Easy going – bis zum BUFFF!

Um gleich richtig einzusteigen: auch ich gehöre zu diesen Infizierten, die leuchtende Augen bekommen, wenn sie einen SAAB sehen und Herzklopfen wenn er älter als 20 Jahre ist! Konsequent fahren ich und meine Frau SAAB – ich seit 37 Jahren, meine Frau seit 15 Jahren (seitdem wir zusammen sind).

Saab 9-5

Da gäbe es viele -meist schöne- Geschichten zu erzählen. Allerdings muss ich sagen, dass mich meine SAABs nie wirklich schlecht behandelt haben – größere Schäden hatte ich nie zu beklagen und die „Check-Engine-Leuchte“ kenne ich erst seit meinem vorletzten, einem 9-3 2,2 TID mit der 125 PS-Maschine. Mein Jüngster ist ein 9-5 Sportkombi Griffin von 2009 mit einem Diesel (wie alle meine SAABs seit 15 Jahren). Das hat unter anderem etwas mit unserem Hobby Caravan-Camping und meinem Rentnerdasein zu tun, aber das ist eine andere Geschichte. Den Sportkombi fahren wir seit einem Jahr (20.000km) mit hoher Zufriedenheit, macht er doch immer brav auf hohem Niveau was er soll – nämlich fahren!

Bis – ja! Bis er eines Morgens beim Starten kurz ruckelte und die schon wieder vergessene teuerste Lampe des Autos anging. Die Leistungsentfaltung war dann auch auf dem Niveau eine POLO 3L. Aber nach mehrmaligem Starten ging alles wie gewohnt locker, leicht und vor allem zügig! Bis – ja! Bis zum nächsten Morgen. Kaltstart, Rucken, gelbe Lampe, keine Leistung. Nach dem Warmlaufen und dreimaligen Neustart, wieder Friede, Freude… Das konnte ja nicht so bleiben!

Fehler ausgelesen: Drallklappenstellmotor! Nun hatte ich mir extra das Baujahr 2009 gekauft, weil der die Drallklappenkrankheit nicht mehr haben sollte! Nun das! Es war klar: nur der Motor ist es nicht, das Gestänge war heil und saß richtig, aber die Klappen gingen nicht mehr richtig. Also: neue Ansaugbrücke, neuen Stellmotor, neuer Rippenriemen mit Spannrolle und Wasserpumpe und -weil sie Geräusche machte auch die Keilriemenrolle die die Lichtmaschine treibt. Wenn schon, denn schon!

Jetzt war aber alles zeitlich etwas eng geworden, weil wir nach Spanien fahren wollten und alles schon organisiert war. Oh Wunder! Am Abend vor der geplanten Abfahrt sagte mein Werkstattchef die erlösenden Worte „Du kannst dein Auto abholen, alles fertig!“ Dann am nächsten Morgen ab auf die Piste? Ich gestehe, ich bin abends heimlich noch mal los um zu testen, ob wirklich alles geht! Wie erhofft war aber alles prima, ich konnte beruhigt schlafen und am nächsten Morgen einpacken und los. In Luxemburg mal richtig volltanken (Wo bekommt man sonst noch einen Liter Diesel für einen Euro?), Bordcomputer und Tageszähler reset, Tempomat an und weiter auf die lange Strecke. Da kann man den SAAB richtig genießen, er schnurrt bei 115 bzw. 135 (je nach Begrenzung, ich gebe immer 5 km/h dazu) gen Süden.

Die Temperaturen steigen dabei von 10 Grad auf 24 Grad und sind abends bei 19 Grad. Ohne Temperaturanzeige würden wir das gar nicht merken, die Klimaanlage temperiert perfekt! Der Dieselverbrauch pendelt sich bei 6,1 l ein, unglaublich! Schließlich ist nicht nur das Auto schwer, sondern auch gut beladen. Nervig wird es Abends auf der „Route de Soleil“ hinter Lyon.

Den Freitag-Abend-Heimkehrer-Franzosen sind meine 135 km/h links nicht schnell genug, rechts sind die LKWs und in der Mitte die, die schlecht sehen, bergauf zu wenig PS haben oder es einfach sehr gemächlich angehen lassen. Ich glaube, ich bin noch nie so oft von hinten (schon aus großer Entfernung) angeblinkt worden! Also passe ich meine Geschwindigkeit etwas nach oben an (nach unten ginge auch, meint meine Frau, die Gute) und verlasse mich drauf, dass die vor mir schon wissen, was sie tun.

In Lattes bei Montpellier haben wir ein Zimmer bestellt – 900 km am Stück sind uns genug und trotz der guten Sitze tut der Hintern weh! Bis 22.00h sollen wir da sein, bis dahin ist die Rezeption besetzt. Das schaffen wir problemlos. Um 21.30 sind wir auf der Höhe von Montpellier. Die Straßenschilder zeigen die Ausfahrt an, das Navi sagt noch 6 km zur zweiten Ausfahrt Montpellier weiterfahren. Kurz danach sagt unser Navi, dass wir nicht mehr auf der Autoroute seien, sondern mitten in der Landschaft, wir rauschen an Montpellier und an unserem Hotel vorbei, die gewünschte Ausfahrt gibt es nicht (mehr) und die nächste ist Sete, in fast 30 km. Na toll! Da haben die Franzosen eine komplett neue Autobahn gebaut, haben die da auch Braunkohlentageabbau wie wir auf der A4?

Ausfahrt Sete und zurück Richtung Montpellier, aber bitte nicht über die Autoroute. Wir irren ein wenig rum, bis wir die Straße gefunden haben, die uns nach Lattes führt. Das Navi ist erst wieder eine Hilfe, als ich Mautstraßen sperre. Na geht doch! 22.00h ist vorbei, aber der Portier gibt uns einen Code für den Nachteingang durch: „Pas de probleme, Madame!“ In Lattes 800m vor unserem Ziel ist dann wieder Schluss. Wir stehen vor der wunderbaren neuen Autobahn, über die wir vor einer Stunde an unserem Hotel vorbei gerauscht sind! Ich fahre gefühlt fünfmal durch einen Kreisverkehr, in dem wir abbiegen sollen, aber nicht können. Ich bin schon kurz davor einfach nach Spanien weiter zu fahren, aber meine Frau findet die richtige Straße: „Schau mal, die Straße heißt genauso wie unser Hotel, fahr da mal rein“ und schwupps! sind wir da. Na gut! Warum habe ich Idiot meine (neue) französische Straßenkarte zu Hause vergessen?

Den nächsten Morgen verbringen wir am Mittelmeer, bei wunderbarem Wetter, leichtem Wind und rauschenden Wellen. Kann Leben schöner sein? Wir sind uns einig: nein.

Dann fahren wir über die Autoroute an Sete (sei gegrüßt!) und Perpignan vorbei Richtung Spanien. Der Verkehr ist samstagsmäßig lebhaft, aber nicht eng. Meine 135er -Tempomateinstellung funktioniert prima. Wir rollen entspannt gen Süden. Irgendwann überholt uns zügig ein BMW, um dann kurz danach mit 125 vor mir herzu zockeln. Abbremsen, warten bis er wieder nach rechts geht, dann wieder Tempomat an und vorbei. Kurz darauf überholt er wieder sehr zügig, einen Kilometer weiter ist er wieder vor mir. Tempomat aus, in Geduld üben, Tempomat wieder an. Als sich das Spiel zum dritten Mal wiederholt, ist bei mir nichts mehr mit Geduld.

Dabei ist der gar nicht böswillig, sondern diskutiert intensiv mit seiner Beifahrerin und je nach Gesprächsverlauf ist er eben schneller oder langsamer. Ich also Bergauf richtig aufs Gas um Abstand zu gewinnen, soll er doch hinter mir nerven. Da macht der tolle SAAB ganz laut „bufff“ und die Leistung ist weg! Mühsam fädele ich mich über die Mittelspur und die LKWs Richtung Standstreifen.

Oh Wunder, in 1000m kommt eine Raststätte. Das schaffen wir gerade noch mit blubberndem Motor, die teure Lampe bleibt aus. Haube auf und da liegt die Bescherung vor mir, der Turboschlauch ist abgesprungen – war wohl nicht richtig festgezogen. Da ich Werkzeug dabei habe und die Schelle noch da ist, ist das Problem schnell behoben – denke ich. Aber beim Festziehen der Schelle merke ich, dass sie kurz knackt und wieder lose ist. Na prima, ich sinniere darüber, wie oft ich in meinem Leben schon eine Schelle überdreht habe, ohne es zu merken und komme zu dem Ergebnis: „Noch nie“, ich habe das immer gemerkt.

Also haue ich in Gedanken meinem Mechaniker eine in die Sch…, ich hoffe er hat es gespürt und versuche eine neue Schelle zu bekommen. Aber die einzigen Schellen im Tankshop sind zu klein und mehrere aneinander hält nicht, die Verschlüsse sind nur geklemmt und fliegen auseinander, bevor sie unter Druck kommen. Meine Frau fragt, ob es nicht woanders am Auto eine Schelle gibt, die passt und nicht so dringend benötigt wird. Gute Idee! Welche 60er Schelle braucht mein tolles Auto nicht?

Letztlich tausche ich die defekte Schelle mit einer aus dem Ansaugbereich. Die vorsichtig angezogene Schelle schafft es, den Schlauch vom Luftfilter da zu halten, wo er sein soll. Das kontrolliere ich jetzt jeden Tag auf unserer Reise, aber es hält.

Zwei Parkplätze weiter kontrolliere ich noch mal alles und fahre dann beruhigt in die katalanischen Berge nach Tortillà, wo wir in der Abendsonne bei unserer Freundin auf der Terrasse einen kalten Blanc Pescador genießen. Nach durchlebten Abenteuern ist die Entspannung umso schöner! Wir verleben wunderbare zwei Wochen bei herrlichem Wetter, können noch im Meer baden.


Danke an Reinhard für seine Saab Story! Dafür geht eine unserer exklusiven Saab Bordmappen auf die Reise. Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, einer Restauration oder einer anderen Begebenheit im Leben mit der Kult Marke aus Trollhättan?

Dann bitte Geduld… Denn der Einsendeschluss für unsere Saab Bordmappen war der 31.12.2017. Termin verpasst? Die nächste Aktion kommt bestimmt. Zuvor veröffentlichen wir aber noch einige Saab Geschichten aus dem Jahr 2017!

5 Gedanken zu „Easy going – bis zum BUFFF!

  • 21. Februar 2018 um 10:44 AM
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    Wow, was für eine Frau ! ! !

    Herzliche Grüße an die Gemahlin. Das war genau die richtige Frage im richtigen Moment. Schön, dass es mit dem Urlaub dann alles geklappt hat.

    Dank auch an den Gemahl. Eine sehr schöne SAAB-Geschichte! Ich wünsche weiterhin und allzeit gute Fahrt.




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  • 21. Februar 2018 um 12:23 PM
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    Eine der besten SAAB-Geschichten die ich bisher im Blog gelesen habe.

    Wie ist denn die Rückfahrt verlaufen – gab es da irgendwelche Komplikationen?




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    • 22. Februar 2018 um 11:07 AM
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      Das freut mich, dass Euch die Geschichte gefällt. Die Rückfahrt war dann ohne Komplikationen. Wir haben wieder übernachtet, diesmal in der Nähe von Lyon. Zu Hause habe ich dann meinem Wekstattleiter einen peinlichen Moment verschafft…




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  • 21. Februar 2018 um 10:10 PM
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    dNke für die lange und spannende geschichte!




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  • 22. Februar 2018 um 10:14 AM
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    Sehr schöne Geschichte ,Mercie




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