Rückspiegel: Mahindras Weg nach Westen

Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel
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Die Schweden haben ihr Urteil gefällt. Im Heimatland von Saab gilt Mahindra als Favorit wenn es um die Zukunft des Autokonzerns geht. So wie es scheint wird das Finale von Lotus-Youngman und Mahindra & Mahindra bestritten. Noch warten wir allerdings auf verlässliche Nachrichten.

Zeit uns Mahindra und die aktuellen Aktivitäten etwas näher anzuschauen. Der Unterschied zwischen den vermutlichen Finalisten ist augenscheinlich. Während die möglichen Käufer aus der Volksrepublik China ihre Finanzkraft aus alten Industrien wie der Bergbau und Schwerindustrie ziehen, ist Mahindra ein moderner Mischkonzern. Lotus-Youngman steht dort, wo Mahindra & Mahindra vor 65 Jahren begann.

Die Inder sind mittlerweile in über 100 Ländern weltweit tätig und beschäftigen mehr als 144.000 Mitarbeiter. Der 1945 gegründete Konzern beschäftigt sich mit Fahrzeugbau, Militärtechnik, Landwirtschaft, IT-Lösungen, Flugzeugbau und mit vielem mehr. Dabei geht man sehr expansiv und konsequent vor.

Was wir sehen ist beeindruckend. Permanent entstehen neue Joint-Ventures und das Reich von Keshub und Anand Mahindra wächst täglich um ein kleines Stück. Mahindra will zum Vollsortimenter im Bereich der Mobilität werden.  Die Flugzeug Division wurde 2007 gegründet, zwei Jahre später wurde der Hersteller Gipps Aero dazu gekauft. Der Bau von robusten Geländewagen, eine der Stärke von Mahindra seit 65 Jahren, wurde durch den Kauf des angeschlagenen Herstellers Ssang Yong 2011 um eine SUV Palette ergänzt.

Damit haben die Inder einen Fuß in der Tür des trendigen SUV Segments. Ein erster Schritt, dem weitere folgen. Das neue Erfolgsmodell aus Indien, mit dem man den Markt der rauhbeinigen Geländewagen vom Schlag eines Land Rover Defenders verlassen will, ist der XUV 5000. Für Mahindra Verhältnisse fast schon in Richtung Lifestyle gehend markiert er die neue Richtung.

Die Strategie ist klar. Weg mit der Abhängigkeit von einfachen, robusten und preiswerten Produkten. Hin in neue, höher angesiedelte Marksegmente. Damit haben die Inder Europa fest im Visier. Während mit den bisherigen Pickups und Gelände-Alleskönnern nur Bergbauern und Fortswirte zu begeistern waren, wird sich mit dem XUV5000 die Wahrnehmung ändern. Für Europa ist das neue Flaggschiff fest eingeplant. Die Inder spaßen nicht, sie sind bereits gelandet. Über die Länder des Balkans geht es weiter in das alte Europa.

Aufbruch: Mahindra XUV5OO
Aufbruch: Mahindra XUV5OO

Einzelne Mahindra Ableger sind bereits in Deutschland angekommen. Seit 2011 unterhält Tech Mahindra zusätzlich zur Vertriebsniederlassung Düsseldorf ein Entwicklungszentrum in Bonn.

Die Fahrzeugsparte zieht nach. In Italiens Hauptstadt wurde die Mahindra Europe S.R.L. gegründet und die Website für den italienischen Markt ist im Aufbau. Spanien und Portugal, traditioneller Markt für robuste Geländegänger, sind bereits erschlossen. Als nächstes steht Frankreich auf der Liste. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis Deutschland und Skandinavien keine weissen Flecke auf der Mahindra Karte mehr sind.

Das Investment in Saab würde für den Konzern sehr gut passen. Man hat Geländewagen, Lastwagen, Elektroautos und seit 2009 baut man auch Motorroller . Konsequent wie die Eigentümer sind gründete man zwei Jahre später einen Zweirad Rennstall, als erster Konzern des Subkontinents überhaupt.

Fehlen nur noch Limousinen, Cabriolets, Kombis. Fehlt nur noch als Krönung der Erfolgsgeschichte eine Traditionsmarke aus Europa. Denn bisher hat man nur einen Kleinwagen im Angebot, die PKW Sparte ist der Schwachpunkt im Konzern.  Der Wille zur Erweiterung ist da und an Versuchen zur Expansion hat es nicht gemangelt. Im Kampf um Jaguar/Land Rover wurde man im Finale vom lokalen Konkurrenten Tata geschlagen. Daher ist es für Mahindra auch eine Image Frage die Kultmarke aus Schweden zu erwerben. Für die Expansion in Europa und dem Rest der Welt wäre Saab die optimale Ergänzung.

Auch die Unternehmens-Philosophie scheint nahe an der Schwedischen zu sein. Positives Denken, die Suche nach alternativen Lösungen und keine Grenzen zu akzeptieren, das sind die Grundsätze im Konzern. Da klingt ein wenig „Move your Mind“ durch. Lösungen aus Trollhättan, immer ein wenig anders als beim Mitbewerber, hier scheinen sie möglich. Der berühmte „Spirit of Saab“, von GM Buchhaltern nicht geschätzt,  könnte bei den Indern eine neue Heimat finden.

Mit alternativem Denken kann man weit kommen. Man kann nach ganz oben an die Spitze stürmen, Marktführer werden. Die Agrarsparte hat das getan. Die Inder haben im letzten Monat 16.000 Traktoren verkauft. Eine riesige Stückzahl im Agrarsegment. Der deutsche Platzhirsch Fendt verkauft vermutlich 14.000 Einheiten. Im Jahr.

Text: tom@saabblog.net

13 Gedanken zu „Rückspiegel: Mahindras Weg nach Westen

  • Na, hoffentlich wird das was (und das möglichst bald)!!!!

  • Wir haben uns in den vergangenen Monaten/Jahren ja schon oft auf der Zielgeraden gesehen, hoffen wir das es diesmal wirklich so ist.

    Belastbare Infos über die Zukunftsvisionen der einzelnen Bieter fallen schwer, da über vielen, wenn nicht allen möglichen Rettungsvisionen ein Damoklesschwert aus Detroit schwebt. Hoffen wir also das Beste. Hoffen wir, das alle Beteiligten ihre Hausaufgaben gemacht haben, an mangelnder Zeit sollte es ja nicht gelegen haben….

    PS.:
    Wenn es weiterhin nach dem Drehbuch eines schwedischen Krimis zugeht, kommt der große Unbekannte jetzt bald aus der Deckung……

  • Sollte morgen nicht eigentlich die nächste Pressekonferenz stattfinden ? Weiß hier jemand näheres dazu, vielleicht Tom ?

    • Eigentlich sollte morgen eine Konferenz sein, das stimmt. Konkrete Informationen fehlen nach wie vor. Aber alle Anzeichen deuten darauf hin dass bald etwas passiert.

    • Laut SU wird es vorerst keine weiteren Pressekonferenzen geben. Ich würde sagen, die Verwalter haben nichts mehr zu sagen außer wer Saab kaufen wird, das könnte aber ein paar Tage dauern.

      • Hallo RedJ, schön dass Du wieder da bist. Danke für die Info!

  • wenn wir nun beim Finale Youngman gegen Mahindra sind , und die Insolvenzverwalter die Katze hoffentlich nun endlich aus dem Sack lassen , dann wäre es trotzdem ganz interressant zu erfahren wer den nun wirklich der unbekannte europäische Autokonzern/ Bieter war und was er mit Saab vor hatte. Wenn das Ende der Prozedur dann endlich mal da ist sollte dann auch schleunigst mit dem Neustart begonnen werden und das Beste daraus gemacht werden. Hätte ,wäre wenn gibt es dann nicht.Aber trotzdem wäre es für mich als neugieriger Mensch doch ganz interressant , zu erfahren , was es für Alternativen gegeben hätte. Eigentlich glaubte man nach allem was geschrieben wurde BMW wäre der Unbekannte . Die sagen aber sie haben nur ihre Motoren gesucht. Also wer war es den dann ?

    • Nach meiner Einschätzung ist das Ding schon gelaufen. Die Insolvenzverwalter verhandeln mit einem Käufer über die Details und halten den Druck aufrecht in dem sie den zweiten hinhalten.
      Ich hoffe für SAAB daß es der indische oder vielleicht europäische Käufer wird denn China passt nicht.
      Vielleicht kommt ja der BIG BANG und die Verwalter lassen diese Woche die Katze aus dem Sack.
      @Peter: Tom wird uns schon irgendwann erzählen wer es war, denn der weiß sicher was. Oder die Jungs von SU plappern. 😉

      • Not this time 😛

  • Zudem hat Mahindra bereits Kooperationen mit SAAB AB im Bereich der Militär / Aero Sparte… sprich die Markenrechte sollten kein Problem darstellen….

  • Wenn mein Wunschkandidat Mahindra (seit dem der Name erstmalig im Zusammenhang mit SAAB fiel) den Zuschlag bekommt, mache ich eine Flasche Moet auf und geh in die Garage zu meinen 3 soliden Schweden und wir stoßen auf eine gute Zukunft an.

    Als Krönung bekomme ich am nächsten Montag noch einen neuen, unzugelassenen 9-5II Aero Turbo in den Fuhrpark und gebe zusätzlich Mahindra das Versprechen ab: Ich bleib der Marke SAAB treu!!!
    Baut auf Ssangyong-Basis einen schönen SAAB-Ableger 9-4X und ich unterschreibe in Kürze…

    • Ein auf SAAB-Niveau angehobener Ssangyong hätte was – vielleicht sogar ein 9-4X hybriddrive….

      Auch die bisherige Zusammenarbeit mit der SAAB-Luftfahrtsparte ist noch ein zusätzlicher positiver Faktor – nicht nur was die Markenrechte angeht. Mahindra ist einfach ein supergeeigneter Kandidat!

  • Nach dem jahrelangen Niedergang der Marke SAAB scheint mir der Kauf der Marke durch Mahindra die einzig richtige und erfolgsversprechende Lösung zu sein. Es bestehen offensichtlich keine Abhängigkeiten zu anderen Automobilkonzernen. Es liegt nahe, dass Mahindra, anders als andere mögliche Interessenten, nicht an einer weiteren Ausbeutung der Marke SAAB interessiert ist, sondern ähnlich wie Tata/Jaguar an einer starken Marke arbeiten würde.

    Bei Lotus Youngman vermute ich immer noch, dass es Spannungen zwischen solider Entwicklung und nicht ausgereifter Technik dafür aber schnelle Markterfolge geben könnte, die der Marke SAAB nicht wirklich gut tun würden. MG/Rover scheint mir ein lebendes Beispiel dafür zu sein, wie es vielleicht in 3 Jahren bei SAAB aussehen könnte.

    Ich hoffe sehr, dass ein neuer Eigentümer dieser wunderbaren Marke endlich erkannt hat, was die waren Potentiale sind und die Finanzkraft hat, mit langem Atem an dem durchschlagenden Erfolg für SAAB zu arbeiten. Verdient haben es alle Beteiligten alle mal.

    Henrik900

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