Erstkontakt: Fisker Karma

Unsere erste Begegnung mit dem Fisker Karma findet bei Etehad in Halstenbek statt. Auf dem Weg dahin gehen mir einige Gedanken durch den Kopf. Fisker Automotive ist ein junges Unternehmen, der Karma das erste unter eigener Marke vertriebene Produkt. Ein Elektroauto mit Range-Extender noch dazu. Also die Erwartungen nicht zu hoch hängen bei einem Newcomer. Oder?

Fisker Karma, Sportwagen mit Range Extender und Batterie

In Halstenbek treffen wir Masoud Etehad, Eigentümer des gleichnamigen Autohauses und einer von 7 Fisker Händlern in Deutschland. Wir kennen uns von der letztjährigen Saab Händlertour und von unserem gemeinsamen Auftritt bei Vox. Auf unsere Anfrage nach einem Fisker-Tag in Hamburg gab es gleich eine positive Antwort. Masoud Etehad ist Hamburger Kaufmann durch und durch. Was er tut, das tut er mit Leidenschaft und Konsequenz. Die Fisker Vertretung war lange geplant und seit gut 10 Wochen sind die Fahrzeuge lieferbar.

Felgen 22″ und Brembo Bremsen

Im Showroom steht ein Karma bereit, und der erste Eindruck ist „Wow“. Breit, flach, sehnig. Die Seitenlinie erinnert an eine Raubkatze auf dem Sprung, das Heck verrät die Tätigkeit von Henrik Fisker für Aston Martin. Der Karma könnte auch ein Sportwagen einer edlen englischen Manufaktur sein. In der „Silver Wind“ genannten Lackierung funkelt der Fisker wie ein Diamant, was ein gewollter Effekt ist. Denn im Lack befinden sich kleine, gemahlene Glaspartikel – aus Recyclingglas. Fisker lebt den Umweltgedanken und – okay, okay – wir stehen hier vor einem Wagen mit beeindruckenden 22″ Felgen und 408 PS Systemleistung, der gleichzeitig das umweltfreundlichste Auto auf dem Markt sein soll.

Solardach Fisker Karma

Die Skepsis, das könnte alles nur Marketing sein, verschwindet von Minute zu Minute. Fisker hat sich Gedanken gemacht, und die grüne Grundidee wird konsequent verfolgt. Für die Holzapplikationen im Karma muss kein Baum gefällt werden. Das Interieursholz ist „Restholz“, wie zum Beispiel „Rescued Wood“ aus den Feuerstürmen 2007 in Californien oder „Sunken Wood“ aus dem 18. Jahrhundert vom Grund des Lake Michigan. Das Leder kommt aus der ersten Energie-autarken Manufaktur der Welt, bei der Verarbeitung wird auf einen minimalen Verschnittgrad geachtet. Für jene, die es mögen, gibt es den Karma auch mit einem Innenraum,der frei von tierischen Produkten ist. Das Ausstattungsniveau „Ecostandart“ liefert dann Teppiche aus recycelten PET und Sitzschaum auf Sojabasis und so weiter. Luxus mit Verantwortung für mehr als 100.000 Euro.

Mich erinnert die Fisker Story unwillkürlich an die guten alten Saab Jahre, die 20 Jahre her sind. Saab verwendete damals Holz aus Plantagenanbau, was als enorm umweltfreundlich galt, während andere Hersteller ungeniert Tropenhölzer verarbeiteten.

Direkteinspritzer Turbo als Rangeextender

Der Karma wird bei Valmet in Finnland gebaut, früher Saab-Valmet, und damit noch eine Parallele. Als ob das nicht genug wäre, öffne ich die Türe, nehme hinterm Lenkrad Platz und fühle mich auf Anhieb wohl. Der Sitz wie in einem Saab, die puristischen Bedienelemente logisch angeordnet. Und wenn wir gerade über Saab und Fisker reden, unter der Haube des Fisker wohnt – huch wir kennen uns doch – als Range Extender der 2 Liter Turbo Direkt-Einspritzer-Motor aus dem Saab 9-5 II.

Designed in California – gebaut in Finland

Im Innenraum sieht man, was passiert, wenn ein Designer sich seine eigene Marke leistet. Kein Controller, der den Spass am Auto einbremst. Edle und authentische Materialen, bestens verarbeitet, wohin das Auge schaut. Schafft es Fisker, sich als neues Unternehmen am Markt zu etablieren, werden die Vorstände in Ingolstadt und Stuttgart bei diesem Innenraum Kopfschmerzen bekommen.

Denn der Fisker tut nicht nur so, als ob er edel wäre, er ist es einfach. In den Türauflagen finden sich, aus optischen Gründen, Glaseinlagen, in der Mittelkonsole ebenso. Echtes Glas, kein „ich tu mal so als ob“. Gibt man einen Bedienbefehl über die Mittelkonsole, dann huscht ein optischer Blitz durch das Glas in Richtung Armaturenbrett. Ein liebevolles Detail. Die Fensterheber sind aus gefrästem Aluminium. Alles, was ich anfasse, ist echt und alles ist sehr geschmacksicher angeordnet. Meine unterschwellige Befürchtung, der Fisker könnte etwas zu sehr am amerikanischen Geschmack orientiert sein, verfliegt innerhalb von Sekunden.

Fisker Karma Cockpit

Die Bedienung ist intuitiv, und wer ein Iphone oder ein Ipad hat, der braucht im Fisker kein Handbuch. Beide Apple Produkte sind leicht zu integrieren, und jeder Bedienschritt erschließt sich sofort. Womit wir mal wieder bei Autoherstellern wären, die uns über irgendwelche albernen Drehschalter in der Mittelkonsole Ihre Bedienkonzepte als „einfach“ verkaufen wollen. Das war vor gefühlten 30 Jahren so. Ein Bedienkonzept ist nur dann gut, wenn ich kein Handbuch brauche. Der Touchscreen des Fisker zeigt, wie einfach es geht, und München und Ingolstadt sehen ganz alt aus.

Fisker Karma Mittelkonsole

Der Karma will ein Sportwagen sein, keine Limousine. Man sitzt auf allen 4 Plätzen gut, vorne natürlich besser und opulenter als hinten. Beschleunigen soll der in Californien designte und in Finnland gebaute Wagen in 6.6 Sekunden von 0 auf 100. Bei einem Verbrauch von 2.2 Liter auf 100 Kilometer. Jetzt wollen wir den Karma fahren und haben ein Problem…der Vorführwagen ist verkauft und die neue Lieferung rollt gerade auf den Hof.

Wir bekommen einen neuen Vorführ-Karma, direkt vom LKW. Ist das nicht etwas mutig, denke ich mir. Autos für die Medien werden normalerweise penibel vorbereitet, und wir bekommen einen fabrikneuen Fisker, einfach so ! Wenn das mal gut geht… Wie sich der Fisker Karma fährt, Tom und Marks erster Ausflug in einem Elektrosportwagen, das kann man morgen lesen.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

8 Gedanken zu „Erstkontakt: Fisker Karma

  • Was will ein 220PS Motor in einen Range Extender? Oder ist es keinen Range Extender und „nur“ einen Plug-In Hybrid?

    Was den Innenraum angeht, da habe ich gemischte Gefühle. Materialien scheinen Ok zu sein und so die Verarbeitung, aber schön ist was anders. Zm Beispiel die Zwei-Uhren Instrumenten, wo man etwas länger darauf schauen muss, da es nicht eindeutig ist welche die wichtigere Anzeige ist.

    Habe den Karma schon ein paar Mal auf Messen gesehen, und der hat mich bis jetzt nie überzeugt. 🙁

  • Moin zusammen.

    Als ich neulich ca. 2 Stunden auf einen Einbau am Saab warten musste, habe ich auch einen Blick auf dieses Auto werfen dürfen.
    http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=d16c28-1346057950.jpg

    Ich hab da gerade mitgekriegt, wie Saab-Prospekte aus den Regalen verschwanden und z.B. durch Kia-Prospekte ersetz wurden … das schmerzte schon etwas! ;-(

    Der Karma sah allerdings schon sehr spektakulär aus und schien mir auch sehr hochwertig verarbeitet zu sein!
    Allerdings hat mir der optisch „leichte“ Knick zwischen Motorhaube und Windschutzscheibe „live“ nicht ganz so gefallen und eine etwas größere Falz-Lücke an einer Stelle an der 3 Teile zusammenliefen (Motorhaube, Säule und Seite glaub ich, ist ja aber eher technisch bedingt).

    Ich hab mich allerdings nicht getraut, mich in den Wagen zu setzen – ich hatte etwas Angst, nicht wieder raus zu kommen! 😉
    Der Wagen ist wirklich sehr flach.
    Aber für einen Sportwagen schien mir der Innenraum doch recht geräumig zu sein.

    Als ich in HH war, stand noch ein zweiter draussen. An dem sind einige Passanten vorbeigegangen und haben sich sehr interessiert den Wagen angeschaut.

    Mich pers. würde jedoch der Preis abschrecken.
    Mich würd aber mal interessieren, wie viele Fisker in De denn schon so „rumstromern“.

    Ich bin schon sehr auf euren Fahrbericht gespannt!!!!

  • Autodesign war ja immer schon meine Passion. Leider hab ich es ja nicht bis zum Design College in Vervey geschafft ( gehört zum college in LA – wo Castriota war) also beschränk ich mich auf das Gestalten von anderen Dingen. Aber ich muss schon sagen, ganz wertfrei, wenn ich die Ecken und Kanten auch nicht so mag, aber das Design scheint schlüssig zu sein. von vorn bis hinten.
    Sehr diszipliniert wurde hier und da die Linie durchgezogen.
    Einzig die Farbverläufe im Display verwirren. Fast zu verspielt, fast zu lieblich.
    Ich wünsch dem Fisker und seinen Erschaffern viel Glück. Soviel Disziplin muss belohnt sein.

  • Der Karma erzeugt Emotionen, genau dies hat Saab verschlafen gehabt.
    Ein kleiner Hersteller kann nur überleben wenn er sich vom Massengeschmack abhebt.
    Mir gefällt der Karma sehr gut, leider für mich jenseits meines Budget. Wie armselig sind dagegen die konkurierenden Oberklasseprodukte, beim Design und bei der Technik.
    Besonders das Design des Porsche Panamera, das an einen rundgelutschen VW 412 erinnert, ist dagegen nur peinlich. Ein Manta für Reiche.
    Mein erster Saab kam aus Nystad von Saab-Valmet, ich wünsche den Finnen viel Erfolg — Schade das Saab es nicht geschafft hat solch ein Fahrzeug zu entwickeln!

  • Der Blick über den Tellerrand ist erste Sahne! Ich freue mich auf den Fahrbericht und über noch mehr Blicke in das, lasst es mich mal „Exotenlager“ nennen. Wenn Tom und Mark weiterhin neben SAAB nicht alltägliche Autos testen wäre das für mich das Sahnehäubchen auf dem Capucciono!

  • Beim hiesigen Händler oxidieren wenigstens 5 Stück im Freien (!) vor sich hin. Die Verarbeitung der Türgriffe ist in dieser Preisklasse echt übel. Das Design und die Silhouette aber toll. Auch die Ausformung des Daches zur richtig breiten hinteren Seitenwand ist spektakulär. Nett : Durch den vorderen Grillteile kann man schön den Styropor – Schaum hinter der Stoßstangenhülle betrachten.
    Aber der Preis und die Perspektive des Fahrzeuges in vielleicht 5 Jahren bzw. des Herstellers plus Ersatzteile mit Verfügbarkeit etc. ist wohl eine Herausforderung für die Händler und die potentiellen Kunden

  • Das Auto hat laut Datenblatt nur 262 Kilo Zuladung! Das kann es doch nicht sein. Und 2,5 Tonnen Leergewicht ist auch eine Ansage.

  • Am Fisker Karma sind schon auf der letzten IAA(mangels SAAB-Stand) meine Augen kleben geblieben und meine Frau musste mich wegziehen!
    Wirklich eine Sünde wert!
    Könnte eine echte Alternative zu meinem 9-5II werden.
    Ich 20 Kilo weniger, dann müsste der Karma passen. Das gesparte Süßigkeiten-Geld in einen Sparstrumpf und in 2 Jahren leeren… man wird sehen.

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