Saab Krise: Die Saab Schicksalsfrage

Rabenscharzer Himmel über Saab
Rabenscharzer Himmel über Saab

Die Lage in Schweden ist dramatisch. Daran kann auch der Immobilienverkauf nichts ändern. Denn es ist – wie es so oft in akuten Krisensituationen – „to little, to late“.

Das aktuelle Schicksal von Saab, kurz – und mittelfristig,  wird nicht mehr in Trollhättan oder in Schweden entschieden. Die Entscheidung fällt an anderen Orten, rund um den Globus.

Denn der schwedische Staatsminister Reinfeldt hat gestern sinngemäß folgenden Satz im Zusammenhang mit Saab gesagt „Schweden investiert in Menschen, nicht in den Erhalt alter vorhandener Strukturen“. Das war eindeutig. Aus Stockholm kommt keine Unterstützung für Trollhättan.

Entscheidungen zur Saab Zukunft fallen rund um den Globus, aus den unterschiedlichsten Gründen.

Westeuropa, Luxemburg:

In Luxemburg sitzt die EIB und eigentlich wollen wir nicht mehr über die EIB schreiben, denn die EIB ist für uns Saab Frust pur. Der EIB Kredit ist der „Strick um den Hals“ von Saab. Der Kredit ist zu teuer, unflexibel und blockiert jede unternehmerische Freiheit. Außerdem wurde alles was Saab an werthaltigen Sicherheiten besitzt für diesen Kredit verpfändet. An der EIB liegt zu einem guten Teil die aktuelle Zuspitzung der Lage.

Die EIB nimmt im aktuellen Szenario die Schlüsselstellung ein und wird in den nächsten Tagen das kurzfristige Schicksal entscheiden.

Das Immobiliengeschäft hängt an der EIB, denn die hat ein Vetorecht. Sagt die EIB „Nein“, würde auch ein „Ja“ aus Stockholm nichts nutzen, dann ist der Verkauf der Immobilien hinfällig.

Gestern schon hat man klar gemacht, dass man Saab bis auf weiteres keine Fördermittel zur Verfügung stellt. Die Botschaft kam unmissverständlich über das Svenska Dagbladet und ist eine klare Warnung an Saab. „Bringt die Finanzen in Ordnung, sonst drehen wir euch den Saft ab“, so ist die Message der EIB.

Sehr unwahrscheinlich ist die Freigabe der Sicherheiten, sollte Saab nicht die finanzielle Situation signifikant verbessern. Saab gilt als akut vom Konkurs bedroht. Kein Kreditinstitut verzichtet in dieser Lage auf werthaltige Sicherheiten.

Über den Antonov Einstieg braucht man nicht mehr zu reden, den hat die EIB blockiert. Dabei bleibt es. Rettung vor der EIB Blockade könnte nur eine Ablösung des Kredits sein. Dafür bräuchte es einen großzügigen Spender.

Asien, Peking:

Die mächtige NDRC sitzt in Peking und entscheidet über den Einstieg von Youngman und Pang Da bei Saab. Der Fahrplan von Victor Muller sieht einen Einstieg der Chinesen spätestens im Herbst vor, damit wäre der Autobauer liquide und die mittelfristige Zukunft gesichert. Die Lage in China ist allerding – man ahnt es bereits – nicht gut.

Die Financial Times sieht das Geschäft in den schwärzesten Farben als nicht „genehmigungsfähig“. William Russo, Analyst von CEO von Synergetics in Peking sieht den Zeitplan als unrealistisch an. „Es ist unwahrscheinlich dass die Politik im Fall Pang Da und Youngman vor Jahresende entscheidet“ sagte er gegenüber Dagens Industri.

Andere Autoanalysten wie Fang Ju von Minzu Securities und die Analystenfirma Synovate aus Shanghai haben eine ähnliche Meinung.

Warum ? Die Märkte in China werden immer stärker reguliert, die Regierung will in Richtung E-Mobilität gehen und endlich die Autoindustrie zwingen sich in einige große Konzerne zusammenzuschließen. Saab kommt zu einem politisch ungünstigen Zeitpunkt.

Eine Entscheidung zum Jahresende kommt auf jeden Fall zu spät. Denn bereits jetzt erodiert die Lage in Trollhättan täglich.

Nordamerika, USA, Detroit:

Detroit, GM ? Victor Muller war zu Besuch in den USA und hat auch GM in Detroit besucht. GM sitzt auf einem Berg von stimmrechtslosen Saab Aktien und GM ist Lizenzgeber von Saab. Gestern, zu sehr später Stunde, erhielten wir einen Hinweis über Möglichkeiten die sich kurzfristig mit GM ergeben könnten.

Jeder Blogger hat so seine Quellen, die einen sind ihm bekannt und vertrauenswürdig. Andere sind neu und schlecht einzuordnen. So auch die Quelle, die uns gestern über GM und Saab berichtet hat. Deshalb belassen wir es bei einem Hinweis, man sollte Detroit nich aus den Augen verlieren.

In eigener Sache:

Wenn Sie in den letzten Tagen den Blog zu negativ finden, so wie es Kommentator Marcus scheinbar empfindet – es tut uns leid. Wir, die Blogger kommnen beruflich aus einem Umfeld, das den Blick für manche Situationen geschärft hat. Auf dem legendären Saab Blog „saabsunited“ trägt man immer noch die rosarote Brille, vielleich schauen Sie dort mal vorbei, denn zwei Meinungen sind immer besser als eine.

Die Zeiten sind dramatisch, wir suchen mit der Lupe nach positiven Dingen und wenn wir welche finden dann publizieren wir diese.

Nur – in der aktuellen Situation – ist es schwer für uns.

Vielleicht aber sind aber auch Dinge die wir jetzt als negativ sehen in Wirklichkeit schmerzliche, aber langfristig positive Ereignisse.  Wir versuchen objektiv zu berichten, fühlen uns aber verpflichtet die jeweiligen Zusammenhänge unseren Lesern möglichst „ungeschönt“ und wahrheitsgemäß mitteilen.

In der Hoffnung auf bessere Saab-Zeiten.

Text: tom@saabblog.net

5 thoughts on “Saab Krise: Die Saab Schicksalsfrage

  • Unser Clan hat:
    1x 9-5
    2x 9-3 Sportcombi
    1x 9-3 Limo

    Dann stehen noch rum:
    1x 900II
    1x 9000 Anniversery

    Was wir tun können, tun wir.
    Wenn trotz der Krise weiter Autos bestellt werden(würden?), dann gibts vielleicht noch ein Wunder. Ansonsten sind wohl alle, die die Situation kritisch einschätzen Realisten.

    Wenn nicht, werden die Kisten mal sehr wertvoll und ich fahre halt wie zu DDR-Zeiten ein Auto länger als 10, 15 Jahre.

  • saab-autos gibt es nicht ohne saab als unternehmen.
    ich habe vier stück davon – von 1988 – 2010 und alle sind „saabish“!

  • Kritisch – aber nicht unfair. Und damit aus der Wirtschaftsecke betrachtet zur Zeit besser als SaabsUnited!

    Wir freuen uns über Investoren und respektieren sie. Fans sind wir aber von den Saab-Autos.

  • hallo tom,

    stimmt – ich empfinde den blog zur zeit als zu kritisch – aber das ist eben nur meine meinung, die wir ja auch nicht teilen müssen – wir teilen ja offensichtlich die liebe zu saab und das ist ja auch nicht unwichtig.
    es ist eine eigenschaft der presse und auch von verschiedenen gesellschaften, zunächst einmal die risiken etc. zu beleuchten und die chancen weniger, da die chancen meist „weiche“ faktoren sind und die risiken „harte“.
    ich habe sehr wohl in meinem berufsleben gelernt, sehr analytisch an dinge heranzugehen, habe aber auch gelernt, dass es viele faktoren gibt, die diese betrachtensweise nicht erfasst.
    man muss deswegen aktuell nicht alles gut finden, beleibe nicht, und die aktuelle krise hätte nach den aussagen von vm auch nicht mehr vorkommen dürfen, aber es ist eben nicht alles schlecht und sie summen steigern sich aktuell täglich – wir werden es sehen, ob es reicht, das weisst weder du, noch ich und auch aktuell kein journalist.

    vm hat in den letzten wochen grosse fehler gemacht, er ist aber immer wieder dafür gut, wieder eine lösung „herbeizuzaubern“ – aktuell lst er ja gerade dran und nicht unerfolgreich.

    das glas ist entweder halbvoll oder halbleer – der inhalt ist der gleiche, nur die betrachtensweise unterscheidet sich deutlich und damit auch die jeweils eigene bewertung.

    die presse hat schon so viel stuss über saab geschrieben, dass vieles davon einfach obsolet ist und nicht wert, sich damit näher zu befassen.

    es gibt viele quellen im internet um sich zu informieren, was ich auch tue, und meist sind die grundaussagen ähnlich, die schlussfolgerungen jedoch sehr unterschiedlich.

    ihr betreibt einen tollen blog, aber nicht alles muss ich dabei gut finden und auch nicht jede meinung teilen.
    nur weil etwas geschrieben wird, wird es nicht wahrer, nicht sinnhafter und auch nicht wichtiger…

    es wäre doch höchst unproduktiv und langweilig für alle, wenn sich die meinungen immer decken würden.

    in diesem sinne
    viele grüsse

    marcus

  • Saabsunited ist nach Swade´s Abgang auch nicht mehr das was es mal war. Steve hatte ein sehr zurückgenommene Art über SAAB Themen zu berichten und hier und da auch auf die Euphoriebremse zu treten. Die neuen Jungs von S.U. vetreten eine andere Philisophie und versuchen schon mal mit der Brechstange jede Aktion von VM als positiv zu verkaufen. Sicherlich wäre es ihnen und auch Tom lieber wenn sie ausschließlich über SAAB´s technische Innovationen berichten könnten als sich mit der EIB, Maud Olofsson oder sonstigen Bürokratieverfechtern befassen zu müssen.

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