NEVS 9-3 EV Modelljahr 2019

Zurück nach Trollhättan. Unser Gang über das Gelände führt uns vom Auslieferungsplatz mit seinen vielen Volvos in die Richtung der früheren Versuchswerkstatt. Am Sehnsuchtsort, wo wir immer mit Spannung am Zaun hingen und wo es fast jedes Mal eine kleine Sensation zu entdecken gab.

NEVS 9-3 EV, vermutlich Modelljahr 2019
NEVS 9-3 EV, vermutlich Modelljahr 2019

Auf dem Areal parken auch heute noch, oder endlich wieder, interessante Fahrzeuge. Es existiert also noch Entwicklungs- und Erprobungstätigkeit am Standort, was eine generell gute Nachricht ist. Zwei Limousinen im Camouflage-Tarnanzug erregen Aufmerksamkeit, sind es aber nicht wert. Die beiden Fahrzeuge sind zwar, Überraschung, wirklich Saabs. Aber getarnte Turbo Benziner des Modelljahrs 2014.

Spannender sind die beiden ungetarnten Limousinen. Es sind NEVS 9-3 Elektroautos, die vermutlich dem Modelljahr 2019 entsprechen. Die ersten, die wir in Europa sehen. Das Heck ist, bis auf kleine Änderungen, immer noch stark an die Saab Limousine angelehnt. Eine dominantere Chromleiste mit dem NEVS Schriftzug, ein paar kleine Retuschen, das unveränderte 9-3 Logo links unten. Verändert scheinen die Türgriffe, jetzt mit Chrom-Einlagen, die Außenspiegel haben ein neues Design und eine zusätzliche LED-Blinkleuchte. Die Motorhaube ist höher, wie es schon auf Pressebildern zu sehen war.

Rechts neben den beiden Limousinen parkt ein anderes NEVS 9-3 Elektroauto. Das Frontend scheint, bis auf die Einlagen für Kühlergrill und LED Tagfahrlichter, identisch mit dem Saab Griffin-Design des Modelljahrs 2011 1/2. Wer sich fragte, wo die NEVS Elektroautos ihre Lademöglichkeit verstecken, der entdeckt heute die Antwort. Wo einst der stolze Saab Schriftzug war, verbirgt sich im Stil eines Nissan Leaf die Klappe für die Stromaufnahme.

Was wissen wir über das NEVS 9-3 EV? Im Prinzip so gut wie nichts. Die fotografierten Fahrzeuge sind aus dem Jahr 2018. Sie sind 130 KW stark und verfügen, ungewöhnlich für ein Elektrofahrzeug, über ein konventionelles Automatikgetriebe. In Schweden sind sie als Vorserienfahrzeuge zur Erprobung registriert, die höchste uns bekannte VIN Nummer ist die 00026. Wahrscheinlich gehören sie zu der Kleinserie,  die per Hand in der Frickeboa montiert wurden.

Ab Herbst/Winter 2018 soll das NEVS 9-3 EV in dieser Form in Tianjin in Serie gebaut werden. Sicher ist das aber nicht, Finanzierungsfragen sollen immer noch ungeklärt sein. Ein Export nach Europa ist nicht wahrscheinlich, ebenso eine Produktion in Schweden. Das Werk wurde weitgehend demontiert, es ist nur noch eine leere Hülle.

15 Gedanken zu „NEVS 9-3 EV Modelljahr 2019

  • 25. Juli 2018 um 11:25 AM
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    So lange es noch einige Mitarbeiter gibt die Ihr Gehalt bekommen ist es noch positiv. Aber die ganze Geschichte ist es nicht.
    Ich glaube nicht das NEVS ueberhaupt durchstarten kann. Aber Wunder haben unseren Welt noch nicht verlassen so warten wir ab. Es ist zumindestens wieder eine Geschichte die Tom uns gebracht hat. Danke dafuer.

  • 25. Juli 2018 um 11:33 AM
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    Sehen äußerlich gar nicht schlecht aus….wenn man für Europa doch bloß den Kombi bringen würde…aber das passt wohl nicht zur „Strategie“ von NEVS Hier gibts übrigens noch mehr Bilder auch vom weniger attraktiven Interior: https://www.instagram.com/nevs_sweden/?hl=de

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  • 25. Juli 2018 um 11:53 AM
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    Mich würde mal interessieren, wie viele Angestellte (China und Schweden) derzeit bei NEVS in einem Arbeitsverhältnis stehen – bereits vor einigen Jahren wurden doch schon hunderte von Spezialisten akquiriert.

    Falls das Ganze in China doch noch klappen sollte, wäre ggf. die spätere Komplettierung und Modernisierung des Werkes in Trollhättan auch zu bewerkstelligen. Umweltfreundliche Fahrzeuge von guter Qualität werden auch in Europa immer wichtiger. Leider bringen die europäischen Hersteller ihre Spritfresser und Dreckschleudern nach wie vor in erster Linie unter das Volk. Ursächlich sind natürlich auch unfähige Politiker und die Konsumenten – ein breiteres Angebot von brauchbaren Elektrofahrzeugen wäre wünschenswert und auch die staatlichen Stellen sollten die Elektromobilität endlich mehr in den Fokus rücken – nicht mal bei den Dienstwagen können sich die meisten führenden Politiker von ihren Dreckschleudern trennen!

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    • 25. Juli 2018 um 12:33 PM
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      Aktuelle Zahlen liegen uns nicht vor. Und bitte die Umgangsformen wahren! Man kann seine Meinung auch etwas netter kundtun, bisher funktionierte das immer perfekt. Danke!

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      • 27. Juli 2018 um 5:35 AM
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        Vielen Dank für das interessante update. Wo genau befand sich eigentlich auf dem Gelände diese sagenumwobene „Versuchsabteilung“ ? In welcher Richtung, wenn man sich gedanklich vor das „Eingangsportal“ (Pförtnerloge) stellt ?

        Ich kann im Beitrag von Detlef Rudolf übrigens keine wirklichen Entgleisungen finden. Wer aus ökologischen oder Fitnessgründen gerne mit dem Rad oder auch zu Fuß unterwegs ist, kann für diese Stinker im Alltagsverkehr einfach keinen anderen Ausdruck finden. Auch ich ärgere mich tagtäglich über diese „DS“n. Warum kostet in Norwegen ein E-Golf weniger als sein Verbrennungspendant und hier in Deutschland liest man, dass der Dieselabsatz plötzlich wieder anzieht, weil die Kundschaft halt nicht auf ihre Sufffs verzichten wollen.

        Ich werde jedenfalls, solange ORIO Ersatzteile für unsere Saabs bereithält, keinen cent für einen Neuwagen mit DinoTechnik ausgeben.

        • 27. Juli 2018 um 9:50 AM
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          Nördliche Zufahrt, gleich nach dem Gym. Hinter dem Gym befand sich eine Laufstrecke in den Wald hinein und bei Dunkelheit beleuchtet. Sie kommt sehr nahe an den Zaun der Versuchswerkstatt. Dort konnte man, wenn man sich etwas durch die Botanik gekämpft hatte, die besten Eindrücke gewinnen.
          Heute wird das Gelände auch von externen Dienstleistern mitbenutzt. Wirklich spannend ist es nicht mehr.

    • 25. Juli 2018 um 1:36 PM
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      Auf Wikipedia findet man alle Infos, wie viel CO2 die Produktion einer Kw/h Batteriekapazität emittiert. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker und der E-Mobilität gegenüber nicht grundsätzlich abgeneigt. Ich bin aber auch noch nicht überzeugt, dass das der Königsweg oder gar der einzige ist …

      In jedem Fall sind elektrifizierte Stecken umweltfreundlicher als Batterien. Spätestens wenn die Autos autonom fahren und nur noch Mietobjekte von Mobilitätsdienstleistern sind, könnte ich mich genauso gut in einen Zug oder einen Bus mit Oberleitung setzen und die letzten 100m per pedes zurücklegen. Ein Großeinkauf müsste dann in den Bollerwagen. Wenn es die Welt retten würde, ja warum denn nicht …

      So lange Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sich nicht auf ein schlüssiges und tragfähiges Mobilitätskonzept der Zukunft verständigt haben, verspüre ich wenig Lust, mein Geld für Brückentechnologie auf den Kopf zu hauen. Zumal es (noch?) eindeutig so zu sein scheint, dass man mit bereits produzierten Fahrzeugen (beispielsweise einem SAAB) in der Gesamtbilanz deutlich umweltfreundlicher unterwegs ist, als mit einem noch zu produzierendem E-Auto …
      Selbst bei Neuwagen scheiden sich da ja noch immer die Geister!

      Den Individualverkehr betreffend, hat die E-Mobilität ihren größten Zuspruch und die größten Zuwachsraten ausgerechnet bei den Fahrrädern. Die „analogen“ Bikes ohne Motor und Batterie waren jedoch umweltfreundlicher und gesünder. Immerhin das steht außer Zweifel. Alles andere steht in den Sternen. Auch die Zukunft von NEVS/NEVZ …

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  • 25. Juli 2018 um 11:54 AM
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    Wenn das alles ist was NEVS entwickelt hat in all den vergangenen Jahren dann sollten die vielleicht schnellstmöglich die Reißleine ziehen,das ist doch nur noch Geldverbrennung.
    Glauben die etwa wirklich noch das die das investierte Geld jemals wieder rausbekommen?
    Die meisten Autohersteller buttern zig Millionen an Forschungsgeldern in Alternativen Antrieben, woher soll NEVS zukünftig Kapital bekommen?
    Das riecht nach Insolvenzverschleppung…

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    • 26. Juli 2018 um 12:21 PM
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      These classic looking 9-3s are probably for the chinese market. We have to wait and see what they will offer for us!

  • 25. Juli 2018 um 1:02 PM
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    Zu sehen sind „eine Handvoll“ NEVS 9-3 EV, wahrscheinlich aus der Vorserie, per Hand gebaut, wie Tom berichtet.
    Mehr nicht.
    Ob, wann und wo diese dann in Serie gefertigt werden…, dass wissen nur Chinesen.
    Wäre nicht die erste „Luftnummer“ von NEVS…
    Aber: solange die Gehälter in Trollhättan pünklich gezahlt werden, sind die SAABianer ja in Lohn und Brot. 🙂
    Das wäre dann der bis jetzt positive Anteil der Geschichte.
    Dank an die Redaktion 😉 für den Zustandsbericht aus Trollhättan!

  • 25. Juli 2018 um 2:42 PM
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    den Kommentar von Herbert Hürsch kann ich nur unterschreiben.
    Wenn man bedenkt, dass viele Autos heute schon nach 10 oder 15 Jahren und einer
    KM-Fahrleistung von unter 200.000 km auf dem Schrottplatz landen, ist das weder
    nachhaltig für die Umwelt noch für die aus der Erde geholten Bodenschätze.
    Mein demnächst 30 Jahre alter Saab 900 Turbo hat bisher über 500.000,-km seine
    guten Dienste geleistet, die Pannen sind an einer Hand abzuzählen. Der 1. Motor
    läuft wie am 1.Tag. Ein Umstieg auf ein E-Auto kommt zur Zt. für mich nicht in Frage
    allein schon wegen der fehlenden Infrastruktur. Auch mein VW-Bulli ist schon 35 Jahre
    alt und noch für kurze und weite Fahrten aktiv.

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  • 26. Juli 2018 um 7:22 PM
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    Erst einmal herzlichen Dank an das Team für den Bericht.
    Leider ist das Thema E- Mobilität für mich nur ein Fortbestand der Abwrackprämie. Es wird seitens der Politik alle 2-4 Jahre eine neue Sau durchs Dorf getrieben um die Wirtschaft anzukurbeln. Was gestern noch gut war ist heute katastrophal? Mit diesen Aussagen stellen die Politiker ja ihre eigenen Aussagen in Frage.
    Was ist eigentlich mit der Herstellung der Batterien und deren Bestandteile mit dem Umweltschutz? Wo und wie werden diese Bestandteile abgebaut? Wie werden sie entsorgt? Was ist mit den Fahrzeugen die die Lebenszeit der Akkus nach wenigen Jahren zum wirtschaftlichen Totalschaden machen? Wer kauft ein 10 Jahre altes gebrauchte E-Auto mit mehr als 100000km auf dem Tacho? Was hat dies alles mit Umweltschutz zu tun?
    Diese und andere Fragen sind nicht beantwortet und werden es meiner Meinung nach auch nicht. Das Thema ist ein Politikum nichts anderes.

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  • 27. Juli 2018 um 11:32 PM
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    Das ist ja wirklich irre spannend …

    Kommt es zur individuellen E-Mobilität und NEVS, fliegen die Daumen den Kommentatoren nur so um die Ohren. Mal mehrheitlich rauf, mal mehrheitlich runter …

    Aber nie einheitlich. Und was heißt schon mehrheitlich? Die Geschichte hat ja etliche Beispiele dafür parat, dass auch Mehrheiten sich verrannt haben können. Oder dafür, dass Mehrheiten wechseln können. Etwa im Lichte neuer Erkenntnisse.

    Das Spannende und Lustige ist aber, dass in diesem Fall vermeintliche Kontrahenten im selben Moment die selben Schlussfolgerungen ziehen. Mehrere schreiben (unter umgekehrten Vorzeichen), sie würden ihre Autos/SAABs so lange wie möglich weiterfahren …

    Ist doch ganz egal, ob man damit gegen einen verschleppten Ausbau der E-Mobilität oder etwas Anderes protestieren möchte. So lange wie möglich SAAB zu fahren, ist in jedem Fall …

    … EINE SEHR GUTE IDEE ! ! !

  • 30. Juli 2018 um 3:38 AM
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    Die sollen mit den Dingern bloß nach China verschwinden und uns in Europa mit dieser Karikatur eines SAAB nicht Behelligen!

    Mir gehen Elektroautos sowieso gegen den Strich weil sie Ökologischer und Ökonomischer Wahnsinn und Hirnriss sind aber besonders im Kleid eines Tollen Autos wie dem SAAB 9-3 finde Ich den Strom antrieb erst recht zum Erbrechen!
    Wenn der 9-3 schon unbedingt als Basis herhalten muss dann soll ihn NEVS doch Optisch bitte so Verändern das man nicht erkennt dass das Endprodukt auch nur Entfernt etwas mit SAAB zu tun hat!
    Es ist Gut das diese Dinger den Namen SAAB nicht Tragen dürfen und das SAAB den Elektroschrott Trend nicht Ertragen und Mitmachen muss.

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