Keine guten Nachrichten aus Trollhättan

Die alte Saab Fabrik ist immer auf meinem Radar – auch wenn es seit Wochen sehr ruhig war. Es gibt leider keine guten Nachrichten aus Trollhättan. Die Umstände haben sich auch 2018 nicht zum Besseren gedreht. Im Gegenteil, denn es stockt mal wieder auf dem Gelände der ehemaligen Saab Fabrik.

Saab Werk Trollhättan 2010
Automobilwerk Trollhättan 2010. Lange her, und vielleicht nie wieder.

Eigentlich waren für 2018 rund 70 neue Arbeitsplätze angekündigt. In Trollhättan sollten Teile für das NEVS 9-3 EV produziert werden. Dessen Produktionsstart in China, geplant für den Sommer 2018,  scheint nicht mehr zu halten zu sein. Als Grund wird die Verzögerung bei der Fertigstellung der neuen Fabrik in Tianjin genannt. Keine Überraschung, denn die Finanzierung gilt als ungeklärt,  und das Budget für die Errichtung eines Karosseriewerks und der Lackieranlage scheint nicht vorhanden zu sein.

Die 10.000 Elektroautos, die NEVS noch in diesem Jahr bauen will, rücken damit in weitere Ferne. Ebenso die neuen Arbeitsplätze in der alten Saab Fabrik. Die Gewerkschaftsvertretung bei NEVS übt sich gegenüber SVT in schwedischer Gelassenheit. Man habe bereits mit Verzögerungen von 3, 4 und 5 Jahren gelebt. Da seien ein paar Monate mehr nicht entscheidend.

Das Ende der Lackieranlage. Und das Ende des Automobilbaus.

Viel mehr Sorge für den Standort Trollhättan und das Werk bereitet eine andere Fußnote. NEVS hat angekündigt,  die Montage und das Lackierwerk zu schließen. Die 42 betroffenen Mitarbeiter sollen nun andere Aufgaben erhalten. Die Lackieranlage, einst die modernste in Schweden und im GM Verbund, wurde seit dem Dezember 2011 immer auf „Stand by“ gehalten. Zuerst von den Insolvenz-Anwälten, später dann von den Chinesen. Eine Maßnahme, die mit viel Aufwand und erheblichen Kosten verbunden war. Allein diese Tatsache war Grund zur Hoffnung dafür, dass zumindest der Plan bestand,  irgendwann in der Stallbacka wieder Autos zu bauen.

Mit ihrem Abschalten verschwindet diese kleine Hoffnung endgültig. Man kann davon ausgehen, dass die chinesischen Investoren sich sowohl von der Produktion für Fremdfirmen im Lohnauftrag, als auch von einer eigenen Fertigung in Schweden langfristig verabschiedet haben. Ob die Anlage demontiert und wie anderes Inventar nach China verschifft wird, wie es einige Saab-Veteranen immer wieder befürchteten, ist spekulativ. Tatsache ist: NEVS leitet einmal mehr das Ende eines Kapitels ein und schrumpft (schon wieder) eigene, ambitionierte Pläne.

Keine guten Nachrichten für den traditionellen Standort und ein Werk, das seit 1947 der Welt viele charaktervolle Autos schenkte.

18 Gedanken zu „Keine guten Nachrichten aus Trollhättan

  • 19. Februar 2018 um 10:42 AM
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    Fuck NEVS. it’s the cancer that Saab killed




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  • 19. Februar 2018 um 11:05 AM
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    Man könnte ja mal bei anderen Herstellern nachfragen ob die nicht bedarf haben um wenigstens die Arbeitsplätze zu erhalten




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  • 19. Februar 2018 um 11:26 AM
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    Hoffentlich hat das mit NEVS jetzt bald ein Ende, das kann weder gut sein für die (restlichen) Mitarbeiter, als auch für das Werk bzw.den Standort Trollhättan…




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  • 19. Februar 2018 um 11:58 AM
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    Hauptsache das Presswerk darf noch Ersatzbleche für unsere Auto’s herstellen………




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  • 19. Februar 2018 um 12:30 PM
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    War doch zu erwarten. In China wird das Werk nicht fertig und wollen produzieren. In Schweden haben sie ein fertiges Werk und wollen nicht produzieren. Was für ein Irrsinn. Vielleicht verkaufen sie es an Dongfeng. Die wissen vielleicht mehr damit anzufangen. Sonst ist in 2 jahren nichts mehr übrig. Bye bye NEVS




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    • 19. Februar 2018 um 4:43 PM
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      Ja, dieser Irrsinn stößt sofort auf.

      Ich glaube mich zu erinnern, hier gelesen zu haben, dass das Werk in China die Bedingung für Deals und/oder chinesische Lizenzen war. Somit dann wohl auch Vorbedingung für Geld und Investoren. Diese China-Rechnung NEVS geht aber offenbar nicht auf.

      Traurig für Trollhättan!

      Aber für uns SAAB-Fahrer war diese Strategie wohl ohnehin nie gedacht. Vielleicht wäre NEVS mit einer Europa-Amerika-Strategie besser gefahren? Und vielleicht hätte die SAAB AB sich dann auch anders zu den Namensrechten verhalten?




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  • 19. Februar 2018 um 1:30 PM
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    Ich finde es wieder mal sehr merkwürdig, dass sich der ehemalige federführende Konzern und eigentlich ja auch Gründer der SAAB-Automobilsparte, die SAAB AB, völlig aus dem Geschehen heraushält. Schwedisches Traditionsbewußtsein kann man hier leider in keiner Weise mehr erkennen – das Verhalten erinnert eher an die Interesselosigkeit, die zuletzt bei GM als zweiter großer SAAB-Mutterkonzern nach der SAAB AB erkennbar war.

    Auch jetzt, Jahre nach Abgabe der Automobilsparte durch die SAAB AB, hätte ich von den Schweden (einschließlich der staatlichen Stellen) eigentlich etwas mehr Solidarität oder gar hingebungsvolle Rettungsversuche in Sachen SAAB erwartet. Auch die Insolvenzverwalter zeigten sich nicht gerade als große Könner auf ihrem Gebiet – selbst zu Zeiten in denen es noch wesentlich erfolgversprechender war als jetzt, konnten die Anwälte mit kaum etwas punkten.

    Bleibt mittlerweile nur noch die Hoffnung auf Dongfeng oder ähnlich gestrickte Konzerne mit ordentlich Mumm.




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    • 19. Februar 2018 um 1:47 PM
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      Sehr Schade das es immer wieder negative Berichten geben muss. Aber höchstwarscheinlig wartet ein Interessiertes
      Unternehmen das NEVS völlig auf die Knieen geht um diese Standort zu übernehmen.




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      • 19. Februar 2018 um 4:46 PM
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        Ich befürchte da wird nicht mehr viel da sein, was man übernehmen könnte. NEVS schafft nach China was geht.




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        • 19. Februar 2018 um 10:24 PM
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          Tom, wenn dies richtig stattfindet; wird die Versorgung vom Erstatzteilen nicht im Gefahr kommen, diese werden doch auch noch immer hier produziert?




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    • 19. Februar 2018 um 5:56 PM
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      Ich glaube, die Chinastrategie NEVS` und ein Engagement der SAAB AB oder des schwedischen Staates schließen sich zuverlässig aus. Der Staat ist klein und die AB längst primär ein schwedischer Rüstungskonzern. An den Überbleibseln von SAAB Automobile hängen nur noch wenige schwedische Arbeitsplätze. Es gibt wohl weder für Staat noch AB einen guten Grund, NEVS auf chinesischem Boden, chinesischen Investoren, chinesischen (Lokal-) Politikern und Arbeitnehmern zum Erfolg zu verhelfen.

      Ich kann daran nichts Merkwürdiges mehr erkennen. Der Zug ist lange abgefahren.

      „Sehr merkwürdig“ fände ich es, wenn die kleine SAAB AB und das kleine Schweden auf die Idee kämen, sie müssten das große China unterstützen und um eine weitere Automarke bereichern …

      Das wäre so, als würde man noch ein bisschen schwedischer Steilküste abtragen, damit China noch mehr künstliche Inseln aufschütten und seine umstrittenen Hoheitsgewässer erweitern kann. Vielleicht schenkt SAAB dem chinesischen Militär aber auch noch ein paar Jets?
      Der Staat legt dann je eine Million Hilleberg-Zelte in oliv, sand und weiß drauf. Zu jedem geschenkten Zelt gibt es einen Trangia-Kocher, einen großen Fjäll-Räven-Rucksack, 10 Tage Blaubeersuppe für je 3 Mann in Tüten und 10 Liter Spiritus gratis.

      Da man aber ein kleines Land ist, gibt es den Rucksack nur in oliv. Da Schweden aber klug und findig sind, gibt es Rucksack-Cover in weiß und sand zu jedem Rucksack dazu. Natürlich auch gratis und gerne von schwedischen Steuerzahlern bezahlt. Geschenke unter Freunden. Gut für jedes Gelände und jedes Wetter zwischen Beijing und Malmö …

      Aber mal ganz im Ernst, alles hat ein Ende und für alles gibt es Grenzen. Dass AB und Staat diese inzwischen überschritten sehen, leuchtet mir mehr als ein. Und dennoch, schade, schade, schade, dass man Einfluss und Handlungsspielräume nicht beizeiten genutzt hat …




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  • 19. Februar 2018 um 5:34 PM
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    Sehr sehr schade, mein Vater ist seit 1982 Saab gefahren und ich bin mit dieser Marke groß geworden und geliebt! Schade das sie verpasst haben
    Auch Kleinwagen zu bauen. Dann hatte sie die Krise überstanden. Hoffentlich wird ein Saab Liebhaber Milliardär und baut die Marke wieder auf.




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  • 20. Februar 2018 um 7:58 AM
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    Wir sollten Hartmut Mehldorn rüber schicken, als Berater!
    Dann ist NEVS binnen eines Jahres Konkurs und das ewige Trauerspiel hat endlich ein Ende .

    Liebe Chinesen, sperrt diese Geldverbrenner weg und lasst jemanden ran, der weis wie es geht!




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    • 20. Februar 2018 um 9:13 AM
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      NEVS bekommt den Konkurs wohl auch ohne Hartmut hin. Die sind doch auf einem guten Weg und sind ja nicht doof …




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  • 20. Februar 2018 um 8:59 AM
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    Die Pleite für Nevs bekommen die ganz alleine hin, da bin ich sicher.

    Komischerweise bin ich immer noch zuversichtlich, dass irgendjemand die Marke in Trollhättan wiederbelebt.

    Ob es ein Herr Wallenberg ist, oder sonst eine vermögende Person, ist mir herzlich egal, aber die aktuellen Dilletanten sind ja nicht auszuhalten.

    Den grössten Fehler haben die Konkursverwalter gemacht. Wenn man aber das ganze ohne Volkswirtschaftliche Verantwortung betrachtet, haben diese zumindest für volle Kassen gesorgt – bei sich.

    Der Langmut der Schweden un der Gewerkschaftsvertreter ist nicht zu bewundern, sondern eines der grössten Übel in dieser Sache. In Frankreich würde dies anders aussehen.

    Wie sehr sehne ich mir den heute meist ungeliebten Victor Muller zurück. Er hatte Standing und hat auch den Spirit verinnerlicht.
    Aber heute sind ja nur noch Buchhalter gefragt und keine Menschen mit Empathie und emotionaler Intelligenz.
    Sonst wäre nicht auch Volvo heute chinesisch.
    Auch ein Herr Muller hat Fehler gemacht, aber die Richtung stimmte und mit etwas mehr Engagement des Staates hätte es auch funktionieren können.

    SAAB ist nicht tot, nur die kranken aktuellen Eigner müssen endlich verschwinden.




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  • 20. Februar 2018 um 9:56 AM
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    Hallo Linus,
    leider ist Saab schon lange tot. Erstrecht, nachdem die Fabrik langsam und beständig ausgeblutet wird. Dies wird niemand mehr wieder auferstehen lassen. Uns bleiben nur die Erinnerungen an die „gute alte Zeit“. Nicht mehr und nicht weniger.
    Pflegt alle eure Saabs und freut euch jeden Tag den ihr Saab fahren dürft.




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    • 20. Februar 2018 um 1:03 PM
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      Auch andere Marken sind nach dem vorläufigen aus wieder „auferstanden“ – dies hängt immer von den beteiligten Personen ab.

      Kommen Investoren, die mit einer Marke und insbesondere dem Kundenstamm etwas anfangen können, könnte es ohne weiteres eine reine Erfolgsgeschichte werden.

      NEVS hat es wohl versäumt, mehr Augenmerk auf den europäischen Markt zu legen – außerdem stimmt die einseitige Ausrichtung auf ausschließliche Elektromobilität nicht. Investoren, die hier eine Änderung hätten herbeiführen können, haben sich leider bisher weder unter den Schweden noch anderswo gezeigt – NEVS bleibt vermutlich ein schwieriger Patient.




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  • 22. Februar 2018 um 2:21 PM
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    Hallo Herr Rudolf,
    welche Marke ist den „von den Toten“ erfolgreich auferstanden? Ich kenne keine. Alle anderen wurden rechtzeitig übernommen und erfolgreich weitergeführt. Wer sollte denn so wahnsinnig sein und eine ausgeblutete Fabrik übernehmen um darin neue und neueste Autos zu bauen? Wo nimmt ein möglicher Investor die Manpower her um wieder (erfolgreich) Autos zu bauen? Das ist alles nachvollziehbar wünschenswert aber nicht, aber auch gar nicht realistisch. Leider. Nevs hat nicht nur versäumt den europäischen Markt zu sehen, Nevs ist ein reiner Irrtum.




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