Mein bisheriges Leben mit drei 96-Oldies

Kurz vor Annahmeschluss möchte ich noch einige etwas ausgefallene Geschichten schildern, die mir im Laufe der letzten 37 Jahre mit meinen bisherigen drei Saab 96 passiert sind.

Der Tag meines zweiten Geburtstags, April 2017
Der Tag meines zweiten Geburtstags, April 2017

Erster Saab 96, Baujahr 1977:

Der erste eigene Saab, gebraucht mit drei Jahren gekauft. Leider ein übler Roster, der nach 8 Jahren das erste Mal mit dem Schweißbrenner bearbeitet wurde. Das Antilopbraun der Karosserie überdeckte gnädigerweise manchen Rostansatz…

1990, als wieder einmal Schweißarbeiten im vorderen Bodenbereich fällig waren, passierte die erste unvergessliche Geschichte: Eine neue Mitarbeiterin aus der Ex-DDR, die zwei Wochen zuvor in unserer Firma ihre Karriere startete, wollte partout mit diesem Blechei eine kurze Spritztour machen. Das Gesicht beim Einsteigen werde ich nie vergessen: Platz nehmen – Ausrutschen mit den Füßen – ungläubiger Gesichtsausdruck – Nase rümpfen wegen des Geruchs von verbranntem Lack – und dann lauthals gelacht mit dem Kommentar im bezaubernden sächsischen Dialekt: „ich dachte, dass es solche Verrückten nur bei uns drüben gab…“ Ein westliches Auto als fahrende Baustelle im vermeintlich reichen Westen war wohl doch sehr überraschend…

Dieser erste Saab 96 war auch der erste mit einem 8-Zylinder V-Motor, der einen sehr großen Aufmerksamkeitswert entfachte. Ok, einer der Motoren arbeitete ganz normal und unsichtbar unter der vorderen Haube. Aber der zweite war umso auffälliger. Es war der Originalmotor, der durch den nun im Auto rumorenden, überholten Motor ausgetauscht wurde und der irgendwie zum Motorenanbieter zurück gebracht werden musste.

Der Kofferraum war einige Nummern zu klein für den V4, also Dachgepäckträger geschnappt und diesen Motor auf dem Dach fest gezurrt. 100 kg Dachlast waren ja erlaubt und auf die paar Kilogramm mehr, die der Motor wog, kam es auch nicht mehr darauf an. Mein Kumpel hatte für diesen Transport eine lustige Idee: An diesem Motor wurde noch schnell ein Propeller angebracht, irgendwie musste ja die Historie von Saab als Flugzeughersteller den unwissenden Mitmenschen demonstriert werden. Leider gab es zur damaligen Zeit noch keine Digitalkameras, nicht nur der V8 wäre interessant gewesen, sondern auch die Gesichter der entgegen kommenden Fahrer. Gottseidank war keine Polizeistreife unterwegs.

Der Tag meines zweiten Geburtstags, April 2017
Der Tag meines zweiten Geburtstags, April 2017
Zweiter Saab 96, Baujahr 1978:

Schon wesentlich bessere Lackqualität, er stammte ja aus Finnland, wo damals mehr Wert auf Qualität gelegt wurde als in Schweden.

Leider wurde dieser 96 im Jahr 2007 jäh aus dem Leben gerissen, als ein eingepennter SUV-Fahrer mich als Opfer aussuchte. Damals schützte mich mein Schutzengel, das blitzartige Ausweichen auf die Gegenfahrbahn und die Stabilität der Karosserie vor ernsten Verletzungen, vielleicht sogar vor dem Unfalltod. Seitdem hasse ich alle SUV…

Der dritte 96, beim Kauf in Schweden, Mai 2017
Der dritte 96, beim Kauf in Schweden, Mai 2017
Dritter Saab 96, Baujahr Ende 1979:

Hierüber veröffentlichte Tom 2012 schon mal einen Fahr- und Fotobericht im Blog. Bei der damaligen Probefahrt mit Tom blamierte ich mich bis auf die Knochen. Auf ebener Strecke lief ja alles prima, aber an der ersten Spessart-Steigung setzte der Motor mitten in einer unübersichtlichen Kurve aus.

Nach 10 Sekunden Aufenthalt am Straßenrand lief alles wieder normal, als es bergab ging. Die Lösung des Problems fand ich erst Wochen später: Anscheinend passte ich damals im Physik-Unterricht nicht auf, als die „Geheimnisse“ der kommunizierenden Röhren behandelt wurden. Die Miniröcke der Klassenkolleginnen in den 70er Jahren waren eben doch interessanter. Jedenfalls verlegte ich einen Benzinschlauch zwischen Tank und Motor so dumm, dass ein U-Rohr kurz vor dem Vergaser entstand. Dieses Hindernis konnte die neu montierte elektrische Benzinpumpe bei normalem Leistungsbedarf überwinden, nicht aber, wenn mehr Leistung benötigt wurde, also auf einer steilen Bergstrecke.

Das zweite, mehr oder weniger lustige, Ereignis dann im vorigen Jahr, während der Drupa-Fachmesse in Düsseldorf. Natürlich musste ich mit dem 96 die 280 km von Langenselbold bis dorthin unter die Räder nehmen, der Kofferraum voll bepackt mit Werkzeugen aller Art, was sich letztlich als weise Entscheidung erwies. An einem Tag während dieser Messe wollte ich einen Saab-Spezi in Castrop-Rauxel besuchen (die 96er Szene kennt diesen netten Menschen sicher).

Aber die Rechnung machte ich nicht mit der nachträglich vom Vorbesitzer eingebauten elektronischen Zündung. Mitten auf einer belebten Zubringerstraße zum Messegelände ging nichts mehr. Hupen, bedrohlich blinkende – und schimpfende – Audi-Fahrer, Kopfschütteln, kein Mitleid. Also mit gesperrtem Freilauf und eingelegtem ersten Gang auf den Bürgersteig hoppeln und im Messe-Outfit, also im weißen Hemd und anderen, zum Basteln untauglichen Sachen nach der Ursache suchen.

Zwei Saab 96 in Wettenberg, Golden Oldies., 2017
Zwei Saab 96 in Wettenberg, Golden Oldies., 2017

Schnell war der Kabelbruch am Verteilergehäuse gefunden, aber im Kofferraum lag nur ein Vergaser, eine Lichtmaschine und anderes unnützes Zeug, kein Ersatzverteiler.

Unglücklicherweise fuhren zu dieser Zeit alle Messebusse an meiner Havariestelle vorbei, darin viele meiner Arbeitskollegen. Als ich dann per Taxi auf dem Messestand ankam, war das Gelächter und der Spott der Firmenautofahrer groß, „wir haben es doch gewusst, dass du mit deiner alten Karre liegen bleibst“. Auch war die Kombination aus Anzug und relativ dunkel gefärbten, ölverschmierten Händen recht ungewöhnlich und unverständlich. Also auch hier mitleidiges Kopfschütteln.

Aber es gab dann doch einen netten Kollegen, der mir sein Auto zur Verfügung stellte. Am gleichen Abend also auf nach Castrop-Rauxel. Nicht nur das Wiedersehen mit Dirk war wie immer herzlich, er gab mir auch einen Zündverteiler mit normalen Unterbrecherkontakt für den nächtlichen Einbau auf den Weg. Ein erneuter Beweis, dass sich Saab-Freaks untereinander helfen.

In Düsseldorf gegen 23 Uhr angekommen startete dann im fahlen Licht einer Straßenlaterne und einer Handlampe der Wechsel auf den Ersatzverteiler, was auch das Interesse zweier Polizeistreifen weckte. Vor allem das Hantieren mit dem blitzenden Licht des Stroboskops mitten in der Nacht war doch etwas ungewöhnlich. Aber gegen 2 Uhr nachts lief der 96 wieder. Das ausgeliehene Auto zurück ins Hotel bringen, zu Fuß zurück zum 96 laufen und dann schließlich nach einer ausgiebigen Dusche um 5 Uhr ins Bett. Das wieder für meine Mitmenschen erheiternde Resultat an diesem neuen Messetag: zwar saubere Hände, aber ein müder, jedoch zufriedener Gesichtsausdruck.

Dies waren nun zwar kleine Geschichten über einige Problemchen mit den 96ern, die jedoch mit einigen Kenntnissen und geeignetem Werkzeug bzw. Ersatzteilen im Vergleich zu den heutigen Elektronikbombern problemlos selbst gelöst werden können.  Ansonsten ist jede Ausfahrt mit diesem letzten 96 ein Quell der Freude, der immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert.


Danke an Uli für seine Saab Story! Dafür geht eine unserer exklusiven Saab Bordmappen auf die Reise. Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, einer Restauration oder einer anderen Begebenheit im Leben mit der Kult Marke aus Trollhättan?

Dann bitte Geduld… Denn der Einsendeschluss für unsere Saab Bordmappen war der 31.12.2017. Termin verpasst? Die nächste Aktion kommt bestimmt. Zuvor veröffentlichen wir aber noch einige Saab Geschichten aus dem Jahr 2017!

3 Gedanken zu „Mein bisheriges Leben mit drei 96-Oldies

  • 29. Januar 2018 um 11:10 AM
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    Habe beides mit Vergnügen gelesen.
    Diesen Leserbericht ebenso wie den verlinkten Toms vom 3. März 2012.

    Danke!

  • 29. Januar 2018 um 11:38 AM
    Permalink

    Ich dachte beim Lesen an eine der vergnüglichen Fantasiegeschichten…, die auch viel Freude und ein Schmunzeln hervorriefen…, doch es scheint ja “bitterer Ernst” gewesen zu sein!
    Der Artikel war “heilsam”: ich schaffe mir keinen Oldie an!!!
    Ich werde nie (!) schrauben/wechseln etc. !
    Trotzdem finde ich die erbrachte Leistung äußerst beachtenswert und zeigt mehr als deutlich das Herzblut zu SAAB!
    Danke für den Artikel. Gute Fahrt weiterhin…

    • 29. Januar 2018 um 8:35 PM
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      Es gibt schon auch sehr gute Argumente FÜR einen Oldtimer …

      Tatsächlich kommen in dem Artikel schon alle Fehlerquellen vor, die wohl für 90% aller Oldtimer-Pannen ursächlich sein dürften. Oft ist es die Benzinzufuhr, die falsch verlegt oder nicht rechtzeitig erneuert (brüchige Schläuche) wurde. Das alles (Verbinder, Schlauchschellen und Meterware) sind Cent-Artikel. Noch häufiger sind Fehler in der Zündanlage. Diese lässt sich ebenfalls für kleines Geld problemlos in einen Neuzustand versetzen und besteht ohnehin zur Hälfte aus preiswerten Verschleißteilen (Kerzen, Unterbrecherkontakt, Läufer und Kappe), die regelmäßig gewechselt gehören …

      Der Rest (Zündspule und -kabel, vielleicht der -verteiler selbst) kostet auch nicht die Welt. Wenn man ein paar Knackpunkte beachtet, dann hat man für kleines Geld einen ziemlich zuverlässigen Daily Driver – ganz ohne Wertverlust und mit einer unglaublich günstigen Versicherung …

      Wir wollen mal auch nicht vergessen, das der Artikel 37 Jahre (!) mit dem SAAB 96 abhandelt.
      Ich bin mit meiner 9-5er Chrombrille schon ebenso oft liegengeblieben …

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