Eine Ozonbehandlung für Paul

Mark wird oft gefragt,  was aus Paul, unserem Projekt-Saab,  geworden ist. Den Winter durfte er sicher im Hangar verbringen, aber nun es ist an der Zeit,  den Abschied einzuleiten. Zuvor gibt es noch einige offene Baustellen, die erledigt werden müssen. Denn Paul, dessen Erlös an einen caritativen Zweck gehen wird, soll uns in einem möglichst guten Zustand verlassen.

Vor der Ozonbehandlung: Gründliches Säubern ist Plflicht!
Vor der Ozonbehandlung: Gründliches Säubern ist Plflicht!

Was bei einem Auto stören kann, das 10 Jahre im Freien stand, sind die Düfte im Innenraum. Paul riecht nicht wirklich gut. Er verströmt eine eigentümliche Mischung aus altem Auto und irgendetwas, und jede Bemühung,  den Duft zu verbannen,  schlug bisher fehl. Dabei haben wir fast alles versucht: Eine professionelle Innenraum-Reinigung, und auch eine Reinigung in Eigenregie. Von Teppich schäumen über Leder reinigen war die volle Bandbreite der Möglichkeiten dabei. Die Wirkung: Gleich null.

Kaffee im Innenraum? Hilft nicht. Blieb nur noch einer dieser legendär, berüchtigten Duftbäume, die ich aber nicht mag. In einem älteren Yachtmagazin fand ich einen Artikel über Ozonbehandlung. In der Yachtszene durchaus verbreitet, nach der Winterpause ein Thema, und mit Erfolg eingesetzt.

Ozongeräte waren vor Jahren sehr teuer, wurden aber mittlerweile bezahlbar. China demokratisiert die Preise für Elektronik, und ein Gerät für den Einsatz im PKW kostet ab 120,00 €. Die Lebensdauer der Keramikplatten liegt bei 5.000 bis 10.000 Stunden, also Zeit für ein Experiment. Denn die Behandlung beim Aufbereiter kostet ebenfalls 100,00 €, und ich ahne,  dass es nicht bei einem Durchgang bleiben wird.

Ozongenerator. Am besten am höchsten Punkt aufstellen.
Ozongenerator. Am besten am höchsten Punkt aufstellen.

Ein mittelpreisiges Gerät wird über ein bekanntes Portal bestellt, und bevor es ankommt,  wird Paul noch einmal gründlich gereinigt und gesaugt. Und dann ist es soweit. Gerät auf einem hohen Punkt im Auto-Innenraum plazieren, denn das Ozon sinkt nach unten. Ich wähle die Hutablage, schließe die Türen, dichte die Zuleitung des Stromkabels am Fenster mit Tüchern ab und lasse das Gerät für 2 Stunden laufen.

Wichtig: Während der Behandlung darf sich kein Lebewesen im Innenraum befinden. Ozon ist ein Reizgas, das nicht freundlich für Atemwege und die Augen ist. Nützlich für unseren Zweck ist es deshalb, weil es Moleküle,  die Gerüche erzeugen,  spaltet und eliminiert. Ausserdem besteht eine Warnung,  Ozongeneratoren in Raucherfahrzeugen einzusetzen, aber Paul ist ein Nichtraucherwagen.

Zwei Stunden später ist alles vorbei. Paul wird lange und gut entlüftet, und ich bin auf das Ergebnis gespannt. Mein erster Eindruck: Besser, aber noch nicht gut. Pauls Gerüche sind hartnäckig,  und die einschlägige Literatur rät zur wiederholten, längeren Behandlung. Es folgt eine zweite Ozontherapie über Nacht. Nach 16 Stunden wird das Gerät vom Netz genommen, der Saab entlüftet.

Das Ergebnis ist gut. Paul riecht nicht mehr, oder besser gesagt, er gibt sich neutral. Auch mit einer Ahnung der vorherigen Düfte ist nichts mehr wahrzunehmen. Perfekt! Hält das an? Eine gute Frage. Wir werden sehen,  was die nächsten Wochen bringen.

Paul nach der Ozonbehandlung.
Paul nach der Ozonbehandlung.

Wie geht es weiter? Als Nächstes muss der Fahrersitz zum Sattler. Eine Kleinigkeit, die genäht werden muss, damit wir den 9-5 in dem Zustand haben, den wir wünschen. Dann geht es nach Frankfurt um weitere Dinge abzuarbeiten. Spätestens im Herbst, mit frischem TÜV und AU, soll uns der Kombi dann verlassen.

Paul war eigentlich eine sehr gute Idee. Einen alten, vernachlässigten Saab zu sanieren, darüber zu schreiben, ihn als Projektauto zu fahren und im Abschluß zu verkaufen war etwas, was der Marke hätte mehr Leben einhauchen können. Ein Statement für Nachhaltigkeit, für schwedische Autos, und für eine funktionierende Ersatzteilversorgung. Es wird aber bei dieser einen Aktion bleiben. Wir haben weder die zeitlichen Möglichkeiten, noch das Budget, um ein neues Projekt zu starten. Nach mehr als 7 Jahren Blog mit viel Engagement und einer dicken Packung Liebe zur Marke sind wir in der Realität angekommen.

9 Gedanken zu „Eine Ozonbehandlung für Paul

  • 28. Mai 2018 um 2:12 PM
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    Hallo, fahre auch so einen Paul (der Name gefällt).
    Bei meinem hatte ich mit Geruch Glück.
    Aber die hinteren Radkästen mußte ich wegen Rostlöchern schweissen lassen.
    Baujahr 2002 und sonst keinen Rost, hatte ich ihn vor 2 Jahren mit neuem Austauschmotor günstig bekommen.
    Viel Erfolg für euren Paul.
    Gruß Klaus




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    • 29. Mai 2018 um 9:07 AM
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      Paul hat Glück was Rost angeht. Etwas an der Oberfläche, wo der Lack fehlte. Sonst sehr wenig, eine wirklich gute Substanz. Ein Zeichen für gute Qualität bei altem Schwedenstahl!




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  • 28. Mai 2018 um 2:16 PM
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    Genial, Paul lebt! Ich finde das Projekt toll! Schade daß es keinen Paul II geben wird. Ist wohl die traurige Realität der wir uns stellen müssen.




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  • 28. Mai 2018 um 6:23 PM
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    Mein freundl. Werkstattmeister riet mir ebenfalls zur „Ozontherapie“ bei meinem aktuellen Fahrzeug.
    Und siehe da, es hat nachhaltig (!) geklappt. 🙂 Die Gerüche sind seit knapp 2 Jahren kein Thema mehr.
    PAUL war/ist eine geniale Idee! 🙂 Gut, dass er für „einen guten Zweck“ weitergegeben wird!
    Das ist beeindruckend, und spricht für den Blog u. seine Unterstützer im Hintergrund!!!




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  • 28. Mai 2018 um 9:40 PM
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    Paul ist richtig schick geworden! Die Felgen stehen dem Auto außerordentlich gut! Die viele Arbeit hat sich gelohnt. Schade das es kein neues Projektauto geben wird.
    Hauptsache mit dem Blog gehts weiter…!!!




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  • 29. Mai 2018 um 8:50 AM
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    Ein tolles Projekt und erfolgreich, finde ich. Mit Paul hat man immer wieder aufgezeigt, was ein alter SAAB sein oder wieder werden kann und wie es geht. Beispielsweise eben mit Ozon.

    Erfolgreich auch, weil die Herausforderung hoch war. Soll heißen, Paul war maximal mauerblumig. Ein abgerockter Alltags-SAAB, zu jung für einen Klassiker und zu alt und verbraucht, um etwas herzumachen. Ein Auto, dem beide Wege versperrt schienen. Der zurück in den Alltag und der zu einem Liebhaberfahrzeug. Anscheinend. Denn nun steht er gut da! Die Beweisführung, dass man aus jedem SAAB etwas machen kann, ist perfekt gelungen.

    Ich habe das Projekt immer so verstanden, dass es exemplarisch sein und andere animieren soll. Dass es nicht wiederholt wird, wundert mich daher nicht. Ein erfolgreicher Abschluss ist eben ein Abschluss. Und ist nicht jeder SAAB inzwischen ein kleines oder größeres Projekt? Insofern haben die Blogger ja noch genug andere.

    Der schicke Paul findet nun hoffentlich ein gutes Zuhause. Lang möge der Adonis leben!




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  • 29. Mai 2018 um 7:39 PM
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    Habe mich auch schon gefragt, was Paul so treibt. Der 95 Kombi ist einfach zeitlos schön (muss ich natürlich schreiben, fahre gerade den dritten), und die Felgen sind das i-Tüpfelchen. Bin gespannt, was Ihr Euch für seinen „Abgang“ ausgedacht habt.




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  • 30. Mai 2018 um 5:22 AM
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    Mein Saabzentrum bietet seit mehreren Jahren Ozonbehandlungen an, Kontakt hätte ich vermitteln können, dann wäre der Gerätekauf nicht notwendig gewesen… Good luck !




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    • 30. Mai 2018 um 9:09 AM
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      Ich verstehe diesen Kommentar nicht. Der Grund für den Kauf ist doch im Artikel plausibel dargelegt …

      Warum sollte man für EINE Ozonbehandlung in etwa so viel ausgeben, wie für ein eigenes Gerät und beliebig viele Ozonbehandlungen an Paul oder anderen Autos?

      Wo ist der Unterschied dieses Gerätekaufs zu dem von Drehmomentschlüsseln, Batterieladegeräten, Staubsaugern, Poliermaschinen oder irgendwelchen anderen Werkzeugen und Geräten, welche die meisten von uns ja auch im Keller, der Garage oder dem Werkraum haben?

      Ja, na klar, man kann immer alles auch machen lassen. Aber das ist 1. weder finanziell und zeitlich immer sinnvoll. Wozu ein Auto wegbringen und abholen, wenn sich der Job schneller, bequemer und günstiger auf dem eigenen Hof erledigen lässt? Und 2. macht es ja auch Spaß, mal selber etwas zu tun …




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