Saab Youngtimer Testbericht: Saab 900 S Sport 1992

Saab 900 S Sport von 1992
Saab 900 S Sport von 1992

Meine persönliche Saab Leidenschaft hat mit einem Saab 900 S Sport begonnen. Nein eigentlich nicht. Schon einige Jahre früher hatte ich mich einen Saab 900 Turbo verguckt, aber mit frischem Schulabschluß und ohne Einkommen blieb der 900 erst mal ein Traum.

1992 war es dann son weit, ein nagelneuer 900 S Sport stnd vor mir. Was im Laufe  der Jahre folgte waren drei weitere Saab 900 S, seltsamerweise immer aus dem Jahr 1992. Steigt man heute in einen Saab 900 der 90er Jahre, dann spürt man zuerst die intime Enge zum Beifahrer. Obwoh der 900 mit fast 4.70 Meter Länge nicht klein ist, so ist er doch mit einer Breite von nur 1.69 Metern sehr schmal. Jeder „Chelsea Traktor“ hat heute, ohne Außenspiegel, mehr als zwei Meter Breite, was Platz im Innenraum aber Ärger im Parkhaus macht.

Saab 900 S Sport 1992
Saab 900 S Sport 1992

Der Zündschlüssel gehört, wie immer in das Schloß zwischen die Sitze, ein Dreh – der Saab startet mit dem unverkennbaren Zündgeräusch sportlicher Autos der späten 80er Jahre. Der Auspuff verfällt sofort in das sonore Brabbeln das die 900 Fans so lieben – uns geht das Herz auf.

Wir rollen vom Hof, begleitet von der typischen 900 Soundkulisse, die sonst kein anderes Auto bietet. Eine Autozeitschrift, die Autobild Klassik schrieb neulich der 900 habe keinen Sound. Was zum Teufel haben diese Leute gefahren ?

Wir gehen auf die Landstrasse, die ausstellbaren hinteren Fenster sind offen, der Turbolader pfeift beim Abruf der Leistung. Der 900S Sport ähnelt mit seinem Airflow Kit, welches nicht nur Zierde ist sondern einen besseren CW Wert bringt, dem 900 16 S Vollturbo – hat aber als Softturbo ohne APC „nur“ 141 PS. Bei 1.200 bis 1.300 Kilo Gewicht. Unser 900 S Sport ist mit einem zusätzlichen Ladeluftkühler ausgestattet, welcher sich positiv auf die themische Belastung und auf die Leistung ausübt. Denn gekühlte Luft bringt mehr Leistung.

Saab 900 S Innenraum, Ledersitze, automatische Sitzheizung
Saab 900 S Innenraum, Ledersitze, automatische Sitzheizung

Der Saab ist ein Fronttriebler und eine eigentliche recht alte Konstruktion. Es verblüft immer wieder wie gut der 900 seine Turbo PS auf die Straße bringt. Einflüße an der Lenkung spürt man, aber nur bei Vollgas und bei nasser Fahrbahn.

Im 900 sitzt man extrem gut. Die Sitze sind nach heutigem Maßstab zierlich, aber genial. Das Leder, 1992 mit heftigen 2.850 DM aufpreispflichtig, ist auch 20 Jahre später sein Geld wert. Dick, langlebig, bequem. Dazu mit einer automatischen Sitzheizung bestückt. Das Armaturenbrett ist ergonomisch, aus dem Flugzeugbau inspiriert, und umschließt den Fahrer. Mit der gebogenen Fronscheibe kommt das Gefühl einer Flugzeugkanzel auf. Ein Designelement, dass Saab mit dem neuen 9-5 erneut aufgenommen hat. Die Bedienung gibt keine Rätsel auf. Im Saab 900 fragt man sich manchmal, wo der Fortschritt der letzten Jahre geblieben ist.

Wir verlassen den Spessart und gehen auf die A3. Mittlerweile ist es Nacht, die A3 wenig befahren. Wir sind mutig – pfeifen auf das Tempolimit. Vor uns liegt die Einhausung der A3 bei Hösbach, eine lange Tunnelröhre. Seitenscheiben runter, Gas gegeben. Der Turbo faucht und der 900 röhrt durch den Tunnel. Kein Sound – von wegen. Der 900 Klang hat Suchtpotential. Aber Achtung. Ab und an stehen in der Tunnelröhre bei Hösbach uncoole Mitmenschen die auf Verstöße gegen das Tempolimit allergisch sind. Selbst bei einem Saab 900 gibt es keinen Humor. Angeblich.

Saab 900 S Sport, Schrägheck, große Klappe, dritte Bremsleuchte
Saab 900 S Sport, Schrägheck, große Klappe, dritte Bremsleuchte

Runter von der Autobahn, zurück zum Startpunkt. Auf schlechten Straßen fällt die recht harte Federung des Fahrwerks auf. Vor 20 Jahern war das akzeptabel, heute braucht es Nehmerqualitäten und eine gewisse Saab Liebe. Überhaupt ist das Geräuschniveau im 900 recht hoch. Was an der kurzen Übersetzung, des etwas knöcheren Getriebes, im 900 S liegt, gut für flotte Beschleunigung, speziell auf der Autobahn mit hohem Drehzahlniveau aber nervend. Hier gibt es aber Abhilfe in dem man auf ein Getriebe aus dem 900 16S wechselt, welches länger übersetzt ist.

Der Saab 900 ist auch heute noch gut klimatisiert. Die Belüftungsdüsen sind mit Unterdruck gesteuert, beim Verstellen der Belüftung kommt ein zischendes Geräusch. Faszinierend. Die Klimaanalage, auch damals mit 3.430 DM recht teuer, arbeitet gut und ist gerade bei einem schwarzen 900 ein Muß.

Zurück zu Hause. Wir stellen den 900 S ab, nachdem er noch eine Minute im Leerlauf brabbeln durfte. Aus dem Motorraum ist ein Knistern und Knacken von erhitztem Metall zu hören, wie es nur die Autos der vergangen Zeit konnten. Der Saab lebt, er hat Herz und Seele, keine Frage. Gegenüber steht der Mercedes Geländewagen des Nachbarn. Der lebt nicht, der hat keinen Sound. Schlagartig wird uns bewusst wie langweilig die Kisten der Neuzeit sind. Uniform, ohne Seele. Zur Perfektion getrimmte Computer auf Rädern.

Saab 900 S, Softturbo, Ladeluftkühler, Standheizung
Saab 900 S, Softturbo, Ladeluftkühler, Standheizung

Unser 900 aus dem Jahr 1992 hat Fahrerairbag, und ABS. Dazu Scheinwerfer Waschanlage, beheizbare Sitze und automatische Sitzheizung. Der Innenraum ist mit einem Pollenfilter geschützt. Was braucht man mehr ?

Zumal der 900 das Allzweckauto schlechthin ist. Heckklappe auf, wir sehen eine ebene Ladefläche und 493 Liter Ladevolumen. Gepäckraumabdeckung weg, schon sind es 770 Liter. Rückbank umgeklappt – 1338 Liter. Wahnsinn, denn wir reden von einem Coupe.

Der 900 ist ein Schwede mit Charme. Der 900 II, sein Nachfolger war für mich damals ein Kulturschock. Zu wenig inspiriert, zu beliebig, zu glatt. So sehr, dass ich nie einen 900 II gekauft habe. Ich wollte einfach keinen. Der legitime Nachfolger des 900 ist vielleicht der 9000. Größer, komfortbetonter, moderner und mit Heckklappe. Trotzdem ein Auto fürs Herz und ein richtiger Saab.

Aber eigentlich gibt es keinen Nachfolger. Der 900 ist einzigartig. Fahren Sie einen 900, Sie werden ihn lieben. Der Klang, die Ausstrahlung. Sie werden seine Vielseitigkeit und den Stil mögen. Und wenn er weg ist, werden Sie Ihn vermissen. Garantiert.

Text: tom@saabblog.net

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5 Gedanken zu „Saab Youngtimer Testbericht: Saab 900 S Sport 1992

  • wo ist der artikel vom 13.8. indem du über die aussage des kronofogen chefs berichtest der da sagt, das wenn am 29.8. die produktion nicht beginnt-
    es dann it saab vorbei ist
    wo ist der artikel
    der war doch wirklich endlich mal eindeutig
    mußt du so was wieder rausnehmen?
    weil der saab leitung das nicht paßt?
    es sollen wohl nur saab freundliche artikel veröffentlicht werden
    das wäre ja echt eklig!

    • Hmmm carlsosn,

      die Aussage mit dem 29.8. war von mir, meine Einschätzung der Lage. Musste ein Backup aufspielen weil ich zu viel am Server gespielt habe… 🙁 Und, ich schreibe schon das was ich will, unabhängig von Saab. O.K. ?

      LG

      Tom

      P.S. Ist wieder da !

  • hallo tom,

    deine liebe zu diesem saab kann ich gut verstehen – am we bin ich meinen 900 turbo 16s wieder mal länger gefahren und es ist immer wieder ein erlebnis. meiner ist zwar nicht ganz so perfekt erhalten wie der auf den bildern, aber sieht dennoch gut aus und hat mit ca. 180 ps genug leistung, die einfach nur spass macht.
    gelauft hatte ich ihn auch als 900 turbo s. so nach und nach wurde er dann mit ledersitzen, aero-beplankung, neues fahrwerk zu meinem 16s.

  • hallo tom,
    habe nach 12 Jahren im Mai wieder einen 900S gekauft und fahre ihn mit Begeisterung. Dabei steht der doch so geliebte Viggen nahezu unbenutzt im Hof. Ich kann deine Erfahrungen nur bestätigen!
    Gruss

  • Hallo Tom,

    kann deine Erfahrungen nur teilen! Habe mir nach 12 Jahren wieder einen 900S gekauft und fahre ihn seit 2 Monaten fast täglich. Dabei steht der geliebte Viggen nahezu ungenutzt im Hof. 900er sind faszinierend!

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