Rückspiegel: Motivation der Administratoren, Beileid PSA!

Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel
Der Blick zurück: Bloggers Rückspiegel

In den nächsten Tagen wird auf dem Blog weniger zu berichten sein, denn andere Dinge erfordern mehr Zeit. Das wahre Leben erfordert Aufmerksamkeit, Saab wird warten müssen. Anfang Januar hatte ich ein langes Gespräch mit einem Freund aus Stockholm. Wir sprachen über die Administratoren und über ihre möglichen Beweggründe, die Herausforderung anzunehmen. Mein Freund meinte, bei Hans Bergqvist den Ehrgeiz erkennen zu können,  Saab in eine neue Zukunft führen zu wollen.

In einem möglichen Motivationspaket mag auch diese Idee eine Rolle spielen. Jeder von uns hat Dinge, die ihn zu Höchstleistungen antreiben, oder auch nicht. Ein weiterer Faktor ist die Standortpolitik, die in Schweden eine wichtige Rolle spielt. Die Süddeutsche Zeitung bringt es auf den Punkt und bringt uns in Erinnerung, dass der schwedische Staat der mit Abstand größte Saab-Gläubiger ist. Was mit einer gewissen Möglichkeit der Einflussnahme Hand in Hand geht.

Damit läuft es für Saab auf den ersten Blick in die richtige Richtung. Chancen habe alle Bieter, die für Trollhättan ein gutes Konzept haben. Leider sind dabei nicht nur Parteien, welche unsere Marke weiterführen wollen. Vielleicht sollten die Administratoren neben Standortpolitik auch etwas Nationalstolz einfliessen lassen. Etwas mehr den Fokus auf den Erhalt der Marke Saab lenken. Ich habe es vor Monaten geschrieben, ich schreibe es erneut. Saab ist Schweden, und fast jeder Saab-Fahrer ist irgendwie mit dem skandinavischen Land verbunden. Viele verbringen ihren Urlaub in Schweden, kaufen noch andere schwedische Produkte. Jeder Saab auf unseren Straßen ist ein Botschafter Schwedens. Nationalstolz, richtig dosiert, wäre eine weitere Motivationsquelle.

Hat Brightwell mit GM gesprochen oder nicht ? Sprechen die Administratoren mit GM oder nicht ? Im Fall Brightwell Holding steht Aussage gegen Aussage. GM dementiert, Brightwell bejaht. Die türkischen Investoren sind Geschichte, und damit ist auch Victor Muller endgültig von Bord. Muller konnte sich vorstellen, mit Brightwell wieder eine aktive Rolle in Trollhättan zu spielen. Wir schätzen Muller als mutigen Mann, der die Marke retten wollte. Aber er trägt als CEO ebenso die Verantwortung für den Konkurs. Muller wieder bei Saab ? Lieber nicht. In einigen Jahren wird die Erinnerung die Ereignisse vielleicht in einem milderen Licht erscheinen lassen. Vielleicht urteilen wir dann auch milder über Victor Muller.

Saab 9-4x und 9-5 sind Geschichte. GM wird keine Rolle mehr in der Saab Zukunft spielen, davon können wir ausgehen. Mögliche Investoren wie Youngman wollen ein GM-freien Saab 9-3 bauen. Für eine Übergangsfrist nur mit Automatikgetriebe und Dieselantrieb. Vielleicht aber auch zusätzlich mit Saab e-Power. Wir könnten damit für einen gewissen Zeitraum leben.  Andere Investoren planen für Saab eine komplett neue Produktpalette. Auch GM hat neue Pläne in Europa. Eine Beteiligung der Amerikaner am PSA Konzern soll zum Automobilsalon in Genf verkündet werden. Reuters sprach heute von 5 % als ersten Schritt.

Passen Opel / PSA / GM zusammen ? Experten sehen die kommende Verbindung negativ. Die Analyse zu diesem Thema sollen andere schreiben, aber dass es schon auf den ersten Blick nicht passen kann, merkt auch der Laie. Bei Opel stehen momentan Kosten und Fahrzeugqualitäten auf dem Prüfstand. Jedes Teil wird auf Einsparung geprüft, so als ob GM nichts aus der Vergangenheit gelernt hätte. José Ignacio López de Arriortúa, der Name hat Donnerhall und sollte Warnung sein. Der ehemalige GM-Manager fuhr bei Opel in den 90er Jahren Qualität und Kosten runter, Gewinne kurzfristig rauf. Um dann massiv Marktanteile zu verlieren.

PSA hat diese Prozedur vor sich. Citroen, für manche Saab-Fahrer als Alternative gehandelt, könnte dann die neue, unverstandene GM-Marke werden. Eine zweifelhafte Perspektive für die Avantgarde aus Frankreich.

GM ist für uns vorbei ! Mit der PSA Ehe positioniert sich der Konzern in Europa neu. Ein Mitbewerber wird niemals Lizenzen aus Detroit bekommen.

Brightwell vorbei, Muller vorbei, GM vorbei. Schlimm ? Nein ! Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Der uns beschützt und der uns hilft zu leben. Das war jetzt poetisch und nicht von mir, sondern zum Teil von Hermann Hesse ausgeliehen. Er wird mir verzeihen,  für die Niederungen eines Autoblogs gebraucht zu werden.

Das Ende vieler Träume haben wir hinter uns. Es wird Zeit für einen neuen Anfang ! Das Frühjahr naht,  und es wird Zeit in Schweden den Winterschlaf zu beenden. Zeit für den Neustart. Zeit für gute Nachrichten.

Text: tom@saabblog.net

10 Gedanken zu „Rückspiegel: Motivation der Administratoren, Beileid PSA!

  • Zitiert aus „Technik und Motor“ der FAZ vom 28.02.12

    Sofern das Zitat stimmt, sagt das ALLES, was man wissen muß:
    über nicht verstandene Bedürfnisse von Premiumkunden
    über die o.a. Markenbotschafter eines Landes (Made in …)
    warum GM´s Badge engineering nicht funktioniert
    warum VW, Porsche, BMW in vielen Märkten und Marktsegmenten Erfolge feiern (Made by …)
    daß bei GM in 20 Jahren keiner SAAB und seine Kunden verstanden hat.

    Auch wenn ich sonst ein stiller Mitleser bin, muß ich Dir jetzt großen Dank sagen, Tom, für diesen Blog!
    Ich fahre nicht nur selbst SAAB, seit ich meinen Führerschein habe, sondern bin bereits nach meiner Geburt im SAAB nach Hause gefahren worden: 1975, als selbst in HH ein SAAB ein echter Exot war. Vielleicht kommt daher die Passion?

    Und nebenbei: reines GM-Bashing ist mir fremd, schließlich fahre ich auch liebend gerne, unseren Cadillac SRX V8 – ein famoser Allrad-SUV mit sportlich-komfortablem Fahrgefühl dank Magnetic-Ride.
    Hinsichtlich mancher Details und natürlich der Individualität erinnert er mich an SAAB.
    Nicht zu vergessen, daß der aktuelle SRX und 9-4X zumindest gemeinsame Gene haben.

    Herzliche Grüße
    Jörn aus HH

  • „Eine Fabrik ist eine Fabrik. Dem Fließband oder den Arbeitern ist es egal, welches Markenzeichen auf den Kühlergrill kommt.“
    Timothy E. Lee, für das internationale Geschäft verantwortlicher Präsident von GM und Aufsichtsrat von Opel, auf die Frage der Schweizer Fachzeitschrift „Automobil Revue“, ob er sich die Produktion von Chevrolet-Autos in europäischen (Opel-)Werken vorstellen kann.

    Zitiert aus “Technik und Motor” der FAZ vom 28.02.12

    Sofern das Zitat stimmt, sagt das ALLES, was man wissen muß:
    über nicht verstandene Bedürfnisse von Premiumkunden
    über die von Tom erwähnten Markenbotschafter eines Landes (Made in …)
    warum GM´s Badge engineering nicht funktioniert
    warum VW, Porsche, BMW in vielen Märkten und Marktsegmenten Erfolge feiern (Made by …)
    daß bei GM in 20 Jahren keiner SAAB und seine Kunden verstanden hat.

    Auch wenn ich sonst ein stiller Mitleser bin, muß ich Dir jetzt großen Dank sagen, Tom, für diesen Blog!
    Ich fahre nicht nur selbst SAAB, seit ich meinen Führerschein habe, sondern bin bereits nach meiner Geburt im SAAB nach Hause gefahren worden: 1975, als selbst in HH ein SAAB ein echter Exot war. Vielleicht kommt daher die Passion?

    Und nebenbei: reines GM-Bashing ist mir fremd, schließlich fahre ich auch liebend gerne, unseren Cadillac SRX V8 – ein famoser Allrad-SUV mit sportlich-komfortablem Fahrgefühl dank Magnetic-Ride.
    Hinsichtlich mancher Details und natürlich der Individualität erinnert er mich an SAAB.
    Nicht zu vergessen, daß der aktuelle SRX und 9-4X zumindest gemeinsame Gene haben.

    Herzliche Grüße
    Jörn aus HH

    • Das Zitat spricht wirklich Bände und zeigt, das GM in den Zeiten des Taylorismus hängen geblieben ist. Wen wundert es da, dass es mit SAAB nie geklappt hat?

  • Als Fan der Marken SAAB und Peugeot hat mich die Mitteilung, daß PSA/Peugeot Citroen mit GM kooperieren will, gelinde gesagt geschockt. Gerade weil die für mich wirklich interessanten Modelle beider Hersteller schon etwas älter sind (der Citroen XM z.B., den ich jeden Morgen gegenüber von meiner Wohnung parken sehe, oder den Peugeot 406 Coupé, den ich mir beinahe anstelle eines SAAB gekauft hätte), hatte ich darauf gehofft, daß PSA in naher oder mittlerer Zukunft wieder ähnlich tolle Modelle entwirft. Die Hoffnung kann ich jetzt wohl beerdigen.

    Und was Opel angeht… da bleibt einem wirklich nur noch das Kopfschütteln, wie wenig eine Firma aus ihren eigenen Fehlern lernen kann. Man darf nicht vergessen, daß Opel auch durchaus erfolgreiche Zeiten mit GM erlebt hat – es war ja grade das amerikanische, straßenkreuzerartige, das die alten Opel-Modelle so attraktiv machte. Leider wirkt sich ein amerikanisches Image heute nicht mehr positiv auf eine Automarke und deren Modelle aus. Da müsste Opel wirklich eigenständiger werden, mehr investieren, anstatt am falschen Ende zu sparen.

  • Citroen in den Händen von GM ? Solche Dinge dürfen nicht sein. Eine Beteiliigung sollte sich Peugeot noch mal gut überlegen. Ich dachte Peugeot und BMW bauen Motoren zusammen und gehen näher zusammen. Denke ich falsch ?

    • PSA hat riesige Probleme, die Hütte brennt sozusagen, deswegen ist scheinbar jeder Lösung willkommen. Irgendwie macht GM alles kaputt, was ich einmal gut fand. Meine alten Lieblingsmarken Saab, Alfa Romeo und Citroen. Erst wird Saab übernommen, dann kommen dank der unsäglichen Fiat-GM Partnerschaft (die dann ja auch Geschichte wurde) Opel-Motoren in Alfas und dann wird der ganze Peugeot-Citroen-Eintopf (von Citroen ist ja sowieso nichts mehr übrig, seitdem Hydropneumatik nur noch selten in Topmodellen geordert werden kann) noch von GM aufgegossen…

  • Lieber Tom,

    eine hervorragende Bestandsaufnahme – insbesondere in Sachen GM. Mit diesem Verein sollte man sich künftig wirklich nicht mehr befassen. Es gibt wesentlich wichtigere Dinge im Leben, als sich fortwährend mit diesen Dilettanten zu beschäftigen. Zamier Ahmed wird es ähnlich sehen.

    Herzliche Grüße aus der Hansestadt Hamburg und bitte weiter „am Ball bleiben“.

  • Ein Hesse Zitat auf einem SAAB Blog. SAAB Fahrer haben Niveau. Danke Tom 🙂

  • Entschuldigung, bin drastisch:
    die altbekannte herzenslose GM war, ist und wird bewusst gesteuert eine reine rechnerische auf Gewinn getrimmte „Bude“ sein und bleiben solange es geht!

    Das mikrige Herz dieses Grosskonzerns, ja das gab es tatsächlich, war einmal die kleine Abteilung Saab-Automobile in Schweden, die trotz ihren vielen genialen zukunftsweisende Ideen leider in jeder Hinsicht nur ausgenutzt wurde und schlussendlich bewusst hilfs- und beachtungslos wie ein Abfallsack beiseite deponiert wurde, da früh klar war, dass diese kleine Abteilung nie für die kaltkühne GM eine eigentliche Grössengefahr bilden konnte! Saab hat nie in diesem Konzept gepasst, demzufolge ist das ganze Szenarium um Saab keine eigentliche Überraschung, aber trotzdem eine eiskalte enttäuschte Niederlage, die Dank herzenslosen GM-Buchhaltern zur Eselslast gefallen ist und nun weltweit zur unverständlichen Hintergrundsdiskussion führt!

    Was verheimlicht GM noch alles mit seinem auffällig und unverständlichem Benehmen? Schneiden sie sich unbemerkt selber noch die Finger oder setzen sie Hoffnung auf andere Grosskonzerne um doch noch positive finanzielle Gewinne daraus zu erwirtschaften?

    Echt schade diese negative Situation und vorallem die verlorene Zeit um das Saab-Ende! Oder hoffentlicher Wiederanfang?

    Giampi

  • GM ist wie eine Plage. wie Wanderheuschrecken. Alles fressen und ausspucken. GM wird so lange in Europa wüten, bis ausser den großen deutschen Konzernen nix mehr da ist. Da sollte doch mal die Eu einen Riegel vorschieben. Scheiß Globalisierung.

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