma die linke Spur wie von selbst. Nein, er saugt sie förmlich leer. Aber, der Wagen ist neu und wir sind vorsichtig unterwegs, dennoch das Image des Walfischmauls ist erheblich. Egal, ob wir überholen wollen oder nicht. Die Spur ist frei. Das alles bei einem Geräuschniveau im Innenraum, das an einen Konzertsaal erinnert. Jetzt die rechte Schaltwippe am Lenkrad gezogen. Damit wird dir Bremsfunktion, ähnlich einer Bergabfahrhilfe beim Geländewagen, unterstützt, man fährt sportlicher und speist über die Rekuperation noch mehr Energie in die Akkus ein.

Der Karma ist ein fahraktives Auto, das Fahrwerk gibt gezielt die Rückmeldungen, die der Fahrer benötigt. Kein synthetisches Fahrgefühl, wie wir es von einem großen japanischen Hybrid Hersteller kennen. Und der Fisker hat Langstreckenpotential. Würde der Karma zu mir sagen “Hej Tom, hast Du Lust für einen Trip Hamburg – München oder noch weiter über die Alpen ?”… ich wäre dabei… und der Fisker und ich wären beste Freunde.

Der Fisker ein perfektes Auto? Er ist wirklich verdammt gut, und es ist schwer, etwas zum mäkeln zu finden. Die Zuladung ist allerdings sehr begrenzt und der Kofferraum ist zu klein und auch noch mit günstigem Filz ausgekleidet. Vermutlich nur, damit Medienjungs etwas zum Bemängeln haben.

Masoud Etehad hat sich einen ganzen Tag für uns Zeit genommen, und trotzdem sind die Stunden zu schnell vergangen. Fiskers Einstieg in die Oberklasse ist gelungen. Der Karma bleibt nicht alleine, ein Kombi oder besser gesagt ein Shooting-Brake folgt. In den USA hat Fisker ein ehemaliges GM-Werk gekauft, rüstet es um, und ab 2014 rollt ein kleinerer Fisker mit vergleichbarem Konzept vom Band. Der gefahrene Karma kostet 124.000 Euro, viel Geld, aber ein Sonderangebot, wenn ich Preise aus Ingolstadt, München oder Stuttgart sehe, die soviel Zukunft und Individualität (noch) nicht liefern wollen.

Ein Elektroauto kann begehrenswert sein, kann Spaß machen, das ist unsere Erkenntnis. Es muss nicht hässlich sein, kein schräges Design haben oder einer Sardinenbüchse gleichen. Ein Elektroauto kann ein Sportwagen sein und die Passanten können sagen “Wow – so einen möchte ich auch haben”.

So sind Mark und ich auch etwas nachdenklich, als wir Hamburg verlassen. Den Stau des Elbtunnels haben wir umfahren, die Autobahn in Richtung Süden liegt vor uns. Unser Saab freut sich auf viele Kilometer, der Turbo X beschallt mit seinem Auspuffsound begeistert die Umwelt. Die S-Klasse, die vor uns nach Süden eilt, scheint über den Tag merkwürdig gealtert und sieht wie ein Fahrzeug von gestern aus. Kurz nach Hamburg kommt eine Baustelle, die Fahrspuren werden auf einer Fahrbahn zusammen gelegt. In Richtung Norden kommt uns ein Fisker Karma entgegen. Mit polnischem Kennzeichen. Die Zukunft hat begonnen.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

13 Gedanken zu „Fahrbericht Fisker Karma Ecosport

  • Mh…ich weiß nicht..aber mir fällt irgendwie nur ein Wort ein, welches das Gefühl ein wenig wiederspiegelt: Geil.
    Und es soll nicht abgedroschen klingen, geschweige denn so verstanden werden.
    Die Artikel über den Fisker haben mich doch schon sehr angesprochen. Hut ab – den Tag hätte ich auch gerne gehabt.

  • Die Fisker Berichte sind einfach genial. Wenn es jetzt wirklich mit SAAB nichts mehr werden sollte, dann könnte der Blog doch regelmäßig andere, geniale Autos testen. Nur mein Vorschlag 😉

    • Mit dem reglmäßigen Testen anderer genialer Autos dürfte es nichts werden – von welchen Herstellern sollen die denn alle kommen?

      Warten wir also die nächsten Tage ab und gehen davon aus, dass sich in Trollhättan die Dinge in Richtung Start einer neuen Poduktion entwickeln. Dabei könnten es gern Elektrofahrzeuge werden (ähnlich wie Fisker) – besser noch mit zusätzlichen Baureihen in herkömmlicher Technik und evtl. mit einigen Hybrid-Modellen (ähnlich wie Prius).

      Viele Grüße aus Hamburg

  • Das klingt alles toll, wirklich.
    Aber sind die 2,2 L Verbrauch realistisch, d.h. kriegt man die auch,
    wenn man mit leerer Batterie losfährt?
    Oder nur, wenn ich erst 80 km elektrisch fahre
    und nur den Benzinverbrauch ab dem Zeitpunkt rechne, wo der RE anläuft?

    • Mit leerer Batterie sicher nicht, die sollte geladen sein. Aber in und um Hamburg gibt es Parkhäuser mit Steckdose, so dass man überall für ein paar Cent nachladen kann. Es kommt mit Sicherheit auch auf die Fahrweise an. Die zuschaltbare Rekuperation ist sinnvoll und gewinnt eine Menge Energie beim Bremsen.

  • super Bericht. Klingt wie ein Traum. Auch wenn man Buchstaben liest, man sieht Bilder, bekommt ein Gefühl vermittelt, wie die Zukunft sein wird.
    ja, Mercedes S ist wirklich old school.

  • Oha, was für ein Sinneswandel, Tom, wenn ich daran denke, wie hier vor knapp drei Monaten über eine mögliche Elektroautozukunft Saabs gelästert wurde. Fisker ist so, wie Saab schon längst hätte sein müssen.

  • Also nach diesem Bericht könnte ich auch einen E-SAAB in Erwägung ziehen. Klasse Reportage!

  • Mhmmm… das Fahren hat sicher Spaß gemacht. Mit Höherer Bereifung wird das Fahren vielleicht noch etwas komfortabler – die 22″ Felgen sind schon ziemlich groß. Tom, welche Bereifung war eigentlich montiert?

    Mir ist an dem Design allerdings noch einiges zu verspielt – Die Doppelstufe zwischen den hinteren Radkästen und der C-Säule, die zerklüftete Motorhaube, die Einzüge zwischen den unteren Lufteinlässen und den Hauptlufteinlässen. Aber alles nicht dramatisch… aus der Garage schubsen würde ich den Fisker deshalb nicht. Muß ich aber auch nicht – der Kaufpreis liegt fern jeglichen Budgets. Aber wenn der Karma sozusagen die Machbarkeitsstudie ist, und daraus andere Elektroautos hervorgehen… warum eigentlich nicht. Jedenfalls besser als ein miefender Mitsubishi 😉

    Um es mal mit dem (gruseligen) Slogan einer Elektromarkt-Kette zu formulieren: So muß E-Auto!

    @Koch B.: Übrigens: Old School darf die S-Klasse schon sein… solange sie nicht used-look ist…

    • Lieber PhiBo: Die Bereifung ist 255/35 R 22. Also mir hat das Fahrverhalten gefallen 🙂

      • 🙂 Da wird der Reifenwechsel zum teuren Spaß… hab’s grade mal überprüft. In der Größe gibt’s nix unter 400 Euro – pro Rad. Aber wer 125.000 Euro für ein Auto hinlegt, wird wohl auch alle paar Jahre mal die 1600 Euro für Reifen übrig haben.

        Irgendwie bekomme ich grade Lust auf das Auto… möchte gerne mal das Gesicht sehen, wenn man Leuten das Auto zeigt, und dann den Verbrauch nennt.

        • Der Reifenpreis entspricht der Liga in welcher der Fisker spiel, irgenwie total normal. Lust darauf hätte ich auch. Vielleicht in 4 Jahren als Leasingrückläufer 😉

  • Zum Thema Elektroautos (der Fisker ist kein Elektroauto) habe ich einen sehr guten und witzigen Bericht über die e-miglia Rallye auf Heise.de gefunden.
    Alle vier Teile des Berichtes sind sehr lesenswert.

    hier mal der Link zum ersten Teil:

    http://heise.de/-1671396

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