NEVS baut weitere Fabrik in Shanghai

Im Juni wird NEVS mit dem Bau einer weiteren Autofabrik in China starten. Die Verträge dazu sind unterzeichnet,  und nach Trollhättan und Tianjin wäre es das dritte Werk des Elektroauto-Startups. Man könnte diese Meldung als nicht so wichtig abtun. Aber dieses Mal scheint alles anders zu sein,  und es lohnt sich,  etwas genauer hinzuschauen.

NEVS Tianjin Factory
NEVS Tianjin Factory. Credit: NEVS

Die frühere Saab Fabrik in Trollhättan ist mittlerweile nicht mehr produktionsfähig. Teile der Anlangen wurden demontiert und nach Tianjin befördert. Das Werk dort sollte im Sommer in den Betrieb gehen. Es ist, auf Grund der chronischen Kapitalknappheit, aber immer noch nicht fertiggestellt. Der Start der Produktion wurde mittlerweile auf das Jahresende verschoben.

Seit einigen Wochen ist NEVS in medialer Hinsicht außergewöhnlich aktiv. In der Online-Ausgabe der lokalen Zeitung erschienen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen bis zu 4 Artikel über das Unternehmen –  wie fast immer hinter der digitalen Bezahlschranke und dadurch mit geringer Reichweite. Über Sinn, Zweck und Inhalt der Beiträge konnten die Leser rätseln. Denn Neuigkeiten im eigentlichen Sinn wurden nicht transportiert. Mehr mediale Landschaftspflege und Politur für den angeschlagenen Ruf.

Einige Tage später lud NEVS schwedische Pressevertreter zu einem Besuch nach China ein. Neben der im Bau befindlichen Fabrik in Tianjin war das Hauptquartier in Peking Ziel der Visite. Bilder vom Werk wurden auf Instagram veröffentlicht, Victor Jensen von Sverigesradio sprach mit Gründer Kai Johan Jiang. Beginn einer neuen Offenheit, oder gar eine Zeitenwende?

Durchbruch Dank GSR Kapital?

Der neuerliche Aufbruch bei NEVS kann viel mit dem neuen Werk in Shanghai zu tun haben. Der Bau soll rund eine halbe Milliarde € kosten und wird in erster Linie durch den neuen Hauptfinanzier GSR Kapital gezahlt. GSR hatte in den letzten Jahren mit der Milliardenübernahme des Batteriegeschäfts von NISSAN, dem Erwerb der Osram Licht AG und dem Kauf der Lichtsparte von Philips von sich reden gemacht. Mit Boston Power ist GSR Kapital bei einem zweiten Batterieproduzenten aktiv. NEVS, als Hersteller von Elektroautos, passt perfekt in das Portfolio der Investoren.

Für das chronisch schwächelnde Startup könnte GSR nun Retter und der lang ersehnte Durchbruch sein. Die Fabrik in Shanghai wird zum Jahresende 2019 in Betrieb gehen. Dass der Bau reibungslos und ohne Verzögerungen funktionieren wird, wie in China üblich, davon sollte man ausgehen. Die Kapazität von 200.000 Fahrzeugen pro Jahr ist beeindruckend. Mit Tianjin und Trollhättan zusammen würde NEVS dann, rein theoretisch natürlich, auf ein Volumen von 500.000 Elektroautos im Jahr kommen.

Auch das ist beeindruckend, vor allem,  weil in den letzten 6 Jahren kein einziges Elektroauto an Kunden ausgeliefert wurde. Zeitenwende oder nicht? Vieles ist in Bewegung, Nichts ist sicher. Aber für das alte Saab Werk und für den Standort Trollhättan könnte es nochmals spannend werden. Läuft 2019 die Produktion in China und hat NEVS Erfolg, dann wäre auch der europäische Produktionsstandort Trollhättan zurück im Fokus.

18 Gedanken zu „NEVS baut weitere Fabrik in Shanghai

  • 14. Mai 2018 um 11:49 AM
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    Tesla hat momentan finanzielle Probleme und generell sind die verkauften Elektroautos bei den anderen Herstellern auch nicht wirklich besonders hoch,außer vielleicht in China.
    Da kann man wirklich gespannt sein wie so ein unprofessioneller Laden wie NEVS soviele Fahrzeuge verkaufen möchte.
    Bin gespannt wie es zukünftig in Trollhättan weiter geht.

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  • 14. Mai 2018 um 12:51 PM
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    Zitat: NEVS, als Hersteller von Elektroautos, passt perfekt in das Portfolio der Investoren.
    Sorry, aber dieser Satz springt mich total an: Im obigen Satz fehlt mir das kleine, aber vielsagende Wort: „zukünftiger“ Hersteller etc.
    Bisher ist ja in der Realität alles „heisse Luft“ gewesen. 🙁
    Wenn´s sich ändern sollte, gern!
    Bei diesem Thema heisst es aber nur: auf FAKTEN warten.
    Anbei: Da China e-Mobilität staatl. fördert und fordert, kann aus den Absatzzahlen theoretisch schon Realität werden…, in der Bussparte ist China schon einen riesen Schritt voraus: Da fahren in einigen Megastädten schon ganze e-Flotten an Bussen! Während MAN (VW) und Daimler Benz noch mit Dieseln hantieren…

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    • 14. Mai 2018 um 1:04 PM
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      Vielleicht hätte ich NEVS als „mutmaßlichen“ Hersteller definieren sollen. Das träfe die aktuelle Lage recht gut 😉

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      • 15. Mai 2018 um 8:19 AM
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        Der ist gut. Ein Lacher am Morgen!

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  • 14. Mai 2018 um 1:36 PM
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    Eventuell treffen da jetzt Profis auf Amateure? Die Einkaufsliste von GSR Capital ist nicht ohne.

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  • 14. Mai 2018 um 2:42 PM
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    Immen wieder neue Investitoren. Aber das scheint jetzt Normal zu sein.
    Was ich aber nicht verstehe ist das die Politiker in Schweden es so leicht akzeptieren. Sie sind mit Schuld daran das es in Trollhattan ein leeres Fabrik geben wird und das die Anzahl von Arbeitsplaetze dort so negativ evoluiert. Das irgendwan in China Elektro Autos gebaut werden ist klar; aber dies sind keine Saabs.

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    • 15. Mai 2018 um 8:38 AM
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      Stimmt genau. Das hat mit SAAB immer weniger zu tun.

      Trotzdem gut, dass wir auch diese Infos bekommen. Und wer weiß, ein zweites Werk in China ist schon ambitioniert. Vielleicht schafft NEVS ja doch noch irgendwann ein paar Arbeitsplätze in Trollhättan? Viele (Ex-) Saab-Mitarbeiter haben sich längst anders orientiert oder werden dann bereits in Rente sein. Auch insofern hat das mit SAAB immer weniger zu tun.

      „Mutmaßliche“ Arbeitsplätze in Schweden, wenn sie denn Realität würden, wären ja trotzdem OK. Mehr darf man sich von NEVS wohl längst nicht mehr erhoffen …

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  • 15. Mai 2018 um 12:41 PM
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    …ohne KOnzept kein Geld,….ist spannend! Bin gspannt was dann vielleicht mal vom Band purtzelt!

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  • 15. Mai 2018 um 6:47 PM
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    Es gab hier in Brandenburg das Konzept Luftfahrtschiffe zu bauen. Dafür wurde die größte Halle der Welt mit 107 Meter Höhe errichtet, die sogar aus dem Weltall zu erkennen ist. Die ursprüngliche Cargo Lifter Halle. Es wurde nicht ein einziges Luftschiff gebaut. Firmensitz war der Potsdamer Platz in Berlin mit den höchsten Mietpreisen. Schlussendlich wurde nur Geld verbrannt. Das weltweit agierende Unternehmen ging 2001 in die Insolvenz. Die Insolvenzverwalter sind noch immer tätig. Mitarbeiter warten immer noch auf die letzten Löhne aus 2001. Das geht auch hier in Deutschland das Startup Firmen verschwinden. Saab war zwar bekannter, aber das Cargolifter Konzept damals extrem medienwirksam. Ich bin auch gespannt, ob ein EV vom Band gehen wird. Ich denke in China ja. So wie es in Deutschland mit dem CargoLifter lief, läuft es seit der Involvenz von Saab bzw. seit der Übernahme der Reste durch NEVS in Schweden auch. Politisch wird sich hier nichts tun. Das sind rein wirtschaftliche Partialinteressen. Irgendein Unternehmen profitiert immer. Ähnlich so wie seit Jahren mit dem Flughafen Berlin-Brandenburg.

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  • 16. Mai 2018 um 9:29 AM
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    Ein Werk in Tinjan was wegen Kapitalmangel nicht in Schwung kommt, und gleichzeitig ein neues Werk in Shanghai????
    Liebe Leute. Bevor ich schlechte Laune bekomme oder anfange zu lachen. Bitte glaubt nicht an Märchen. Wir sind doch alle erwachsen oder?

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    • 16. Mai 2018 um 10:45 AM
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      Liebe Leute ? ? ?

      Weder im Artikel noch einem der Kommentare kann ich irgendwelche Wiederauferstehungsphantasien ausmachen. SAAB ist im Zusammenhang mit NEVS kein Thema mehr und NEVS begegnet man mit Distanz und Skepsis. Alles gut mit den „Lieben Leuten“ hier …

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    • 16. Mai 2018 um 6:34 PM
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      Lieber Björn, bitte die Angelegenheit ganz sachlich sehen: Hinter dem Shanghai Projekt steckt ein anderer Finanzier. Mit Tianjin hat er nichts zu tun, dies ist ein anders Joint-Venture.

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  • 17. Mai 2018 um 8:42 AM
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    Werter Tom.
    Das ist mir auch klar. Aber wie viele Investoren und Beteiligungen sollen denn noch in diesem Gewirr auftauchen damit Nevs endlich produzieren kann? Nevs selber ist doch ein Konsortium aus verschiedenen Investoren. Was soll bei dieser Gemengelage denn rauskommen? Noch weitere Investoren oder Beteiligungen die wieder Gelder versprechen? Darauf und nur darauf wollte ich hinweisen. Ich sehe hier keine sinnvolle Strategie aber auch gar keine. Dies wollte ich nur (etwas emotional) zum Ausdruck bringen.

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    • 17. Mai 2018 um 9:45 AM
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      Ohne die an die „Lieben Leute“ adressierten Emotionen hätte ich das sofort verstanden.

      Mir erschließt sich die Strategie auch nicht. Immer deutlicher wird allerdings eins. NEVS bauscht sich gerne auf. Vielleicht ist die Strategie „too big to fail“?

      Je mehr Kapital gebunden wird, je mehr Produktionskapazitäten entstehen, je mehr Investoren ein Interesse geltend machen, desto größer wird vielleicht deren Einfluss und desto wahrscheinlicher wird möglicherweise das chinesisch politische Wohlwollen?

      Mir gefällt das nicht. Aber nur so kann ich mir die „Strategie“ ansatzweise erklären. Ginge sie nicht auf, wäre es mir lieber und die Welt in meinen Augen ein Stück besser.

      Man denke an den SAAB 9000. Ein gutes Produkt kam zuerst. Produktionskapazitäten? Fehlanzeige! Die Nachfrage überstieg zunächst das Angebot und vereinzelt wurden Gebrauchte anfangs gar über den Neuwagen gehandelt. NEVS ist (oder macht) das genaue Gegenteil.

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      • 17. Mai 2018 um 10:09 AM
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        P.S.

        Apropos Gegenteil, gut möglich, dass NEVS (wenn sie denn mal was bauen) den ANTI-SAAB auf den Markt bringt.

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        • 18. Mai 2018 um 8:42 AM
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          Das mit dem Anti-SAAB wird wohl nicht passieren – KJJ hält sehr viel von dem, was SAAB in den Augen der Kenner ausmacht. Das sein Herz für Elektromobilität schlägt, schließt andere Kriterien wie Qualität, Sicherheit und Design – um nur einige wesentliche Dinge zu nennen – keinesfalls aus.

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          • 18. Mai 2018 um 10:20 AM
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            „Schließt nicht aus“ heißt aber auch nicht viel …

            Auf ewig ein altes 9-3-Derivat produzieren? Und das massenhaft? Das wäre SAAB im Traum nicht eingefallen und schon allein das ist für mich Anti-SAAB. Einen SAAB-Spirit kann ich weit und breit nicht ausmachen …

          • 18. Mai 2018 um 10:41 AM
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            Ich denke man kann bei NEVS auf gar nichts wetten. Man muss sehen was GSR Capital tut und ob der Investor seinen Einfluss weiter ausbaut. Tut er das, dann kann es zu einem kompletten Neubeginn kommen und alles geht zurück aus „Start“.

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