NEVS Neustart in Trollhättan ?

Der gestrige Tag war spannend. Am Vormittag publizierte Sverigesradio die Pläne für eine weitere NEVS Fabrik in Shanghai. Eine Nachricht, die seltsam klingt vor dem Hintergrund,  dass eine weitere Fabrik in Tianjin immer noch nicht fertig ist, und dass man im alten Saab Werk Demontage betreibt. Drei Werke, zwei Kontinente, keine Produktion.

NEVS. Unternehmen in der Krise.

Aber da war noch die für 13.00 Uhr angesetzte Pressekonferenz mit Staatsminister Löfven. Und die brachte, völlig überraschend, gute Nachrichten. Die NEVS AB konnte mit GSR Ventures einen neuen Groß-Investor verpflichten. 500 Millionen US Dollar sollen investiert werden, ausserdem plant GSR eine Batteriemontage-Fabrik in Trollhättan.

Das Ereignis ist positiv und könnte die Lage für die ehemalige Saab Fabrik grundlegend ändern. Denn zum Ersten bezieht sich das Abkommen, dessen Verbindlichkeit nicht ganz klar ist, auf die NEVS AB. Also auf den schwedischen Teil von NEVS und nicht auf die chinesischen Joint Ventures. Zum Zweiten könnte eine Batteriemontage in Trollhättan den Standort nachhaltig stärken.

GSR Ventures investiert normalerweise in Startups in einem sehr frühen Stadium. DiDi Chuxing gehört zu den bekanntesten Investments, im letzten Jahr kauften die Chinesen die Batterieproduktion von Nissan. Seitdem sind sie bestrebt,  eine globale Präsenz auszubauen. Eine Batteriefertigung in der Türkei, im Rahmen des nationalen Auto-Projekts, gehört dazu. Und jetzt auch NEVS und Trollhättan.

Die Investitionen von 500 Millionen US Dollar sollen in der Form wandelbarer Anleihen erfolgen, die in Aktien der NEVS AB getauscht werden können. Unklar blieb gestern der Zeitplan,  und in welcher Höhe sofort Gelder fließen könnten. Ausserdem steht die Frage offen, ob bereits die Genehmigungen der chinesischen Behörden für den Geldtransfer vorliegen. Sollten die Transaktionen erfolgen, könnten sie unmittelbare Konsequenzen auf die Eigentümerstruktur der NEVS AB haben. GSR Capital könnte bei Umtausch der Anleihen Groß- und Hauptaktionär des Unternehmens werden, sollten die Alteigentümer keine Kapitalerhöhung ihrerseits anstreben.

NEVS zurück im Geschäft?

Gestern herrschte bei strahlendem Sonnenschein gute Laune in Trollhättan. Bürgermeister Paul Åkerlund meinte, man sei „zurück im Geschäft“. Man könnte ihm zustimmen, würde es sich dabei nicht um ein Startup mit dem Namen NEVS handeln.

In den vergangenen Jahren hat NEVS eine Insolvenz zu Lasten der schwedischen Steuerzahler und der Lieferanten hingelegt. Und ausserdem so ziemlich jedes Ziel nicht erreicht, das man verkündet hatte. Misstrauen, alleine auf dieser Erfahrung basierend, ist angebracht.

Der Einstieg von GSR Capital bannt zumindest die aktuelle Gefahr einer zweiten Insolvenz. Ob er auch die Wende für Trollhättan und auch für NEVS ist? Es wäre möglich, dass GSR den finanziellen Schub und, mit einem Austausch des Managements,  die Seriosität liefert, die es bisher nicht gab.

Der Bau der neuen Automobilfabrik in Shanghai soll im Mai beginnen, im Sommer soll Tianjin die Produktion aufnehmen. Die Nissan AESC Batteriefabrik könnte ab 2019 in Trollhättan gebaut werden, sie könnte Batterien für 400.000 bis 500.000 Fahrzeuge im Jahr liefern.

500 Millionen US Dollar sind viel Geld. Aber nur eine kleine, erste Anschub-Finanzierung, wenn man eine Marke aufbauen möchte. Zum Vergleich: Li Shufu hat mehr als 10 Milliarden US Dollar in die Wiederbelebung von Volvo investiert. Eine Saab Wiedergeburt, von der seit gestern Manche träumen, ist nicht in Reichweite. Aber es könnte durchaus sein, dass sich gestern eine neue Perspektive eröffnet hat. Eine Prognose wage ich nicht. Die nächsten Monate werden zeigen,  was geschieht.

9 Gedanken zu „NEVS Neustart in Trollhättan ?

  • 15. März 2018 um 2:10 PM
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    Vielen Dank Tom für Deine immer wieder interessanten Beiträge zum „Geschehen in Trollhättan“ und den chinesisch-schwedischen Beziehungen……..vielleicht kommen die Marketingstrategen mal auf die Idee und bauen für die „alten“ Saabs entsprechende Umrüstsätze auf Elektroantrieb um damit das Elektroantriebsthema aus der „Saab-Haupdtadt“ etwas zu pushen………auch wenn mich einige der Leser hier steinigen, obwohl auch ich inzwischen ein wirklicher Saab-Turbo-Fan geworden bin………..ein schöner 9-3er Cabrio mit Elektroantorieb gleitet mit offenem Verdeck bei Sonnenschein doch sicher auf besondere Art und Weise durch die Lande………und Saab wäre trotz Verschwinden der Marke wiedermal so etwas wie ein Innovationsführer.

    • 16. März 2018 um 12:34 PM
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      Der offene, elektrische 9-3 war schon mal Realität. Saab hatte zumindest einen in der Erprobung und der war auch in Deutschland auf Testfahrt.

  • 15. März 2018 um 2:40 PM
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    Ich vermute Mal man kann da keine Prognose haben. Die Frage ist, was der Kurs von Nevs eigentlich ist. Ein Tesla Jäger wird das Nevs EV offenbar nicht.

  • 15. März 2018 um 5:42 PM
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    Keiner blickt bei NEVS mehr durch,glaube auch nicht das ein neuer Investor irgendwelche Fahrzeuge jemals auf die Straße bringen wird.
    Mich nervt dieses ganze Unternehmen nur noch.

  • 15. März 2018 um 5:44 PM
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    Wieder eine positieve Nachricht, aber hoffe das es diesmahl auch Wirklichkeit wird. Est sehen und dan glauben, oder bin ich dan zu pessimistisch?

  • 15. März 2018 um 8:03 PM
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    Wer “ s glaubt. Nevs ist für mich total unglaubwürdig .Abwarten was passiert !

    • 16. März 2018 um 1:25 PM
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      ….ich kann es nicht mehr hören (und lesen) da hilft nur: enteignen NEVES raus der Saat übernimmt und bestimmt welche Inwestoren nach Prüfung zum zuge kommen, dieses wieschiwaschi ätzend…..

  • 16. März 2018 um 8:18 AM
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    Die Hoffnung stirbt zuletzt – aber sie stirbt. Jedenfalls habe ich die Hoffnung auf einen Elektro-SAAB als Ergänzung für meinen Langstrecken-9-5 aufgegeben

    • 16. März 2018 um 11:43 AM
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      Elektro-SAAB?

      Saab-Automobile sind doch schon länger insolvent. Das Hegen einer Hoffnung (oder deren Aufgabe) kann sich dann doch nur noch auf ein NEVS-EV beziehen, oder nicht?

      Mir behagt es nach wie vor nicht, wenn das gleichgesetzt wird …

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