Der Bilster Berg ruft ! (1/2)

Zwei Bodenwellen, eine schnelle Linkskurve, dann schieße ich mit einem 26 % igem Gefälle ab in die Tiefe. Es folgt im Anschluss eine Steigung mit satten 21 %. Ich höre die Stimme des Instruktors im Bordfunk. Bremsenergie mitnehmen, auf dem Gas bleiben !  Das Hirn möchte bremsen, die Stimme mahnt,  Gas zu geben. Also auf dem Gas bleiben, entgegen aller Vernunft ! Der Allrad fliegt den Berg hinunter und wieder hinauf, ich nehme die Kurve über die Curbs, visiere das linke Windrad am Horizont an und arbeite daran,  die Ideallinie zu halten.

Der Bilster Berg ruft
Der Bilster Berg ruft. Aber im Artikel geht es weniger um Saab.

Das macht Spaß, fordert und schüttet Tonnen von Adrenalin aus. Ein Tag am Bilster Berg mit Benzin, Fahrspaß, tollen Autos und Leben. Begonnen hatte alles, wie so oft, ganz harmlos…

Letzter Freitag in der Nähe von Bad Driburg. Ralf Muckelbauer und ich treffen zur Subaru Driving Experience mit dem WRX STI und BRZ am Bilster Berg ein. Er im Subaru, ich im Saab. Am Abend zuvor hatten wir im Hotel noch philosophiert,  was uns erwartet. Eine touristische Ausfahrt oder Motorsport? Der Anlass ist klar definiert. Subaru verabschiedet den WRX STI, eine große Rallye-Legende, in den Ruhestand. Eine würdige Abschiedsparty vor handverlesenem Publikum mit der Weltpremiere der Final-Edition.

Proud of Boxer

Subaru? Es gab da Querverbindungen zu Saab. Den 9-2x, der auf dem Impreza basierte. Und der 9-6x, dessen Prototypen im Museum in Trollhättan stehen. Wer länger auf dem Blog liest, weiß um mein großes Herz für kleine Marken. Sie sind die Sahnehäubchen des (langweiligen) automobilen Alltags, und ich mag sie einfach. Subaru setzt konsequent auf den Boxermotor, den ich sowieso gut leiden kann, egal ob er vorne, im Heck oder als Mittelmotor eingebaut wird. Seine Pluspunkte sind ein flacher Einbau, ein daraus resultierender niedriger Schwerpunkt und ein exzellentes Handling. Vom ruhigen Lauf und dem Klang muss ich erst gar nicht reden. Und natürlich ist Subaru Allradantrieb. Die größte PKW Allradmarke weltweit.

Am Morgen ist noch Ruhe am Bilster Berg. Später werden die Boxermotoren ihren Klangteppich über die Anlage legen und erst gegen 20 Uhr verstummen. Geschäftsführer Christian Amenda trifft ein, es folgt eine kurze Vorstellung durch Ralf Muckelbauer. Begrüßung, ein paar Sätze, fester Händedruck. Sympathisch, entspannt, nahe am Kunden. Mein Eindruck,  der sich über den Tag, bei Kennenlernen weiterer Subaru Führungskräfte, festigen wird.

Drift Training mit dem WRX STI am Bilster Berg
Drift Training mit dem WRX STI am Bilster Berg

Es folgen Registrierung, Begrüßung und die Präsentation der Final-Edition des Subaru WRX STI. 122 Stück wird es geben, alle durchnummeriert. Sammlerstücke mit bleibendem oder steigendem Wert. Die Homage an eine Motorsport-Ikone, die es zumindest in dieser Form nicht mehr geben wird.

Wie man ein Auto kennenlernt. Die WRX STI Methode.

Es beginnt mit dem Drift-Training für den WRX STI. Eine bewässerte Dynamikfläche, ein Allradauto, ein Instruktor. Spannend, auch weil ich nie zuvor in einem WRX STI saß. Ruhig angehen ist anders, und das Drift-Training bietet einen guten Vorgeschmack auf dem Tag. In Zweierteams geht es auf die Strecke. Gas, einlenken, Gas weg, das Heck kommt. Gegenlenken, mit dem Gasfuß moderieren. Ich bekomme das so halbwegs hin, andere sind talentierter und ehrgeiziger. Der WRX STI dreht sich im Kreis, man bekommt eine erste Vorahnung vom Potential des Fahrzeugs.  Die Dynamikfläche ist ein Spielplatz zum Aufwärmen, und nicht ohne Anspruch.

Es geht weiter von Station zu Station. Drift mit dem BRZ. Kein Allrad, aber Boxer. Heckantrieb, aber kein Turbo. Ein Auto,  das ich nicht auf dem Bildschirm hatte. Bis zu diesem Tag. Und bis Tim Schrick kam !

Pause vom WRX. Mehr über Schrick und den BRZ.

Den BRZ hielt ich bis zum Freitag für ein Auto,  mit dem man maximal vor der Eisdiele eine gute Figur macht. Also nicht von Interesse, ohne Ambition. Und Tim Schrick war mir nur als Journalist und Moderator ein Begriff. Schrick ist mehr, viel mehr ! Motorsportler zum Beispiel, der für Subaru mit dem BRZ in seiner Klasse die 24 Stunden 2018 auf dem Nürburgring gewann. Ausserdem ein spannender Erzähler, eine interessante, polarisierende Persönlichkeit. Er hält viel vom BRZ. Vom konsequenten Leichtbau, der perfekten Balance, dem tiefen Schwerpunkt. Ein Auto, das Porsche hätte bauen sollen. Sagt er.

Marketing? Er bringt es so glaubwürdig rüber, dass mein Interesse geweckt ist. Was in meinen Augen gegen den BRZ spricht: Nur 200 PS, nur rund 200 Nm, kein Turbo. Als Saab Fahrer bin ich Berge von Drehmonent gewöhnt. Der BRZ aber setzt auf Drehzahl.

Es geht auf die Strecke. Geführtes Fahren. Der Instruktor vorne, ein Rudel von BRZ hechelt hinterher. Einweisung über Bordfunk, Ideallinie finden, Gas geben. Mit jeder Runde finde ich den BRZ besser. Er liegt wie ein Brett auf der Strasse. Die Kurven gehen fantastisch, das Coupe stresst nicht. Der 2-Liter Boxer ist drehfreudig, das Getriebe knackig. Bei 6.000 Umdrehung liegt die maximale Drehzahl an. Daran muss man sich gewöhnen. Klar.

Ein Leichtversion wäre ultimativ.

Und Schrick liegt richtig. Der BRZ ist extrem gut ausbalanciert und in seiner Klasse wohl einzigartig. Ein schönes, bezahlbares Sportcoupe für Landstrasse zweiter und dritter Ordnung. Etwas,  was ich nie hinter dem Fahrzeug vermutet hätte. Trotzdem, die Meinungen sind geteilt. Mein Mitfahrer meint,  ein Turbo und mehr PS wären gut, und über den Tag geht die Diskussion hin und her.

Die Lösung wäre einfach. Eine Leichtversion des BRZ wäre die ultimative Maschine. Leichtere Sitze, weniger Ausstattung. Kurbeln statt Fensterheber und so weiter. Damit würde der BRZ noch einmal ein oder zwei Zentner abtrainieren und noch mehr Dynamik anbieten. Purismus. Porsche macht so etwas vor. Und Tim Schrick wäre noch mehr begeistert.

Der Hauptdarsteller an diesem Tag ist aber der WRX STI. Eine Legende, um die sich alles dreht. Ich lerne einen richtig coolen Profi kennen, und ich darf endlich mit der ultimativen Subaru-Fahrmaschine auf die Strecke. Morgen mehr vom Berg,  der ruft . Und irgendwie hat es am Schluß dann doch etwas mit Saab zu tun…

8 Gedanken zu „Der Bilster Berg ruft ! (1/2)

  • 29. Mai 2018 um 10:35 AM
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    Toller Artikel! Man spürt mit jeder Zeile daß Tom viel Spaß hatte! Abwechslung tut gut, der Bilster Berg muss eine geniale Strecke sein. Freue mich auf die Fortsetzung.




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  • 29. Mai 2018 um 11:14 AM
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    Der Artikel ist ein Genuß, die Begeisterung springt über. Mehr fällt mir dazu nicht ein. 😀




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  • 29. Mai 2018 um 1:07 PM
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    Sehr emotionaler Bericht und ich kann deine Begeisterung nachfühlen. Freue mich schon auf die Fortsetzung!




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  • 29. Mai 2018 um 4:21 PM
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    Den BRZ oder sein Pendant von Toyota, den GT86, fand ich immer spannend. Ernsthaft über einen Kauf habe ich nie nachgedacht, weil mir die Leistung des Motors nicht gefallen hat.
    Interessanter Artikel, freue mich auf Teil 2.




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    • 29. Mai 2018 um 5:27 PM
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      Ohne Tim Schrick wäre auch ich nicht auf den BRZ aufmerksam geworden. Die Technik ist spannend, der Boxer ein Sahnestückchen, und die Strassenlage macht einfach nur Freude. Ausserdem ist er, für einen kleinen Sportler, pures Understatement. Was mir gut gefällt. Vielleicht solltest Du mal einen testen?




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  • 29. Mai 2018 um 10:25 PM
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    Tim Schrick ist schon ne coole Sau. Den würde ich auch gern mal treffen. Bin ich schon bisl neidisch.




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  • 3. Juni 2018 um 2:42 PM
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    Der BRZ/GT36 ist einer der ganz, ganz wenigen Neuwagen, die ich spannend finde. Auch und gerade weil er eben keine Drehmomentberge zur Verfügung stellt, sondern auf die klassischen Saugertugenden Ansprechverhalten und Drehfreude setzt, in einer Zeit, in der auch BMW aufgeladene Vier- und Drei(!)zylinder baut.
    Konsequent gegen den Mainstream…




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    • 3. Juni 2018 um 3:21 PM
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      Ich mittlerweile auch. Spannend daran ist auch das Zubehör von STI, das es für den BRZ gibt. Richtig feine, hochkarätige Dinge, die man sich vermutlich nur direkt aus Japan beschaffen kann. Ich befürchte der BRZ steht auf meiner Liste.




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