Die Volvo Parkplätze von Trollhättan

Bis Mitte August noch ist Schweden im Urlaubsmodus. Das ist Tradition und war schon zu alten Saab Zeiten so. Werksferien nannte man das in der Stallbacka und eine gute Gelegenheit,  um die Produktion auf das nächste Modelljahr vorzubereiten. Die Zeiten, als man in Trollhättan Autos baute, sind leider vorbei. Aber die Stallbacka lebt. Ein bisschen zumindest.

NEVS Logo am Saab Werk. Daran gewöhne ich mich wahrscheinlich nie.
Finde den Fehler: NEVS Logo am Saab Werk. Daran gewöhne ich mich wahrscheinlich nie.

Ein aktueller Blick auf das ungepflegte, frühere Saab Werksgelände, dessen Renovierungsbedarf mittlerweile nicht mehr wegzudiskutieren ist, lenkt den Blick auf zwei Dinge:

Das große NEVS Logo, das immer noch wie ein Fremdkörper scheint. Und woran ich mich vermutlich nie gewöhnen werde. Ausserdem die vielen Fahrzeuge auf dem Auslieferungsplatz. Schade nur, dass sie zu der anderen schwedischen Marke gehören und das Volvo Logo tragen. Das Geschäftsmodell der Parkplatzvermietung scheint nachhaltig zu sein, der bisher einzigste dauerhafte Erfolg der chinesischen Investoren.

Bei unserem letzten Blick nach Trollhätten war der Platz voller neuer XC40, die aber mittlerweile alle verschwunden sind. Stattdessen beherrschen XC90 und V90 die Szene. Und zumindest gefühlt sind es mehr Volvos als zuvor. Das frühere Saab Werk, als Volvo Zwischenlager, das macht traurig. Hätte man das vor ein paar Jahren prophezeit, keiner hätte es glauben wollen.

Durch die hervorragende Infrastruktur, ausgebaut auf den Druck von GM, und mit dem Versprechen verbunden,  die Autoproduktion in Trollhättan zu halten, ist die Stadt ein bevorzugter Logistik-Standort geworden. Die Autoproduktion ist nicht mehr, GM stand nicht zu den gemachten Zusagen. Aber die hervorragende Verkehrsverbindung wurde zum Joker für die Kommune. Die Seehäfen und Göteborg sind nicht weit, und die Parkplatzvermietung im großen Umfang spült wenigstens etwas Geld in die chronisch leeren Kassen der Chinesen.

Doch es gibt selbst im Sommerloch, neben all den Volvos, auch spannende Dinge zu entdecken. Bei NEVS, ernsthaft! Man glaubt es kaum, aber man muss nur ein paar Meter weiter fahren, in Richtung der Technik-Sektion. Weg vom Auslieferungsplatz und vom Hauptportal. Ausnahmsweise gibt es dort wirklich etwas zu sehen. Ich gönne den Lesern jetzt, mitten drin im Sommerloch, eine hochsommerliche Atempause. Was gibt es zu entdecken? Morgen geht die Tour über historisches Saab Gelände weiter.

18 Gedanken zu „Die Volvo Parkplätze von Trollhättan

  • 23. Juli 2018 um 12:58 PM
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    An diesen NEVS Schriftzug kann man sich wirklich nicht gewöhnen. Ein Grund beim Urlaub NICHT dort vorbeizufahren!

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    • 23. Juli 2018 um 1:52 PM
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      Das Gejammere über den anderen Namen wird doch inzwischen langweilig. Fakt ist, dass die SAAB AB selbst nichts bezüglich Autoproduktion auf die Reihe bekam und vermutlich auch nicht mehr bekommen wird – warum sollte ein neuer Inhaber hinsichtlich des Markennamens nicht auch einen eigenen Namen verwenden anstatt nur für die Markenrechte an die SAAB AB hohe Summen abzudrücken. Sicher, es war anders geplant und man ist sich nicht einig geworden – aber eigentlich keine schlimme Sache. Ich sehe es mittlerweile sogar eher positiv.

      Viel wichtiger wäre endlich mal die lange angepeilte Produktion hervorragender Elektroautos mit schwedischen Wurzeln anzufahren. Natürlich zeitnah dann auch am Standort Trollhättan – bei wirklich guten Produkten könnte ich getrost auf den alten Namen verzichten. Wie heißt es immer so schön und irgendwie auch richtig: Namen sind Schall und Rauch.

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  • 23. Juli 2018 um 1:22 PM
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    Volvo? Warum nicht!
    VW „parkt“ ja auch überall zwischen… 😉

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  • 23. Juli 2018 um 1:23 PM
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    Ein bisschen entsteht da ja schon der Eindruck, als würde Volvo auf Halde produzieren?

    Ob die Aufnahmen nun für oder gegen Volvos Prosperität sprechen, für Freunde SAABs sind das in jedem Fall traurige Bilder.

    Ich mochte ja mal beide Schweden – teils einfach weil sie schwedisch waren. Eine Gemeinsamkeit. Und teils aus ganz unterschiedlichen Gründen. Weil sie einst gegensätzlich waren. Ich mag Heckantrieb und Frontantrieb …

    Ich mag den eher grobschlächtigen Pragmatismus, mit dem Volvo früher Autos baute, die kaum zu zerstören und ggf. einfach und preiswert zu reparieren waren. Und ich mag die liebe zum Detail und den Drang zum Perfektionismus und zur Fortschrittlichkeit, den die SAAB-Ingenieure den Göteborgern mal entgegengesetzt haben.

    Ich habe ein altes und originales Werkstatthandbuch (Volvo). Da sind sage und schreibe drei Übermaße drin (Kolben). Zudem gab es für jedes einzelne Kolbenmaß nochmals Kolbenringe unterschiedlicher Maße. Man hätte die Zylinder x-fach überarbeiten und mit den alten Kisten mehre Millionen Kilometer fahren können.

    Heute sind Autos zu Wegwerfprodukten und mobilen Einwegverpackungen mutiert – aus rund 2 Tonnen Aluminium, Kupfer, Stahl, Faserverbundstoffen, Kunststoff, Silizium, Pyrotechnik für die Airbags und ganz viel Software.

    Was für eine Verschwendung!

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    • 23. Juli 2018 um 2:46 PM
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      Wunderbarer Kommentar, Herbert Hürsch! Was waren das noch Zeiten, als Saab 900 und Volvo 240 im Wettstreit um mein Lieblingsauto standen… oder waren es nicht beide zugleich? Einem heutigen Volvo XC40 kann ich hingegen so gar nichts mehr abgewinnen…

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      • 23. Juli 2018 um 5:23 PM
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        Gute Frage ! ! !

        Ich glaube, bei mir war der 900 Lieblingsautos …

        Damals träumte ich von einer 4 bis 5-köpfigen Familie plus Hund. Mein idealer Fuhrpark für dieses Klischee wären ein neues 900 Turbo Coupé ohne und ein neuer 240 Kombi mit AHK gewesen.

        Ein smarter eleganter Schwede für das Fahrvergnügen und alles Feine (deshalb wohl auch doch der Liebling) sowie ein rustikaler Schwede für alles Grobe, wären derzeit für mich das perfekte Paar auf dem imaginierten Hof für die imaginierte Familie gewesen …

        Es kam ein wenig anders, aber wir sind ganz dicht dran! Hier liegt jetzt ein Ticket für den ÖPNV, stehen etliche Fahrräder und ein SAAB 9-5 SC für den Alltag. Ein alter und eigentlich überflüssiger Göteborger sorgt für das familiär automobile Vergnügen – ein Rollentausch zwischen SAAB und Volvo. Aber auch ganz gut, finde ich …

    • 25. Juli 2018 um 11:45 PM
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      Ein wunderbarer Kommentar, Herbert Hürsch, wie bereits Laurenz schrieb. Ich bin in Volvos aufgewachsen, hatte und habe selber nur Saabs, und ich kann jeden Ihrer Absätze mit Herz und Hirn unterschreiben!
      Ihr Kommentar ist eigentlich ein eigener, kleiner Post auf diesem Blog in seiner Charakterisierung der beiden „alten Schweden“, samt Ihren Schlußworten zum Lopez-Effekt und allem was daraus folgte.
      Danke!

  • 23. Juli 2018 um 4:11 PM
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    Einfach nur traurig!
    Sollten laut NEVS Aussagen vom letzten Jahr nicht die neuen Elektro-Saab anstatt Halden ovloV den Platz ausfüllen?

    • 23. Juli 2018 um 6:30 PM
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      Im Prinzip ja. Aber zu den Elektroautos kommen wir am Dienstag!

      • 23. Juli 2018 um 7:20 PM
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        Der Blog ist super! Keine Spur von Sommerloch.

        Unter den jüngsten Artikeln waren meines Erachtens sogar solche, die andere und ebenfalls sehr gute an Spannung und Relevanz nochmals übertroffen haben …

        Und das in der Ferienzeit und obwohl die namensgebende (Automobil-) Marke keine Neuwagen liefert. Das ist schier unglaublich. Das ist unglaublich gut. Danke!

        • 24. Juli 2018 um 10:54 AM
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          Das Sommerloch kommt! Spätestens wenn ich mich in den nächsten Tagen in Richtung Urlaub verabschiede!

          • 24. Juli 2018 um 11:29 AM
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            Und ich hatte schon Angst, ich würde was verpassen. Bin dann aber selber weg und ohne W-Lan. Gutes Timing!
            Für mich zumindest. Wünsche schon mal einen schönen Urlaub!

          • 24. Juli 2018 um 1:43 PM
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            Danke & ich bin erst ab nächstem Mittwoch weg. Dir auch einen schönen Urlaub!

  • 23. Juli 2018 um 6:07 PM
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    Vermutlich sind die meisten Autohersteller in Sachen Elektroantrieb wohl technologisch eh schon wesentlich weiter als NEVS.
    Bevor VW in Trollhättan die Parkplätze zumüllt,ist mir Volvo wesentlich lieber.

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  • 24. Juli 2018 um 9:28 AM
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    Für VW&Co gibt es genug Stellflächen in DE. Endlich bekommt das Rollfeld des BER einen Sinn

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  • 24. Juli 2018 um 1:36 PM
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    solange keine VWs in Trollhättan stehen stört mich das nicht.

    • 24. Juli 2018 um 4:07 PM
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      Das wird wohl nicht so schnell passieren …

      Selbst wenn das Rollfeld (BER) voll wäre, könnten die VW ja noch immer in die Abfertigungshallen und Terminals. VW & BER, Lärmschutz, Brandschutz, Entrauchung & Diesel Gate …

      Alle Probleme gelöst. Ein ganz wunderbares Szenario!

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      • 24. Juli 2018 um 6:18 PM
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        Werf mich grad weg, vor lachen!

        Das da keiner eher drauf gekommen ist.

        Da hätte man wohl eher mal Saab Fahrer fragen sollen.

        Danke.
        Der Witz hat gerade meinen Tag gerettet.!

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